vom 24. bis 27. Januar 1997 + + +

Vatikan:

Medienbotschaft: Papst Johannes Paul II. hat zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den Medien aufgerufen. Zugleich warnte er eindringlich vor schädlichen Inhalten in den Massenmedien. Dies geht aus der am Freitag im Vatikan veröffentlichten Botschaft zum "Welttag der sozialen Kommunikationsmittel", der am 11. Mai 1997 begangen wird, hervor. Eine Zusammenfassung der Botschaft finden Sie am Ende der Nachrichten.

Wiederverheiratete Geschiedene: Am Freitag hat der Papst erneut betont, daß wiederverheiratete Geschiedene nicht zur Eucharistie zugelassen werden könnten. In seiner Rede vor der Vollversammlung des Päpstlichen Familienrates unterstrich er jedoch auch die Notwendigkeit einer eingehenden Pastoral an den wiederverheirateten Geschiedenen. Weiter erklärte Johannes Paul, kein wiederverheirateter Geschiedener müsse fürchten, aus der Kirche ausgeschlossen zu werden.

Eheannulierungen: Der Papst hat am Montag die kirchlichen Gerichte davor gewarnt, Eheannulierungen zu schnell auszusprechen. Gegenüber Vertretern der Rota Romana mahnte er, bei einer Eheauflösung nicht "subjektiven und bequemen" Gründen nachzugeben, sondern auch die Folgen für beide Partner und die Kinder zu bedenken.

Armenischer Katholikos: Am Samstag ist Papst Johannes Paul II. mit dem armenischen Katholikos von Zilizien, Aram I., zusammengetroffen. In seiner Rede rief der Papst die armenische Kirche auf, den Weg hin zu einer vollkommenen Gemeinschaft weiterzugehen. Außerdem unterstrich Johannes Paul die guten ökumenischen Beziehungen zwischen den beiden Kirchen.
In einer gemeinsamen Erklärung schreiben der Katholikos und der Papst, daß sie während der Gespräche ihre spirituelle Brüderlichkeit in Jesus Christus vertiefen konnten. Es sei eine Möglichkeit gemeinsamen Betens und Nachdenkens gewesen, um ihr Engagement und ihre gemeinsamen Bemühungen für die christliche Einheit zu erneuern.

Ratzinger: Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Josef Ratzinger, hat sich am vergangenen Freitag bei einer Pressekonferenz zu den Aufgaben seiner Kongregation geäußert. Diese müsse, so Ratzinger, angesichts neuer Fragen und neuer theologischer Ideen den grundsätzlichen Rahmen abstecken und jede Form der Verkürzung vermeiden. Die Kongregation habe die Aufgabe, den Glauben zu schützen und zu wahren, ihn aber ebenso zu fördern. Bei dieser Gelegenheit unterstrich der Kardinal erneut das Nein der katholischen Kirche zum Priesteramt der Frau.

Gebetswoche: Am Samstag abend hat der Papst die Gebetswoche für die Einheit der Christen mit einem Gottesdienst abgeschlossen. Die Feier in der Kirche Sankt Paul vor den Mauern zelebrierte der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Edward Cassidy. Neben dem Papst war auch der armenische Katholikos von Zilizien, Aram I., anwesend.

Kuba: Die Vorbereitungen für den Kuba-Besuch des Papstes laufen an. Wie der Weihbischof von Havanna, Carlos Baladron, gegenüber der kubanischen Presseagentur erklärte, werde der päpstliche Reiseorganisator im nächsten Monat auf die Zuckerinsel kommen, um erste Details zu arrangieren. Es werde mit einem Besuch des Papstes in der zweiten Hälfte des Januars 1998 gerechnet, so der Weihbischof weiter.

Menschenrechte:

Kinderrechte: Ein spezielles Komitee der Vereinten Nationen hat die Situation von Kindern in 6 Ländern untersucht und am Freitag seinen Abschlußbericht zur Lage des Kindes vorgelegt: Nach der Begutachtung der Lage in Syrien, Äthiopien, Panama, Neuseeland, Burma und Bulgarien wurde in vielen Ländern Kinder-Prostitution, Kinderheirat, Kinderarbeit, Mißhandlung und Bettelei vorgefunden.

Krisengebiete:

Botschaftsgeiseln: Der Erzbischof von Ayacucho, Juan Louis Cipriani, hat jetzt die Hoffnung geäußert, daß es im Geiseldrama von Lima bald zu Verhandlungen kommen wird. Cipriani hielt sich am Sonntag wieder in der besetzten japanischen Botschaft auf. Mit dabei war zum ersten Mal der Erzbischof von Lima, Kardinal Augusto Vargas Alzamora. (kna)

Rückkehrer: Der Präsident von Tansania, Banjamin Mkapa, hat jetzt mitteilen lassen, daß die 122 burundischen Flüchtlinge, die bei der Rückkehr in ihre Heimat grausam ermordet worden waren, freiwillig die Heimreise angetreten hätten. Zuvor hätten sie sich geweigert, sich den Bestimmungen für Flüchtlinge zu beugen und so die Rückkehr gewählt. In einem Kommuniqué wies der Präsident jede Verantwortung der tansanischen Regierung von sich. - Amnesty international erklärte am Freitag, die tansanische Regierung hätte ihr die Zusicherung gegeben, daß keine zwangsweisen Rückführungen mehr stattfinden würden.

Kritik an UNO: Amnesty international hat am Freitag die Art und Weise bemängelt wie das UNO-Flüchtlingskommissariat, UNHCR, die Krise im Gebiet der großen Seen verwalte. Außerdem sprach die Organisation von der "Unfähigkeit" des UNHCR, die Rückführung von Flüchtlingen zu verhindern. Schließlich kritisierte Amnesty, daß das Kommissariat die Krise der Flüchtlinge als beendet ansehe. - Das UNHCR wies die Kritik umgehend zurück. Wie die Sprecherin des Kommissariats, Pamela O`Toole, erklärte, hätte das UNHCR nur die am wenigsten schlechte aus lauter schlechten Möglichkeiten gewählt.

Präsidentenrede: Die GIA macht mit immer neuen Bombenanschlägen und grausamen Morden Algerien unsicher. Präsident Liamine Zeroual reagierte am Freitag mit einer Fernsehansprache auf die Attentatwelle. Er sprach von einem Komplott ausländischer Mächte gegen sein Land und versicherte dem algerischen Volk "den festen Willen des Staates, die terroristischen Gruppen zu bekämpfen bis zu ihrer Vernichtung."

Alarmbereitschaft: Polizei und Militär auf der philippinischen Insel Mindanao sind derzeit in höchster Alarmbereitschaft. Muslimische Rebellen sollen für diese Tage Bombenanschläge und Überfälle planen. Dies würde einen Rückschlag für die Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Rebellen bedeuten.

Freigelassen: De beiden orthodoxen Geistlichen, die vor 14 Tagen im tschetschenischen Grozny entführt worden waren, sind wieder auf freiem Fuß. Nach Angaben eines der beiden Opfer soll es nicht zu Mißhandlungen gekommen sein. Die Rebellenregierung in Grozny vermutet hinter der Entführung kein politisches Motiv. Vielmehr soll es sich um "gewöhnliche Kriminelle" gehandelt haben.

Kirche:

Verzeihung: Die christlichen Kirchen Nordirlands sollen sich gegenseitig für vergangenes Unrecht um Verzeihung bitten. Das hat jetzt der protestantische Alt-Bischof von Connor, Samuel Poyntz, bei einer Veranstaltung zur Woche der Einheit der Christen erklärt. Als Vorbild schlug Poyntz die südafrikanische Wahrheitskommission vor, die sich ebenfalls mit der Aufarbeitung von Vergangenheitsfehlern beschäftige. (kna)

Ausweisung: In Weißrussland sollen jetzt sechs polnische Priester ausgewiesen werden. Wie das polnische Außenministerium am Freitag mitteilte, beschuldigen die weißrussischen Behörden die Priester, verbotenerweise politisch tätig gewesen zu sein. (kna)

Ermordung: Die kenianische Diözese Nakuru hat jetzt bei der Polizei gegen den Tod eines irischen Geistlichen protestiert. Der Missionar war letzte Woche aus bisher ungeklärten Gründen von einem Polizisten erschossen worden. Die Diözese vermutet hinter der Tötung einen gezielten Racheakt der lokalen Behörden: Der Priester hatte diesen Korruption vorgeworfen.

Deutschland:

Sonderstatus: Die Vertreterin des UN-Flüchtlingskommissariats in Deutschland, Judith Kumin, hat einen Sonderstatus für Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge gefordert. Zugleich kritisierte sie in der Presse eine zu strikte Handhabung des Flüchtlingsbegriffs in Deutschland bei Asylverfahren. (kna)

Abendmahl: Auch für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken soll das gemeinsame Abendmahl keine Vorbedingung für den geplanten ökumenischen Kirchentag darstellen. Die Organisatoren des Evangelischen Kirchentages seien auch ohne die Abendmahlsgemeinschaft an einer gemeinsamen Veranstaltung interessiert, heißt es in einem am Freitag vorveröffentlichten Brief an alle Mitglieder des Zentralkomitees.

Bioethik-Konvention: Der Bonner Theologe und Philosoph Ludger Honnefelder hat sich am Samstag dafür ausgesprochen, die Bioehtik-Konvention des Europarates zu ratifizieren. Wie er bei einer Tagung der katholischen Akademie in Berlin erklärte, habe man mit dem Dokument mehr erreicht als bei der Pluralität der ethisch-rechtlichen Überzeugungen in Europa erwartet werden konnte. (kna)

Scientology: Wegen ihrer Haltung zur Scientology-Sekte wird die Bundesregierung im diesjährigen Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums kritisiert. Das berichtete die Zeitung "Washington Post" in ihrer Montagsausgabe. Sie zitierte jedoch auch den Sprecher des Außenministeriums mit den Worten: "Wir haben Deutschland zum Thema Scientology kritisiert. Aber wir werden nicht die Terror-Taktik der Scientologen gegen die deutsche Regierung unterstützen."

Katholikentag: Das Motto des 93. deutschen Katholikentages 1998 in Mainz lautet: "Gebt Zeugnis von Eurer Hoffnung". Es ist einstimmig vom geschäftsführenden Ausschuß des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken angenommen worden. Bei der Veranstaltung in Mainz vom 10. bis zum 14. Juni 1998 wird zugleich auch das 150. Bestehen der Katholikentage gefeiert werden. (kna)

Sternsinger: Bundeskanzler Helmut Kohl hat den Sternsingern zu ihrem diesjährigen Erfolg gratuliert. In einem Brief an den Präsidenten des Kindermissionswerks, Arnold Poll, schreibt Kohl, es sei ihm eine ganz besondere Freude, daß die Sternsingerinnen und Sternsinger auch in diesem Jahr ein so großartiges Ergebnis erzielt hätten.

Weitere Meldungen:

Mutter Teresa: Die Wahl einer Nachfolgerin für Mutter Teresa wird vom 2. Februar auf Ende Februar verschoben. Das wurde am Montag aus Kalkutta gemeldet. Die Schwestern der Missionarinnen der Nächstenliebe bräuchten mehr Zeit, um sich auf eine verantwortete Wahl vorzubereiten, hieß es. (kna)

Schwangerschaftsabbruch: Mehr und mehr polnische Krankenhäuser lehnen es ab, Schwangerschaftsabbrüche vorzunehmen. In den Regionen Voivodies, Katowice und Poznan haben die Hospitäler bereits Front gegen das neue Abtreibungsgesetz gebildet, das einen Abbruch auch bei materiellen und personellen Problemen der Mutter erlaubt. In Katowice wurde die Entscheidung zu einer Verweigerung nach einem Appell des Erzbischofs, Damian Zimon, getroffen.

Euthanasie: Die Euthanasiedebatte in Australien tritt in eine neue Phase. Eine Regierungskommission hat am Freitag in Darwin, der Hauptstadt der Northern Territories, eine öffentliche Anhörung zum Thema begonnen. Hintergrund ist eine Entscheidung über die Aufhebung des Sterbehilfegesetzes, die für April erwartet wird. Seit Inkrafttreten des Gesetzes haben inzwischen drei Menschen den Tod durch Injektion gesucht.

Pädophilie: Die Philippinen und Großbritannien haben eine Zusammenarbeit im Kampf gegen Pädophilie vereinbart. Wie Vertreter der britischen Polizei in Manila am Freitag bekanntgaben, soll ein System installiert werden, das den Informationsaustausch fördert.

Papstbotschaft zum Tag der sozialen Kommunikationsmittel

(Eine Zusammenfassung von Matthias Kopp):

Die Botschaft von Papst Johannes Paul II., die am vergangenen Freitag im Vatikan veröffentlicht wurde, bemüht sich, die Massenmedien differenziert zu sehen. Die Menschheit, so der Papst, erlebe eine noch nie dagewesene Expansion der sozialen Kommunikationsmittel. Gleichzeitig gebe es aber eine große Zahl von Menschen, die keinen Zugang zu den Medien habe. Je größer die Auswahl sei, um so schwerer könne eine verantwortungsvolle Wahl für und in den Medien fallen, schreibt Johannes Paul. Er bedauert, daß es zur Zeit immer schwieriger werde, Augen und Ohren vor Bildern und Tönen zu schützen, die den Menschen oft unerwartet und ungeladen durch die Medien erreichen. Besonders schwer falle es Eltern, ihre Kinder vor - so wörtlich - "schädlichen Botschaften zu bewahren". Bei allem Fortschritt der Technologie kritisiert der Papst den schwerfälligen Umgang jener, die die Chance hätten, neue Medien zum Guten zu nutzen. Die überweigende Beherrschung der Medien durch die westliche Welt führe zu einer Quelle der Ungerechtigkeit und Diskriminierung. Programme, die geistlich geprägt seien, nehmen ab. Manche Elemente in den Medien geben oft den Anschein, als wollten sie religiös Gläubige in möglichst schlechtem Licht darstellen. Johannes Paul II. appelliert in seiner Botschaft, die ganze Wahrheit in den Medien zu vertreten. Zum Jubeljahr 2000 müsse es in der Welt möglich sein, daß jeder über die Medien die Botschaft des Evangeliums erfahren könne.

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