vom 19. bis 21. Nov. 1996 + + +

Vatikan:

Zaire: Papst Johannes Paul II. hat am Mittwoch eindringlich an die Staatengemeinschaft appelliert, den Flüchtlingen in der Region der großen Seen Afrikas zu helfen. Am Ende der Generalaudienz sprach er die Hoffnung aus, daß die Stuttgarter Konferenz zur Entsendung einer Internationalen Hilfstruppe für die betroffenen Not-Leidenden auch wirklich nützlich sei. Er bat alle Hilfsorganisationen und die Verantwortlichen von Kirche und Staat in Ruanda, alles nur mögliche zu tun, um weitere Leiden zu vermeiden.

Burundi: Der Vatikan fordert aus humanitären Gründen eine Aufhebung der Sanktionen gegen Burundi. Das sagte jetzt der Vatikanbeobachter bei der UNO, Erzbischof Renato Martino, in New York. Wenn Burundi von seinen Nachbarn weiterhin isoliert werde, dann spiele das nur den Extremisten in die Hände, so der Erzbischof.

Reise: Der Verantwortliche für die Außenbeziehungen des Vatikans, Erzbischof Jean Louis Tauran, ist am Donnerstag zu einem dreitägigen Besuch nach Kuwait geflogen. Nach Angaben des Vatikansprechers handele es sich um eine Einladung durch das kuwaitische Außenministerium.

Religionsfreiheit: Am Dienstag hat der Vatikanvertreter bei der UNO, Erzbischof Renato Martino, die Staatengemeinschaft aufgerufen, die Religionsfreiheit besser zu garantieren. Es habe in den letzten Jahren zwar Fortschritte gegeben, dennoch würden weltweit noch viele Menschen wegen ihrer Religion benachteiligt und unterdrückt.

Synode: Die Mitglieder des Rates für die Bischofs-Sonder-Synode über Ozeanien haben sich in diesen Tagen zu einem ersten Gespräch im Vatikan getroffen. Mehrere Bischöfe ozeanischer Inseln und Australiens nahmen an den Beratungen teil. Wie das Synodensekretariat in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung betonte, ging es bei den Gesprächen um ein erste Diskussion des Lineamentenentwurfes zur Synode. Das Thema wird lauten "Jesus Christus und die Völker Ozeaniens".

Fidel Castro: Am Dienstag hat Papst Johannes Paul II. den kubanischen Staatschef Fidel Castro in Privataudienz empfangen. Das Gespräch dauerte 35 Minuten. Danach besuchte Castro die vatikanische Nekropole und die Sixtinische Kapelle.

Jubeljahr: Papst Johannes Paul II. wird mit einer Vesper am Vorabend des 1. Advent die Vorbereitungen auf das Jubeljahr 2000 einleiten. Wie der vatikanische Pressesaal am Donnerstag mitteilte, wird mit dem diesjährigen Advent das erste Vorbereitungsjahr eröffnet, bei dem die Person Jesu Christi im Mittelpunkt steht.

Krisengebiete:

Flüchtlinge: Während der Flüchtlingsstrom von Ostzaire nach Ruanda anhält, hoffen internationale Hilfsorganisationen, unter ihnen auch die Caritas, die Rückkehrer sicher auffangen zu können. Verschiedene kanadische Kirchen haben am Dienstag mit der Verladung der ersten 9.000 Tonnen Hilfsgüter für ruandische Flüchtlinge begonnen.

Bedrohung: Nach Aussagen von Amnesty international werden die burundischen Hutu-Flüchtlinge, die Zaire verlassen, von weiteren Grausamkeiten bedroht. Etwa 500 von ihnen sollen in den letzten Wochen von Sicherheitstruppen umgebracht worden sein. In einer Erklärung hat die Organisation mitgeteilt, daß sie im Besitz von Dokumenten über Massaker und das "Verschwinden" von Personen sei.

Jerusalem: Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, fordert die Schaffung eines "unabhängigen Palästinenserstaates" und einen Sonderstatus für Jerusalem. Wie er am Dienstag erklärte, könne dann die Stadt endlich in Frieden leben.

Folter: Gegen eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes von Israel hat sich am Dienstag der Präsident des UNO-Komitees gegen die Folter ausgesprochen. Es sei nicht akzeptabel, daß das Gericht bestätige, daß physische Gewalt bei Befragungen gefangener Palästinenser erlaubt ist.

Terrorismusopfer: Im vergangenen fünf Jahren sind nach Aussagen von Amnesty international in Algerien 50.000 Zivilisten entführt, gefoltert oder getötet worden. All dies geschehe im Namen des "Heiligen Krieges" oder im "Kampf gegen den Terrorismus". Täter seien entweder bewaffnete Oppositionsgruppen oder Sicherheitskräfte, die sich ihre Opfer zunehmend unter Zivilisten suchen. (kna)

Menschenrechte:

Dalai Lama: Die chinesische Regierung will den Einfluß des Dalai Lama und die Bedeutung der Religion in Tibet auslöschen. Wie das für Tibet zuständige Zentralkomitee der kommunistischen Partei am Dienstag in der Zeitung "China Daily" betont, werden in Kürze einige religiöse Feste verboten und Tempel geschlossen. Der Kampf gegen den Dalai Lama müsse auf allen Ebenen geführt und die Zahl der Mönche reduziert werden. Das Zentralkomitee mahnt alle Parteimitglieder, das gesamte öffentliche Leben zu überwachen und den Kampf "ohne Rücksicht auf Traditionen oder Kulturen" zu führen.

Bischof Belo: Wie am Dienstag bekannt wurde, hat Friedensnobelpreisträger, Bischof Carlos Belo, Teile eines Interviews in der Zeitschrift "Der Spiegel" dementiert. In dem Interview habe er nie behauptet, daß die Menschen auf Ost-Timor von Indonesien wie "räudige Hunde" behandelt worden seien. Dies erklärte der Polizeichef von Ost-Timor. Der "Spiegel" wies die Anschuldigungen von Bischof Belo zurück. Der Friedensnobelpreisträger habe ausdrücklich die Erlaubnis zur Veröffentlichung gegeben. (kna)

Freilassung: Deutschland soll sich im Iran für die Freilassung von 4 Bahai einsetzen. Das hat die Gesellschaft für bedrohte Völker am Donnerstag gefordert. Die vier Angehörigen der Minderheitenreligion seien nur wegen ihres Glaubens zum Tode verurteilt worden. (kna)

Kirche:

Interreligiös: Der Weltrat der Kirchen veranstaltet einen interreligiösen Kongreß mit schiitischen Moslems. Er beginnt am Freitag in der iranischen Hauptstadt Teheran. Diese Konferenz ist die erste ihrer Art und soll auch Vertreter der Christen im Iran mit einschließen. Der Weltkirchenrat wies am Donnerstag darauf hin, daß in den letzten Jahren im Iran wiederholt protestantische Pastoren ermordet worden seien.

Papstbesuch: Die Bischöfe Kubas haben den geplanten Papstbesuch in ihrem Land begrüßt. Die Reiseabsicht von Johannes Paul II. könne anderen Ländern zeigen, daß Dialog der einzige Weg zur Lösung von Konflikten sei.

Deutschland:

Buß- und Bettag: Der evangelische Bischof Karl-Ludwig Kohlwage hat die Abschaffung des Buß- und Bettages als gesetzlich geschützten Feiertag kritisiert. Er sei für die Pflegeversicherung verkauft worden, erklärte Kohlwage am Mittwoch bei einer Predigt in Kiel. Er fuhr fort, daß dies ein großer Schaden und ein Armutszeugnis in einem reichen Land sei. (kna)

LER: Die Kultusministerin von Baden-Württemberg, Annette Schavan, hat am Donnerstag die Lehrpläne für das Fach LER im Land Brandenburg als "Sammelsurium" bezeichnet. Der Staat maße sich bei der Definition von Werten eine Rolle an, die er derzeit beim Religionsunterricht nicht einnehme und grundsätzlich auch nicht einnehmen dürfe. (kna)

Taizé-Treffen: Beim europäischen Jugendtreffen der Gemeinschaft von Taizé zur Jahreswende werden zahlreiche Teilnehmer aus dem ehemaligen Ostblock erwartet. Wie Vertreter von Taizé am Dienstag in Stuttgart erklärten, gebe es Anmeldungen unter anderem aus Serbien, Bosnien, Rumänien und Polen. Besonders gestiegen sei das Interesse im Jugendamt des russisch-orthodoxen Patriarchates in Moskau.

Scientology: Die Bürger haben Angst vor dem Einfluß von Scientology. Dies ergab eine Untersuchung, die am Mittwoch in der Hamburger Zeitung "Die Woche" veröffentlicht wurde. In einem offenen Brief von US-Prominenten an Bundeskanzler Helmut Kohl war Deutschland die Verfolgung dieser "religiösen Minderheit" vorgeworfen worden. (kna)

Weitere Meldungen:

Abtreibungsgesetz: Der polnische Staatspräsident Alexander Kwasniewski hat am Mittwoch das umstrittene Abtreibungsgesetz unterzeichnet. Damit wird ein Abbruch bis zur zwölften Schwangerschaftswoche erlaubt. Im Vorfeld war es zu massiven Protesten von Abtreibungsgegenern und Kirchenvertretern gekommen.

50 Jahre Kathpress: Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Johann Weber, hat die "objektive und zuverlässige Berichterstattung" der Nachrichtenagentur "Kathpress" gewürdigt. Bei einer Ansprache zum 50jährigen Jubiläum der katholischen Agentur in Wien sagte Weber: "Die Kathpress ist keine Prawda geworden. Vielmehr trägt sie dazu bei, die Kirche zu einem Haus aus Glas zu machen." KathPress HomePage

Toleranzpreis: Der erste UNESCO-Preis für Toleranz und Gewaltlosigkeit ist am Montag in Paris an eine Vereinigung ruandischer Frauen übergeben worden. Sie wurden damit für ihren Einsatz gegen das Flüchtlingselend im ruandischen Bürgerkrieg geehrt.

Friedenspreis: Am kommenden Wochenende werden in Graz die Friedenspreise der internationalen katholischen Friedensbewegungs "Pax Christi" überreicht. Zu den Preisträgern gehören unter anderem Bischof Franjo Komarica von Banja Luka und der islamische Großmufti der Stadt.

Kubas Staatschef Fidel Castro im Vatikan

Ein Kommentar von Matthias Kopp, Rom

Fidel Castro hat den Vatikan besucht. Der Atheist und langjährige Kirchenverfolger scheint sich zu bekehren, besser: Einsehen zu gewinnen. Und auf der anderen Seite: Mit Castros Vatikanvisite hat die Kirche signalisiert: Sie sucht Versöhnung mit ihm, denn sie könnte auch die schweren Menschenrechtsverletzungen anklagen - Castro war schließlich als Priesterhasser bekannt. Der Vatikan macht mit dem Besuch deutlich, daß man die Vergangenheit bewältigen will, um der Kirche eine neue Chance auf Kuba zu geben. Es geht keinesfalls um den Triumph des Diktators, sondern vielmehr um eine bessere Zukunft der Christen. Und die hoffen jetzt vor Ort. Der Commandante hat Gesprächsbereitschaft signalisiert, Fehler wolle man vergessen. Ein langer Weg, den der 70jährige Fidel Castro vor sich hat. Werden den seine Nachfolger später einmal einhalten, jene Nachfolger, die es auf Kuba bis heute nicht gibt? Die Geschichte der katholischen Kirche auf Kuba nimmt jetzt möglicherweise eine spannende Wende. Es bleibt abzuwarten, wann die Früchte der Aussaat des Vatikanbesuches zu ernten sind. Hoffen wir, daß der Winter ein für allemal vorbei ist.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (21. bis 27. November):

Donnerstag: Kreuzfeuer - Kirche wo es kritisch wird GEPLANTE BEITRÄGE: Ein Interview mit Boutros Boutros-Ghali; Kriegsgefahr in Burundi: Fragen an den Putsch-Premierminister des Landes.

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Aktuelles zur Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, im Gespräch: Rita Waschbüsch. - Sozialwort der Kirchen: Die Meinung der Arbeitgeber. - Sterben als interreligiöser Dialog: In München tagen Christen und Buddhisten gemeinsam. - Hintergrund: Der Vatikanische Außenminister, Erzbischof Jean Louis Tauran, ist zu einem Blitzbesuch nach Kuweit gereist.

Samstag: Kommentar der Woche von Paul-Walter Hlinka und Betrachtung aus dem Geist von Rupert Mayer von Vitus Seibel, Berlin.

Sonntag: Seligsprechung von Otto Neururer und Jakob Gapp

Montag: Weltkirchenmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Rom: Kardinal Ratzinger ist an diesem Montag 15 Jahre im Amt. Ein Gespräch. - Belgrad: Der katholische Erzbischof der Stadt zur Lage der Katholiken im ehemaligen Bürgerkriegsland.

Dienstag: Henri Nouwen: Auf die Stille hören. Teil IV. Gespräch mit dem bekannten Seelsorger und Buchautor, der auch Mitglied der Gemeinschaft "Arche" war; dort leben Gesunde und geistig Behinderte zusammen.

Mittwoch: Die Römische Woche GEPLANTE BEITRÄGE: Kongreß in Rom zum Thema Geisteskrankheiten - Besprechung des neuen GEO-Heftes Rom. - Außerdem: Eine neue Ausstellung italienischer Landschaftsmalereien durch den deutschen Künstler Wathenpuhl.

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