vom 31. Januar bis 03. Februar 1997 + + +

Vatikan:

Netanjahu: Am Montag wurde unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen Israels Premierminister Benjamin Netanjahu von Papst Johannes Paul II. in Audienz empfangen. Über das Gespräch wurde nichts bekanntgegeben. Der vatikanische Pressesaal erklärte nach der rund zwanzigminütigen Begegnung nur, Netanjahu habe dem Papst die gegenwärtige Situation des Friedensprozesses erläutert. Bei dem Gespräch hat Netanjahu den Papst zu einem Besuch nach Jerusalem eingeladen.

Hoffen auf Papstbesuch: Die Bewohner Israels hoffen, daß der Papst sie sobald als irgend möglich besucht, ohne das Jubiläumsjahr 2000 abzuwarten. Das hat der Botschafter Israels beim Apostolischen Stuhl, Schuel Hadas, gegenüber der Presse erklärt. Er äußerte sich am Vorabend des Besuches von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beim Papst.

Churer Bischof: Am Samstag hat der Papst den Bischof von Chur, Wolfgang Haas, in Audienz empfangen. Über die Gesprächsthemen wurde nichts bekanntgegeben. Beobachter gehen davon aus, daß der Papst sich auch über den derzeitigen Stand von Zustimmung und Widerstand gegenüber dem Bischof informieren ließ.

Ramadan: Zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan hat der Vatikan eine Botschaft an die Moslems in aller Welt gerichtet. Kardinal Francis Arinze, Präsident des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, schickte Glückwünsche in Richtung muslimische Welt. Außerdem sprach er sich für häufigere Treffen zwischen Moslems und Christen aus.

Genom: Der Vize-Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Elio Sgreccia, hat die Erklärung der UNESCO zum menschlichen Genom kritisiert. Am Rande eines Kongresses stellte er am Freitag die Frage, wie man das menschliche Genom schützen wolle, ohne das gleiche auf den menschlichen Embryo anzuwenden.

Säkularinstitute: Papst Johannes Paul II. hat am Samstag 250 Teilnehmer eines Symposions von Säkularinstituten in Audienz empfangen. Sie halten sich anläßlich der 50-Jahrfeier der öffentlichen Bestätigung ihrer Lebensform in Rom auf.

Tag des geweihten Lebens: Auf Initiative des Papstes wurde dieser Tag am Samstag das erste Mal begangen. Johannes Paul II. feierte aus diesem Anlaß eine Messe im Petersdom. In seiner Predigt betonte er die besondere Rolle von Ordensleuten, aber auch von Mitgliedern von Säkularinstituten oder apostolischen Gemeinschaften für das Leben der Kirche.

Unverheiratete: Der Papst hat am Samstag die gegen ihren Willen Unverheirateten ermutigt, nicht zu verzweifeln. Sie sollten nicht den Eindruck haben, daß ihr Leben gescheitert ist, sagte er vor Bischöfen aus Frankreich, die sich zu ihrem Ad-Limina-Besuch in Rom aufhalten.

Menschenrechte:

Menschenrechtsklausel: Die Ureinwohner Australiens haben die EU-Kommission am Freitag aufgefordert, das Handelsabkommen mit der Regierung in Canberra nicht zu unterzeichnen. Sie begründen ihren Appell damit, daß eine Menschenrechtsklausel fehle, die die Ureinwohner vor einseitigen Wirtschaftsinteressen schützt. Diese würde es der EU erlauben, die Handelsbeziehungen bei Menschenrechtsverletzungen gegen die Ureinwohner abzubrechen.

Hungerstreik: In Großbritannien hat ein Hungerstreik von inhaftierten Asylbewerbern jetzt Kirchenvertreter veranlaßt, sich an den Innenminister des Landes zu wenden. In einem Brief protestieren sie gegen die Inhaftierung dieser Personen, die keinen bewiesenen kriminellen Akt begangen hätten. Der Gesundheitszustand der 16 Asylbewerber ist kritisch. 6 Von ihnen wurden bereits in ein Gefängniskrankenhaus gebracht, 5 verweigern seit dem letzten Mittwoch nicht nur die Nahrungs- sondern auch jede Flüssigkeitsaufnahme.

Todesstrafe: Das US-amerikanische Außenministerium hat am Freitag bekanntgegeben, daß im Iran zwei Mitglieder der Minderheitengruppe der Bahai zum Tode verurteilt worden sind. Sie werden beschuldigt, vom wahren muslimischen Glauben abgefallen zu sein. Washington appellierte an die iranische Regierung, die beiden Gefangenen freizulassen. Außerdem sollten die Religionsfreiheit und andere fundamentale Rechte gewährleistet werden.

Erneut verschwunden: Das erneute Verschwinden des iranischen Schriftstellers Faraj Sarkouhi Ende Januar beunruhigt Menschenrechtsgruppen und Regierungen. Er war bereits im letzten Jahr für etwa eineinhalb Monate verschwunden und Ende Dezember wieder aufgetaucht, um auf einer Pressekonferenz zu verkünden, daß es ihm gut gehe. Beobachter halten diesen Auftritt für eine Inszenierung. In einem Brief, der Sarkouhi zugeschrieben wird, erzählt er von den schrecklichen Haftbedingungen in Teheran und davon, daß er gezwungen worden sei, bei der Pressekonferenz zu lügen.

Religionsfreiheit: Die vietnamesische Regierung hat am Montag einen Medienbeitrag über die Religionsfreiheit im Land als üble Nachrede bezeichnet. Das kommunistische Parteiorgan kritisierte eine Sendung der amerikanischen Radiostation "Voice of America", in dem Vietnam-Amerikaner Demokratie und ein Ende der religiösen Unterdrückung im Lande fordern. Dies war das zweite Mal innerhalb einer Woche, daß das Regime in Hanoi zu Berichten über Vietnam in der ausländischen Presse Stellung nahm.

Krisengebiete:

Kommission: Die britische Regierung hat am Donnerstag der Bildung einer Kommission zugestimmt, die bei Aufmärschen und Gegendemonstrationen von Katholiken und Protestanten in Irland vermitteln soll. Die Ankündigung fiel zusammen mit Gedenkfeiern zum 25. Jahrestag des "Blutigen Sonntags", bei dem 13 Katholiken beim Schlagabtausch mit der Polizei ums Leben kamen. - Die US-amerikanische Regierung drückte am Freitag ihre Erleichterung über die Pläne der britischen Regierung aus.

Überfall: Im indischen Bundesstaat Tripura sollen separatistische Rebellen ein Dorf überfallen und sieben Menschen getötet haben. Das hat eine indische Nachrichtenagentur am Freitag gemeldet. Bis jetzt hat sich noch keine der in der Region operierenden Guerillas zu dem Angriff bekannt. Vor einer Woche war ein Ultimatum der Regierung abgelaufen. Bis zu diesem Zeitpunkt hätten sich alle Rebellengruppen in der Region ergeben sollen.

Unruhen verurteilt: Die indonesische Regierung hat die jüngsten Religionsunruhen in der Stadt Rengasdengklok scharf verurteilt. Wie Sicherheitsminister Susilo Sudarman am Freitag vor der Presse betonte, dürfe niemand die Einheit des Landes bedrohen. Er warnte die Bevölkerung der Unruheregion, die für den 29. März geplanten Wahlen nicht zu gefährden. Unterdessen haben sich die Unruhen auch auf andere Städte ausgeweitet.

Ermordet: Am Sonntag ist im Sudan der Weiße Vater Guy Pinard während einer Messe ermordet worden. Beim Angelusgebet informierte der Papst die Gläubigen darüber und sprach von einem barbarischen Akt. Der Tod des aus Kanada stammende Afrikamissionar sei ein Beispiel für den Dienst der Ordensleute, der bis zur Hingabe des eigenen Lebens gehe. Am Montag wurde Guy Pinard beigesetzt.

Einheit: Der Anführer der süd-sudanesischen Rebellen, John Garang, möchte, daß die Einheit des Sudan gewahrt bleibt. Das sagte er in einem am Sonntag erschienenen Interview mit einer Kairoer Tageszeitung. Diese Erklärung kommt überraschend, denn seine Rebellenbewegung fordert seit 1994 eine Selbstbestimmung für den Süden des Sudan.

Waffenfunde: In Liberia hat die westafrikanische Friedenstruppe ECOMOG am Samstag mit ersten Patrouillen auf der Suche nach Waffen begonnen. Diese Aktionen waren nötig geworden, da in Kürze ein Ultimatum abläuft, vor dem die Kämpfer freiwillig ihre Waffen abgeben sollen. Unter den wachsamen Augen einiger Journalisten konnte die erste Gruppe etwa 30 Waffen sicherstellen, die in einer Kirche versteckt waren.

Proteste: Algerische Arbeiter sind am Samstag aus Protest gegen die Ermordung des Generalsekretärs der zentralen Gewerkschaft in Streik getreten. Abdalhak Benhamouda war am letzten Dienstag vor dem Gewerkschaftshaus in Algier von fünf jungen Männern erschossen worden. Am Samstag berichteten mehrere algerische Zeitungen, daß sich die Terroristengruppe FIDA zu dem Attentat bekannt habe.

Chiapas: Die mexikanische Bischofskonferenz hat die Regierung beschuldigt, den Frieden in Chiapas zu blockieren. Das steht in dem Leitartikel einer Zeitschrift der Bischöfe. Die Regierung setze darauf, daß die Bevölkerung den Chiapas-Konflikt vergesse, sei jedoch in Wahrheit auf gewaltsame Repressionen aus. Der Artikel ist eine wichtige Schützenhilfe für Bischof Samuel Ruiz aus Chiapas, der zwischen Regierung und Rebellen vermittelt. Etwa 5.000 Indios haben am Samstag in Ruiz Bischofsstadt San Cristobal für die Rebellen demonstriert.

Friedensgespräche: In Kolumbien bemüht sich die kirchliche Kommission für Wiederversöhnung mit allen Mitteln, Friedensgespräche zwischen der Regierung und den marxistischen Rebellen in Gang zu bringen. Spätestens in zwei Wochen will die Kommission beiden Seiten konkrete Vorschläge für einen Start der Verhandlungen machen. Schon ein bloßes Zustandekommen solcher Gespräche wäre ein Durchbruch.

Weitere Meldungen:

Schleier: In der Türkei plant die Regierung Erbakan, per Gesetz das Tragen des islamischen Schleiers in der Öffentlichkeit sowie den Universitäten zu erlauben. Dem widersetzt sich die Armee, die als traditionelle Bewahrerin des Laizismus gilt. Das Verbot des Schleiers geht noch auf Kemal Atatürk zurück.

Scharia: Der Emir von Kuwait hat versprochen zu untersuchen, ob das islamische Recht der Scharia in dem Golfstaat angewandt werden kann. Das sei die Aufgabe einer Sonderkommission, erklärte er jetzt in einer Fernsehansprache. Der Emir reagierte damit auf Forderungen von Parlamentsabgeordneten, daß die Scharia in Kuwait offiziell zu einer sogenannten "Quelle der Rechtssprechung" ernannt werden soll.

Aum: Japan wird die Aum-Sekte nicht verbieten. Das hat die Untersuchungskommission für die öffentliche Sicherheit des Landes am Freitag entschieden. Die Begründung lautet: Die Sekte stellt keine Gefahr mehr für die Gesellschaft dar, da die Zahl ihrer Mitglieder, der Besitz der Sekte und ihre finanziellen Mittel seit den Attentaten stark reduziert worden seien.

Mutter Teresa: Innerhalb des Monats Februar wird die Friedensnobelpreisträgerin eine Nachfolgerin als Ordensleiterin bekommen. Das hat der Erzbischof von Kalkutta, Henry d`Souza, am Sonntag versprochen. Die Generalversammlung der Missionarinnen der Nächstenliebe werden den Monat über in Kalkutta beraten und könne jederzeit eine neue Generaloberin wählen.

Panchen Lama: Der vom chinesischen Regime gewählte Panchen Lama soll in einem Kloster in Tibet leben und in Freiheit aufwachsen. Das hat eine offizielle chinesische Zeitschrift, die an ausländische Leser gerichtet ist, versichert. Sie widerspricht damit Angaben, wonach der Junge in Peking festgehalten wird. Das Politbüro möchte den Achtjährigen zur höchsten geistlichen Autorität in Tibet machen - der Dalai Lama hat einen anderen Jungen als Kandidaten präsentiert, der jedoch verschwunden ist.

Judenfriedhof: Der einzige Judenfriedhof im burmesischen Rangun wird jetzt doch nicht verlegt. Dies gab der israelische Botschafter in dem asiatischen Land am Montag bekannt. Die Stadtverwaltung hatte das Areal in ein Einkaufszentrum und Wohnviertel umwandeln wollen - nach Appellen von Juden aus Israel und anderen Ländern jedoch von ihrem Plan Abstand genommen.

Zusammenarbeit: Katholische Hilfswerke und örtliche Behörden sollen bei Notfällen enger zusammenarbeiten. Das hat jetzt eine Gruppe europäischer und US-amerikanischer Bischöfe in Lüttich beschlossen. Die Bischöfe unterstützen damit einen Vorschlag der Hilfsorganisationen vor allem in den Entwicklungsländern, die sich in Notlagen und bei Katastrophenfällen immer über die mangelnden Kontakte zwischen den einzelnen Behörden beklagten. Die Hilfsaktionen würden bisher trotz der vorhandenen Möglichkeiten immer wieder durch die alles hemmende Bürokratie gebremst.

Universität: Die ägyptische Al Azhar Universität wird in Paris bald eine Depandance eröffnen. Dies erklärte der Präsident der renommierten sunnitischen Einrichtung. Geplant sind auch weitere Universitätszweige in Europa, und zwar in Ländern mit relativ hohem moslemischen Bevölkerungsanteil.

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