vom 21. bis 23. Januar 1997 + + +

Vatikan:

Sarajewo: Noch in diesem Jahr wird Papst Johannes Paul II. die bosnische Hauptstadt Sarajewo besuchen. Das hat der Pressesprecher des Vatikans am Mittwoch bestätigt, jedoch ohne auf einen Termin oder ein genaues Reiseprogramm einzugehen. Kirchenkreise in Sarajewo nennen als Datum den 13. April. Am Donnerstag wurde jedoch bekannt, daß die katholische Kirche in Sarajewo eine erneute Absage des Papstbesuches befürchtet. Bereits im September 1994 hatte wegen der unsicheren Lage eine Reise Johannes Pauls in die Stadt nicht stattfinden können.

Armenischer Besuch: Am Donnerstag ist das Oberhaupt der armenischen Christen von Zilizien, Aram I., zu einem mehrtägigen offiziellen Besuch im Vatikan eingetroffen. Er gilt als der zweitwichtigste Würdenträger der armenischen Kirche und ist zuständig für die armenischen Christen im Libanon, Syrien, Zypern, Iran und Kuwait.

Drogendokument: Der Päpstliche Familienrat hat am Dienstag eine pastorale Reflexion gegen die Liberalisierung sogenannter leichter Drogen veröffentlicht. Mit der Kernaussage "Drogen können nicht Drogen bekämpfen" spricht sich das Papier gegen Drogenkonsum in jeder Form und auch gegen die Legalisierung von Drogen aus. (Zur Zusammenfassung des Dokuments weiter unter im Text)

Wiederverheiratete Geschiedene: Am Mittwoch hat im Vatikan die Jahresvollversammlung des Päpstlichen Rates für die Familie begonnen. Dort wird bis zum Samstag über die Pastoral der wiederverheirateten Geschiedenen beraten.

Ökumene: In Rom haben sich Vertreter der anglikanischen und der katholischen Kirche zu ökumenischen Gesprächen getroffen. Dabei handelt es sich um eine Fortführung der traditionellen "Novembergespräche" zwischen den beiden Kirchen, die im letzten Jahr wegen des Besuchs des Erzbischofs von Canterbury, George Carey, bei Papst Johannes Paul II. im Dezember vorzeitig abgebrochen worden waren.

Kuba: Der Papst hat am Dienstag die beiden ranghöchsten Amtsträger der katholischen Kirche Kubas in Privataudienz empfangen. Es handelt sich dabei um den Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega Alamino, und den Erzbischof von Santiago de Cuba, Pedro Mourice Estiu. Wie der vatikanische Pressesaal mitteilte, wurde über den Inhalt des Gespräches nichts bekanntgegeben. (kna)

Menschenrechte:

Verfolgungswelle: Am Donnerstag hat die asiatische Nachrichtenagentur UCA-News eine neue Verfolgungswelle gegen romtreue Katholiken in China gemeldet. Dabei sollen in der zentralchinesischen Provinz Jiangxi 80 Katholiken festgenommen und zur Teilnahme an einem Umerziehungsunterricht verpflichtet worden sein. In sechs Dörfern sollen nach einem internen Regierungspapier bis zum 30. Juni alle romtreuen Katholiken aufgespürt werden.

Vorwürfe gegen Polizei: US-amerikanische Menschenrechtsgruppen haben der Polizei von Haiti massive Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, sollen die Sicherheitskräfte für den Tod von mindestens 15 Personen verantwortlich sein. Darüber hinaus soll es immer wieder zu Mißhandlungen gekommen sein. (kna)

Wahrheitskommission: In der südafrikanischen Wahrheitskommission sollen sich erste Anzeichen von Rassendifferenzen bemerkbar machen. Zur Zeit ist ihr Präsident, der anglikenische Erzbischof von Johannesburg Desmond Tutu, aus Krankheitsgründen auf unbestimmte Zeit abwesend. Pressemeldungen zufolge soll sein Stellvertreter jetzt planen, bestimmte Entscheidungen zugunsten der weißen Minderheit zu manipulieren.

Freilassung: Der Bischof des pakistanischen Faisalabad, John Joseph, hat die umgehende Freilassung von fünf Christen gefordert. Ihnen wird vorgeworfen, sich gegenüber dem Islam blasphemisch verhalten zu haben. Die Christen seien absolut unschuldig, versicherte der Bischof in einem Brief, den das internationale Hilfswerk missio am Donnerstag in Aachen veröffentlichte. (kna)

Krisengebiete:

Volksaufstand: Im Sudan wollen die Rebellen einen Volksaufstand, eine Intifada, gegen das islamische Regime anstrengen. Das erklärte ihr Sprecher am Mittwoch in Kairo. Dabei wurden die Ziele der derzeitigen Rebellenoffensive im Osten des Sudans deutlicher. Die Nationale Demokratische Allianz plant nicht, auf die Hauptstadt Karthum zu marschieren - sie will Damasin einnehmen, die Stadt, von der Karthums Stromversorgung fast gänzlich abhängt. Damit könnten die Rebellen das islamische Regime zum Rücktritt zwingen.

Zwangsrückführungen: Tansania soll die Zwangsrückführungen von Burundern in ihre Heimat stoppen. Das hat Amnesty international am Dienstag in London gefordert. Wie die UNO berichtete sollen in diesem Monat 22.000 burundische Flüchtlinge, die man in ihre Heimat zurückgebracht hatte, von dort wieder geflohen sein. Die UNO befürchtet einen noch schlimmeren Exodus, da in Südwest-Burundi gekämpft wird.

Kirche:

Spannungen schüren: Die Opposition in Weißrußland wirft Präsident Alexander Lukaschenko vor, Spannungen zwischen Orthodoxen und Katholiken zu schüren. Wie ein Oppositionspolitiker am Dienstag in Warschau erklärte, ziehe die neu-kommunistische Propaganda mit diesem Mittel eine künstliche Grenze durch das Land. Er sagte weiter, daß es natürlich kulturelle Unterschiede zwischen katholischer Minderheit und orthodoxer Mehrheit gebe - Lukaschenko nutze diese jedoch aus, um das Land zu spalten. (kna)

UNICEF: Der irische Kardinal Cahal Daly hat seine Schirmherrschaft über das Nationalkomitee von UNICEF zurückgezogen. Als Grund nennt er die Differenzen zwischen dem Vatikan und der Organisation in Fragen der Empfängnisverhütung. Der Vatikan hatte kürzlich seine symbolischen Zahlungen an das Kinderhilfswerk für das Jahr 1997 eingestellt. (kna)

Frauen: Auch in den östlichen Kirchen fordern die Frauen mehr Rechte: Wie die französische Zeitschrift "L`actualité religieuse" in ihrer jüngsten Ausgabe meldet, fand jetzt ein erstes internationales Treffen christlicher Frauen aus den Patriarchaten Konstantinopel, Antiochien und Alexandrien sowie den fünf altorientalischen Kirchen im syrischen Damaskus statt. Gegenstand der Gespräche war die Forderung nach mehr Verantwortung für die Frauen und die Wiedereinführung des weiblichen Diakonats.

Deutschland:

Treffen: Am Mittwoch haben sich Bundeskanzler Helmut Kohl und der Prager Erzbischof, Kardinal Miloslav Vlk, getroffen. Vlk erklärte nach dem Gespräch, Kohl habe der tschechischen Kirche dafür gedankt, daß sie zusammen mit der Kirche in Deutschland den Weg für eine Aussöhnung zwischen den beiden Ländern gefunden habe. (kna)

Bleiberecht: Die deutsch-bosnische Gesellschaft für Frieden und Verständigung wünscht sich ein vorübergehendes Bleiberecht für multiethnische Familien aus dem früheren Jugoslawien. Die Organisation schrieb an Bundesinnenminister Manfred Kanther, daß eine Ausnahmeregelung vertretbar erschiene, da die Zahl der Betroffenen sehr gering sei. (kna)

Organspende: Die Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Rita Waschbüsch, hat sich am Montag für ein Zustimmungsrecht auch von Angehörigen im Falle einer Organspende ausgesprochen. Die meisten Organspender seien junge Unfallopfer, erklärte sie, doch seien viele junge Menschen mit der Entscheidung, einen Spenderausweis zu unterschreiben, überfordert. (kna)

Ratzinger: SPD und Grüne haben sich geschlossen dagegen ausgesprochen, daß Kardinal Joseph Ratzinger die Ehrenbürgerwürde der Stadt München erhält. Das wurde am Montag bekannt. Die beiden Parteien bilden im Stadtrat die Mehrheit. Die SPD gab als Hauptgrund an, Kardinal Ratzinger sei nicht lange genug Erzbischof von München und Freising gewesen. (kna)

Weitere Meldungen:

Studentenunruhen: In Marokko ist jetzt die Polizei gegen Demonstrationen fundamentalistischer Studenten vorgegangen. Allein am Montag wurden 28 Personen festgenommen. Zuvor hatten mehrere Politiker, unter ihnen auch Innenminister Driss Basri, die Universitätsverwaltung in Casablanca aufgefordert, einen ruhigen Studienverlauf zu garantieren.

Spätabtreibungen: Der US-amerikanische Senat will die sogenannten "Spätabtreibungen" verbieten. Wie der republikanische Politiker und Senatsführer Trent Lott angekündigte, sei dies das oberste Ziel seiner Partei in der neuen Amtsperiode von Präsident Bill Clinton.

Abtreibungsgegner: Bei der feierlichen Amtseinführung von US-Präsident Bill Clinton haben am Montag mehrere Dutzend Abtreibungsgegner demonstriert. Sie stellten 3.300 Holzkreuze auf, die die Zahl der täglich durchgeführten Schwangerschaftsabbrüche symbolisieren sollen. Das Recht auf diese Demonstration hatten sich die Abtreibungsgegner am Vortag vor Gericht erstritten. (kna)

Abtreibungskliniken: In Polen müssen Krankenhäuser, die sich aus Gewissensgründen weigern, eine Abtreibung vorzunehmen, zukünftig dafür bezahlen, daß der Eingriff in einer anderen Klinik vorgenommen werden kann. Da haben polnische Zeitungen am Dienstag gemeldet. Ein seit kurzem geltendes Gesetz erlaubt einen Abbruch bis zur zwölften Schwangerschaftswoche. (kna)

Ehescheidung: In Chile setzen sich Befürworter der Ehescheidung für eine geheime Parlamentsabstimmung ein, um den Abgeordneten Entscheidungsfreiheit zu ermöglichen. Am Donnerstag soll das Parlament über den neuen Gesetzentwurf entscheiden.

Euthanasie: In den australischen Northern Territories hat zum dritten Mal ein Mensch von dem neuen Euthanasiegesetz Gebrauch gemacht. Sofort nach Bekanntwerden verurteilte die "Vereinigung der Ärzte des Nord-Territoriums" den Vorgang.

Scharia: Fundamentalistische Abgeordnete in Kuwait haben eine Bittschrift an den Emir gerichtet. Darin fordern sie, die Scharia zur einzigen Quelle der Rechtsprechung in dem Land zu machen. Eine ähnliche Bittschrift hatte den Emir schon im Sommer 1994 aus dem Parlament erreicht. Bislang gilt das islamische Recht der Scharia nur als eine von mehreren Grundlagen der kuwaitischen Verfassung.

Filmverbot: Das Oberlandgericht in Santiago de Chile hat das Verbot des Films "Die letzte Versuchung Christi" erneut bestätigt. Der Streifen des amerikanischen Regisseurs Scorsese war 1988 unter der Regierung Pinochet verboten worden. Der regierungseigene "Nationale Filmrat" hatte die Freigabe angeordnet - eine private Klägergruppe diese jedoch angefochten.

Theaterstück: In Großbritannien hat eine katholische Schule die Aufführung eines Theaterstückes abgesagt, in dem ein weiblicher Jesus die Hauptrolle spielten sollte. Dies hat die Tageszeitung "The Times" am Dienstag gemeldet. Der Bischof von Lancaster hatte gegen das Theaterstück protestiert. Es handle sich um eine "völlige Entstellung der Fakten", erklärte er. (kna)

Drogen-Dokument des Päpstlichen Familienrates.

(Eine Zusammenfassung von Matthias Kopp):

Das Papier liest sich als offizielle Kampfansage gegen jede Form des Drogenkonsums. Dabei geht es dem Päpstlichen Familienrat in erster Linie um den Schutz der Person. Die müsse vor den katastrophalen Auswirkungen des Drogenkonsums bewahrt bleiben. Deshalb hält der Apostolische Stuhl die Unterscheidung von harten und weichen Drogen für eine Sackgasse in der Bewältigung des Problems. Zugleich wird vor einer weiteren Verbreitung von Rauschmitteln mit giftiger Wirkung gewarnt. Ausdrücklich werden in dem Papier Tabak und Alkohol genannt, auch wenn sie häufig nicht als Drogen bezeichnet würden. Die Legalisierung von Drogen könne unkontrolliert das Gegenteil der gewünschten Wirkung erzeugen. Eine Politik der Vorbeugung sei von nöten. Der Vatikan warnt gleichzeitig vor einer Haltung, wonach alles normal und moralisch akzeptabel sei, was legal ist. Unabhängig davon, ob Drogen illegal erworben oder vom Staat verteilt würden, hätten diese immer zerstörerische Wirkung auf den Menschen.

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