vom 17. bis 19. Dez. 1996 + + +

Vatikan

Friedensbotschaft: Papst Johannes Paul II hat am 17. Dezember seine Botschaft für den Weltfriedenstag, den die katholische Kirche jährlich am 1. Januar begeht, veröffentlicht. Sie steht unter dem Motto "Biete Vergebung - empfange den Frieden". Er behandelt darin den Kreislauf des Hasses und der Gewalt. Mitunter gebe es kein Entrinnen aus diesem Kreis ohne Vergebung. Der Papst leugnet nicht die Notwendigkeit von Rechtsprechung, aber man dürfe der Rache keinen Raum geben. Gleichzeitig betont das Kirchenoberhaupt, daß Strukturen nötig sind, um den Frieden zu erhalten und wiederherzustellen. Er unterstreicht die Bedeutung der Vereinten Nationen, die finanziell gesichert werden müßten. Wenn die Menschheit aus der Geschichte lernen wolle, so müsse sie aber den Kreislauf des Hasses und der Rache sprengen. Dabei haben die Religionen eine besondere Verantwortung.

[BOTSCHAFT SEINER HEILIGKEIT JOHANNES PAUL II. ZUR FEIER DES WELTFRIEDENSTAGES auf http://www.kath.de/sdbk/presse/sd961219.htm

Vatikan und Kroatien: Die Republik Kroatien hat an diesem Donnerstag mit dem apostolischen Stuhl drei Abkommen unterzeichnet. Dabei geht es um die Unabhängigkeit von Kirche und Staat. Die kirchliche Eheschließung wird vom Staat anerkannt. Die Kirche verpflichtet sich, ihre caritative Arbeit auszubauen. Der Staat will die katholischen Schulen so gut wie die staatlichen ausstatten. In den Schulen findet kirchlich organisierter Religionsunterricht statt. Die Rückgabe von enteignetem Kirchengut wird nicht angesprochen.

Arafat beim Papst: Am 19. Dezember hat der Papst Palästinenserpräsident Yassir Arafat in Audienz empfangen. Die Gespräche drehten sich um den Friedensprozess im Nahen Osten und um die Feier des Jahres 2ooo in Israel.

Geiseldrama in Peru: Der Vatikan ist nicht in die Verhandlungen eingeschaltet. Das hat am Donnerstag der Vatikansprecher erklärt. Der Nuntius in Peru stehe aber ständig in Verbindung mit den anderen Botschaften

Homosexuelle aggressiver: Die Verbände der Homosexuellen werden immer aggressiver. Ein Kommentar der vatikanischen Tageszeitung Osservatore Romano kritisierte jetzt, daß ihre Verbände einen ständig größeren Druck ausübten. Die Kirche werde aus Haupt-gegner betrachtet. Die Homosexuellen beanspruchten auf dem Areopaq der Kultur einen besonderen Platz.

Deutschland

Präsident des Familienbundes: Der Familienbund der deutschen Katholiken hat einen neuen Vorsitzenden gewählt. Es ist der thüringische Finanzminister, Andreas Birkmann. Er trat die Nachfolge von Karl Fell an.

Primat ist diskutabel: Nach Ansicht der Jesuitenzeitschrift "Stimmen der Zeit" gibt es in der Frage des päpstlichen Primats durchaus Spielraum. Auch die nicht-katholischen Kirchen hätten Verständnis für ein universales Dienstamt in der Kirche. Übertrieben sei nur der Zentralismus der katholischen Kirche.

Kein III. Vatikanum: Der Münchner Religionsphilosoph Eugen Biser hält die Idee, ein neues Konzil einzuberufen für völlig verfehlt. Biser äußerte sich zu dem Thema im "Konradsblatt".

Cusaner kritisieren Bildungspolitik: Studenten der katholischen Stiftung, Cusanuswerk, haben die Bildungspolitik von Bund und Ländern kritisiert. In einem Schreiben nennen sie die Sparmaßnahmen verfehlt. Das Studium werde immer anonymer.

Weihnachten zuhause: Das Wickert-Instutut hat jetzt ermittelt, daß 9 von 10 Deutschen Weihnachten in der Familie feiern. Die wichgigsten Attribute von Weihnachten sind der Reihe nach: Christbaum, Kerzen, Geschenke, Weinachtslieder.

Scientology: Die Arbeit gegen die Sekte soll bundesweit besser organisiert werden. Das haben die Ministerpräsidenten am Mittwoch in Bonn beschlossen. Die fragwürdigen Aktivitäten müßten mit allen legalen Mittel bekämpft werden. Scientology hat diese Entscheidung als propagandistische Hetze von Extremisten verurteilt.

Österreich:

Muslime bei ökumenischer Versammlung: Die bosnischen Muslime wollen an der großen europäischen Versammlung im Sommer 1997 in Graz teilnehmen. Das erklärte am 19. Dezember der Beauftragte des Islamischen Weltkongresses bei der UNO. Die Entwicklung des Islam in Bosnien habe eine Säkularisierung und Loslösung vom Orient gezeigt.

Frankreich

Chiara Lubich erhielt UNESCO-Preis: Die Gründerin der Focolar-Bewegung wurde jetzt in Paris mit dem Preis der Unesco "Erziehung zum Frieden" ausgezeichnet. In ihrer Dankansprache sagte Frau Lubich, bei der Focolar-Bewegung gehe es um einen neuen Stil des Lebens. Sie hat etwa 1oo.ooo Mitglieder und 2 Millionen Sympathisanten. Der Preis wurde von einer japanischen Stiftung für Leistungen zur Gewissensbildung in der Öffentlichkeit ausgeschrieben

Jugendtreffen Paris: Der Eröffnungsgottesdienst beim Weltjugendtreffen im August 1997 findet unter dem Eiffelturm statt. Das hat die französische Bischofskonferenz bekanntgegeben, nachdem der Bürgermeister von Paris die Erlaubnis dazu gegeben hat. Den Abschlußgottesdienst des Treffens wird der Papst halten.

Asylpolitik: Die Bischöfe Frankreichs fordern eine andere Einwanderungspolitik und Asylpraxis. Dies hat ihr Vorsitzender jetzt in einem Zeitungsinterview betont. Bischof Billé warnte nach dem U-Bahn-Attentat vor einer allgemeinen Diskriminierung der Muslime. Sie seien nicht für den Anschlag verantwortlich.

England

Richter - Freimaurer: Britische Richter, die der Loge angehören, sollen dies öffentlich bekanntgeben. Diese Forderung hat jetzt eine Rechtsanwaltverbindung erhoben. 30 hochrangige Richter seien Freimaurer. Die Öffentlichkeit vertraue ihnen nicht und daher sollten sie aus der Loge austreten.

Rußland:

Alexi krank: Patriarch Alexi II von Moskau und Ganz-Rußland ist am Dienstag, 17.12. wegen Lungenentzündung in die Moskauer Zentralklinik gebracht worden.

Italien

Diplomatische Beziehungen zum Vatikan: Ein Abgeordneter der Lega-Nord hat die Regierung in Rom aufgefordert, die diplomatischen Beziehungen zum apostolischen Stuhl aufzugeben. Als Grund nannte er die Aussetzung des jährlichen Beitrages für UNICEF durch den Vatikan.

Vereinigte Staaten

Religion hilft heilen: Fast alle US-amerikanischen Ärzte sind davon überzeugt, daß der Glauben eine heilende Wirkung hat. Das hat jetzt eine Studie der Havard-Universtität ergeben. 27o Ärzte, die am Jahreskongress der US-Akademie für Familienmedizin teilnahmen haben ihre diesbezügliche Erfahrungen ausgetauscht. Ebenso wie die Vorstellungskraft heile, so sei es auch mit dem religiösen Glauben. Er könne ungeahnte Kräfte entfalten. Daher sollten junge Mediziner auch etwas über Religion studieren.

Psychoanalyse ändert Homosexuelle: Professor Giuseppe Cesari von der Universität San Diego hat in Rom seine Forschungsergebnisse zum Thema Homosexualität vorgestellt. Demnach habe er durch psychoanalytische Behandlung rund 90 Prozent von insgesamt 700 Schwulen und Lesben auf das andere Geschlecht umorientieren können. Die sexuelle Orientierung hänge also wesentlich von der Erziehung und Sozialisierung ab.

Begnadigung zurückgewiesen: Gouverneur George Allen hat das Gnadengesuch für Josef O'Dell durch den Papst zurückgewiesen. Er respektiere das Kirchenoberhaupt, aber es könne seine Meinung nicht beeinflussen.

Kuba:

Papstreise angekündigt: Der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega hat am Dienstag eine Papstreise nach Kuba angekündigt. Dies wurde von der Bevölkerung und besonders von den Katholiken mit großer Begeisterung aufgenommen. Seit dem Besuch von Fidel Castro beim Papst zeigt sich auf der Zuckerinsel deutliche Entspannung.

Australien

Kirchenasyl für Ost-Timoresen: Mehrere Kirchen und humanitäre Organisationen haben Flüchtlingen von Ost-Timor Kirchenasyl gegeben, um sie vor der Ausweisung zu schützen. Die Regierung in Canberra argumentiert, sie seien Bürger Portugals, weil Ost-Timor vor der Annexion durch Indonesien portugiesische Kolonie gewesen war. Canberra hat aber die Annexion der Insel durch Jakarta anerkannt.

Zaire:

Notruf aus Zaire: Der katholische Bischof von Kisangani, Monsengwo Pasinya hat jetzt die Weltöffentlichkeit scharf angeklagt. Sie diskutiere, während hunderttausende Flüchtlinge am Verhungern seien. Es sei unverantwortlich, sich so lange Zeit zu lassen mit einer Entscheidung. Der Vatikan hatte mehrfach eine multinationale Eingreiftruppe zu humanitärer Hilfe gefordert.

Israel:

Kampf gegen Christen: Einige ultra-orthodoxe Israelis drangsalieren die Christen: nachdem Postboten ausgerufen wurden, Sendungen von christlichen Organisationen zu vernichten, haben fanatische Juden jetzt einen christlichen Armenier angegriffen. Er bekennt sich zwar als Jude, aber seine Mutter sei keine Jüdin, daher würde er nicht akzeptiert, erklärte der Mann in Tel Aviv.

Übertritt zum Judentum: Das Rabbinat verhindert Übertritte zur jüdischen Religion, weil angeblich kein Mitglied des Generalstabes das vorgeschriebene Visum erteilt. Die Antragsteller seien meist Muslime aus den besetzten Gebieten, heißt es aus Israel.

Indien:

Mutter Theresa entlassen: Die kranke Friedensnobelpreisträgerin wurde am 19.12. nach dreiwöchigem Krankenhausaufenthalt entlassen. Die Ärzte erklärten, der Genesungsprozess könne im Ordenshaus fortgesetzt werden.

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