vom 06. bis 09. Dez. 1996 + + +

Vatikan:

Nuntius für Kuwait: Die Regierung in Kuwait hat den Vatikan gebeten, einen residierenden Nuntius für das Emirat zu ernennen. Wie Vatikansprecher Navarro-Valls erklärte, wolle der Apostolische Stuhl schon bald dieser Bitte nachkommen.

Anglikanischer Besuch: Der Primas der anglikanischen Kirche, Erzbischof George Carey, hat seinen offiziellen Vatikanbesuch beendet. Die Visite schloss mit einem gemeinsamen Appell von Papst Johannes Paul II. und Erzbischof Carey. Darin rufen sie zwar dazu auf, die Spaltung zwischen den Kirchen zu überwinden und den ökumenischen Dialog trotz aller Schwierigkeiten fortzusetzen.

Armenischer Besuch: Ab Dienstag besucht das Oberhaupt der apostolischen Kirche Armeniens, Katholikos Karekin I. Sarkissian, den Vatikan. Diese Kirche gehört nicht zu den orthodoxen Kirchen, sondern zu den Altorientalen, die sich bereits nach dem Konzil von Chalzedon von der Universalkirche getrennt haben.

Ad-Limina: Am Samstag hat Papst Johannes Paul II. die Bischöfe Rumäniens zu guter Zusammenarbeit unter den verschiedenen Riten und mit den orthodoxen Christen aufgerufen. Anläßlich ihres Ad-Limina-Besuches empfahl er ihnen, die verschiedenen katholischen Riten als Reichtum und nicht als Konkurrenz zu sehen. Zugleich betonte er, sie sollten in ihrer Pastoral einen Hauptakzent auf die gute Ausbildung der Priester, der engagierten Laien und vor allem der Jugendlichen legen.

Konkordat: Die Chancen für eine baldige Ratifizierung des Konkordats zwischen dem Vatikan und Polen stehen gut, meint der polnische Außenminister, Dariusz Rosati. Seit Jahresbeginn seien im Parlament erhebliche Fortschritte erzielt worden.

Geburtenkontrolle: Nach Einschätzung des Papstes ist die natürliche Geburtenkontrolle wissenschaftlich gesichert. Deshalb solle sie auch voll angewandt werden. Das sagte er gegenüber Teilnehmern eines Studienseminars der katholischen Universität von Rom. Die natürliche Familienplanung würde weltweit auch wegen ihres erzieherischen Wertes geschätzt, meinte der Papst. Sie soll sogar zur Emanzipation der Frau beitragen.

Stellung der Frau: Vor Teilnehmern eines Symposions, das vom Päpstlichen Laienrat veranstaltet wird, gedachte der Papst am Samstag der Gleichberechtigung der Frau.

Ausbeutung von Kindern: Papst Johannes Paul II. hat am Samstag eine Botschaft an einen Kongress katholischer Juristen gerichtet. Darin betonte er die Pflicht der Rechtssprechung, sich gegen die Ausbeutung von Kindern einzusetzen. Das sei vor allem nötig, so der Papst, wenn die Gesellschaft die Familie benachteilige.

Vassula Ryden: Am Freitag hat die Glaubenskongregation erneut bestätigt, daß die Schriften der orthodoxen Christin Vassula Ryden nicht als göttliche Offenbarungen angesehen werden können. Sie enthielten neben Positivem auch Irrtümer in der Dreifaltigkeitslehre, heißt es in der Begründung.

Krisengebiete:

Flüchtlingselend: In der Nähe des Kivu-Sees in Zaire sollen sich rund 250.000 Flüchtlinge aufhalten, zu denen keine Hilfe gelangt. Das gab am Freitag das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen an. Es appellierte an alle Parteien vor Ort, den Hilfsorganisationen freien Zugang zu allen Flüchtlingen in Ostzaire zu gewähren. An diesem Sonntag hat Papst Johannes Paul II. erneut beim Angelusgebet an die Leiden der Zivilbevölkerung im Osten Zaires erinnert.

Evakuierung - Massengräber - Cholera: Am Freitag sind 17 Ordensleute aus Zaire evakuiert worden, die sich in ihren Missionshäusern in Lebensgefahr befunden hatten. Wie ebenfalls am Freitag bekannt wurde, fand man mehrere Massengräber, in denen ruandische Hutus verscharrt worden sind, die vor einigen Wochen ermordet worden waren. Die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen erklärte am Freitag, daß in den Krisengebieten eine Cholera-Epidemie ausgebrochen ist. 30 Personen sollen bereits gestorben sein. Allein in der Stadt Goma seien 1.123 Menschen erkrankt.

Freigelassen: Drei Mitarbeiter des Roten Kreuzes sollen nach fünf Wochen Geiselhaft von sudanesischen Rebellen freigelassen worden sein. Sie sollen sich in Karthoum aufhalten und in guter Verfassung sein.

Heiliger Krieg: In Ägypten hat der Direktor der islamischen Al-Azhar-Universität, Mohamed Tantawi, zum heiligen Krieg (Jihad) gegen Israel aufgerufen. Ziel ist, "die Judaisierung Jerusalems zu vermeiden und die israelischen Aggressionen gegen die Stadt zu beenden." Tantawi gilt als eine der wichtigsten islamischen Autoritäten.

Neue Verfassung: Der algerische Staatspräsident Liamin Zeroual hat am Samstag die neue Verfassung seines Landes unterzeichnet. Damit ist der Weg frei für umfassende Reformen. Mit neuen Gesetzen sollen unter anderem ausschließlich auf Religion basierende Parteien verboten werden können.

Garantie der Freiheit: Die katholischen Bischöfe des Libanon haben die Regierung in Beirut aufgefordert, die Freiheit aller Einwohner zu garantieren. In einem am Freitag veröffentlichen Dokument beschuldigen die Bischöfe die Verantwortlichen, eine Marginalisierung im Land zu betreiben: Durch ungerechte Politik und einseitige Nutzung der Massenmedien würden bestimmte Gesellschaftsschichten an den Rand des öffentlichen Lebens gedrängt.

Ethnischer Konflikt: In der afghanischen Hauptstadt Kabul spitzt sich der ethnische Konflikt zwischen Tadschiken und Paschtunen immer mehr zu. Das berichten internationale Hilfsorganisationen. Die islamistische Taliban-Miliz, die das Gebiet um Kabul seit September kontrolliert, soll mit Gewalt gegen ethnische Minderheit vorgehen.

Waffenstillstand: Der Befehlshaber der Guerillabewegung Ost-Timors, Konis Santana, hat seine Bereitschaft zu einem Waffenstillstand mit Indonesien signalisiert. Dies wurde in einer Botschaft bekannt, die am Freitag in Lissabon veröffentlicht wurde. Indonesien wird aufgefordert, politische Gefangene freizulassen und die militärische Präsenz auf Ost-Timor drastisch zu reduzieren. Am Montag hat Bischof Carlos Belo in Oslo an die Weltöffentlichkeit appelliert, zu einer Lösung des Osttimor-Konfliktes beizutragen.

Getötet: Auf Papua-Neuguinea sind jetzt weitere 20 Menschen durch Regierungstruppen getötet und mehrere verletzt worden. Ende November waren bereits neuen Personen, unter ihnen drei Kinder, in einer Kirche ums Leben gekommen. Seit der einseitigen Unabhängigkeitserklärung der Insel im Jahre 1990 herrscht auf Bougainville Bürgerkrieg. Im Mittelpunkt der Interessen steht die Ausbeutung einer bedeutenden Kupfer- und Goldmine. Kirchliche Vermittlungsverusche blieben bisher erfolglos. (kna)

Anschläge: Im nordirischen Ballymena, nordwestlich von Belfast, sind am Donnerstag in nur 24 Stunden 6 Anschläge verübt worden, davon 3 auf katholische Schulen. 2 Häuser katholischer Familien wurden in Brand gesteckt, am Montag ebenfalls eine katholische Kirche. Seit im September ein protestantischer Marsch von militanten Katholiken verhindert worden ist, lebt die katholische Bevölkerung der nordirischen Stadt in Angst und Schrecken. Am Samstag haben sich der protestantische Bürgermeister von Ballymena und mehrere Geistliche von nicht-katholischen Gemeinschaften vor der katholischen Marienkirche versammelt, um sich mit den Katholiken zu solidarisieren.

Menschenrechte:

Todesdrohungen: In Brasilien ist einem Mitarbeiter der Indianerbehörde FUNAI für Sonntag seine Ermordung angedroht worden. Auch ein Mitarbeiter des Indianermissionsrats CIMI erhielt Todesdrohungen per Telefon. Wie aus kirchlichen Kreisen mitgeteilt wurde, hatten sich beide für die Sicherheit des Kithaulu-Volkes im brasilianischen Bundesstaat Matto Grosso eingesetzt.

Vorwürfe: Amnesty international hat den Staaten des amerikanischen Kontinents vorgeworfen, ihre Selbstverpflichtung zum Schutz der Menschenrechte nicht einzuhalten. In einem am Samstag in London veröffentlichten Bericht heißt es, ein Aktionsplan der Staaten sei bisher nicht eingelöst worden. Schwere Vorwürfe erhebt Amnesty gegen Venezuela und Mexiko; dort seien weder die Haftbedingungen verbessert noch die Folter abgeschafft worden. (kna)

Kirche:

Chur: Der Bischof von Chur, Wolfgang Haas, hat am Freitag mitteilen lassen, daß er nicht zurücktreten wird. Wie sein Sprecher erklärte, gebe es viele Gläubige, die den Bischof unterstützten. Die schweizer Bischofskonferenz hatte am Donnerstag die Lage in Chur als "beinahe auswegslos" bezeichnet. Wie der Sprecher von Bischof Haas erklärte, bedauere dieser die Stellungnahme der Bischöfe, die für ihn allerdings nicht überraschend gekommen sei. (kna)

Kirchenvolksbegehren: Der Vorsitzende der Bischofskonferenz von England und Wales, Kardinal Basil Hume, hat das geplante Kirchenvolksbegehren in seinem Land kritisiert. In einer am Freitag in London veröffentlichten Erklärung lehnte er besonders die Forderung nach Frauenordination ab.

Unstimmigkeiten: Der Apostolische Administrator von Moskau, Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz ist erstaunt über Äußerungen des russisch-orthodoxen Metropoliten Kyrill. Nach freundschaftlichen Gesprächen der beiden Kirchenführer im Sommer sei es verwunderlich, wenn Metropolit Kyrill jetzt der katholischen Kirche schwere Vorwürfe mache, erklärte er. Die russisch-orthodoxe Kirche könne nicht behaupten, daß Aktivitäten zur Neuevangelisierung etwas mit Abwerben von Andersgläubigen zu tun habe.

Deutschland:

Deutsch-tschechische Erklärung: Der katholische Flüchtlingsrat hat die geplante Form des Dokumentes kritisiert. Wie der Limburger Weihbischof, Gerhard Pieschl, am Freitag mitteilte, habe er die Beschwerde auf Bitten des Flüchtlingsrates an die Bundesregierung weitergegeben. Kritisiert wird vor allem, daß die Vertreibung in dem geplanten Dokument nicht deutlich als Unrecht hervorgehoben und das Recht auf Rückkehr und Entschädigung nicht garantiert wird.

Entwicklungshilfe: Der CDU-Bundesfachausschuß Entwicklungspolitik hat am Montag gefordert, Entwicklungshilfe und die Vergabe von Geldern an andere Staaten künftig von der Einhaltung der Menschenrechte abhängig zu machen. (kna)

Adveniat: Am Montag ist der Aufruf der Bischöfe zur Adveniat-Aktion am kommenden Sonntag veröffentlicht worden. Die Kampagne für Lateinamerika steht in diesem Jahr unter dem Motto "Hoffnung schenken" und ist auf den Nordosten Brasiliens konzentriert.

Pränatale Diagnostik: Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, hat am Freitag diagnostische Maßnahmen für ungeborene Kinder als "fragwürdig" bezeichnet. Im Zusammenhang mit pränataler Medizin und Diagnostik warnte er vor einer "elementaren Gefährdung des kindlichen Lebens".

Männer und Frauen: Der Bischof von Augsburg, Viktor-Josef Dammertz, hat vor einem Machtkampf zwischen Männern und Frauen in der Kirche gewarnt. Anläßlich einer Festmesse des katholischen Frauenbundes in München meinte der Bischof, es gebe nicht eine Kirche der Männer und eine der Frauen. Vielmehr sei die ganze Kirche geschwisterlich. (kna)

Kritk an Abschiebung: Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat am Freitag die Abschiebung von 30 bosnischen Muslimen aus Bayern kritisiert. Sie beschuldigte die Regierung des Freistaates, die serbische Politik des Völkermordes und der Deportation zu "zementieren". (kna)

Unterstützung für Indios: Die Bundesregierung in Bonn hat eine intensivere Unterstützung der Ureinwohner Lateinamerikas angekündigt. Der parlamentarische Staatssekretär beim Entwicklungshilfeministerium, Klaus-Jürgen Hedrich, teilte am Freitag mit, es stünden zum einen die Armutsbekämpfung aber auch Investitionen in die soziale Infrastruktur und die Unterstützung von Umweltschutzprogrammen im Vordergrund. (kna)

Scientology: Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz will Unternehmen mit Scientology-Kontakten schärfer kontrollieren. Wie am Freitag in Mainz bekannt wurde, möchte man besonders überprüfen, ob diese Unternehmen auch korrekt Steuern zahlen. Weiterhin soll jeder mögliche Einfluß der Sekte auf den öffentlichen Dienst gestoppt werden.

Weitere Meldungen:

Bombe: In der Moschee der bulgarischen Stadt Kazanluk ist am Freitag eine Bombe explodiert. Menschen wurden nicht verletzt, aber es entstand erheblicher Sachschaden. Die Polizei vermutet einen terroristischen Anschlag, nachdem es in der Vergangeneheit immer wieder zu Konflikten zwischen Moslems und orthodoxen Christen gekommen war.

Gebet für Havel: In der tschechischen Republik haben Priester und Gläubige am Sonntag für den schwer erkrankten Präsidenten Vaclav Havel gebetet. Dazu hatte der Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vlk, eingeladen. Havel war am vergangenen Montag operiert worden, er leidet an Lungenkrebs.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz. - Seit dem 8. Dezember können Teile der Sendungen von Radio Vatikan über Radio Campanile empfangen werden. Das Programm können Sie über Astra auf einem Ton-Unterträger des Deutschen Sportfernsehens hören. Auf den Frequenzen 7,74 und 7,92 MHz. (Sendezeiten für Radio Vatikan-Beiträge: täglich um 7.15 Uhr, 11.15 Uhr und 19.15 Uhr)

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

werden.

Magazine in dieser Woche (09. bis 15. Dezember):

Montag: Weltkirchenmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: ökumenische Äußerungen zum Papstprimat - Kritik der libanesischen Bischöfe an ihrer Regierung - Kleiner Blick auf die Geschichte der Kirche Chinas

Dienstag: Jahwes Volk und die Richter. Radioakademie von Aldo Parmeggiani. Teil II.

Mittwoch: Die Römische Woche. GEPLANTE BEITRÄGE: Besuch des Katholikos der apostolischen Kirche Armeniens im Vatikan - 1200 Jahre Campo Santo Teutonico. Ein Bericht zu den Auftaktfeierlichkeiten vom letzten Sonntag. - Das Heiligenportrait des Tages.

Donnerstag: Kreuz des Südens

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Die Bischöfe Vietnams bei Papst Johannes Paul II. - 50 Jahre UNICEF, eine Würdigung - Johannes vom Kreuz im Blick von Charles de Foucauld - Das erste Weihnachtsalbum der Popgruppe Smokie - Bücher für den Weihnachtstisch

Samstag: Kommentar der Woche von Wendelin Köster SJ und Das kosmische Gebet - Einübung nach Origenes von Peter Dyckhoff

Sonntag: Sie schreiben - wir antworten. Unsere Korrespondenzsendung

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