vom 27. bis 30. Dez. 1996 + + +

Vatikan:

Neue Diözese: Am Samstag hat Papst Johannes Paul II. die Insel Ost-Timor in zwei Diözesen aufgeteilt. Damit ist Friedensnobelpreisträger, Bischof Carlos Belo, nicht mehr allein für die rund 730.000 Katholiken zuständig. Bisher gab es nur die Diözese Dili, die jetzt durch einen eigenen Verwaltungsbezirk, das Bistum Baucau, entlastet wird. Als Bischof wurde ein Diözesanpriester von Ost-Timor ernannt.

Verlängerung: Ein Vatikansprecher hat am Freitag die Idee verworfen, das Heilige Jahr bis zum Jahr 2002 zu verlängern. Der Vorschlag war aus Organisationsgründen gemacht worden, um die Pilgerströme in Rom besser aufnehmen und begleiten zu können. Denkbar, so der Sprecher, wäre eine Verlängerung bis Ostern 2001.

Krisengebiete:

Versteckt: In der Nähe der zairischen Stadt Isiro hat sich eine Gruppe von rund 30 katholischen Missionaren aus Europa aus Angst vor Kampfhandlungen seit Heiligabend im Busch versteckt. Sie waren bei einem Überfall von Soldaten auf die Stadt geflüchtet.

Prüfung: Eine unabhängige nationale Menschenrechtskomission hat jetzt eine Delegation auf die Insel Java geschickt, um die jüngsten Übergriffe aufgebrachter Einwohner zu prüfen. Die Situation sei mittlerweile wieder normal, hieß es aus Polizeikreisen. Derweil haben muslimische Religionsführer politische Splittergruppen für die Ausschreitungen verantwortlich gemacht.

Kirche:

Neuer Weihbischof: In Wien gibt es seit Freitag einen neuen Weihbischof. Der 44jährige Alois Schwarz war bisher Leiter des Pastoralamtes. Er wurde vor 20 Jahren für die Erzdiözese Wien zum Priester geweiht.

Antisemitismus: In den Vereinigten Staaten hat jetzt ein Vertreter des Judentums gefordert, daß sich die gesamtamerikanische Synode stärker mit dem Antisemitismus auseinandersetzt. Rabbi Leon Klenicki bedauerte besonders, daß in dem Synodenpapier zu diesem Thema jeder Hinweis auf antisemitische Strömungen, besonders in Lateinamerika, fehle.

Todesstrafe (1): Im amerikanischen Bundesstaat Kentucky haben sich alle Bischöfe gegen die Vollstreckung der Todesstrafe ausgesprochen. In einem Hirtenbrief an die Pfarreien und Gemeinden appellierten die Bischöfe an alle Bürger, über die Todesstrafe nachzudenken und aus den kirchlichen Verlautbarungen zu lernen, um den Grausamkeiten der Todesstrafe ein Ende zu setzen.

Todesstrafe (2): In der tschechischen Republik hat sich Kardinal Miloslav Vlk am Sonntag gegen die Wiedereinführung der Todesstrafe ausgesprochen. Im Fernsehen erklärte er, die Kirche sei in der Vergangenheit gegen diese Strafe aufgetreten und werde das auch in Zukunft tun. (kna)

Weihnachtsmesse: In der chinesischen Diözese Wuhu haben in der katholischen Weihnachtsmesse auch mehrere hundert Nichtgläubige teilgenommen. Um jede Provokation zu vermeiden, hatten die Verantwortlichen die Messe so spät wie möglich gelegt. Als einige hundert Menschen in und vor der Kathedrale sitzenblieben, glaubte man zunächst an Protest oder Sabotage - sie waren jedoch gekommen, um mitzufeiern.

Bilanz: Die Bischofskonferenz Pakistans hat zum Jahresende Bilanz über Erfolge und Rückschläge in dem mehrheitlich muslimischen Land gezogen. Trotz des wachsenden islamischen Fundamentalismus habe die Kirche im Bereich von Seelsorge, Menschenrechten und Caritas Fortschritte verbuchen können; außerdem konnte eine Kommission für die Vorbereitung auf das Jahr 2000 gegründet werden.

Armut: Der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., hat in seiner diesjährigen Weihnachtsbotschaft an die Armut erinnert. Sowohl die Geburt Jesu in einer Krippe als auch die heutige Situation der Kirche am Patriarchensitz Istanbul seien von gravierender Armut gekennzeichnet. Außerdem ging Bartholomaios auf die Bedeutung des Primats ein.

Verelendung: Die russisch-orthodoxe Kirche hat ihre Besorgnis über die wachsende Verelendung vieler Menschen geäußert. Der Synod des Moskauer Patriarchats erklärte, für viele Russen würden die erlangten Freiheiten entwertet, weil die wirtschaftliche Basis für deren Realisierung fehle. Die Führungsspitze des Moskauer Patriarchats wies besonders auf das Schicksal der alten Menschen hin, sowie auf die Situation der Studenten, der Künstler und der Arbeiter.

Deutschland:

Trauergottesdienst: Am Sonntag hat in der Frankfurter evangelischen St. Dionysius-Kirche ein ökumenischer Trauergottesdienst zum Gedenken an die Opfer des Selbstmordanschlags stattgefunden. Der Präsident der hessischen Landeskirche, Peter Steinacker, unterstrich in seiner Ansprache, daß er keine befriedigende Erklärung für die Tat finde. (kna)

Opfer der Verschuldung: Die Initiative "Ordensleute für den Frieden" will den Opfern der Verschuldung ein Denkmal errichten. Die Initiative, die seit 1990 eine Schuldenstreichung für die Dritte Welt fordert, hat in einem am Montag veröffentlichten Brief an die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth bekanntgegeben, daß immer mehr Menschen, auch in Frankfurt, ärmer würden. (kna)

Kritik von Amnesty: Die deutsche Sektion von Amnesty International hat jetzt Äußerungen von Bundespräsident Roman Herzog und Bundeskanzler Helmut Kohl zur Behandlung von Menschenrechtsfragen kritisiert. Ausgelöst hatte die Stellungnahme eine Mahnung Herzogs zu Pragmatismus und die Unterscheidung von Kohl zwischen "predigen und realisieren". (kna)

Differenzen: Zwischen der deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gibt es erhebliche Meinungsverschiedenheiten wegen des geplanten ökumenischen Kirchentages. Bischof Karl Lehmann erinnerte in einem Brief an die ZdK-Präsidentin Rita Waschbüsch daran, daß mit der Einladung zu dem ökumenischen Kirchentag die Erwartung eucharistischer Gemeinschaft verbunden worden sei. (kna)

Buß- und Bettag: Der bayerische Ministerpräsident, Edmund Stoiber, will sich beim Bundesrat für die Wiedereinführung des Buß- und Bettages als gesetzlichen Feiertag einsetzen. Wie er am Freitag in München erklärte, sollen die Belastungen der Arbeitgeber durch die Pflegeversicherung durch eine Mehrarbeit von zehn Stunden ausgeglichen werden. Stoiber sagte dies im Beisein des evangelisch-lutherischen Landesbischofs, Hermann von Löwenich, der ihm mehr als 200.000 Unterschriften für eine Wiedereinführung des Buß- und Bettages übergab. (kna)

Taizé: Mit einem Aufruf zur Versöhnung hat der Prior von Taizé, Roger Schütz, das diesjährige europäische Jugendtreffen in Stuttgart eröffnet. Die rund 70.000 jungen Christen aus vielen europäischen Ländern, die sich am Samstag Abend in den Messehallen auf dem Killesberg zum ersten Abendgebet versammelt hatten, forderte Schütz auf, die Schatten der Vergangenheit zwischen den Völkern zu überwinden. (kna)

Sternsinger: Am Freitag ist in München die diesjährige Sternsinger-Aktion eröffnet worden. Mehr als 1.500 Junge und Mädchen nahmen an der Feier im Liebfrauendom teil. Kardinal Friedrich Wetter rief die Katholiken und alle Bürger auf, den Sternsingern ihre Tore, Herzen und Geldbeutel zu öffnen. Mit dem Erlös der Sammlung durch die Sternsinger werden Projekte in Entwicklungsländern gefördert. (kna)

Stasi-Mitarbeit: Das Landgericht Leipzig hat dem WDR und dem NDR verboten, Aussagen über eine angebliche Stasi-Mitarbeit des Leipziger Probstes, Günter Hanisch, zu machen. Hanisch hatte mit Unterstützung der deutschen Bischofskonferenz und des Bistums Dresden-Meißen gegen einen Beitrag in den Tagesthemen geklagt, der 1993 ausgestrahlt worden war. (kna)

Weitere Meldungen:

Grabschändung: Auf dem römischen Friedhof "Prima Porta" sind in der vergangenen Nacht etwa ein Dutzend jüdische Gräber geschändet worden. Wie die jüdische Gemeinde von Rom mitteilte, wird die Tat neonazistischen Kreisen zugeschrieben. Bei dem Überfall waren die Davidsterne entfernt und an ihre Stelle Hakenkreuze angebracht worden. Politiker aller Parteien und der Vatikan verurteilten am Montag die Schändung.

Konferenz: In Paris soll am 8. und 9. Januar eine Konferenz über das Verhältnis von Islam und westlicher Welt stattfinden. Organisiert wird sie von einer Nichtregierungsorganisation, die sich um ein besseres Islam-Bild im Westen bemüht. Als Tagungsort wurde bewußt Paris gewählt - wegen der Bombenattentate der algerischen Fundamentalistengruppe GIA.

Kältewelle: Auf der italienischen Halbinsel herrscht zur Zeit ungewöhnliche Kälte. Im frostgeplagten Rom, in dem es in der Nacht auf Sonntag sogar geschneit hat, ist die Nachfrage der Obdachlosen nach warmen Mahlzeiten außerordentlich groß. An den Essensausgabestellen der Stadt, der Caritas, der Ordensgemeinschaften und der römischen Basisgemeinde Sant Egidio werden täglich mehrere tausend Essen und heiße Getränke an Bedürftige ausgegeben. Ähnlich wie in Paris werden jetzt auch in Rom Metro-Stationen und Unterführungen nachts für Obdachlose geöffnet. (kna)

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

werden.

Magazine in dieser Woche (20. Dezember bis 5. Januar):

Montag: Bilanz des Jahres 1996 von Stefan Kempis und Matthias Kopp.

Dienstag: Das Meerweibchen beim Heiligen Christophorus eine Silvesterbetrachtung. Von Hans-Bernhard Würmeling.

Mittwoch: Das Jahr Jesu Christi - Das dritte Jahr vor 2000 von Pater Eberhard Gemmingen SJ.

Donnerstag: Jugendmagazin

Freitag: Prisma-Magazin

Samstag: Betrachtung zum Sonntag von Willibald Hopfgartner aus Bozen und Rosenkranzgebet mit dem Heiligen Vater.

Sonntag: Korrespondenzsendung: Sie schreiben - wir antworten

So können Sie uns erreichen:

Wir freuen uns über Resonanz auf unsere Internetseiten aber auch auf unser Radioprogramm. Bitte schreiben Sie uns. Unsere Internet-Adresse ist:

mc6778@mclink.it
Radio Vaticana
Redaktion: Ruthild Kropp
Sezione tedesca, I-00120 Città del Vaticano
Telefax: 0 03 96 - 69 88 38 44

kostenfreies E-Mail-Abo der RV-News über: Rolf-Valentin Jouaux (jx@tap.de) (http://www.kath.de)

Online-Extemporale

Fünf Fragen zu Radio Vatikan
(Hans-Werner Lichter und Alfons Isermann)

Radio Vatikan Archiv
Leitseite www.kath.de