vom 14. bis 16. Januar 1997 + + +

Vatikan:

Besuch aus Taiwan: Der Vizepräsident von Taiwan, Lien Chan, ist am Dienstag mit Papst Johannes Paul II. zusammengetroffen. Über den Inhalt des Gesprächs wurde nur wenig bekannt. Lien Chan, der zugleich auch Premierminister von Taiwan ist, erklärte im Anschluß nur, er habe mit dem Papst und Kardinalstaatssekretär Sodano über die allgemeine Lage in der Welt gesprochen und sei sich mit seinen Gesprächspartnern sehr einig gewesen. Lien Chan, der selbst um das Treffen gebeten hatte, hofft, daß die diplomatischen Beziehungen zwischen Vatikan und Taipeh durch die Begegnung gestärkt werden. Mit Peking unterhält der Apostolische Stuhl keine Beziehungen.

Warnung Chinas: China hat den Vatikan davor gewarnt, sich in seine religiösen Angelegenheiten einzumischen. Bischofsernennungen und missionarische Tätigkeit im Lande gingen nur China etwas an, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums am Dienstag in Peking.

Friedensvertrag: Der Papst hat am Mittwoch Regierung und Bevölkerung Guatemalas aufgefordert, den vor wenigen Wochen unterzeichneten Friedensvertrag umzusetzen. Er wünsche dem Land eine friedliche Zukunft in geistigem und materiellem Fortschritt, so Johannes Paul während der Generalaudienz. (kna)

Buch zur Beichte: Die Apostolische Pönitenziarie hat am Dienstag ein umfassendes Dokumentationswerk über das Sakrament der Beichte veröffentlicht. Darin werden besonders die Ausführungen über Buße und Umkehr im bisherigen Pontifikat von Papst Johannes Paul II. aufgeführt.

Besuch Kwasniewskis?: Der polnische Präsident Aleksander Kwasnieski wird am kommenden 6. April zu einem offiziellen Staatsbesuch nach Italien reisen. Das gab eine polnische Nachrichtenagentur am Mittwoch bekannt. Während der dreitägigen Visite soll auch ein Treffen mit dem Papst geplant sein. Der Vatikan hat diesen Termin bisher noch nicht bestätigt. (kna)

Menschenrechte:

Sexuelle Ausbeutung: In Brasilien hat jetzt eine Kampagne gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern begonnen. Die Pfarrgemeinde Pedreiras bemüht sich um die Wiedereingliederung junger Prostituierter, die oft von ihren Familien auf die Straße gesetzt werden. Die Pfarrei bietet den Kindern, die häufig zwischen 12 und 15 Jahren alt sind, Schulunterricht und Handwerkskurse an. (kna)

Vorwürfe: Die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" hat der chinesischen Regierung am Mittwoch erneut schwere Vorwürfe gemacht. In den vergangenen Monaten seien mindestens in 40 Fällen die Menschenrechte schwer verletzt worden. Folter und Exekutionen stehen nach Auskunft von "Human Rights Watch" in China fast auf der Tagesordnung.

Demokratie: Der Bischofkoadjutor von Hong Kong, Josef Zen, hat dem chinesischen Regime am Dienstag scharfe Vorwürfe gemacht. China sei noch weit von jedem Ideal der Demokratie entfernt. Eine politische Öffnung des Landes sei notwendig, um jede Form der Religionsfreiheit für Hong Kong und die Christen in China zu garantieren, erklärte Zen gegenüber Radio Vatikan.

Krisengebiete:

Gerettet: Neun Missionare sind jetzt aus dem Kriegsgebiet im Osten von Zaire gerettet und per Flugzeug nach Kinshasa gebracht worden. Es handelt sich dabei vorwiegend um Mitglieder der italienischen Comboni- und Consolata-Missionsgesellschaften, die vor plündernden Tutsi-Rebellen flüchten mußten.

Kindersterblichkeit: UNICEF meldet aus dem Osten Zaires eine besorgniserregende Zunahme der Kindersterblichkeit unter den ruandischen Flüchtlingen. Allein in der Krankenabteilung des Flüchtlingslagers Tingi stürben täglich rund 20 Kinder an Unterernährung.

Getötet: Mehr als 3.000 Zivilisten sind seit Dezember im Norden von Burundi getötet worden. Dies geht aus einem Brief an den katholischen Bischof von Ngozi, Stanislaus Karurungu, hervor, der am Dienstag bekannt wurde. Es handelt sich bei den Übergriffen um einen Massenmord nahe an der Grenze zu Ruanda.

Rebellen: Im Süden des Sudan sollen die Rebellen innerhalb kürzester Zeit Schlüssel-Stellungen eingenommen haben. Es scheint, daß die oppositionellen Kräfte des Nordens und des Südens zum ersten Mal gemeinsam vorgehen - im Kampf gegen das islamische Terror-Regime.

Studenten an die Front: Die Universität im sudanesischen Karthum hat ihre Tore geschlossen, damit sich die Studierenden zum Kampf an der Front melden können. Dies wurde am Donnerstag vom Sprecher der sudanesischen Botschaft in Kairo bekanntgegeben. Sie sollen die Soldaten unterstützen, die im Südosten des Landes kämpfen.

Neues Massaker: Aus dem brasilianischen Bundesstaat Para ist am Mittwoch ein neues Massaker an Landlosen gemeldet worden. Es soll nach Polizeiinformationen bereits zu Wochenanfang stattgefunden haben. Nach ersten Angaben sollen dabei 15 Menschen getötet worden sein.

Sorgen um friedliche Lösung: Der mexikanische Bischof von Chiapas, Samuel Ruiz, macht sich Sorgen um eine friedliche Lösung des Konfliktes in seiner Heimat Chiapas. Presseberichten zufolge forderte er jetzt, die zwischen der Regierung und den oppositionellen Zapatisten erzielten Kompromisse als Gesetz zu verabschieden. Präsdent Zedillo hat hingegen kürzlich einen eigenen Gesetzesvorschlag vorgelegt. Dieser wird von den Zapatisten jedoch abgelehnt. - Präsident Zedillo erklärte jetzt, er sei jederzeit zu einer Fortführung des Dialogs mit den Chiapas-Rebellen bereit. Diese Tatsache schließt vorerst eventuelle Militäraktionen in der Krisenregion aus. (kna)

Vermittler: Der peruanische Erzbischof Juan Cipriani hat eine Vermittlertätigkeit im Geiseldrama von Lima akzeptiert. Er hatte sich seit Weihnachten nahezu täglich in dem besetzten Botschaftsgebäude aufgehalten. Die Geiselnehmer akzeptierten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag die Zusammensetzung der Vermittlungskommission. Voraussetzung für die Gespräche sei allerdings, daß alle Themen behandelt würden.

Aufruf zur friedlichen Lösung: In Bulgarien hat der heilige Synod der orthodoxen Kirche die Politiker aufgerufen, die derzeitige Krise friedlich und demokratisch zu lösen. In dem Appell, der von Patriarch Maksim unterzeichnet wurde, heißt es angesichts der jüngsten blutigen Ausschreitungen, Gewalt könne die Probleme des Landes nicht lösen. Gegenpatriarch Pimen, der von der Weltorthodoxie nicht anerkannt wird, rief dagegen zum Widerstand gegen die "gegenwärtigen gottlosen Regierenden" auf. (kna)

Bombenanschlag: In Nordirland hat der katholische Bischof von Derry, Seamus Hegarty, den jüngsten Bombenanschlag auf eine katholische Familie in Londonderry scharf verurteilt. In das Haus der Familie war eine Brandbombe geworfen worden. Verletzt wurde zum Glück niemand.

Demonstrationen: Mehrere hundert katholische Priester und Ordensfrauen haben am Montag abend in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul gegen Präsident Kim Young Sam demonstriert. Damit erklärten sie sich mit den streikenden Arbeitern solidarisch. Nach einem Gottesdienst in der Myongdong Kathedrale zogen sie durch die Innenstadt Seouls. (kna)

Kirche:

Abrüstung: Der Vorsitzende der US-amerikanischen Bischofskonferenz, Anthony Pilla, hat sich zu Fragen der Abrüstung geäußert. Er forderte Präsident Clinton in einem Brief auf, sich für ein vollständiges Verbot von Landminen einzusetzen.

Kirche in Hong Kong: Beunruhigende Nachrichten über die Zukunft der Kirche in Hong Kong. Wie am Montag bekannt wurde, hat das Pekinger Parlament schon am 30. Dezember beschlosssen, daß Soldaten in Hong Kong künftig keiner religiösen Organisation angehören dürfen. Damit wurden die sechs offiziellen Religionsgemeinschaften der Kronkolonie direkt brüskiert, denn sie bemühen sich seit langem, daß den Soldaten Hong Kongs die Zugehörigkeit zu einer Religion erlaubt wird.

Beruhigung: Nach den Diskussionen um die Religionsfreiheit in Hong Kong hat die Regierung in Peking am Donnerstag Beruhigung signalisiert. Die Religionsgemeinschaften der Kronkolonie blieben erhalten, hieß es, was bedeutet, sie sollen nicht unter die Aufsicht Pekings gestellt werden. Dies erklärte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums.

Metropolie: In Hong Kong wurde am Mittwoch die erste orthodoxe Metropolie eingerichtet. An der Feier nahmen neben Vertretern der katholischen Kirche auch Anglikaner und Mitglieder orthodoxer Kirchen teil. Der neue und zugleich erste Metropolit von Hong Kong war bereits im vergangenen Jahr vom Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirchen, Bartholomäus I., geweiht worden. (kna)

Abwanderung: Die katholischen Bischöfe Indiens machen sich Sorgen um die vermehrte Abwanderung von Katholiken hin zu neupfingstlerischen Sekten. Als Ursachen für diesen Trend nannten sie jetzt bei ihrer Vollversammlung in Bangalore vor allem Klerikalismus, sowie Institutionalismus in den eigenen Strukturen. Man müsse stattdessen, so die Bischöfe, den gemeinschaftlichen Geist der früheren Kirche wiederbeleben.

Besteuerung: Die katholische Kirche der Philippinen wehrt sich gegen ihre mögliche Besteuerung durch den Staat. In einer Resolution hatte kürzlich der Senat gefordert, auch Kirchen müßen Steuern zahlen. Ein Vertreter der Bischofskonferenz lehnte am Donnerstag die Resolution ab. Er verwies darauf, daß dadurch auch Einkünfte aus ausländischen Spenden versteuert würden.

Adalbert-Jahr: Mit einem Pontifikalamt haben alle tschechischen Bischöfe am Dienstag das Adalbert-Jahr eröffnet. Die Feiern in der Benediktinerabtei Brevnov bei Prag markieren den Beginn eines Fest-Jahres, das an den 1.000. Todestag von Bischof Adalbert erinnert. Das Gedenken an den Bischof, Klostergründer, Missionar, Märtyrer und Heiligen wird vor allem in Tschechien gefeiert, aber auch in Polen. (kna)

Deutschland:

Steuerreform: Der katholische Familienbund hat am Dienstag die Entwürfe der Bundesregierung zur Steuerreform kritisiert. Nach Ansicht ihres Präsidenten, Andreas Birkmann, enthielten die Pläne keinerlei Maßnahmen zugunsten der Familien. Es müsse zumindest gewährleistet sein, daß für Familien das Existenzminimium gesichert sei, erklärte er. Sowohl bei der Regierung als auch bei der Opposition vermißt Birkmann derzeit ein klares Bekenntnis zur Familie. (kna)

Scientology (1): Die Sekte hat am Mittwoch auf die Vorwürfe des bayerischen Innenministers Günter Beckstein reagiert. Sie nannte den Politiker "fanatisch und ignorant" und bezeichnete ihn als "Nazi-Demagogen". Beckstein hatte die Sekte beschuldigt, ihre Mitglieder einzusperren und einer Gehirnwäsche zu unterziehen.

Scientology (2): Ein erster Unterzeichner des offenen Briefes in der Herald Tribune an Bundeskanzler Helmut Kohl, in dem die Sekte verteidigt wird, hat gefordert, daß seine Unterschrift gestrichen wird. Der französische Filmregisseur Costa-Gavras erkärte, er habe erst bei der Veröffentlichung den Text genau gelesen und seinen Fehler erkannt. Dieser Fehler sei nicht, die Prinzipien der Freiheit zu verteidigen, sondern einen Vergleich zwischen der Behandlung der Scientologen durch die Bundesregierung mit der der Juden durch das Hitler-Regime zu ziehen.

Flüchtlinge: 8.000 der mehr als 70.000 Bürgerkriegsflüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina werden ab Anfang April Nordrhein-Westfalen verlassen müssen. Bis zum Sommer 1997 endet nach Angaben des Düsseldorfer Innenministeriums für weitere 20.000 Flüchtlinge das Aufenthaltsrecht. Die "Aktion Rückführung" dürfte sich aber insgesamt bis zum Sommer 1998 hinziehen. Wer bis dahin nicht freiwillig in seine Heimat zurückkehrt, soll abgeschoben werden. (kna)

Ökumenischer Kirchentag: Die Stadt Augsburg möchte den geplanten Ökumenischen Kirchentag nach der Jahrtausendwende ausrichten. Das erklärte jetzt der Oberbürgermeister der Stadt.

Ehrenbürger?: Im Münchner Rathaus gibt es Streit darüber, ob Kurienkardinal Josef Ratzinger Ehrenbürger der Landeshauptstadt werden soll. Entsprechende Pläne waren am Donnerstag bekannt geworden. Während die CSU das Vorhaben unterstützt, ist die Rathausfraktion der Grünen dagegen. SPD und Liberale sowie das Erzbistum München selbst wollten sich dazu noch äußern. (kna)

Weitere Meldungen:

Missionarinnen der Nächstenliebe: Am Donnerstag hat in Kalkutta das Generalkapitel der Missionarinnen der Nächstenliebe begonnen. Wichtigstes Thema ist die Wahl der Generaloberin des von Mutter Teresa gegründeten Ordens. Mutter Teresa hatte in den vergangenen Tagen mehrfach bestätigt, daß sie nicht mehr für den Posten zur Verfügung stehe.

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