vom 22. bis 25. Nov. 1996 + + +

Vatikan:

Selig: Am Sonntag wurden mit einer feierlichen Messe im Petersdom die beiden Österreicher Jakob Gapp und Otto Neururer sowie die Französin Catherine Jarrige seliggesprochen. Mehr als 4.000 österreichische Pilger waren dazu nach Rom gekommen und mit ihnen fast alle Bischöfe des Landes. Gapp und Neururer waren im KZ Buchenwald bzw. in Berlin-Plötzensee hingerichtet worden, weil sie sich bei Beichte und Predigt gegen die Nazis gestellt hatten. Papst Johannes Paul II. hat in 18 Jahren Pontifikat über 1.000 Personen selig- bzw. heiliggesprochen.

Verurteilt: Der Vatikan hat die israelischen Pläne zum Bau neuer Siedlungen im besetzten Westjordanland angegriffen. Dieses Projekt mache die Lage nur noch schwieriger, betonte der Vatikanbeobachter bei der UNO, Erzbischof Renato Martino, am Freitag. Mit deutlichen Worten verurteilte er auch Israels Blockade des Westjordan-Landes und Gazas. Sie führe zu einer dramatischen Situation der Palästinenser. Martino erteilte nochmals israelischen Allein-Ansprüchen auf Jerusalem eine klare Absage.

Botschaft: Papst Johannes Paul II. hat am Freitag die Katholiken im Südsudan zu mehr Zusammenhalt aufgerufen. Die Region befindet sich unter der Kontrolle der Rebellenbewegung SPLA. Der Papst erinnerte an seinen Wunsch, die Gegend zu besuchen, als er sich im Februar 1993 in Karthoum aufgehalten hatte.

Zaire: Bei einer Audienz für Bischöfe aus Zaire hat der Papst am Freitag die internationale Gemeinschaft erneut aufgefordert, Hilfsmaßnahmen im Krisengebiet zu treffen. "Man muß dieser Tragödie und dieser Menschenjagd ein Ende machen," sagte er. Ohne Lebensmittelhilfe und medizinische Versorgung sei die Lage der Flüchtlinge mehr als tragisch, so Johannes Paul.

Kuwait: Der Vatikan-Verantwortliche für die Außenbeziehungen, Erzbischof Jean-Louis Tauran, ist am Freitag nach Kuwait gereist. Dort traf er mit Vertretern der christlichen Minderheit zusammen. Tauran wurde am Samstag von Scheich Jaber al Sabah empfangen, dem er einen persönlichen Brief von Papst Johannes Paul II. übergab. Am Sonntag wurde bekannt, daß der Vatikan in der kuwaitischen Hauptstadt eine Nuntiatur eröffnen wird.

Solidarität: Der Papst hat am Samstag zu verstärkter und vielfältiger Solidarität aufgerufen. Es handele sich dabei nicht nur um eine isolierte Geste, sondern um eine Verantwortlichkeit, zu der jeder Mensch berufen sei. Vor den Teilnehmern der Stiftung "Centesimus annus - Pro Pontefice" fragte Johannes Paul: "Wie kann es eine Gesellschaft geben, die den Wert der Solidarität verachtet oder alles Handeln der privaten Initiative überläßt?"

Ökonomische Sicherheit: Der Vatikan hat die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) aufgefordert, ein besonderes Augenmerk auf die wirtschaftliche und soziale Sicherheit aller zu richten. Wie der ständige Vertreter des Vatikans bei der OSZE, Erzbischof Mario Zenari, am Freitag in Wien erklärte, sei die ökonomische Sicherheit eine wesentliche Bedingung für das friedliche Zusammenleben der Menschen. (kna)

Vertrag: Zwischen dem Vatikan und dem Land Mecklenburg-Vorpommern ist ein Kirchen-Staats-Vertrag paraphiert worden. Dies teilte die Staatskanzlei am Freitag in der Hauptstadt mit. Der Termin für die Unterzeichnung stehe bisher aber noch nicht fest. Als erstes Bundesland hatte Sachsen im Sommer einen solchen Vertrag geschlossen.

Krisengebiete:

Massaker: Wie am Freitag durch die Vereinten Nationen bekannt wurde, sind bereits am 22. Oktober in Burundi etwa 300 Menschen bei einem Massaker getötet worden. Sie hatten sich in einer Kirche aufgehalten. Etwa 70 Menschen überlebten verwundet. Der burundische Premierminister dementierte am Freitag in Stockholm zunächst die Meldung von dem Massaker: Die Anschuldigungen seien gegenstandslos, die Menschen, die nach Burundi zurückkämen, erhielten Hilfe von humanitären Organisationen. Am Wochenende erklärte der Übergangspräsident des Landes, Pièrre Buyoya, er werde die Informationen über das Geschehen überprüfen. (kna)

Kein Zugang: Die ruandische Regierung hat am Montag erklärt, daß sie der multinationalen Hilfstruppe jeden Zugang zu ihrem Territorium verwehrt. "Wir haben uns immer gegen diese Truppe ausgesprochen," betonte der ruandische Außenminister, "jetzt hat sie keinen Sinn mehr, da ein Großteil der Flüchtlinge nach Ruanda zurückgekehrt ist.

Internationale Truppe: Das Treffen in Stuttgart, bei dem über ein Eingreifen in Zaire diskutiert wurde, ist auf Samstag verlängert worden. Grund ist Unklarheit darüber, wieviele Menschen Hilfe benötigen und wo sie sich aufhalten. Wie ein kanadischer Militär mitteilte, schwankten die Schätzungen über die Anzahl der Notleidenden zwischen 100.000 und 500.000.

Keine Sanktionen: Das Regime im Sudan wehrt sich gegen mögliche Sanktionen, die der UNO-Sicherheitsrat auf Druck der USA derzeit erwägt. In einem am Montag veröffentlichten Interview leugnete Präsident Omar El-Bashir, daß das Land Terroristen ausbilde und unterstütze. Er stritt auch jede Verwicklung seines Landes in ein Attentat auf den ägyptischen Präsidenten Mubarak ab.

Referendum: In Algerien wurden am Sonntag und Montag 6 Menschen durch Autobomben getötet. Vier Tage vor dem Referendum, das über eine Verfassungsänderung entscheiden wird, erhöht sich damit die Zahl der Opfer auf über 120 in den letzten 6 Wochen. Am Sonntag begann der Süden des Landes bereits mit der Abstimmung.

IRA: Auf die Bereitschaft der IRA zum Waffenstillstand hofft der irische Premierminister John Bruton. Wie er am Freitag in Wien erklärte, habe die Gruppe eine lange interne Diskussion geführt, die jetzt hoffentlich zu einem dauernden Waffenstillstand führen werde.

Spiegel: Friedensnobelpreisträger Bischof Carlos Belo von Ost-Timor hat dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" abermals Manipulation seines Interviews vorgeworfen. Vor Journalisten sagte er am Montag, das Interview sei sieben Monate vor seiner Veröffentlichung geführt worden. Was er damals gesagt habe, gebe nicht unbedingt seine jetzige Ansicht wieder. (kna)

Nobelpreisverleihung: Der Präsident der größten Muslim-Organisation Indonesiens will an der Verleihung des Nobel-Preises an Bischof Carlos Belo in Oslo teilnehmen. Abdrurrahman Wahid erklärte am Sonntag, daß er sich mit Belo solidarisiere. Kritik von Seiten der Regierung kümmere ihn nicht.

Menschenrechte:

Panchen Lama: Wie eine chinesische Nachrichtenagentur am Sonntag gemeldet hat, hat der siebenjährige Panchen Lama, den das Regime in Peking derzeit künstlich aufbaut, der Volksrepublik Treue versprochen. Er habe zugesagt, die Buddhisten zu Treue gegen Vaterland und Religion zu erziehen. Kenner der chinesischen Tibet-Politik weisen darauf hin, daß Peking die Tibeter durch den manipulierten Panchen Lama zu täuschen und zu Gefügigkeit bringen will. Tatsächlich soll der Buddhismus in Tibet völlig zerstört und angepaßt werden.

Kirche:

Ordination: In China hat die staatlich anerkannte katholische Kirche gat am Sonntag fünf weitere Priester ordiniert. Insgesamt wurden damit in China 1996 rund 50 Seminaristen geweiht. Die Priester entstammen fast alle einem großen chinesischen Seminar, das bis vor vier Jahren wegen Geldmangels keine neuen Anwärter hatte aufnehmen können. Sie bilden damit die erste neue Priestergeneration, die aus dieser Schule hervorging.

Spirituelles: Der Erzbischof des philippinischen Manila, Kardinal Jaime Sin, hat erneut zu einer Rückbesinnung auf das Spirituelle im asiatisch-pazifischen Raum aufgerufen. Das erklärte er nach einer Begegnung mit dem philippinischen Präsidenten Fidel Ramos, der in der nächsten Woche Gastgeber der APEC-Wirtschaftskonferenz ist.

EG-Bischof: Der Bischof von Hildesheim, Josef Homeyer, ist am Samstag für weitere drei Jahre als Präsident der "Kommission der Bischofskonferenzen in der europäischen Gemeinschaft" bestätigt worden. Bei der Vollversammlung der Kommission sprachen sich die Teilnehmer für die Ost-Erweiterung der Union aus. Die Annäherung zwischen Ost und West sei nicht nur eine Verpflichtung, sondern auch eine Chance, da sie Frieden und Sicherheit in Europa fördern werde. (kna)

Deutschland:

ZdK-Vollversammlung: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) will in Zukunft rascher auf gesellschaftliche Ereignisse reagieren. Daher wurden an diesem Samstag in Bonn Sprecher für verschiedene Bereiche gewählt. Ferner wurden Beauftragte für Frauen-, Jugend-, Senioren- und Migrantenfragen berufen. Erstmals hat das Gremium auch einen Verantwortlichen für den Dialog mit den Muslimen bestimmt. Wie das ZdK weiter erklärte, werde es möglicherweise eine Stellungnahme gegen das Sozialwort der Kirchen veröffentlichen. Darin wolle man ein eindeutigeres Bekenntnis zugunsten der Armen und Schwachen fordern. (kna)

Schwangerenberatung: Die "Christdemokraten für das Leben" haben am Samstag den Ausstieg der Kirche aus der staatlichen Schwangerenberatung gefordert. Sie kritisierten damit direkt die Entscheidung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Die Bischöfe sollten veranlassen, daß die kirchlichen Stellen keine Beratungsscheine ausstellen.

Ehrenamtliche Arbeit: Die Caritas will die Bereitschaft zu sozialer und ehrenamtlicher Arbeit in der Bevölkerung stärker ausnutzen. In Freiburg kündigte sie am Donnerstag an, bundesweit 14 sogenannten Freiwilligen-Zentren zu schaffen. Diese Zentren sollen über die Möglichkeiten ehrenamtlicher Sozialarbeit informieren und auch denen einen Einstieg verschaffen, die großen Institutionen gegenüber skeptisch sind. (kna)

Frauenarmut: Wie die Berliner Arbeits- und Frauensenatorin Christine Bergmann am Donnerstag erklärt hat, sind Frauen von erheblichen Armutsrisiken bedroht. Das erklärte sie auf einer Tagung mit dem Thema "Frauen und Armut in Deutschland". 47% der vollzeitlich beschäftigten Frauen erzielten ein Einkommen, das ihnen keine wirtschaftlich gesicherte Existenz ermögliche. Auch die Altersarmut sei ein vorwiegend weibliches Problem.

Kürzungen bei Rehabilitation: Die Arbeitsgemeinschaft "Werkstätten für Behinderte" hat sich gegen die geplante Kürzung der Mittel für berufliche Rehabilitation gewandt. Bonn will der Bundesanstalt für Arbeit im kommenden Jahr 500 Millionen Mark Zuschüsse streichen. Dadurch werde die berufliche Bildung in den Behindertenwerkstätten "zerschlagen", so ein Vertreter der Arbeitsgemeinschaft wörtlich. (kna)

Levinson: Einer der führenden Rabbiner des jüdisch-christlichen Dialogs im Nachkriegsdeutschland, Nathan Peter Levinson, feierte am Samstag seinen 75. Geburtstag. In Mannheim, wo Levinson viele Jahre tätig war, wird am Montag ein Festakt zu seinen Ehren veranstaltet. Levinson war 1941 vor dem NS-Regime in die USA geflohen, engagierte sich jedoch nach seiner Rückkehr als Landesrabbiner sowie als Mitglied in verschiedenen Koordinationsräten für die deutsch-jüdische Aussöhnung. (kna)

Kirchlicher Fernsehkanal: Der Verband "Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung" wünscht einen kirchlichen Fernsehkanal. Bei der Kolping-Bundesversammlung sagte ihr Vorsitzender Friedrich Jannsen, die Kirche müsse sich mehr der modernen Medien bedienen. Es reiche nicht, Versagen anzuklagen.

Weitere Meldungen:

Mutter Teresa: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag ist Mutter Teresa erneut in ein Krankenhaus in Kalkutta eingeliefert worden. Sie litt unter Herzrhythmus-Störungen und Atemnot, konnte aber Besuch empfangen. Am Sonntag soll Mutter Teresa jedoch die zweite Herzschwäche innerhalb von drei Tagen erlitten haben. Ihre Ärzte erklärten am Montag, ihr Gesundheitszustand erlaube es nicht, daß sie so weiterarbeite wie bisher. Die Ordensgründerin solle die Leitung der "Missionarinnen der Nächstenliebe" abgeben und sich zur Ruhe setzen.(kna)

Wahrheitskommission: Der südafrikanische Präsident Nelson Mandela hat es bedauert, daß der ehemalige Staatschef Pieter Botha nicht vor die Wahrheitskommission treten will. Mandela kritisierte am Freitag vor der Presse außerdem einige Erklärungen Bothas, die er "negativ" einschätzte, ohne genauere Einzelheiten zu nennen.

Missionare für Kuba: Wenige Tage nach der Begegnung zwischen Papst Johannes Paul II. und dem kubanischen Staatspräsidenten Fidel Castro hat die Regierung in Havanna rund 40 Priestern und Ordensfrauen Einreiseerlaubnis erteilt. Damit haben sich erstmals seit 33 Jahren die Tore für auswärtige Kirchenleute geöffnet.

Scientology: Die Sekte hat am Freitag die Verurteilung mehrerer ihrer französischen Mitglieder kritisiert. Der Prozess sei nur aus politischen Gründen geführt worden und die Beweise, die dem Gericht vorgelegt worden seien, bewiesen alle die Unschuld der Angeklagten, hieß es. Am Freitag hatte ein Gericht in Lyon den ehemaligen Führer der französischen Scientologen zu einer Haftstrafe und einer Geldbuße verurteilt. Außerdem erhielten 15 Mitglieder der Sekte Haftstrafen auf Bewährung.

Wiederaufbau: Deutsche IFOR-Soldaten haben in der Nähe von Trogir in Kroatien eine Wallfahrtskapelle restauriert. Die Friedenstruppe stellte auch einen Kreuzweg vor der Kapelle wieder her. Das meldete am Montag die kroatische katholische Nachrichtenagentur. Die Soldaten hätten die ganze Arbeit in ihrer Freizeit geleistet. (kna)

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

werden.

Magazine in dieser Woche (25. November bis 01. Dezember):

Montag: Weltkirchenmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Rom: Kardinal Ratzinger ist an diesem Montag 15 Jahre im Amt. Ein Gespräch. - Belgrad: Der katholische Erzbischof der Stadt zur Lage der Katholiken in Serbien.

Dienstag: Henri Nouwen: Auf die Stille hören. Teil IV. Gespräch mit dem bekannten Seelsorger und Buchautor, der auch Mitglied der Gemeinschaft "Arche" war; dort leben Gesunde und geistig Behinderte zusammen.

Mittwoch: Die Römische Woche GEPLANTE BEITRÄGE: Kongreß in Rom zum Thema Geisteskrankheiten - Besprechung des neuen GEO-Heftes Rom - Selige und Heilige: Zahlen und Hintergründe - Vor 10 Jahren starb die deutsche Schriftstellerin Ingeborg Drewitz - Außerdem: Eine neue Ausstellung italienischer Landschaftsmalereien durch den deutschen Künstler Wathenpuhl.

Donnerstag: Kreuz des Südens GEPLANTE BEITRÄGE: Algerien: Das nordafrikanische Land und das Referendum.

Freitag: Prisma-Magazin

Samstag: Das kosmische Gebet - Einübung nach Origenes von Peter Dyckhoff, Hildesheim.

Sonntag: Seligsprechung von Otto Neururer und Jakob Gapp

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Redaktion: Ruthild Kropp
Sezione tedesca, I-00120 Città del Vaticano
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