vom 20. bis 23. Dez. 1996 + + +

Vatikan:

Gegen Geiselnahme: Papst Johannes Paul II hat die Geiselnahme in der japanischen Botschaft in Lima/Peru scharf verurteilt. Nach dem Angelusgebet sagte der Papst am Sonntag in Rom, er bete für die Bekehrung der Geiselnehmer und rufe auch die ganze Kirche zum Gebet auf. Er hoffe, daß die Geiseln an Weihnachten wieder zu Hause bei ihren Familien seien.

Auch der Präsident des bischöflichen Hilfswerkes Adveniat, Weihbischof Franz Grave von Essen, hat zu einem Ende des Geiseldramas aufgerufen. Er warnte aber die Verhandelnden vor einer Hinhaltetaktik, die das Leben der Geiseln gefährden könnte. Der Erzbischof von Lima, Kardinal Augusto Vargas Alzamora, feierte am Samstag auf dem Platz vor der Kathedrale eine Messe für die Geiseln.

Gerechte Wirtschaftspolitik: Papst Johannes Paul II. hat die westliche Politik gegenüber den armen Ländern heftig angegriffen. "Während die internationale Gemeinschaft über die Probleme der Menschheit nachdenkt und viel zuviel Zeit verstreichen läßt, bis sie auch etwas Konkretes tut, leiden und sterben in vielen Regionen der Erde Millionen von Männern, Frauen und Kindern." Das meinte der Papst am Samstag bei seinem Jahresempfang für die Kardinäle und die römische Kurie. Der Kontrast zwischen extremer Armut auf der einen und florierender Konsumgesellschaft auf der anderen Seite werde immer krasser. Darum dürfe eine verantwortliche Wirtschaftspolitik nicht nur auf Profit aus sein. sondern auch auf Teilen und auf Solidarität. Die entwickelten Länder dürften auch dramatische Probleme - wie derzeit die Entwicklung in Zentralafrika - nicht einfach aussitzen.

Lehramt bekräftigt: Der Sekretär der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Tarcisio Bertone, hat am Freitag auf die Verbindlichkeit des ordentlichen päpstlichen Lehramtes hingewiesen. In einem Leitartikel der Vatikanzeitung Osservatore Romano erklärte der zweite Mann in der Kongregation nach Kardinal Ratzinger, päpstliche Lehrentscheidungen müßten auch dann als für die Kirche verbindlich akzeptiert werden, wenn sie nicht ex cathedra verkündet würden. Als Beispiele nannte Bertone die Enzyklika des Papstes über den Wert des menschlichen Lebens und sein Apostolisches Schreiben über die Priesterweihe, in der Johannes Paul eine Frauenordination ausgeschlossen hatte.

Freimaurer-Orden: Am Samstag ist der Papst von den italienischen Freimaurern mit dem Galileo-Galilei-Orden ausgezeichnet worden. Damit soll sein Engagement für Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern gewürdigt werden. Ein Sprecher des Vatikans erklärte jedoch, daß der Papst die Auszeichnung ablehne; er nehme grundsätzlich keine Orden und Auszeichnungen an. Der Galileo-Galilei-Preis ist die höchste Auszeichnung für Nicht-Freimaurer.

Belo beim Papst: Der Friedensnobelpreisträger 96, Bischof Carlos Belo von Ost-Timor, ist am Freitagmorgen von Papst Johannes Paul II. in Audienz empfangen worden. Dabei ermutigte der Papst den Bischof, in seinem Einsatz für die Menschenrechte fortzufahren. Belo berichtete nach der Audienz, der Papst habe ihn nicht zu mehr Vorsicht oder Zurückhaltung ermahnt, sondern im Gegenteil gewünscht, daß der Preis für Belo ein "Schutzschild" bei seiner Arbeit auf Ost-Timor sei.

Krisengebiete:

Schluß mit Waffenhandel: Die Bischöfe aus der Region der Großen Seen Afrikas haben an die Weltöffentlichkeit appelliert, den Waffenhandel mit dem Krisengebiet Zaire-Ruanda-Burundi einzustellen. Auf einer Konferenz in der kenianischen Hauptstadt Nairobi warnten die ungefähr zwanzig Oberhirten aus dem Krisengebiet gleichzeitig vor einer pauschalen Verdammung des Stämme-Systems. Stämme seien in Afrika vor allem ein Reichtum; sie würden aber zu einer Gefahr, wenn sie von Macht- und Privatinteressen instrumentalisiert würden. Die Bischöfe bedauern, daß der Haß sogar in die Kirche eingedrungen sei und auch Kirchenleute sich schuldig gemacht hätten. Sie verurteilen aber die Morde an fünf Bischöfen der Region in den letzten Monaten. Die Konferenz hatte der päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden organisiert. Indessen haben Diakonie und Caritas zu Spenden für die Flüchtlinge in Ost-Zaire aufgerufen. Hunderttausende suchten gerade jetzt in der Weihnachtszeit eine Herberge.

Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, hat die israelische Jerusalem-Politik verurteilt. Sie sei total verfehlt. Sabbah kritisierte in einer Weihnachtsbotschaft auch die israelischen Baupläne auf Palästinenserland, das Abreißen von Häusern, die neuen Siedlungen. Die Israelis müßten endlich lernen, die Palästinenser wie menschliche Wesen zu behandeln. Grenzposten dürften die Palästinenser ungestraft schlagen und mißhandeln.

Entwicklung nötig: "Indianerbischof" Erwin Kräutler hat davor gewarnt, Wirtschaftswachstum mit Entwicklung zu verwechseln. Das habe man leider allzu lange getan, aber es sei falsch, schreibt der aus Voralberg gebürtige Bischof, der am Amazonas arbeitet, in einem Zeitungsbeitrag. Als Beispiel verweist Kräutler auf Brasilien: Das Land gehöre heute zu den zehn führenden Industrienationen; wenn man aber nach Bildungsstand, Lebenserwartung und Realeinkommen frage, stehe es weltweit an 58. Stelle.

Sharia für Tschetschenien: Der Vize-Premierminister von Tschetschenien hat die Einführung des islamischen Rechtes der Sharia gefordert. Sie sei eine Bedingung für Frieden, meinte er gegenüber einem russischen Radiosender. Die Morde an Mitarbeitern des Roten Kreuzes und an einigen russischen Zivilisten während der letzten Tage deuteten auf politischen Terrorismus hin. Damit solle offenbar die Wahl eines tschetschenischen Präsidenten Ende Januar verhindert werden. Gegen Terroristen müsse man künftig die schweren Strafen des islamischen Gesetzes verhängen können., so der Vizepremier.

Sorge über Spannungen: Die Bischöfe von Bosnien-Herzegowina sind äußerst besorgt über die politische und gesellschaftliche Lage. Das schreiben sie in einer Stellungnahme zum Abschluß eines Treffens in Sarajewo. Bei ihrer Begegnung hatten die Bischöfe unter anderem überlegt, ob jetzt die Bedingungen für einen Papstbesuch in der bosnischen Hauptstadt gegeben sind. Papst Johannes Paul II. wünscht sich dringend eine Visite in Sarajewo.

Demos für Frieden: Mehr als tausend Menschen haben am Sonntag in der nordirischen Stadt Belfast an einer gemischt-konfessionellen Demonstration für den Frieden teilgenommen. Etwa um die gleiche Zeit explodierte in dem katholischen Viertel von Ardoyne eine Autobombe.

Kirche

Rußland: Vatikanvertreter und Repräsentanten des Moskauer Patriarchats haben in diesen Tagen in Moskau beschlossen, die Konfliktparteien der Westukraine zu einer gemeinsamen Konferenz einzuladen. Dort gibt es immer noch Streitigkeiten über das Kircheneigentum, nachdem die griechisch-katholsiche Kirche vor 5o Jahren zwangsweise in die orthodoxe eingegliedert worden war. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus weigern sich die orthodoxen Gemeinden, die früher enteigneten Kirchen zurückzugeben. Die Vertreter der katholischen und der orthodoxen Kirche wollen auch eine gemeinsame Tagung über die Sekten und neuen religiösen Bewegungen in Rußland halten.

Indien: Im Januar wird eine Nachfolgerin von Mutter Theresa an der Spitze der Missionarinnen der Nächstenliebe gewählt werden. Das wurde jetzt in Kalkutta bekannt. Mutter Theresa hatte aus Gesundheitsgründen um Ablösung gebeten.

Deutschland: Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann hat am Samstag davor gewarnt, daß die Kirche Sozial-

Einrichtungen schließen müsse, wenn die Kirchensteuer über einen bestimmten Prozentsatz absinke. Über 1o bis 2o Prozent dürfe die Einbuße der Kirchensteuer nicht hinausgehen. Lehmann lehnte gleichzeitig in einem Zeitungsbeitrag eine Kirchensteueranhebung ab. Wenn der Staat die Steuern senke, können die Kirche die Steuern nicht anheben. Die katholische Kirche werde mit der Evangelischen in diesem Punkt gut zusammenarbeiten.

Der christlich orientierte Rundfunksender "Radio Horeb" hat am 8.Dezember seinen Betrieb aufgenommen. Wie erst jetzt bekannt wird, ist Radio Horeb aus den Zusammenschluß von "Radio Neues Europa" und "Radio Maria" entstanden und wird von Luxemburg aus ausgestrahlt. Der Sender orientiert sich an der katholischen Glaubenslehre und möchte als Spezialität, die Hörer live in Sendungen einbeziehen. Er wird auch Gottesdienste übertragen.

Behindertenverbände haben die Bundesregierung aufgerufen, die europäische Bioethik-Konvention nicht zu unterzeichnen. Die Organisationen fordern, daß an nicht-einwilligungsfähigen Personen nur dann geforscht werden darf, wenn sie selbst Nutzen davon haben. Die gleichen Einschränkungen müßten auch von Gewebe-Entnahmen zu Transplantationszwecken gemacht werden.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (23. bis 29. Dezember):

Montag: Weltkirchenmagazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Peru: Der deutsche Pfarrer von Lima im Gespräch über das Geiseldrama. - Afrika: Kardinal Etchegaray zu einer Konferenz der Bischöfe in Sachen "Lage an den Großen Seen". - Schweiz: Weihnachtsbotschaft des Generalsekretärs des Ökumenischen Rates der Kirchen, Konrad Raiser. - Deutschland: Pressehagel zu Weihnachten. Ein Kommentar zum Blätterwald vor Heiligabend.

Dienstag: Heiligabend, Sondersendung: Großversammlung an der Krippe von Bethlehem, von Pater Eberhard Gemmingen, Rom.

Mittwoch: 1. Weihnachtstag, Sondersendung: Weihnachten in Rom, eine Reportage von Pater Eberhard Gemmingen und Matthias Kopp. Darin Gespräche mit Kirchenvertretern aus Israel, Burundi und Bosnien-Herzegowina. Außerdem: Urbi-et-orbi von Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz.

Donnerstag: 2. Weihnachtstag, Sondersendung: Betrachtung zum Fest des Erzmärtyrers Stefanus, von Matthias Kopp, Rom.

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Portrait: Der Katholik Kofi Anann tritt am 1. Januar die Nachfolge von UNO-Generalsekretär Boutros Boutros Ghali an. - Außerdem: Nachlese zum Weihnachtsfest und manches mehr.

Samstag: Kommentar der Woche von Wendelin Köster SJ und Das kosmische Gebet - Einübung nach Origenes von Peter Dyckhoff (letzter Teil).

Sonntag: Aktenzeichen: Anton Bruckner. Eine Sendung von Aldo

Parmeggiani.

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