vom 13. bis 17. Dez. 1996 + + +

Vatikan

Katholisch-armenische Kircheneinheit: Am Samstag, 14.12. ist im Vatikan eine gemeinsame Erklärung von Papst Johannes Paul II und dem armenischen Katholikos, Karekin I veröffentlicht worden. Darin bedauern beide Seiten frühere theologische Streitigkeiten und bescheinigen sich gegenseitig den gemeinsamen Glauben an Christus und dieselbe Nachfolge im apostolischen Amt. Die beiden Kirchen streben eine baldige Wiedervereinigung an. Die armenische apostolische Kirche hatte sich nach dem Konzil von Chalzedon im 5. Jahrhundert von der Großkirche getrennt. Sie hat heute rund 6 Millionen Mitglieder.

Besuch aus Kuwait im Vatikan: Erbprinz Scheich Saad Al Abdallah hat am Samstag dem Papst einen Besuch abgestattet. Später wurde in Kuwait mitgeteilt, daß er den Papst auch gebeten hätte, sich für die Freilassung der kuwaitischen Gefangenen im Irak einzusetzen, was dieser versprochen habe. Kuwait und der Vatikan haben vor Kurzem den Austausch von Botschaftern beschlossen.

Geschlechtsneutrale Sprache in der Bibel: Am Samstag diskutierten alle US-amerikanischen Kardinäle im Vatikan mit Vertretern der Glaubens- und der Gottesdienstkongregation die neuen US-amerikanischen Mess-Lesungsbücher. Sie sollen in einer Sprache übersetzt sein, daß sie Frauen sich nicht aus- sondern eingeschlossen fühlen. Es wurde jetzt für die Prüfung der Übersetzung eine gemischte Arbeitsgruppe eingesetzt. Sie soll sich bei ihrer Arbeit treu an die Heilige Schrift und die Lehre der Kirche halten.

Geistliche Berufe: Papst Johannes Paul II hat alle Katholiken, insbesondere aber Priester und Bischöfe aufgerufen, sich für Priester- und Ordensberufe zu engagieren. Sie sollten vor allem apostolischen Mut zeigen und Zeugnis für das Evangelium ablegen. Der Papst veröffentlichte eine Botschaft zum nächsten Welt-Tag der Geistlichen Berufe, der im Mai 1997 begangen wird.

Vietnam-Einladung. Die vietnamesischen Bischöfe haben den Papst anläßlich ihres Ad-Limina-Besuches in ihre Heimat eingeladen. Der Papst rief Hanoi gleichzeitig auf, keine Angst vor Katholiken zu haben. Sie wollten in Freiheit einen Beitrag leisten für den Aufbau des Staates. Die Kirche wolle vor allem im Schul- und Erziehungsbereich tätig sein und den Ärmsten helfen. Der Papst dankte den vietnamesischen Katholiken für ihre jahrelange Treue. Sie seien ein Vorbild für die Kirche.

Arafat beim Papst: Am 14.12. hat ein Palästinenser-Sprecher in London mitgeteilt, daß Präsident Arafat am 19. Dezember mit dem Papst zusammentreffen werde. Die katholische Kirche hat sich jahrelang für einen gerechten Ausgleich zwischen Palästinensern und Israelis eingesetzt. Der Papst hat Arafat schon mehrfach empfangen.

Appell gegen Todesurteil: Papst Johannes Paul II hat sich für die Begnadigung des zum Tode verurteilten US-Amerikaners Joseph O`Dell eingesetzt. Er soll im Lauf dieser Woche hingerichtet werden.

Kuba-Reise: Der Papst wird vermutlich erst im Jahr 1998 nach Kuba reisen. Dies hat der kolumbianische Kardinal Lopez Trujillo am Rande einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Der Papst fährt im Oktober 1997 nach Brasilien zum Welt-Familien-Treffen

Walesa beim Papst: Der Papst hat am 16.12. den ehemaligen polnischen Präsidenten Lech Walesa in Privataudienz empfangen. Walesa sagte, er habe seine Batterien laden müssen.

Afrika:

Kirchlicher Krisengipfel: Katholische Bischöfe aus Ruanda, Burundi, Zaire, Tansania und Kenia wollen sich am Mittwoch, den 18.12. in Nairobi treffen, um die Krise an den Großen Seen Afrikas zu diskutieren. Die Kirche müsse helfen, den Kreislauf der Gewalt und des Hasses zu überwinden. Aus dem Vatikan nimmt Kurienkardinal Roger Etchegarai von "Gerechtigkeit und Frieden" teil.

Caritas-Hilfe: Caritas International in Deutschland ist es am Sonntag gelungen, 2o Tonnen Lebensmittel in die Krisenregion von Zaire zu transportieren. Dort seien schon viele Menschen an Nahrungsmittelmangel gestorben. In Walikale und Lubutu seien rund 13o.ooo Flüchtlinge aus Ruanda. Ebensoviele würden bald in Kisangani erwartet. Die Caritas ist dankbar Spenden unter dem Stichwort Zaire unter der Nummer 2o2 auf allen Banken und Sparkassen.

Lateinamerika

Kolumbien: Die Kirche sammelt nicht Geld, sondern Waffen. Auf Anregung des Bürgermeisters von Bogotà können Kolumbianer jetzt anonym ihre Waffen in Kirchen abgeben. Sie erhalten dafür pro Stück 1oo Dollar. Bogotà ist die Stadt mit den meisten Morden. Der Bürgermeister hatte schon früher die Idee, daß Bedrohte eine Rote Karte ziehen, um anzudeuten, daß auch sie bewaffnet sind.

Asien:

Philippinen: Die Bischofskonferenz lehnt eine zweite Amtszeit von Präsident Fidel Ramos ab, weil sie der derzeitigen Verfassung widerspricht. Die Kirche habe während der 2o-jährigen Marcos-Diktatur erkannt, daß kürzere Präsidialzeiten gut sind und sei gegen eine Verfassungsänderung, die Ramos anstrebt.

Indonesien: Am Montag, 17.12. beginnt in Jakarta der Prozeß gegen die Brandstifter, die Anfang Oktober 21 Kirchen niedergebrannt hatten. Da es sich dabei hauptsächlich um islamistischen Fundamentalisten handelt, befürchtet die Regierung neue Unruhen.

Mutter Theresa: Der Gesundheitszustand der Friedensnobelpreisträgerin ist schwankend. Sie erhielt mehrfach eine Herzbehandlung, verlangte jedoch auch, aus dem Krankenhaus entlassen zu werden. Wohl scherzend meinte sie, wenn sie nicht entlassen werde, beginne sie einen Hungerstreik. Früher schon hatte sie verlangt, daß man sie in Ruhe sterben lasse.

Deutschland:

Friedensnobelpreisträger in Bonn: Bischof Carlos Belo ist am Montag, 16. Dezember von Bundeskanzler Kohl empfangen worden. Kohl verurteilte dabei die Menschenrechtsverletzungen auf Ost-Timor durch Jakarta und forderte die Respektierung der kulturellen Identität der meist katholischen Inselbewohner. Bischof Belo hatte vorher den deutschen Katholiken für ihre materielle und moralische Unterstützung gedankt. Die katholischen Missionswerke Missio und Misereor verurteilten im Rahmen des Belo-Besuches die Politik Indonesiens gegenüber Ost-Timor. Deutschland ist außer dem Vatikan die einzige Station Belos in Europa.

Ökumenischer Kirchentag: Die Stadt Augsburg hat sich als Veranstaltungsort für den geplanten ersten ökumenischen Kirchentag angeboten. Nach Angaben ihres Bürgermeisters hält sich die Stadt für prädestiniert. Der Zeitpunkt des Kirchentages steht noch nicht fest.

EU-Erweiterung: Iustitia-et-Pax-Bischof, Leo Schwarz hat sich für eine rasche Aufnahme von Polen, Ungarn und der Tschechischen Republik in die Europäische Union ausgesprochen. Bei einem Partnerschaftstreffen von Renovabis sagte Schwarz, davon könne auf ihre Nachbarländer ein positiver Einfluß ausgehen.

Gehaltsverzicht: Die Priester der Erzdiözese Hamburg verzichten auf die fällige Gehaltserhöhung ersparen damit der Verwaltung rund 16o.ooo DM.

Kirchenasyl: Rund drei Viertel aller Fälle von Kirchenasyl sind bisher erfolgreich verlaufen. Das hat die Arbeitsgemeinschaft Pro Asyl jetzt bekanntgegeben.

Sekten-Enquete-Kommission: Die Kommission hat am Freitag, 13.12. erklärt, daß die derzeitigen Gesetze in Deutschland ausreichen, um gegen gefährliche Sekten und Psychogruppen vorzugehen. Das Recht auf Religionsfreiheit seit grundlegend. Daher fielen die religiösen Gemeinschaften auch nicht unter das Vereinsrecht.

Österreich:

Schuld am Islamismus: Nach Ansicht von Kardinal Franz König tragen Europa und die Vereinigten Staaten Mitschuld am Erstarken des Islamismus. Die islamischen Länder seien oft betrogen und ausgeschlossen worden. König bezog sich dabei in einem Interview nicht nur auf Kolonialismus und Sklavenhandel. Die islamische Welt sei auch später von außen in Konflikte hineingezogen worden.

Friedenslicht von Bethlehem: Am Samstag vor dem Dritten Advents-sonntag ist das sog."Licht von Bethlehem" in Wien eingetroffen. Ein 13-jähriges Mädchen brachte es in Begleitung eines ORF-Journalisten. Es wird jetzt in ganz Österreich und weit darüber hinaus verbreitet und soll die Menschen ermutigen, ihren Beitrag für den Weltfrieden zu leisten.

Europäische Länder:

Papst-Einladung nach Sarajewo: Die drei führenden Politiker Bosnien-Hercegovinas haben ihre Einladung an den Papst jetzt erneuert. Sie wurde am Freitag in Sarajewo unterzeichnet.

Hilfszentrum in Moskau: Die Katholiken Englands und Belgiens wollen ein Zentrum für Obdachlose, Drogenabhängige und Alkoholiker in der russischen Hauptstadt gründen. Gleichzeitig soll eine Tagesklinik zur medizinischen Betreuung dieser Personen eingerichtet werden.

Katholische Schulen in England: Sie haben Zulauf, auch wenn andere Schulen wegen Geburtenrückgang schließen müssen. Katholische Schulen müssen ihren Schulraum vergrößern, weil sie der Nachfrage nicht entsprechen können.

Schwedisches Kirchenoberhaupt: Bischof Karl Gustav Hammar wurde an die Spitze der lutherischen Landeskirche gewählt. Er wird voraussichtlich den Übergang von einer reinen Staats-Kirche zu einer unabhängigen Landeskirche leiten, da am 1. Januar 2ooo die automatische Mitgliedschaft alle Schweden in der Staatskirche entfällt.

Skepsis gegen Geschichtsurteil: Die Kommunisten Italiens tragen Mitschuld an der Erschießung von über 3oo Geiseln durch die Nazis im Jahr 1944. Dies ist die Ansicht von Salesianerpater Angelo Fagiolo, der einer der ersten Zeugen des Massakers war. Er erklärte jetzt, damals hätten in Rom alle gewußt, was die Nazis tun würden, wenn auf Militär geschossen würde. Die Kommunisten hätten also die Geiselerschießung in Kauf genommen.

Zufriedene Tschechen: Die Bischofskonferenz von Böhmen und Mähren ist ebenso wie die Hussitische Kirche mit der Deutsch-tschechischen Versöhnungserklärung zufrieden. Das Dokument sei ausgeglichen und maßvoll.

Magazine in dieser Woche (18.bis 22.Dezember 1996)

Donnerstag: Kreuz-Feuer über die Todes-Strafe - nicht nur in den USA und mit Kommentar eines Vatikanfachmannes.

Freitag: Prisma-Magazin Geplante Beiträge: Bücher für den Gabentisch, Heinrich-Böll-Gedächtnis, Kommentar zur Steinigung von Ehebrechern in Afganistan

Samstag: Kommentar der Woche von Wendelin Köster SJ und Das kosmische Gebet - Einübung nach Origenes von Peter Dyckhoff

Sonntag: Radio-Akademie: Das Volk Israel und seine Richter, vierter Teil

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Redaktion: P.Eberhard v.Gemmingen SJ
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Online-Extemporale am 20. Dezember 1996:

Beantworten Sie 5 Fragen zu Radio Vatikan. Die ersten 10 Internetteilnehmer, die alle Fragen lösen, erhalten entweder den Radio Vatikan JAHRESKALENDER 1997 oder ein Dokumentar-Video über die Arbeit des Vatikan-Senders.

Ab 20. Dezember 1996 auf der URL: http://www.kath.de/rv/extempor.htm

Hans-Werner Lichter und Alfons Isermann

(Verein "Freunde von Radio Vatikan")

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