vom 03. bis 06. Januar 1997 + + +

Vatikan:

Angelus: Papst Johannes Paul II. hat beim sonntäglichen Angelusgebet an all diejenigen Menschen erinnert, die von Entführern festgehalten werden. Gerade in der Weihnachtszeit falle es besonders schmerzlich auf, wenn jemand aus der Familie fehle, erklärte er. Der Papst rief die Entführer in aller Welt auf, ihre Opfer freizulassen.

Einheit: Beim Angelus am Montag hat der Papst zur Einheit zwischen orthodoxer und katholischer Kirche aufgerufen. Anlaß für den Appell war das Weihnachtsfest der orthodoxen Christen, das am Montag gefeiert wurde. Bei einer Einheit müssen liturgische Unterschiede nach Ansicht des Papstes keine Hindernisse sein - sie könnten vielmehr dazu anspornen, sich gegenseitig besser kennenzulernen und zu bereichern.

Bischofsweihe: Am Montag hat Johannes Paul zwölf Priester aus mehreren Kontinenten im Petersdom zu Bischöfen geweiht. Unter ihnen war auch Basilio do Nacimento, Bischof einer neuen Diözese auf Ost-Timor. Er soll sich mit Friedensnobelpreisträger Bischof Carlos Belo die pastoralen Arbeiten auf der Insel teilen.

Weltfriedenstag: In Italien wurde die Botschaft des Papstes zum Weltfriedenstag 1997 positiv aufgenommen. Staatspräsident Oscar Luigi Scalfaro sprach die Hoffnung aus, daß die Friedensbotschaft Johannes Pauls in die Herzen Aller eindringen möge. Regierungschef Romano Prodi und sein Außenminister, Lamberto Dini, schrieben beide an Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano und drückten ihre Genugtuung über die Papstbotschaft aus.

Kuba-Reise: Papst Johannes Paul II. wird die geplante Kuba Reise erst im Januar 1998 unternehmen. Das hat der kubanische Kardinal, Jaime Ortega, am Freitag bekanntgegeben. Zunächst war geplant gewesen, daß der Papst die Zuckerinsel im Oktober diesen Jahres besuchen sollte, wenn er sich sowieso in Lateinamerika aufhält - er will Brasilien eine Visite abstatten. Als Grund für die Verschiebung wurden Organisationsgründe genannt.

Audienz: Der Papst hat am Freitag die beiden neuernannten Bischöfe von Hongkong in Audienz empfangen. Nachdem Johannes Paul noch zum Jahresende den Mangel an Religionsfreiheit in China beklagt hatte, dürfte sich die Unterredung um die Lage Hongkongs nach der Rückgabe an China gedreht haben. (kna)

Menschenrechte:

Waisen: Das Notärzte-Komitee "Cap Anamur" will ein Aufnahmeheim für elternlose Kinder in Zaire gründen. Das gab die Organisation am Freitag bekannt. Durch die Flüchtlingswelle im Grenzgebiet von Zaire und Ruanda hätten zahlreiche Kinder ihre Eltern verloren, erklärte die Organisation. Für etwa 300 Waisen, die Cap Anamur seit Mitte Dezember gefunden hat, soll nun ein altes Hotel gemietet werden. (kna)

Todesstatistik: Bei Attentaten in der arabischen Welt sind in den letzten fünf Jahren etwa 60.000 Menschen ums Leben gekommen. Diese Zahl wurde jetzt in Tunis am Rande eines Ministertreffens bekannt. Die meisten der Opfer seien einfache Zivilisten gewesen, hieß es. Besonders betroffen sind Ägypten und Algerien.

Krisengebiete:

Teilerfolg: Am Freitag nachmittag hat die serbische Regierung den Sieg der Opposition eingestanden - allerdings nur in 9 Wahlbezirken Belgrads und in drei weiteren Städten. Die OSZE, die am gleichen Tag zu einer Sondersitzung über die Lage in Belgrad zusammenkam, hatte gefordert, den Wahlsieg der Opposition in 14 der 18 großen Städte Serbiens anzuerkennen. Am Montag, dem orthodoxen Weihnachtsfest, war erneut ein Marsch zur St. Savva Kathedrale in Belgrad geplant.

Erneute Aufforderung: In Serbien hat der orthodoxe Patriarch Pavle Präsident Milosevic erneut aufgerufen, das Ergebnis der Kommunalwahlen vom November anzuerkennen. Zuvor hatte der Heilige Synod mit einer deutlichen Stellungnahme das Vorgehen der Regierung in Belgrad kritisiert.

Konflikte: Der Präsident der Philippinen, Fidel Ramos, hat beim Neujahrsempfang des diplomatischen Corps vor anhaltenden Konflikten und Spannungen in verschiedenen Regionen der Welt gewarnt. Er betonte die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen den Nationen, um dieser Bedrohung begegnen zu können.

Unruhen: Auf Borneo haben sich die Rassenunruhen verschärft. Das Ergebnis sind Massenflucht und Evakuierungen. Vor einer Gruppe von 5.000 Personen, die randalierend umherzieht, flüchten Tausende aus ihren Dörfern. Jetzt soll die Polizei die Ausschreitungen unter Kontrolle haben. Es sollen Truppen in das Gebiet gesandt worden sein.

Pfarrzentrum zerstört: In der Nähe der sudanesischen Hauptstadt Karthoum ist ein christliches Pfarrzentrum von Polizeikräften zerstört worden. Dies teilte die Ordensleitung der Comboni-Missionare am Freitag in Rom mit. Es handelte sich um eine Einrichtung für Flüchtlinge aus dem Südsudan. Die Polizisten haben offensichtlich im Auftrag der fundamentalistisch-islamischen Regierung gehandelt. (kna)

Aufstand: Der Oppositionsführer des Sudan, der im Exil lebende Sadiq Al-Mahdi, rechnet mit einem baldigen Volksaufstand in dem afrikanischen Land. Das erklärte er am Freitag auf einer Pressekonferenz in Kairo. Die Regierung des Sudan sei am Ende und unfähig, die Probleme des Landes zu lösen.

Gerettet: Einige Missionare aus Europa und Kanada, die sich in der zairischen Region Isiro aufhielten, konnten am Sonntag in Sicherheit gebracht werden. Die Rettungsaktion hatte das italienische Außenministerium in Zusammenarbeit mit den Botschaften Spaniens und Portugals koordiniert.

Massaker: Der Erzbischof von Freetown in Sierra Leone, Joseph Ganda, hat die Revolutionäre Front angeklagt, in einem Krankenhaus ein Massaker verübt zu haben. Wie er am Freitag erklärte, habe er im zerstörten Hospital von Serabu mindestens 30 Leichen und weitere menschliche Skelette gesehen.

Kirche:

Bischof Haas: 30 Gruppen, Bewegungen und Gemeinschaften der Schweiz, denen insgesamt 120.000 Mitglieder oder Sympatisanten angehören, haben jetzt eine Unterschriftenaktion zugunsten von Bischof Wolfgang Haas von Chur gestartet. Er sei Nachfolger der Apostel und ein offener und menschenfreundlicher Oberhirte.

Deutschland:

Katholische Heimerziehung Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, hat kritisiert, daß eine Medienkampagne gegen katholische Heimerziehung stattfände. In einem am Freitag in der Mainzer Bistumszeitung erschienen Artikel erklärte er, die jahrhundertelangen Bemühungen um die Erziehung junger Menschen werde durch Faktenverdrehung und falsche Verdachte als "schwarze Pädagogik" diffamiert.

Sonntage: Die Abschaffung des Sonntags wäre nach Ansicht des Bischofs von Speyer, Anton Schlembach, religiöser, kultureller und sozialer Selbstmord. Dadurch ginge ein wichtiges Zeichen dafür verloren, daß der Mensch mehr sei als Arbeit, Produktion und Konsum, erklärte Schlembach am Samstag in Südwestfunk. (kna)

Sternsinger beim Kanzler: Bundeskanzler Kohl hat am Montag das Engagement der Sternsinger gelobt. Beim traditionellen Empfang der Jungen und Mädchen aus den 27 deutschen Bistümern sowie Abordnungen aus Belgien und den Niederlanden bezeichnete Kohl die Sternsingeraktion als "phantastische Sache". Erstmals nahmen auch Vertreter aus Frankreich und der slowakischen Republik am Empfang im Kanzleramt teil. (kna)

Katholikentag 2000: Weihbischof Hans-Joachim Jaschke ist vom Hamburger Erzbischof Averkamp zum Koordinator für die Vorbereitungen des Katholikentages in der Hansestadt im Jahr 2000 ernannt worden. Jaschke wurde beauftragt, eine Arbeitsgruppe zu bilden, in die auch die pastorale Dienststelle der Diözese mit eingebunden werden soll. An die Einrichtung einer ökumenischen Arbeitsgruppe sei ebenfalls gedacht, hieß es. (kna)

Weitere Meldungen:

Gegen Fundamentalismus: In Ägypten werden ab dem kommenden Freitag rund 3.500 Prediger gegen den Fundamentalismus predigen. Sie sollen dies während des Fastenmonats Ramadan im Auftrag der Regierung tun. Die Ulemas sollen "das richtige und maßvolle Denken" des Islam vor allem unter der Jugend in Erinnerung rufen.

Euthanasie: Der oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten will voraussichtlich am Mittwoch eine Entscheidung zur Sterbehilfe fällen. Erst kürzlich wurde die strenge amerikanische Gesetzgebung durch zwei örtliche Gerichte für verfassungswidrig erklärt. Dagegen war Klage erhoben worden. Zwar ist aktive Sterbehilfe in mehr als dreißig Bundesstaaten verboten - nach Umfrage einer medizinischen Zeitschrift wird sie jedoch in jedem sechsten Spital für Todkranke geleistet. (kna)

Cholera: Ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation für Afrika hat jetzt bekanntgegeben, daß im Jahr 1996 rund 5.000 Menschen an Cholera gestorben seien. Das seien 6% der 80.000 Cholera-Kranken gewesen. Alle diese Opfer seien Afrikaner gewesen. Von den 52 Ebola-Kranken in Gaboun seien drei Viertel gestorben. Grund für die Epidemien ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation die ungenügende Gesundheitsvorsorge. Nötig sei die Ausbildung von Fachärzten für diese Epidemien, die Einrichtung von Speziallabors und die Entwicklung von Impfstoffen.

Grabschändungen: Als Antwort auf die jüngsten Schändungen jüdischer Gräber auf dem römischen Friedhof "Prima Porta" hat am Freitag die Stadtverwaltung von Rom auf den wiederhergerichteten jüdischen Grabstätten Blumengebinde niederlegen lassen. Zugleich hat der italienische Innenminister, Giorgio Napolitano, der jüdischen Gemeinde in Rom sein persönliches Interesse bei der Suche nach den bisher noch unbekannten Grabschändern zugesichert.

Manuskripte: Zwei bisher unbekannte Manuskripte des Florentiner Predigers Girolamo Savonarola sollem demnächst der Forschung zugänglich gemacht werden. Wie die vatikanische Tageszeitung Osservatore Romano dazu schreibt, handelt es sich um handschriftliche Eintragungen des Mönchs in sein Brevier und um achtzehn Predigten zum Johannesevangelium. Agenturmeldungen zufolge ist im Rahmen der Vorbereitungen auf das Jubeljahr 2000 im Vatikan eine mögliche Rehabilitiertung des Dominikanermönchs angekündigt worden. Er war 1498 wegen Ketzerei verbrannt worden.

Kirche im Internet: - das ist das diesjährige Schwerpunktthema der Computermesse "Credo-Bit". Sie findet vom 14. bis 16. Januar in Friedberg statt. Credo-Bit sei der einzige Kongress für Computeranwender aus dem kirchlichen Bereich im deutschsprachigen Raum, so der veranstaltende Verein "Pfarrer und PC". (kna)

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (06. bis 12. Januar):

Montag: Weltkirchenmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Exerzitien im Alltag in Deutschland und die Situation der Kirche in Rußland.

Dienstag: Radioakademie: Glück - Schein oder Wahrheit? von Corinna Mühlstedt.

Mittwoch: Die Römische Woche GEPLANTE BEITRÄGE: Der Vatikan plant Tagungen zur Aufarbeitung des Antisemitismus - Was bringt 1997 für Johannes Paul II.? Ein Horoskop für den Papst.

Donnerstag: Kreuz des Südens

Freitag: Prisma-Magazin

Samstag: Kommentar der Woche von Donath Herzsik und Betrachtung zum Sonntag von Willibald Hopfgartner.

Sonntag: Korrespondenzsendung: Sie schreiben - wir antworten

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