vom 03. bis 05. Dez. 1996 + + +

Vatikan:

Papst an China: Am Dienstag hat Papst Johannes Paul II. bei einer Messe in seiner Privatkapelle eine Botschaft nach China gesandt. Er rief die Regierung in Peking auf, die Religionsfreiheit zu achten. Er betonte, daß die Kirche weiter vor Ort präsent bleiben möchte. Die Bischöfe sollten auf die Einheit der Kirche achten - auch auf ihre Einheit mit dem Papst. Schließlich sprach Johannes Paul seinen Wunsch aus, nach China zu reisen.

China an Papst: Die Regierung in Peking hat den Papst am Donnerstag aufgefordert, sich nicht in die inneren Angelegenheiten des Landes einzumischen. Das gelte besonders für die Frage der Relgionsfreiheit. Peking erklärte sich zu einer Verbesserung der Beziehungen zum Vatikan bereit - unter der Voraussetzung, daß dieser seine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan abbricht. (kna)

Anglikanische Kirche: Der Papst hat am Donnerstag eine Fortsetzung des anglikanisch-katholischen Dialogs gefordert. Bei einer Begegnung mit dem Oberhaupt der anglikanischen Kirche, Erzbischof George Carey, hob Johannes Paul aber auch die schwierigen Trennungen hervor.

Gewerkschaften: Der Vatikan teilt die Sorge der Gewerkschaften um einem Abbau des Sozialstaates in vielen Ländern. Das wurde am Dienstag beim Abschluß eines Kongresses im Vatikan deutlich, an dem Gewerkschafter aus 28 Ländern teilnahmen. In den nächsten Monaten will der Vatikan ein eigenes Dokument zu diesem Thema vorstellen, um vor den Schattenseiten einer Globalisierung der Weltwirtschaft zu warnen.

Krisengebiete:

Bombe: Am Donnerstag morgen ist bei einem Bombenanschlag auf eine katholische Schule im nordirischen Ballymena erheblicher Sachschaden entstanden. Verletzt wurde niemand. Die Polizei vermutet hinter den Attentätern militante Protestanten. Bereits am Wochenende war es zu Kundgebungen und Ausschreitungen in Nordirland gekommen.

Menschenrechte:

Verhaftungswelle: In der chinesischen Provinz Jianxi sollen etwa 100 Mitglieder der romtreuen Untergrundkirche verhaftet worden sein. Das bestätigte am Donnerstag ein Kirchenmitarbeiter offiziell. Einige der Festgenommenen sollen geschlagen worden sein. Die Verhaftungswelle im Osten Chinas soll offenbar die Katholiken davon abhalten, wie geplant zu Weihnachten große Messen im Freien zu feiern.

Unberührbare: Im indischen Neu Delhi haben Bischöfe verschiedener Kirchen an einer Demonstration für christliche Unberührbare teilgenommen. Menschen aus der Kaste der Unberührbaren erhalten, wenn sie zum christlichen Glauben übertreten, vom Staat keine Sozialhilfe mehr. Dagegen demonstrierten etwa 500 Kirchenleute, darunter etwa 200 Priester und Ordensfrauen.

Kirche:

Chur: Die schweizer Bischofskonferenz hält die Lage im Bistum Chur für "beinahe aussichtslos". Es seien mutige Schritte nötig. In Bern wurde am Donnerstag nach der letzten Konferenzsitzung bekanntgegeben, die Aufgabe der beiden Weihbischöfe Henrici und Vollmar sei nicht erfüllbar. Sie waren eingesetzt worden, um den Konflikt zwischen Bischof Wolfgang Haas und einem Teil der Gläubigen zu beheben. (kna)

Belgrad: In der orthodoxen Kirche Serbiens wächst die Sorge über eine Eskalation der innenpolitischen Lage. Mehrere Bischöfe forderten vom Heiligen Synod eine Sondersitzung der serbisch-orthodoxen Bischofskonferenz. Inzwischen haben sich mehrere orthodoxe Priester und Bischöfe mit den Demonstranten öffentlich solidarisiert. (kna)

Konflikt: Die orthodoxe Kirche Rumäniens zeigt sich unfähig zur Reue. Das haben am Mittwoch der reformierte Bischof Toekes und der römisch-katholische Bischof Tempfli in einem Interview erklärt. Die beiden Oberhirten sagten, daß der orthodoxe Patriarch Teoctist, der noch unter dem Ceaucescu-Regime sein Amt übernommen hat, zu nichts tauge und in keiner Weise ein Partner sei. Von einem konstruktiven Dialog könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sprechen, hieß es weiter. (kna)

Wachsende Armut: Mehrere Bischöfe Argentiniens haben sich am Montag mit Präsident Carlos Menem getroffen. Sie sprachen mit ihm über ihre Sorge wegen der sozialen Folgen von Menems Wirtschaftspolitik. Die Bischöfe sind äußerst beunruhigt wegen der wachsenden Armut und Arbeitslosigkeit im Land.

Gewalt gegen Frauen: In Kanada haben die Bischöfe von acht nördlichen Diözesen in einer gemeinsamen Erklärung die zunehmende Gewalt gegen Frauen verurteilt. Die Kirche habe bisher nicht deutlich genug betont, daß Frauen, die in der Ehe mißhandelt würden, ihren Partner verlassen dürften. Dies sei zum Schutz von Frauen und Kindern manchmal sogar unerläßlich, so die Bischöfe, Sie empfehlen jedoch, vor einer Trennung, Beratungsstellen aufzusuchen

Weihbischof von Prag: Am Dienstag hat Papst Johannes Paul II. einen der führenden Dissidenten der früheren Tschecheslowakei zum Weihbischof von Prag ernannt. Vaclav Maly ist derzeit Dechant in Prag. Er war ein enger Weggefährte Vaclav Havels und Mitglied der oppositionellen Charta 77. (kna)

Umweltpolitik: Die Kirche Südkoreas unterstützt den Protest von etwa 3.000 buddhistischen Ordensleuten gegen die Umweltpolitik der Regierung. Die Zerstörung von Naturlandschaften, vor allem der natürlichen Umgebung von buddhistischen Tempeln, sei eine Attacke auf die Kultur Koreas. (kna)

Deutschland:

Zölibat: Der Bischof von Osnabrück, Franz Josef Bode, hat den Zölibat für Priester als "angemessen aber nicht zwingend" bezeichnet. Auf der Jahresversammlung der katholischen Publizistengesellschaft erklärte er, die Ehelosigkeit gebe den Priestern oft mehr Freiheit für ihre Aufgaben. Wenn der Zölibat jedoch zu Problemen bei der Seelsorge führe, müsse über diese Lebensform nachgedacht werde. (kna)

Abschiebung: Die Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge "Pro Asyl" hat die Abschiebung bosnischer Kriegsflüchtlinge aus Bayern und Baden-Württemberg kritisiert. Es sei ein "Affront gegenüber der internationalen Staatengemeinschaft", erklärte die Organisation am Mittwoch. (kna)

Weitere Meldungen:

Treffen mit Papst: Der polnische Regierungschef, Alexander Kwasniewski, hat den Wunsch geäußert, so bald wie möglich mit Papst Johannes Paul II. zusammenzutreffen. Die Begegnung sollte noch vor dem geplanten Papstbesuch in Polen, im Mai nächsten Jahres, stattfinden. Kwasnieski, der Johannes Paul noch nie begegnet ist, sagte dies am Rande des OSZE-Gipfels in Lissabon. (kna)

Mutter Teresa: Am Donnerstag hat die Friedensnobelpreisträgerin 64 neue Mitschwestern an ihrem Krankenbett empfangen. Nach Auskunft der Ärzte ist der Gesundheitszustand der 86jährigen Ordensfrau jedoch nach wie vor kritisch. (kna)

Religionsfreiheit: In Hong Kong soll auch nach der Übergabe an China die Religionsfreiheit gewährleistet bleiben. Das versicherten die drei Kandidaten für den Posten als Hong Kongs erster neuer Regierungschef in Gesprächen mit Kirchenvertretern.

Gegen Bars und Diskotheken: In Israel haben tausende von ultra-orthodoxen Juden in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in Tel Aviv demonstriert. Sie forderten eine Schließung von Bars, Diskotheken und Kinos am jüdischen Sabbath. Am Dienstag hat ein bekannter Schriftsteller im Fernsehen vorgeschlagen, man solle das Land teilen: ein Gottesstaat von Judäa und ein freies Israel rund um Tel Aviv.

Christliche Union: In Rußland ist am Dienstag eine sogenannte "allrussische christliche Union" gegründet worden. Die treibende Kraft ist Michael Menh, der Sohn des berühmten orthodoxen Priesters und Philosophen Alexander Menh. Die Organisation will für alle, auch für Nicht-Christen, offen sein und die russische Politik christlich beeinflußen.

"Satanische Schriften": In Israel hat der geistliche Leiter der jüdischen Shass-Partei, Rabbi Ovadia Yossef, am Montag den Postangestellten befohlen, christliche Broschüren zu verbrennen. Gemeint sind damit besonders die Schriften von christlichen Missionaren. Mitarbeiter der Post müßten solche "satanischen Schriften" sofort vernichten, wenn sie sie in der Post fänden, und dafür auch eine Entlassung aus dem Dienst riskieren.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

werden.

Magazine in dieser und der folgenden Woche (05. bis 11. Dezember):

Donnerstag: Jugendmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Kinder an die Macht: Eine UNO aus Jugendlichen in Wien. - 1:0 für die Sternsinger: wie die kleinen Sammler mit der Fußballelf zusammenarbeiten - Hard-Rock des Islam: Tanzende Derwische in Kairo - Jugendliche im jüdisch-christlichen Dialog - Vorbericht zum Taizé-Treffen zur Jahreswende in Stuttgart.

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Vatikan: Der anglikanische Primas beim Papst. Einzelheiten eines ökumenischen Treffens. - Deutschland: Der größte Adventskalender steht im Schwabenland. Ein Bericht. - Griechenland: Ökumenisches Gipfeltreffen am Berg Athos. - Österreich: Eine Urwald-Nonne bekommt den Oscar-Romero-Preis 1996. - Außerdem: Unsere Buchempfehlungen für Weihnachten.

Samstag: Das kosmische Gebet - Einübung nach Origenes von Peter Dyckhoff, Hildesheim. Rosenkranzgebet mit dem Papst

Sonntag: Sie schreiben - wir antworten. Unsere Korrespondenzsendung

Montag: Weltkirchenmagazin

Dienstag: Jahwes Volk und die Richter. Radioakademie von Aldo Parmeggiani. Teil II.

Mittwoch: Die Römische Woche. GEPLANTE BEITRÄGE: 1200 Jahre Campo Santo Teutonico. Ein Bericht zu den Auftaktfeierlichkeiten vom letzten Sonntag. - Das Heiligenportrait des Tages. - Außerdem: Der Weihnachtsbaum, ein kulturhistorischer Rückblick.

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