vom 29. Nov. bis 02. Dez. 1996 + + +

Vatikan:

Psychische Krankheiten: Papst Johannes Paul II. hat am Samstag eine Rede vor der Konferenz über den Umgang mit psychisch Kranken gehalten. Eine Zusammenfassung können Sie am Ende der Internet-Nachrichten lesen.

Friedliches Zusammenleben: Der Papst hat das friedliche Zusammenleben von Christen und Moslems in Westafrika gewürdigt. Dazu sagte er am Freitag in Rom, die Nachrichten über einen fanatischen Islam verdeckten oft, daß in vielen Ländern eine Moslem-Mehrheit sehr gut mit einer christlichen Minderheit auskomme.

Gewerkschaften: Am Montag hat in Symposion zahlreicher internationaler Gewerkschaften und des Päpstlichen Rates "Justitia et Pax" begonnen. Thema sind die Aufgaben der Kirche in der Arbeitswelt. Papst Johannes Paul II. rief bei seiner Rede vor den Gewerkschaftsvertretern zu gerechteren Arbeitsbedingungen weltweit auf. Er übte scharfe Kritik an der "schamlosen Ausnutzung" vieler Menschen in der Arbeitswelt.

Päpstlicher Primat: Am Montag begann im Vatikan ein theologisches Symposion über den päpstlichen Primat. Dabei geht es um die Frage, wie das Petrusamt in einer Weise ausgeübt werden kann, die auch von Nicht-Katholiken angenommen werden kann.

Jahr 2000: Am letzten Samstag hat Papst Johannes Paul II. mit einer Vesper die Vorbereitungen auf das Jahr 2000 eröffnet. Damit startete er, mit dem Adventsbeginn, das erste der drei Jahre zur inhaltlichen und organisatorischen Planung auf das Jubeljahr. Es ist besonders "Jesus Christus" gewidmet.

Krisengebiete:

Referendum: Bei Attentaten und Ausschreitungen kamen in Algerien am Donnerstag, dem Tag der Abstimmung über die Verfassungsänderung, mindestens 26 Menschen ums Leben. Das berichte private Zeitungen - eine Bestätigung von offizieller Seite liegt noch nicht vor. Nach ersten Hochrechnungen beteiligten sich 70% der algerischen Bevölkerung an dem Referendum. Davon stimmten 86% für die Verfassungsänderung.

Entführung: In Ruanda ist der ehemalige Bischof von Ruhengeri entführt worden. Vermutlich sind die Kidnapper Banyamulenge-Rebellen aus Ostzaire. Dies wurde am Montag bekannt. Der Bischof gilt als Sympathisant der Hutus. (kna)

Folter gestattet: Der Oberste Gerichtshof Israels hat am Freitag bestätigt, daß der Geheimdienst Shin Bet Gefangene unter massiven Druck setzen darf. Die Anwältin eines des Terrorismus verdächtigten Gefangenen hatte das Gericht aufgerufen, die schlechte Behandlung ihres Mandanten zu unterbinden. Das Gegenteil geschah.

Stellungnahme: Der serbisch-orthodoxe Patriarch Pavle hat sich gegen Präsident Milosevic gewandt. In Belgrad appellierte er am Freitag an "die Machthabenden", sie sollten "den frei ausgesprochenen Volkswillen respektieren" - was bedeutet, daß Milosevic die Kommunalwahlen anerkennen soll. Nach dem Sieg der Opposition hatte dieser Teile der Wahlen annulliert und wiederholen lassen. Gegen diesen Willkürakt protestierten Zehntausende in Belgrad. Sie - aber auch Milosevic - rief Patriarch Pavle zu einer friedlichen Beilegung des Konfliktes auf.

Protestantischer Protest: Am Sonntag haben protestantische Unionisten in nordirischen Haryville vor einer katholischen Kirche demonstriert. Grund ist, daß ein von ihnen geplanter Marsch durch einen von Katholiken bewohnten Nachbarort von den Behörden verboten wurde. Im Laufe der Demonstration kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, durch welche mehrere Personen verletzt wurden. (kna)

Menschenrechte:

Tibet: Der Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Jian Zemin in Indien macht den Exil-Tibetern, die in Indien Zuflucht gefunden haben, Sorgen. Sie hoffen, daß sie durch eine Verbesserung der chinesisch-indischen Beziehungen keine Nachteile befürchten müssen. Der Dalai Lama erklärte in seinem indischen Exil, er würde gerne mit dem chinesischen Präsidenten zusammentreffen. Derweil hat die chinesische Regierungszeitung für Tibet neue Angriffe auf den Dalai Lama veröffentlicht.

Aufforderung: Die Vereinten Nationen haben am Freitag den Iran aufgefordert, seine schweren Menschenrechtsverletzungen einzustellen. Noch immer seien Hinrichtungen und Folter an der Tagesordnung, kritisierte die UNO. Das Menschenrechtskomitee der Vereinten Nationen verurteilte mehrheitlich die Regierung in Teheran und verabschiedete eine Resolution, die jetzt der Vollversammlung vorgelegt werden soll.

Gewalt verurteilt: Die Bischöfe aller Länder Zentralamerikas haben am Freitag in einer Botschaft an ihre Völker die vielen Gewalttaten, Entführungen und den Drogenhandel verurteilt. Zugleich sprachen sie ihre Freude darüber aus, daß Ende Dezember der 36jährige Bürgerkrieg in Guatemala durch einen Friedensvertrag beendet werden soll.

Befreiung in Sicht?: In Kolumbien herrscht wieder Hoffnung auf die Befreiung von 60 Soldaten, die sich seit dem 30. August in der Hand der Guerilla-Bewegung FARC befinden. Präsident Ernesto Samper hat den Forderungen der Rebellen nachgegeben, im Dezember für knapp zwei Wochen ein größeres Gebiet im Dschungel Amazoniens zu entmilitarisieren.

Landlose: In einem symbolischen Urteil hat in Brasilien ein internationales Tribunal Staatspräsident Fernando Henrique Cardoso und seine Regierung zu Hauptschuldigen für die jüngsten Massaker an Landlosen erklärt. Als mitschuldig wurden die beiden Gouverneure der Bundesstaaten, in denen die Massaker stattgefunden haben, befunden. Zur Jury des Tribunals gehörte unter anderem André Jacques vom Weltrat der Kirchen , der portugiesische Schriftstelle José Samarago und der Präsident der brasilianischen Landarbeiterseelsorge. (kna)

Landreform: Die Bischöfe Brasiliens haben die Regierung erneut dringend zu einer Landreform aufgerufen. Dies schrieben sie in ihrem Weihnachtshirtenbrief, der am Donnerstag vorab bekannt wurde.

Kirche:

Festnahmen: In Vietnam sind am Samstag Sicherheitskräfte in einer gezielten Aktion gegen buddhistische Einrichtungen vorgegangen. Sie nahmen Vertreter des Buddhismus fest und zerstörten mehrere Tempel. Ziel ist nach Aussagen von Beobachtern in Hanoi, Regimekritiker zu entfernen und das religiöse Leben in Vietnam weiter einzuschränken. Eine Stellungnahme der Regierung zu dem Vorfall liegt bisher noch nicht vor.

Panorthodoxes Konzil: Nach Auffassung des griechisch-orthodoxen Metropoliten Damaskinos Papandreou kann das Panorthodoxe Konzil aller orthodoxer Kirchen noch vor dem Jubiläumsjahr 2000 stattfinden. Papandreou, der mit den Vorbereitungen für das Konzil betraut ist, erklärte in Wien vor "Pro Oriente", die Orthodoxie müsse jedoch bis dahin ihr Verhältnis zu den anderen christlichen Konfessionen klären.

Gegen Papstreise: Der russisch-orthodoxe Metrolopit Kyrill von Smolensk ist gegen eine Rußlandreise Papst Johannes Pauls II. zum jetzigen Zeitpunkt. Laut Zeitungsberichten vom Freitag sagte der "Außenminister" des russischen Patriarchats es sei noch zu früh. Kyrill betonte besonders, eine Reise des Papstes dürfe keinen werbenden Charakter haben. (kna)

Für Kontakte zur EU: Der deutsche Bischof Josef Homeyer hat die Bischöfe Polens aufgerufen, Kontakt zur europäischen Union zu suchen. Wie er am Freitag im Wallfahrtsort Tschenstochau erklärte, sollten die Oberhirten auch persönliche Gespräche mit den Verantwortlichen in den EU-Institutionen suchen. Die Kirche habe bei der europäischen Integration eine große Aufgabe, so Homeyer weiter. (kna)

Kritik an Regierung: Am Freitag haben die Bischöfe Polens die Regierung scharf kritisiert. Sie diene nicht dem Volk, sondern nur den Gruppen, die sie gewählt hätten. Außerdem bediene sie sich der öffentlichen Gelder zur Abtreibung.

Geschenkter Dom: Der Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vlk, hat am Donnerstag mitgeteilt, daß die Erzdiözese den Veitsdom dem tschechischen Volk schenkt. Damit beendete er einen langen Streit. Vlk sagte, das ewige Tauziehen um das Gotteshaus auf dem Hradschin sei unwürdig. Einzige Bedingung, die an das Geschenk geknüpft ist: Die Kirche will die Kathedrale weiterhin ungehindert für religiöse Zwecke nutzen und in seine Verwaltung miteinbezogen werden.

Zurück in die Kirche: Eine Studie der Arbeitsstelle für kirchliche Sozialforschung in Wien weist auf eine Gegenbewegung zu Kirchenaustritten hin. Es komme zu zahlreichen Eintritten und Wiedereintritten. Wie die Studie am Beispiel der Diözese Gurk-Klagenfurt beweist, habe die Zahl der Katholiken in Kärnten seit den fünfziger Jahren nicht ab- sondern um 140.000 Personen zugenommen.

Deutschland:

Nicht aussteigen: Am Freitag haben 132 Entwicklungsländer die Bundesregierung aufgefordert, nicht aus der UNO-Organisation zur Unterstützung von Entwicklungsstaaten auszusteigen. Bei einer Tagung der Ländergruppe in Wien betonten sie, daß gerade Deutschland zahlreiche positive Beiträge für die Organisation geleistet habe. (kna)

Schwangerenberatung: Die Bundesregierung sieht keine Probleme bei der kirchlichen Schwangerenberatung. Wie sie am Freitag auf eine kleine Anfrage der PDS hin erklärte, gebe es keine Widersprüche zwischen den gesetzlichen Vorgaben und den vorläufigen Richtlinien der katholischen Bischöfen. (kna)

Gang vors Gericht: Die katholische Kirche soll nach Ansicht von Juristen und Journalisten gegen Verletzungen durch Spott und Satire nicht über die Gerichte klagen. Die Rechtsprechung messe Meinungs- und Künstlerfreiheit eine so zentrale Rolle bei, daß Christen vom Strafrecht kaum Schutz gegen Beleidigung erwarten dürften. Juden und Muslime seien da besser geschützt, betonte der Kölner Jurist Friedrich Graf von Westphalen am Freitag bei einer Konferenz in Osnabrück. (kna)

Weitere Meldungen:

Mutter Teresa: Bei der Ordensfrau sind nach der Herzoperation am Freitag weitere Komplikationen aufgetreten. In einem am Sonntag in Kalkutta veröffentlichten Bulletin werden Herzrhythmusstörungen und eine geschwächte Nierentätigkeit genannt. Wie die Ärzte weiter erklärten, sei der Zustand von Mutter Teresa beunruhigend und kritisch. (kna)

Kirche im Internet:

Internet-Nachmittag: Der Osnabrücker Bischof und "Jugendbischof" der deutschen Bischofskonferenz, Franz-Josef Bode, wird sich am kommenden Dreikönigstag für eineinhalb Stunden als Gesprächspartner im Internet präsentieren. (Die Zeit: von 14.00 Uhr bis 15.30 Uhr) Dies geschieht im Rahmen eines Internet-Nachmittags, den das katholische Jugendmagazin "X-Mag" und "Prosieben online" veranstalten. Themen des Nachmittags sind: Sinnsuche, Wertetrends und gute Vorsätze für das Neue Jahr (Die Internetadresse ist: http://www.pro-sieben.de).

Such-Server: Die Suche nach religiösen Themen und kirchlichen Angeboten im Internet wird jetzt leichter: Seit Montag kann man unter der Adresse http://www.christweb.de mit Hilfe von Schlagworten und Suchbegriffen Einträge aus dem deutschsprachigen Raum gezielt suchen. (kna)

Adventskalender: Im Internet gibt es jetzt einen Adventskalender, der eine "Ermunterung zur Besinnung" sein soll. Die katholische Glaubensinformation (KGI) will mit diesem Projekt zeigen, daß es möglich ist, in zeitgemäßer Sprache und speziell für der Kirche fernstehende Menschen "interessant" auf das Wesen der Adventszeit hinzuweisen. Die Adresse: http://www.kath.de/kgi/advent (kna)

Zusammenfassung der Rede des Papstes bei einem Kongreß über psychische Krankheiten. (Von Matthias Kopp):

Papst Johannes Paul II. forderte am Samstag eine bessere Behandlung und Betreuung psychisch kranker Menschen. Jeder sei ein Ebenbild Gottes. Als von Gott geschaffenes Wesen dürfe der Mensch - auch wenn er geistig krank sei - nicht von anderen mißbraucht werden. Gerade den kranken Menschen müsse jeder nur irgendwie denkbare Beistand garantiert werden. Dazu habe auch die Kirche ihren Beitrag zu leisten und zwar so, wie es die Bibel fordert. Der Mensch ist ein Abbild Gottes. Dieser Grundpfeiler christlicher Anthropologie darf niemals vergessen werden. Auch die politische Gemeinschaft hat diese Tatsache zu respektieren, so der Papst. Der Mensch mit seiner Existenz hat eine einmalige Würde. Niemand dürfe deshalb als Mittel zum Zweck mißbraucht werden, auch nicht im Namen von Wohlergehen und Fortschritt. Deutlich stellte Johannes Paul II. die Frage nach dem "immer", also ob der Mensch immer als Person geachtet sein müsse. Eine solche Frage sei nichts anderes als eine Provokation. Die Gesellschaft müsse sich neu darauf einlassen, diese Frage gar nicht mehr zu stellen, dazu hätten besonders alle Bereiche der Medizin und Ethik beizutragen.

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Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

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Magazine in dieser Woche (02. bis 08. Dezember):

Montag: Weltkirchenmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Ethiker äußeren sich zum Problem der Religionsbeleidigung. - Ökumenisches von Patriarch Filaret der russisch-orthodoxen Kirche. - Ein deutscher Bischof in Brasilien wird 70 - ein Portrait.

Dienstag: Jahwes Volk und die Richter. Radioakademie von Aldo Parmeggiani. Teil I.

Mittwoch: Die Römische Woche. GEPLANTE BEITRÄGE: Der Papst sprach auf der Konferenz für psychisch Kranke, eine Zusammenfassung - Buchvorstellung: Das neue GEO-Heft über Rom - Der Telephos-Fries aus dem Pergamon-Altar, eine Ausstellung in Rom.

Donnerstag: Jugendmagazin

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Vatikan: Der anglikanische Primas beim Papst. Einzelheiten eines ökumenischen Treffens. - Deutschland: Der größte Adventskalender steht im Schwabenland. Ein Bericht. - Außerdem: Unsere Buchempfehlungen für Weihnachten.

Samstag: Das kosmische Gebet - Einübung nach Origenes von Peter Dyckhoff, Hildesheim. Rosenkranzgebet mit dem Papst

Sonntag: Sondersendung: Hallo, Radio Campanile

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