vom 10. bis 13. Januar 1997 + + +

Vatikan:

Neujahrsansprache: Papst Johannes Paul II. hat am Montag bei seiner Neujahrsansprache vor dem Diplomatischen Corps ein moralisches Fundament für das internationale Recht gefordert. Er warnte nachdrücklich vor einem Scheitern des Friedensprozesses in Israel und geißelte westliche Gleichgültigkeit gegenüber den Tragödien in Afrika. Während Johannes Paul für Zypern ein Ende der Teilung forderte, ging er auf das Thema Ost-Timor nicht ein. Statt dessen versprach er, die Entwicklung der Kirche Hong Kongs nach der Übergabe an China sehr genau zu beobachten. Ausdrücklich würdigte der Papst Europas Fortschritte bei einer gemeinsamen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik und warf indirekt den Großmächten vor, über Hilfen für ärmere Staaten Einflußsphären abzustecken.

Terrorismus: Der Papst hat Terrorismus und Entführungen in Spanien scharf verurteilt. Dem neuen Botschafter Madrids beim Apostolischen Stuhl sagte der Papst am Freitag, die Regierung müsse solche Probleme mit Entschiedenheit angehen, damit sie nicht chronisch würden. Sie bedrohten das friedliche Zusammenleben der Spanier.

Arme und Ausgegrenzte: Der Papst hat die Bischöfe aus Zentralfrankreich dazu aufgerufen, sich entschiedener für die Armen und Ausgegrenzten zu engagieren. Bei ihrem Ad Limina-Besuch meinte Johannes Paul, ein Bischof müsse bei einem solchen Engagement in der ersten Reihe stehen. Einsatz für Menschenwürde, Leben und die "Verletzten dieses Lebens" gehörten zusammen. Der Papst bat die Bischöfe auch, sich um die Kirchen-Fernen zu kümmern.

Ethnische Konflikte: Afrika und die internationale Staatengemeinschaft dürfen bei den ethnischen Konflikten in der Region der großen Seen nicht weghören. Das hat der Papst am Freitag beim Empfang des neuen tansanischen Botschafters beim apostolischen Stuhl erklärt. Er hoffe, so Johannes Paul, daß das vor kurzem gegründete Sekretariat für Zusammenarbeit in Ostafrika demnächst ein konkretes Hilfsmittel zur Lösung der Konflikte sein werde.

Forscher: Am Sonntag hat Papst Johannes Paul II. die Forscher in aller Welt aufgerufen, ihr Wissen nie gegen ihr Gewissen einzusetzen. In einer Audienz für Teilnehmer einer Tagung der päpstlichen Sternwarte und der Universität Padua erklärte er, die Kirche bewundere Sachlichkeit, Disziplin und den Respekt vor der Wahrheit, die die Wissenschaftler zeigten.

Taufe: Wie in jedem Jahr am Fest der Taufe des Herrn hat der Papst auch am Sonntag einigen Kindern das Sakrament der Taufe gespendet. Bei der Feier in der Sixtinischen Kapelle erinnerte Johannes Paul besonders die Eltern und Paten an ihre Verantwortung für die christliche Erziehung der Kinder.

Autobiographie: Unter dem Titel "Geschenk und Geheimnis - zum 50. Jahr meiner Priesterweihe" erscheint jetzt die Autobiographie des Papstes auch in deutscher Sprache. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, will das Buch am 27. Januar in Mainz vorstellen. In Österreich wird es vom Wiener Erzbischof Christoph Schönborn am 30. Januar präsentiert.

Krisengebiete:

Botschaft in Lima: Der Vorsitzende des lateinamerikanischen Bischofsrat CELAM, Erzbischof Oskar Rodriguez, hat am Donnerstag die Anliegen der Geiselnehmer von Lima als zum Teil berechtigt verteidigt. Zwar erklärte er, er lehne Gewalt, wie sie die Tupac- Amaru-Rebellen einsetzten, ab; dennoch müsse gegen die soziale Ungerechtigkeit in Peru und in ganz Lateinamerika etwas getan werden. (kna)

Hunger: Die Versorgungssituation für viele tausend Menschen in Ostzaire ist weiterhin katastrophal. In der Region Lubutu verhungern täglich 40 Menschen. Vor wenigen Tagen sind von Caritas international 145 Tonnen Nahrungsmittel zur Versorgung der rund 35.000 Menschen in Südostzaire eingetroffen. Die Caritas ist bislang die einzige Organisation, die von den lokalen Behörden die Erlaubnis für humanitäre Hilfe erhielt.

Ermahnung zur Ruhe: In der zentralafrikanischen Republik hat die Kirche die Gläubigen ermahnt, die Situation nicht weiter anzuheizen. Die dortigen Unruhen dauern jetzt schon seit zwei Monaten an.

Kriegstribunal: Wie am Freitag bekannt wurde, wollen die Vereinten Nationen das Verwaltungspersonal des Kriegstribunals für Ruanda auswechseln. Es hat wegen Unregelmäßigkeiten und Mißmanagement seine Tätigkeiten derzeit ausgesetzt. (kna)

Gewalt: Im sudanesischen Khartum sind während der letzten Tage mehrere Gewalt-Taten auf katholische Schulen und Einrichtungen verübt worden. Das gaben die Comboni-Missionare am Samstag bekannt. Nach Angaben des Erzbischofs von Khartum, Kardinal Gabriel Zubeir Wako, handelt es sich bei den Attentätern um regimetreue Terroristen, die von der Regierung des Landes unterstützt würden.

Verurteilt: In der indonesischen Stadt Situbongo sind fünf junge Männer zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten im vergangenen Herbst auf Java zu Unruhen aufgerufen, bei denen mehrere Menschen getötet und verschiedene christliche Kirchen in Brand gesteckt wurden. Presseanalysen meinen, daß die Strafen zu milde ausgefallen sind. (kna)

Lösung im Dialog: Die streikenden Arbeiter in Süd-Korea und die Regierung sollen eine Lösung im Dialog suchen. Dazu hat am Freitag Bischof Chang Duk Pil bei einer Pressekonferenz in der Kathedrale von Myongdong aufgerufen. Die Gewerkschaftsbewegung hat in der katholischen Kirche einen festen Rückhalt. Wie die Staatsanwaltschaft in Seoul bekanntgab, verhandelt sie mit der Kirche, um zu erreichen, daß sie die Oppositionellen festnehmen kann - aber friedlich.

Gleiche Zelle: Der Attentäter von Hebron soll gewünscht haben, die Zelle mit dem Mörder von Jitzak Rabin zu teilen. Das meldeten israelische Zeitungen am Freitag.

Schikane gegen Katholiken: Ein Bischof der Provinz Ost-Slawonien hat die UNO um Hilfe gebeten. Sie soll die Schikanen gegen Katholiken in der vor allem von Serben bewohnten Region stoppen. Letzter Auslöser für die Bitte des Bischofs war eine Bombe, die am Mittwoch in einer katholischen Kirche detoniert war.

Kirche:

Staat - Kirche: In Ungarn ist es durch ein neues Gesetz im derzeitigen Staat-Kirche-Verhältnis zu einer Verstimmung gekommen. Das Gesetz könnte den Kirchenfinanzierungsvertrag unterlaufen. Das angeblich zu hastig verabschiedete Gesetz sieht die Zweckwidmung eines kleinen Teiles der jährlichen Lohn- und Einkommenssteuer vor. Dieser soll anerkannten Religionsgemeinschaften und Vereinen zugeführt werden. Die ungarischen Bischöfe befürchten aber ihrerseits, daß die Höhe der künftigen staatlichen Unterstützung der Kirche dadurch bedroht wird.

Untergrundkirche: Das Politbüro Chinas hat offenbar detaillierte Pläne zur Ausrottung der romtreuen Untergrundkirche. Das hat die in den USA ansässige Kardinal-Kung-Stiftung am Samstag erklärt und den ausländischen Korrespondenten in Peking ein Papier zukommen lassen, das den Titel trägt: Maßnahmen, um die illegalen Aktivitäten der katholischen Untergrundkirche auf legalem Weg zu stoppen.

Entführt: In Tschetschenien sind am Donnerstag der Archimandrit der russisch-orthodoxen Kirche von Grozny und ein ihn begleitender Priester von bewaffneten Unbekannten entführt worden. Das gab das Büro des russischen Präsidenten in der tschetschenischen Hauptstadt am Freitag bekannt. Der russisch-orthodoxe Patriarch, Alexei II., bezeichnete unterdessen die Entführung als "Sakrileg" und bat die muslimischen Verantwortlichen der Stadt, bei der Freilassung der Geiseln zu helfen.

Ökumene: In den Vereinigten Staaten bahnt sich eine bemerkenswerte ökumenische Entwicklung zwischen der sogenannten "Apostolischen Kirche des Ostens" und ihrem mit Rom unierten Arm an. Dazu haben ihre beiden geistlichen Oberhäupter, besser bekannt als "assyrischer" beziehungsweise "chaldäischer" Patriarch, jetzt in Chicago eine Erklärung unterzeichnet. Diese sieht neben einem gemeinsamen Katechismus auch ein ökumenisches Priesterseminar im Raum Chicago-Detroit vor.

Gegen Gewalt: Die US-amerikanischen Bischöfe haben zu einer Gebetswoche gegen Gewalt aufgerufen. Sie wenden sich dabei besonders an Pfarreien und katholische Schulen. Dort soll vom 15. bis 22. Januar gegen Rassenhaß, Abtreibung und Waffenbesitz gebetet werden.

Mordversuch: Vermutlich auf Konflikte innerhalb der orthodoxen Kirche Äthiopiens ist das Attentat eines Priesters zurückzuführen. Dieser hatte versucht, das Oberhaupt der äthiopisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Paulus, zu ermorden. Bevor er jedoch die Tat ausführen konnte, wurde er erschossen.

Deutschland:

Gegen "Focus": Das Bistum Mainz hat am Montag Bischof Karl Lehmann und Domkapitular Günter Emig gegen Presse-Vorwürfe verteidigt. Die Zeitschrift "Focus" hatte behauptet, die beiden Geistlichen hätten von Gewalt gegen Minderjährige und sexuellen Mißbrauch gewußt, seien aber nicht dagegen eingeschritten. Das Bistum stellte klar, daß sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe personelle Änderungen erfolgt seien. Man werde zivil- und strafrechtlich gegen den "Focus" vorgehen, hieß es weiter.

Religionsunterricht: Die hessische Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen stellt den konfessionellen Religionsunterricht in Frage. Das Interesse an diesem Unterrichtsfach sinke, so die kulturpolitische Sprecherin, Maria Marx, vor einer Anhörung im Wiesbadener Landtag. Der Schulreferent der Diözese Limburg, Winfried Engel, verteidigte hingegen den konfessionellen Relgionsunterricht. Dieser habe, wie er sagt, "Orientierungs- und Antwortfunktion" für die Jugendlichen. (kna)

Wiederverheiratete: Der Tübinger Moraltheologe Dietmar Mieth hat die Unauflöslichkeit der Ehe verteidigt aber gleichzeitig die kirchliche Praxis gegenüber geschiedenen Wiederverheirateten kritisiert. Ihr Ausschluß von den Sakramenten erinnere an die alte öffentliche Buße, erklärte er am Donnerstag bei einem Streitgespräch. Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun warnte davor, bisherige Regelungen forsch über Bord zu werfen. (kna)

Terre des Hommes: Das Kinderhilfswerk "Terre des Hommes" hat anläßlich seines dreißigjährigen Bestehens darauf hingewiesen, daß es mittlerweile auch Straßenkinder in Berlin und Hamburg gebe. Bei einer Pressekonferenz wies die Organisation darauf hin, daß ihr Gründungszweck heute noch so aktuell sei wie vor 30 Jahren. (kna)

Speckpater: Mit einem Festgottesdienst in Sankt Peter in Rom will der "Speckpater", Werenfried von Straaten, das 50jährige Jubiläum des von ihm gegründeten Hilfswerks "Kirche in Not/Ostpriesterhilfe" feiern. Zu der Messe am 17. Januar seien Wohltäter und Vertreter der römischen Kurie eingeladen. Außerdem begehe man dabei den 84. Geburtstag van Staatens. Das teilte jetzt das Hilfswerk in Königstein mit.

Weitere Meldungen:

Charta: Auf einem Kongreß in Paris ist jetzt eine "Charta aller gemeinsamen Werte" zwischen islamischer und westlicher Welt vorgeschlagen worden. Es wurde betont, daß gerade jetzt ein derartiger Schritt besonders zu begrüßen sei. Der Islam als Religion der Toleranz und der Solidarität werde im Westen allgemein zu negativ beurteilt und mit Fundamentalismus und Terrorismus gleichgesetzt.

Loyalität: Die Regierung Vietnams hat die Buddhisten des Landes zur Loyalität gegenüber dem Staat aufgerufen. Dies meldeten amtliche vietnamesische Medien am Montag. Hintergrund sind offenbar Berichte über die Räumung und Zerstörung eines Tempels durch die Behörden. (kna)

Ebola: Die seit Juli andauernde Ebola-Epidemie in Gabun hat bisher 43 Todesopfer gefordert. Dies gab die Weltgesundheitsorganisation am Freitag bekannt. (kna)

Keine Einladung: Die französischen Muslime haben sich beklagt, daß sie als zweitgrößte Religionsgemeinschaft des Landes nicht zum traditionellen Neujahrsempfang der Kirchen durch Staatspräsident Jacques Chirac eingeladen worden sind. Neben Katholiken, Protestanten und Juden sei es ihr Recht, auch an dem Empfang teilzunehmen. Der Elysee-Palast teilte seinerseits mit, daß die französischen Muslime keinen offiziellen Vertreter hätten und man somit nicht wisse, wer in diesem Fall einzuladen sei.

Präsidentin: Erstmals übernimmt eine Frau das Amt des Präsidenten im ökumenischen Institut des Weltkirchenrats. Die US-Amerikanerin Heidi Hadsell wird die Funktion im Herbst des Jahres antreten. Sie gehört der methodistischen Kirche an und hat bisher in Chicago christliche Sozialethik doziert. (kna)

Abtreibung: Die kambodschanische Regierung will das Abtreigungsgesetz liberalisieren. Das wurde am Donnerstag aus der Hauptstadt Pnohm Penh bekannt. Frauen soll es in Zukunft gestattet sein, einen Abbruch der Schwangerschaft durchzuführen, wenn er in den ersten drei Monaten stattfindet. Derzeit ist eine Abtreibung nur möglich, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. (kna)

Erstehilfestation: Einer katholischen Vereinigung ist es jetzt gelungen, im pakistanischen Karachi eine zweite Klinik mit Erstehilfestation zu eröffnen, in der Angehörige aller Religionsgruppen kostenlos behandelt werden. Die Klinik ist finanziell unabhängig und kann somit frei über die ihr zur Verfügung stehenden Kräfte verfügen.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

werden.

Magazine in dieser Woche (13. bis 19. Januar):

Montag: Weltkirchenmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Die Diplomatenrede des Papstes - Deutsche Caritasbilanz 1996 - Der Sinn des Ramadan-Fastens.

Dienstag: Radioakademie: Glück - Schein oder Wahrheit? von Corinna Mühlstedt. Teil II.

Mittwoch: Die Römische Woche GEPLANTE BEITRÄGE: Buchvorstellung: "Das Christusjahr" - Portrait des heiligen Maurus

Donnerstag: Kreuzfeuer - Kirche, wo es kritisch wird Islamischer Fundamentalismus GEPLANTE BEITRÄGE: Wie entsteht Fundamentalismus? - Fanatiker konkret: Die Moslembrüder in Ägypten - Warum die arabischen Präsidenten nicht ganz schuldlos sind - Die 10 häufigsten Fehler von Christen gegenüber dem Islam.

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Gebetswoche zur Einheit der Christen - 125 Jahre Raphaelswerk

Samstag: Kommentar der Woche von Donath Herzsik und Betrachtung zum Sonntag von Willibald Hopfgartner.

Sonntag: Korrespondenzsendung: Sie schreiben - wir antworten

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Wir freuen uns über Resonanz auf unsere Internetseiten aber auch auf unser Radioprogramm. Bitte schreiben Sie uns. Unsere Internet-Adresse ist:

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