vom 26. bis 28. Nov. 1996 + + +

Vatikan:

Mehr Menschlichkeit: Papst Johannes Paul II. hat am Donnerstag zur Schaffung einer größeren Menschlichkeit aufgerufen. Dies könne nur durch den interdisziplinären Dialog vieler Wissenschaften und Einrichtungen gelingen, so Johannes Paul vor der ersten öffentlichen Versammlung verschiedener Päpstlicher Akademien am Donnerstag im Vatikan.

Psychische Krankheiten: Kardinal Josef Ratzinger hat am Donnerstag den Kongreß über psychische Krankheiten mit einer Grundsatzrede eröffnet. Er erinnerte daran, daß Christus sich gerade mit denen identifiziert habe, die am ärmsten und verachtetsten waren oder am meisten gelitten hatten. Der Kongreß gilt in Fachkreisen als interdisziplinäres Gespräch, an dem Vertreter aus aller Welt und der wichtigsten medizinischen Bereiche vertreten sind. Er dauert noch bis zum kommenden Samstag.

Religionsfreiheit: In Kuwait herrscht Religionsfreiheit. Das hat der Verantwortliche für die Beziehungen des Vatikan zu den Staaten, Erzbischof Jean-Louis Tauran, bei seinem Besuch in dem Land offiziell bestätigt. Dies erklärte der vatikanische Presse-Saal am Dienstag.

Drogen: Der Vatikan hat sich erneut gegen die Legalisierung leichter Drogen ausgesprochen. Anlaß waren die jüngsten Forderungen der italienischen Regierungskoalition nach Entschärfung des Drogengesetzes.

Krisengebiete:

Neue Opfer: Etwa 500 männliche Flüchtlinge und Obdachlose sind letzte Woche in Ost-Zaire umgebracht worden. Das erklärte am Dienstag nachmittag Amnesty international. Schuld an dem Massaker im Chimanga-Camp, 60 km südlich von Bukavu, sei eine bewaffnete Bande, die vornehmlich aus Tutsis bestehe. Der Priester der nahegelegenen Pfarrei, ein gebürtiger Zairer, sei ebenfalls getötet worden, als er protestierte. Frauen und Kinder wurden verschont.

Unverzügliches Engagement: Die katholische Friedensbewegung Pax Christi hat ein unverzügliches und langfristiges Engagement der internationalen Politik im Krisengebiet um Ost-Zaire gefordert. Man müsse endlich die reine Interessenpolitik in der Region beenden. Ziele einer gemeinsamen Strategie sollten die Demokratisierung und die nachhaltige ökonomische Entwicklung sein. (kna)

Caritas: Die Caritas hat ihre Arbeit im zairischen Goma wieder aufgenommen. Mehrere 10.000 Flüchtlinge werden zur Zeit notdürftig mit Lebensmitteln versorgt, erklärte am Donnerstag der Deutsche Caritasverband in Freiburg. Die Hilfsorganisation besitze noch wenige Lastwagen und nur ein einziges Büro, das bisher noch nicht geplündert worden ist.

Kritik an Amnesty: Der burundische Premierminister, Pascal Ndimira, hat an der Informationspolitik von Amnesty International scharfe Kritik geübt. Vor Journalisten in Bonn versicherte er seinen Respekt gegenüber Amnesty. Einiges von dem, was die Menschenrechtsorganisation über die Situation in seinem Land verbreite, entspreche aber nicht der Wahrheit. Es gebe viele positive Zeichen, daß sich der Zustand ändere und der eingeleitete Friedensprozeß auf einem guten Weg sei. Amnesty international erneuerte derweil seine Kritik an der politischen Führung in Burundi. (kna)

Referendum: Die Bevölkerung Algeriens war am Donnerstag aufgerufen, in einem Referendum über eine Verfassungsänderung abzustimmen. Attentate, Drohungen und Kontroversen waren diesem Datum vorausgegangen. Gegner verwerfen die Einführung des Islams als Staatsreligion und kritisieren, daß der Text dem Präsidenten zu viel Macht gebe. Befürworter loben, daß der Text die Parteien, die sich auf Religion gründen, verbiete und den Behörden ein neues Werkzeug in ihrem Kampf gegen islamische Extremisten in die Hand gibt.

Menschenrechte:

Nicht beachtet: In Brasilien werden die Menschenrechte nach wie vor nicht beachtet. Es gibt Folter, Sklaverei, Indianerverfolgung und Kinderprostitution. So die Bilanz von "Human-Rights-Watch" ein halbes Jahr nach Verkündigung des Menschenrechtsprogramms durch Präsident Fernando Enrique Cardoso. Schuld an der Lage ist, nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation, der mangelnde politische Wille der Regierung. (kna)

Aufruf: Die Vereinten Nationen haben in einer während der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag angenommenen Resolution den Sudan aufgerufen, seine schweren Menschenrechtsverletzungen einzustellen. Noch immer gebe es Folter, Sklaverei und Religionsverfolgungen in dem afrikanischen Land, kritisierte die UNO.

Kampagne: Seit Mai diesen Jahres sind im tibetischen Lhasa mindestens zwanzig buddhistische Mönche verhaftet worden - etwa 150 wurden gezwungen, ihre Klöster zu verlassen. Das erklärte das "Tibet Information Network", eine Vereinigung von Exil-Tibetern in London. Im Mai hatte die Regierung von Peking in Tibet eine sogenannte Patriotismus-Kampagne gestartet. Nach Angaben von Exil-Tibetern wird diese Kampagne mit äußerster Härte durchgeführt - "Wie zur Zeit der Kulturrevolution", so die Vereinigung.

Panchen Lama: Anfragen nach dem verschollenen Panchen Lama hat ein Regierungssprecher in Peking wie folgt beantwortet: "Es gibt so viele Kinder in China, da können wir nicht auf alle aufpassen." Der Panchen Lama gilt als Wiedergeburt des zweitwichtigsten geistlichen Führers Tibets. Es soll vom chinesischen Regime gefangengehalten werden.

Asylgesetze: Die beiden großen Kirchen Österreichs haben die Asylgesetze des Landes als "menschenunwürdig" bezeichnet. Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn forderte am Donnerstag vor Journalisten, Österreich müsse Flüchtlingen endlich angemessenen Schutz vor Verfolgung gewähren. Die Kirchen wollen jetzt gegen die, so Schönborn, "staatlich produzierte Obdachlosigkeit" angehen und Asylsuchenden Unterkünfte in den Pfarrgemeinden verschaffen. (kna)

Katastrophen:

Trauergottesdienst: In Äthiopien hat die orthodoxe Kirche am Dienstag in einer Messe der Opfer der Flugzeugkatastrophe über den Komoren gedacht. Die Regierung verhängte eine dreitägige Trauer. Am Freitag soll in der Moschee von Anour ein Gebet für die Opfer stattfinden. (kna)

Verhindert: Eine vom Gesundheitsministerium in Honduras geplante Kondom-Verteilungsaktion bei den Präsidentschafts-Vorwahlen am kommenden Sonntag ist kurzfristig abgesagt worden. Obwohl das Land zu den am meisten von der Immunschwächekrankheit AIDS betroffenen Staaten Lateinamerikas gehört, hat die katholische Kirche in Honduras mit Erfolg gegen die Kondom-Aktion protestiert.

Kirche:

Journalistenverband: Die Kirche Kubas hat einen Verband katholischer Journalisten gegründet. Nach Angaben einer Kirchenzeitung stimmten die kubanischen Bischöfe schon im Juni der Gründung eines Ablegers vom lateinamerikanischen katholischen Presserat zu. Ob die Regierung von Fidel Castro ebenfalls nach ihrer Erlaubnis gefragt wurde, ist noch nicht bekannt.

Neoliberalismus: In Mexiko hat der Jesuitenorden die neoliberale Politik in Lateinamerika offiziell verurteilt. Durch sie wachse Kriminalität, Gewalt und der Drogenhandel. Die Lebensmittelversorgung nehme in diesen armen Regionen jedoch ab. (kna)

Pornographie: Die Kirche Brasiliens hat die starke Ausweitung der Pornographie verurteilt. In einer Zeitungskolumne schrieb Rio de Janeiros Kardinal, Eugenio de Araujo Sales, das Problem existiere sowohl im Fernsehen als auch in den Printmedien. Es herrsche ein "pornographisches Klima". (kna)

Schuldenstreichung: Die österreichische Bischofskonferenz hat vom Parlament eine völlige Streichung der Schulden für die ärmsten Entwicklungsländer gefordert. Einige Länder der Dritten Welt könnten ihre Überschuldung nicht mehr aus eigener Kraft bewältigen. Wenn ihnen kein Erlaß gewährt werde, drohten unkontrollierbare Migrationsströme und Massensterben, so der Sprecher der Bischofskonferenz. Am Mittwoch haben Vertreter der "Initiative 96 Entschuldung" dem Ersten Nationalratspräsidenten eine Unterschriftenliste überreicht. Die Aktion wird hauptsächlich von kirchlichen Hilfswerken getragen. Sie will erreichen, daß der österreichische Staat den ärmsten Entwicklungsländern ihre Schulden erläßt.(kna)

Chur: Wie der Sekretär der schweizerischen Bischofskonferenz, Roland Trauffer, am Dienstag erklärte, werden sich die Bischöfe ausführlich mit der Situation der Diözese Chur beschäftigen, wenn sie sich Anfang Dezember treffen. Trauffer meinte, die Worte von Weihbischof Paul Vollmar, der den Rücktritt von Bischof Haas gefordert hatte, zeigten die ganza Dramatik der Lage im Bistum Chur. (kna)

Neue Pfarreien: Die katholische Kirche Südkoreas will ihren Gläubigen näher kommen. Aus diesem Grund möchte die Erzdiözese der Hauptstadt Seoul in 10 Jahren 112 neue Pfarreien errichten. Das meldet die katholische Nachrichtenagentur Asiens. Die 1,1 Millionen Katholiken Seouls haben bis jetzt 180 Gemeinden. (kna)

Deutschland:

Bosnische Flüchtlinge: Das katholische Raphaelswerk hat die Innenminister der Länder aufgefordert, die zu einer Einwanderung in die USA berechtigten Kriegsflüchtlinge aus Bosnien nicht abzuschieben. Bereits im kommenden Jahr dürften mindestens 8.000 Bosnier zu Verwandten in die Vereinigten Staaten "weiterwandern". Bereits abgeschobene Bosnier, könnten sich wegen des Verlusts ihres Flüchtlingsstatus nicht mehr an dem sechsmonatigen Einwanderungsverfahren beteiligen, teilte das Raphaelswerk am Dienstag mit. (kna)

Internet: Einen Kinderschutzbeauftragten der Bundesregierung zur Eindämmung von Kinderpornographie und -prostitution in digitalen Datennetzen - das hat die CSU-Bundestagsabgeordnete, Renate Blanck, gefordert. In einem am Dienstag veröffentlichten Brief an Bundeskanzler Helmut Kohl setzt sie sich außerdem für internationale strafrechtliche Bestimmungen ein und für mehr Verantwortung der Vertriebsfirmen. (kna)

Sektenwarnung: Die Sektenexpertin der SPD, Renate Rennebach, hat vor der Thakar-Singh-Bewegung gewarnt. Kinder würden in dieser Gruppe zur Meditation gezwungen, die sie bis zu 23 Stunden täglich mit verbundenen Augen und Ohren ausführen müßten. Folge seien u.a. Verhaltensstörungen. Rennebach rief die Kommunen und Gemeinden auf, der Bewegung, die sich auch "holosophische Gesellschaft" nennt, keine öffentlichen Räume zur Verfügung zu stellen. (kna)

Verkaufsoffene Feiertage: Der Hildesheimer Bischof Josef Homeyer hat sich gegen die Einführung verkaufsoffener Sonn- und Feiertage ausgesprochen. Damit wandte er sich gegen eine Initiative einiger Abgeordneter der Regierungskoalition zur Liberalisierung der Ladenschlußzeiten. (kna)

Belo-Besuch: Bischof Carlos Belo wird im Dezember Deutschland besuchen. Das teilten Missio und misereor am Dienstag in Aachen mit. Nach der Preisverleihung in Oslo werde der Bischof aus Ost-Timor zunächst in Aachen Station machen, um den deutschen Katholiken für ihre Unterstützung über die Hilfswerke zu danken. Anschließend wird Belo weiter nach Bonn reisen. Das Bundeskanzleramt wollte aber Berichte über eine Begegnung Belos mit Bundeskanzler Helmut Kohl nicht bestätigen. (kna)

Weitere Meldungen:

Mutter Teresa: Der Gesundheitszustand der Friedensnobelpreisträgerin ist weiterhin kritisch. Eine angesetzte Röntgenuntersuchung wurde mehrmals verschoben, da die Ordensfrau zu schwach ist. Am Dienstag hatten indische Zeitungen gemeldet, daß Mutter Teresa ihre Ärzte gebeten habe, sie sterben zu lassen.

Raub im Gottesdienst: Wie am Dienstag Zeitungen in Brasilien mitteilten, haben sich in letzter Zeit Verbrecherbanden darauf spezialisiert, Gemeinden beim Gottesdienst zu überfallen und auszurauben. Geld und Schmuck der Gottesdienstbesucher würden dabei mit vorgehaltenen Waffen "eingesammelt". Metropolen wie Rio de Janeiro und Sao Paolo halten bereits keine Mitternachtsmessen mehr ab. Andere Kirchengemeinden haben Wachpersonal eingestellt. (kna)

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (28. November bis 04. Dezember):

Donnerstag: Kreuz des Südens GEPLANTE BEITRÄGE: Algerien: Das nordafrikanische Land und das Referendum.

Freitag: Prisma-Magazin

Samstag: Das kosmische Gebet - Einübung nach Origenes von Peter Dyckhoff, Hildesheim.

Sonntag: Korrespondenzsendung: Sie schreiben - wir antworten

Montag: Weltkirchenmagazin

Dienstag: Jahwes Volk und die Richter. Radioakademie von Aldo Parmeggiani.

Mittwoch: Die Römische Woche

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