vom 15. bis 18. Nov. 1996 + + +

Vatikan:

Treffen: Für das Jahr 2000 plant Papst Johannes Paul II. ein Treffen der großen christlichen Kirchen in Jerusalem. Wie der Präsident des vatikanischen Einheitsrates am Freitag erklärte, stehe der Papst deswegen mit den Führern der großen Konfessionen in Kontakt.

Papstbiographie: Am Freitag ist das neue Buch des Papstes der Presse vorgestellt worden. "Geschenk und Geheimnis" ist der Titel. Es enthält persönliche Erinnerungen Johannes Pauls über seinen Weg zum Priestertum und seine ersten kirchlichen Tätigkeiten.

Treffen: Am Montag hat sich Papst Johannes Paul II. mit dem ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow getroffen. Das Gespräch war vorher nicht angekündigt worden. Nach Angaben des Vatikans zeigte sich Gorbatoschow zuversichtlich, daß bald ein Papstbesuch in Rußland zustande kommen werde. Am Dienstag soll der kubanische Präsident Fidel Castro in den Vatikan kommen, um mit dem Papst zu sprechen.

Krisengebiete:

Kämpfe: Seit Samstag werden schwere Kämpfe an der Grenze zwischen Burundi und Tansania gemeldet. Es ist zu befürchten, daß die ethnische Gewalt jetzt auch wieder in Burundi droht.

Entführungen: Die sogenannte "Widerstandsarmee des Herrn" hat in den letzten zwei Jahren in Norduganda über 3.000 Kinder entführt. Das erklärte jetzt UNICEF in Genf. Die Mädchen seien zwangsweise mit Rebellen verheiratet worden, die Jungen habe man zum Arbeiten für die Armee gezwungen. (kna)

Rücktritt: Der serbisch-orthodoxe Patriarch Pavle hat General Mladic zum Rücktritt gedrängt. Bei einem Besuch der bosnischen Serben rief er den als Kriegsverbrecher Angeklagten auf, die Absetzung anzunehmen. Pavle sprach sich ferner dafür aus, daß all diejenigen bestraft werden, die Kriegsverbrechen begangen haben. (kna)

Zwischenfälle: Auf den Philippinen kommt es trotz des Abkommens zwischen Christen und Muslimen in den Südprovinzen des Landes vermehrt zu gewaltsamen Zwischenfällen. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurden bei Kämpfen neun muslimische Rebellen getötet. Polizeisprecher erklärten, es handele sich dabei um Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Moslem-Gruppen.

Maulsperre: Die indonesische Regierung hat Bischof Carlos Belo aufgefordert, sich aus der Politik herauszuhalten. "Wir protestieren gegen die Einmischung Belos in die Politik - auch der Vatikan erwartet das nicht von seinem Bischof in Dili," erklärte der Außenminister Indonesiens.

Menschenrechte:

Welttag der Toleranz: Der Generalsekretär der UNESCO, Federico Mayor, hat eine Botschaft zum Welttag der Toleranz veröffentlicht, der am Samstag erstmals begangen wurde. Darin drückte er die Hoffnung aus, eines Tages möge kein junger Mensch mehr fragen, ob alle vor dem Gesetz gleich seien, warum es Menschen gebe, die mehr gelten als andere.

Folter: Amnesty international hat scharfe Kritik an einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes in Israel geübt, wonach Folter beim Verhör von Häftlingen künftig erlaubt ist. Als UNO-Mitglied habe sich Israel verpflichtet, auf Folterung jeglicher Art zu verzichten; das Urteil bedeute einen Vertragsbruch, so ein Amnesty-Sprecher. Ein Berufungsantrag von Palästinensern lehnte der Oberste Gerichtshof am Sonntag ab.

Kirche:

Ökumenische Versammlung: In diesen Tagen ist das Vorbereitungsdokument für die zweite ökumenische Versammlung Europas veröffentlicht worden. Ihr Thema lautet "Versöhnung, Gabe Gottes und Quelle neuen Lebens". Das Treffen wird im nächsten Jahr in Graz stattfinden. Das Vorbereitungspapier soll in den kommenden Monaten von möglichst vielen Gruppen und Gemeinden besprochen werden.

Preis gestiftet: Der Kirchenrat der Vereinigten Staaten hat zu Ehren von Kardinal Joseph Bernardin einen Preis mit dem Namen "Common Ground Award" gestiftet. Dem Erzbischof von Chicago, der am Donnerstag an Krebs verstorben war, wurde am Mittwoch als erster die Auszeichnung überreicht. Mit dem Preis wollen die US-Kirchen und -Konfessionen solche Menschen ehren, die sich wie Bernardin um das Gespräch und die Verständigung bemühen.

Vollversammlung Nordafrika: Am Freitag ist in der marokkanischen Hauptstadt Rabatt die Vollversammlung der nordafrikanischen Bischofskonferenz zuende gegangen. Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit lag auf den zukünftigen Gesprächen mit dem Islam. Die schwierige Situation in Algerien wurde ebenso diskutiert wie eine Neuordnung der pastoralen Arbeit in Libyen.

Erkrankt: Der Ezbischof von Nairobi, Kardinal Maurice Otunga, ist schwer erkrankt. Wie bekannt wurde, soll bald ein Bischof-Koadjutor ernannt werden. (kna)

Deutschland:

Steuerreform: Die Kirchen unterstützen weiterhin die geplante Steuerreform der Bundesregierung. Das betonte am Freitag der Vorsitzende der Steuerkommission der deutschen Bistümer, Friedrich Fahr. Das Sparen habe Vorrang vor der Angst der Kirchen um weniger Kirchensteuer-Einnahmen. Die beiden Kirchen werden durch die Steuerreform 1999 rund 1,8 Milliarden Mark verlieren, prophezeite Fahr. (kna)

Caritas: Einen stärkeren Einsatz der Caritas als Anwalt der Benachteiligten im politischen Leben hat der Präsident des Verbandes, Hellmut Puschmann, am Samstag gefordert. Die Caritas müsse sich vor allem in der Arbeitsmarkt-, Wohnungs- und Ausländerpolitik engagieren und die soziale Komponente im europäischen Einigungsprozess hervorheben. Gleichzeitig forderte der Präsident zur Rückbesinnung auf die christliche Motivation des Verbandes auf. (kna)

Schwangerschaftsberatung: Die bayerische SPD verzichtet auf ein Volksbegehren gegen die Neuregelung der Schwangerschaftskonfliktberatung. Ein entsprechender Gesetzesentwurf der FDP sei enttäuschend, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete, Klaus Hahnzog, am Freitag vor Journalisten. (kna)

Abendmahlsgemeinschaft: Die Hamburger evangelische Bischöfin Maria Jepsen, hofft, daß katholische und evangelische Christen schon bis zum Jahr 2000 gemeinsam Eucharistie feiern werden. Wie die Bischöfin am Freitag bei einer ökumenischen Pastorentagung betonte, müßten die Kirchen dabei nicht ihre speziellen Prägungen aufgeben. Vielmehr sei die Diskussion zwischen evangelischer Ethik und katholischer Moraltheologie sehr wünschenswert. (kna)

Predigen: Angesichts des Priestermangels hat die Bewegung "Wir sind Kirche" am Freitag gefordert, daß Nicht-Priester in Gottesdiensten predigen dürfen. Die Organisation schlug vor, daß am 26. Januar, dem Fest Pauli Bekehrung, Männer und Frauen mit entsprechender theologischer Vorbildung die Predigten übernehmen sollen. (kna)

Verantwortung für die Jugend: Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) hat zu mehr Verantwortungsbewußtsein aller für die junge Generation gemahnt. Grund ist die zunehmende Gewalt an den Schulen. (kna)

Welternährungsgipfel in Rom:

Auslandsschulden: Der Appell Papst Johannes Pauls II. zur Eröffnung des Gipfels scheint Wirkung zu zeigen. Bereits am Donnerstag griff der Präsident der Weltbank, James Wolfensohn, den Wunsch des Papstes nach einem Nachlaß der Schulden von Drittweltländern auf und stimmte ihm dahingehend zu, daß die Verringerung der Auslandsschulden wichtig sei.

Vorbehalt gegen Schlußerklärung: Gegen die Schlußerklärung des Welternährungsgipfels haben 15 Länder, darunter der Vatikan und die Vereinigten Staaten, schriftlich Vorbehalt eingelegt. Der Vatikan hat fünf Punkte zu bemängeln, unter anderem lehnt er die Geburtenkontrolle ab.

Interreligiöses Treffen: Die Teilnehmer des Gipfels sind am Samstag zu einem interreligiösen Treffen zusammengekommen, das auf Initiative der römischen Basisgemeinde S. Egidio zustande kam. Bei dem Treffen forderte Kurienkardinal Edward Cassidy dazu auf, den Armen in den Ländern der sogenannten Dritten Welt tatkräftig zu helfen. (kna)

Kritik: Das Forum der Nichtregierungs-Organisationen hat Kritik an der gegenwärtigen internationalen Ernährungspolitik geübt. Sie stellten ein Alternativmodell auf, mit dem es möglich sein soll, daß jeder Mensch auf der Welt ausreichend ernährt werden kann. Als erstes forderten sie die Stärkung landwirtschaflicher Familienbetriebe.

Positive Bilanz: Der ständige Beobachter des Vatikans bei der FAO, Erzbischof Alois Wagner, hat nach dem Abschluß des Welternährungsgipfels eine positive Bilanz gezogen. In einem Interview hob er hervor, daß ein offenes Gespräch stattgefunden habe, bei dem deutliche geworden sei, daß sich jedes Land um eine dauerhafte Sicherung der Selbsternährung kümmern müsse. Gleichzeitig sei aber auch die Notwenigkeit einer Solidargemeinschaft zwischen arm und reich betont worden, erklärte Wagner. (kna)

Weitere Meldungen:

Euthanasie: Der Oberste Gerichtshof Australiens hat eine Entscheidung über das Euthanasie-Gesetz der "Northern Territories" vertagt. Am Freitag wurde in Canberra bekanntgegeben, daß das Gericht erst nach der Parlamentsdebatte zu der gemeinsam von Kirchen, Medizinern und Eingeborenen eingereichten Klage Stellung nehmen will. (kna)

Islamisches Zentrum: Im irischen Dublin ist am Freitag das größte islamische Zentrum Europas eröffnet worden. In Anwesenheit der irischen Präsidentin Mary Robinson wurde das 5.000 Quadratmeter große Gelände, auf dem sich eine Moschee und Schulen befinden, eingeweiht. Bei den Feierlichkeiten erklärte ein Moslem-Führer: "Der Islam ist kein Terrorismus und dieses Zentrum soll eine Idee davon geben, wer wir sind und was wir wollen."

Mutter Teresa: Am Samstag hat Mutter Teresa offiziell die Ehrenstaatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten erhalten. In einer Laudatio würdigte der US-Botschafter in Indien den Einsatz von Mutter Teresa, die beispielhaft ihr Herz den Armen schenke.

FAO: Die Vereinten Nationen haben getagt.

Ein Kommentar von Matthias Kopp, Rom.

Die UNO hat getagt, es war wohl die letzte große Versammlung in diesem Jahrhundert. Mit viel Sicherheit, Sonne und Sorgen. Von den 192 Ländern, die es auf der Erde gibt, waren rund die Hälfte aller Staatsoberhäupter oder Regierungschefs gekommen. Den Hunger in der Welt will man bis zum Jahr 2015 halbieren. Delegationen hatten fast alle geschickt, aber die Staatschefs kamen überwiegend aus dem afro-asiatischen, also noch nicht einmal lateinamerikanischen Raum. Im Klartext: Die reichen Industrienationen haben den UNO-Gipfel eher geschnitten. Schließlich ist die Präsenz eines Staatsoberhauptes Ausdruck eines inneren Willens zur Lösung von Problemen.

Die UNO hat getagt. Dreifach war der Gipfel zur Welternährung - eher unbewußt als bewußt - geteilt: Am Anfang von der Präsenz und den Worten von Papst Johannes Paul II. bestimmt, in der Mitte von den Ereignissen in Zaire, am Ende vom glanzvollen Auftritt Fidel Castros. Es sei zuviel Papier erzeugt worden, klagen die einen, die Redezeiten waren zu kurz, bedauern die anderen. Über den Hunger haben wir gesprochen, einen Aktionsplan verabschiedet - leider nur als Absichtserklärung und nicht als Verpflichtung -, große Worte, die kaum einer essen kann. Was bleibt?

Die UNO hat getagt - und sie hat, Gott sei Dank, eine Kontrollkommission eingesetzt, die die Durchführung der Beschlüsse von Rom jetzt prüfen soll. Die Demonstration der Einigkeit im Vorfeld des Gipfels blieb weitgehend erhalten. Von der Tagung zu Taten wird das Motto in Zukunft heißen müssen, wenn die Vereinten Nationen ihre Glaubwürdigkeit nicht verspielen wollen. Noch mehr Sitzungen nutzen den hungernden Menschen in der Welt wenig, auch keine teuren Konferenzen. Eine reicht, wirklich! Bei allem: Der Gipfel in Rom hat zur Sensibilierung des Problems beigetragen und daran hatte Johannes Paul II. Anteil. Seine Embargokritik kam ebenso gelegen wie die Forderung nach internationalem Schuldenerlaß. Vielleicht läßt sich mit der moralischen Autorität des Papstes doch Weltpolitik machen. Bei der FAO war es soweit.

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Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

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Magazine in dieser Woche (18. bis 24. November):

Montag: Weltkirchenmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Rückblick auf den FAO-Gipfel - was ist geblieben? - Aktuelles zur Lage in Zentralafrika. - Rückblick auf die Vollversammlung der nordamerikanischen Bischofskonferenz. - Proteste gegen die geplante Bioethikkonvention.

Dienstag: Henri Nouwen: Auf die Stille hören. Teil III. Gespräch mit dem bekannten Seelsorger und Buchautor, der auch Mitglied der Gemeinschaft "Arche" war; dort leben Gesunde und geistig Behinderte zusammen.

Mittwoch: Die Römische Woche GEPLANTE BEITRÄGE: Neues und Hintergründiges zur Archäologie in Rom (jüngste Entdeckungen). - Ein Portrait der neuen Seligen Jakob Gapp und Otto Neururer (Seligsprechung am Sonntag). - Rezension: Das neue Geo-Heft Rom (Oktober 1996). - Preis: Am Dienstag wird der Balzan-Preis verliehen, ein Bericht. - Außerdem: Ausführliche Berichte zum Besuch Fidel Castros bei Papst Johannes Paul II.

Donnerstag: Kreuzfeuer - Kirche wo es kritisch wird

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Aktuelles zur Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, im Gespräch: Rita Waschbüsch. - Sozialwort der Kirchen: Die Meinung der Arbeitgeber.

Samstag: Kommentar der Woche von Paul-Walter Hlinka und Betrachtung aus dem Geist von Rupert Mayer von Vitus Seibel, Berlin.

Sonntag: Seligsprechung von Otto Neururer und Jakob Gapp

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