vom 12. bis 14. Nov. 1996 + + +

Vatikan:

Zaire: Bei der Generalaudienz am Mittwoch hat Papst Johannes Paul II. unverzügliche Hilfsmaßnahmen für die leidenden Menschen in Ostzaire gefordert. "Keine Unsicherheit, keine Vorbehalte, kein Kalkül können eine weitere Verzögerung der humanitären Hilfe rechtfertigen", so Johannes Paul.

Auslandsschulden: Der ständige Beobachter des Vatikan bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Renato Martino, hat erneut eine umgehende Lösung des Problems der Auslandsschulden der Drittweltländer gefordert. Wie bereits Papst Johannes Paul II. sprach der Erzbischof von einer Pflicht-Solidarität der internationalen Völkergemeinschaft gegenüber der Dritten Welt.

UNICEF: Erzbischof Martino sprach außerdem am Dienstag dem UNICEF-Programm zum Schutz der Kinder seine volle Unterstützung aus. Da sie die schwächsten Glieder der Gesellschaft seien, würden sie durch Kriege am meisten betroffen. Sie brauchten vor allem eine intakte Familie. Martino verurteilte die Bodenminen, den Einsatz von Kindersoldaten und die Kinderprostitution.

Antisemitismus: Wie am Dienstag bekannt wurde, wird der Vatikan im nächsten Jahr einen Kongreß zum Thema "Antisemitismus" veranstalten. Dabei will die Kirche auch Selbstkritik üben.

Beileid: In einem Beileidstelegramm hat Staatssekretär Kardinal Angelo Sodano die Trauer des Papstes über das Flugzeugunglück in Indien ausgedrückt. Darin übermittelte er dem Erzbischof von Neu Delhi, Alan de Lastic, die Anteilnahme Johannes Paul für die Opfer und deren Hinterbliebene. Der Papst werde für die Toten beten, so Sodano.

Bischofssynode: Papst Johannes Paul II, hat jetzt das Thema für die 10. Bischofssynode festgelegt. Wie am Dienstag im Vatikan bekannt wurde, wird sich das Treffen, dessen genaues Datum noch nicht feststeht, mit dem Thema "Der Bischof - Diener des Evangeliums Jesu Christi" beschäftigen.

Reisepläne: Nach Angaben des Vorsitzenden des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM, Erzbischof Oscar Rodriguez, plant Papst Johannes Paul II. für 1997 einen Besuch auf Kuba und außerdem in Honduras. Der Zeitpunkt der Reise werde wohl bei einer Begegnung des Papstes mit dem kubanischen Staatschef Fidel Castro in diesen Tagen in Rom festgelegt, teilte Erzbischof Rodriguez weiter mit.

Jahr 2000: Am Dienstag ist im Vatikan das offizielle Symbol für das Heilige Jahr 2000 vorgestellt worden. Es zeigt einen von einem Kreuz geteilten blauen Kreis mit fünf Friedenstauben in der Mitte. Diese symbolisieren die Kontinente.

Krisengebiete:

Zaire: Schwere Kämpfe in der Krisenregion im Osten des Landes. Ein erstes UNO-Hilfsflugzeug erreichte am Donnerstag die Hauptstadt Kinshasa. Wann die Hilfsgüter jedoch in das Krisengebiet transportiert werden können, ist unklar. - Nach Aussagen verschiedener humanitärer Organisationen sterben täglich mehrere hundert Menschen in Ostzaire. Dies liege besonders am Hunger. Frühere Meldungen, daß in den großen Flüchtlingslagern die Cholera ausgebrochen sei, wurden am Donnerstag dementiert.

Klagemauer: Ultra-orthodoxe Juden sind am Dienstag in den für Frauen vorgesehenen Bereich an der Jerusalemer Klagemauer eingedrungen. Mit der Aktion wollten sie das Beten der Frauen verhindern, weil einige von ihnen die religiöse Kleidung trugen, die sonst nur Männern vorbehalten ist. Die Polizei mußte bei den Ausschreitungen eingreifen.

Chiappas: Der mexikanische Bischof Samuel Ruiz von San Cristobal versucht, internationale Unterstützung für seine Vermittlung im Chiapas-Konflikt zu erhalten. Für Ende November organisiert er einen Kongreß in der Krisenregion, der dem Friedensprozeß einen Anschub geben soll. Teilnehmen werden u.a. der anglikanische Erzbischof Desmond Tutu aus Südafrika und der Dalai Lama.

Todesschwadronen: Die mexikanischen Jesuiten warnen derweil vor einer möglichen Bildung von Todesschwadronen im Land. Katholiken, die sich für die Menschenrechte engagierten, erhielt seit August immer wieder Todesdrohungen. Besonders bedroht werde der Jesuitenpater David Fernandez, der ein Menschenrechtsbüro leitet.

Bischof Belo: In der indonesischen Hauptstadt Jakarta kommt es zu Demonstrationen gegen die Unabhängigkeit von Ost-Timor und gegen ihren Vorkämpfer, Bischof Carlos Belo. Am Dienstag demonstrierten rund 3.000 Personen gegen die Verleihung der Friedensnobelpreises an Belo. - In der ost-timoresischen Hauptstadt Dili protestiert man derweilen für Belo. Nachdem am Mittwoch rund 500 Studenten, die eine Sympathieerklärung für den Bischof überreichen wollten, der Zugang zum regionalen Parlament verwehrt worden war, kam es zu Ausschreitungen. (kna)

Friedensprozess gefährdet: Die katholische Kirche von El Salvador sieht den Friedensprozess durch Gewalttaten der zivilen Polizei gefährdet. Der ehemalige Generalvikar von San Salvador sprach vor Journalisten von einem "Machtmißbrauch" der Ordnungskräfte. Die Regierung forderte er auf, wirksame Maßnahmen zu treffen. (kna)

Menschenrechte:

Rassismus: Die US-amerikanischen Bischöfe beklagen, daß rassistisches Denken in der katholischen Kirche der Vereinigten Staaten noch immer weit verbreitet ist. In einer kürzlich veröffentlichten Studie betonten sie, die rund zwei Millionen katholischen Afro-Amerikaner würden im kirchlichen Leben immer noch vernachlässigt. (kna)

Gefängnisreform: Der Sekretär der venezulanischen Bischofskonferenz hat eine Reform der Gefängnisse des Landes gefordert. Er kritisierte die Korruption in den Haftanstalten und forderte allgemein mehr staatliche Gelder für soziale Projekte. Immer mehr Menschen in Venezuela lebten unterhalb der Armutsgrenze, betonte der Geistliche. (kna)

Hoffnungslose Lage: Der Jesuitengeneral, Pater Peter Hans Kolvenbach, hat auf die hoffnungslose Lage von Millionen von Eingeborenen und Entrechteten, vor allem in den großen Städten Mexikos und ganz Lateinamerikas hingewiesen.

Moscheen geschlossen: In der chinesischen Region Xinjiang, die überwiegend von Muslimen besiedelt ist, sind in diesen Tagen zwei Moscheen geschlossen worden, weil sie ohne Erlaubnis der Behörden gebaut worden waren. Das berichtete die dortige Zeitung. Gleichzeitig habe man die muslimischen Geistlichen in politischen Kursen über die Partei-Linie zu Religionsfragen informiert. Nach Angaben der Zeitung wurden auch mehr als 1.000 Gruppen eingerichtet, um die religiösen Aktivitäten zu kontrollieren.

Kirche:

Kardinal Bernardin verstorben: Am Donnerstag ist der Erzbischof von Chicago, Kardinal Joseph Bernardin, seinem Krebsleiden erlegen. Am Mittwoch noch hatte er in einem Brief an den obersten Gerichtshof der USA aktive und passive Sterbehilfe verurteilt. Kurz vor seinem Tod erhielt er Anrufe von Papst Johannes Paul II. und von Präsident Bill Clinton. Bernardin war einer der profiliertesten Kirchenmänner der USA. Erster Generalsekretär der Bischofskonferenz, berühmt für seine Vermittlungen im Hintergrund, seit 1982 in Chicago Erzbischof der zweitgrößten US-Diözese. Hier machte er sich einen Namen als Seelsorger im Geist des II. Vatikanischen Konzils. Sein Krebsleiden war lange Zeit bekannt gewesen. Am Donnerstag würdigte Papst Johannes Paul II. Bernardins Haltung der Würde und Hoffnung im Umgang mit seiner Krankheit.

Entwicklungshilfe: Die Regierung der Vereinigten Staaten soll mehr für die Entwicklungshilfe tun. Das haben die US-amerikanischen Bischöfe auf ihrer Herbstvollversammlung gefordert. In den letzten vier Jahren sei die US-Nahrungsmittelhilfe im 67% und die Entwicklungshilfe um 30% gesunken, bemängelten die Bischöfe.

Besuch: Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., ist am Dienstag zu einem mehrtägigen Besuch im australischen Canberra eingetroffen. Bei einem Gespräch mit Premierminister John Howard ging es u.a. um die politische Situation in Osteuropa. Bartholomäus, der auch Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie ist, besucht zum ersten Mal als griechisch-orthodoxer Patriarch die eine Millionen Angehörigen seiner Kirche in Australien.

Chur: Der apostolische Nuntius der Schweiz, Erzbischof Karl-Josef Rauber hat die Schaffung einer apostolischen Administratur Zürich nur als eine Teillösung des Problems der Diözese Chur bezeichnet. Pressemeldungen zufolge sagte Rauber, die Frage würde dadurch nur verlagert. Die Schweizer Bischöfe diskutieren seit langem über eine Neustrukturierung der Bistümer. Indessen hat sich Dompfarrer Josef Quinter hinter die Kritik von Weihbischof Paul Vollmar an Bischof Haas gestellt. Dieser hatte vorgeschlagen, daß der Bischof von Chur eine andere kirchliche Funktion übernehmen solle. Wie am Donnerstag bekannt wurde, haben die beiden Weihbischöfe der Diözese Chur erklärt, daß sie keinesfalls zurücktreten werden. (kna)

Bibelübersetzung: Die Bischofskonferenz von Ecuador bereitet die Veröffentlichung der Bibel in der Sprache des eingeborenen "Quechua"-Indianerstammes vor. 25 Experten haben sich an der Übersetzung beteiligt. Verlegt wird die "Quechua-Bibel" von der Internationalen Bibelgesellschaft, die bereits an weiteren Ausgaben für die Eingeborenen Kolumbiens, Chiles und Perus arbeitet.

Deutschland:

Ökumenischer Kirchentag: Die beiden großen Kirchen Deutschlands planen für den Anfang des nächsten Jahrtausends einen ökumenischen Kirchentag. Er soll zwischen den Jahren 2002 und 2004 stattfinden, erklärten am Donnerstag das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, ZDK, und das Präsidium des deutschen evangelischen Kirchentages, DEKT.

Treffen: Vertreter der deutschen Bischofskonferenz und der russisch-orthodoxen Kirche kommen ab Freitag in der Benediktinerabtei St. Ottilien zusammen. Anlaß des Treffens sind theologische Gespräche, die sich auch mit der jüngsten Ökumene-Enzyklika "ut unum sint" beschäftigen wollen. (kna)

Ethik für Ärzte: "Ethik" soll als Lehrfach in die Ärzteausbildung aufgenommen werden. Dies hat ein leitender Chefarzt der Göttinger Universitätsklinik am Mittwoch auf einem Kongreß in Freiburg gefordert. Ärzte müßten gezielt im persönlichen Umgang mit den Patienten geschult werden und dürften vor allem auch den Dialog mit Todkranken nicht scheuen. (kna)

Wilhelm Wissing: Das internationale Hilfswerk missio hat die Verdienste ihres früheren Präsidenten Wilhelm Wissing gewürdigt, der am Dienstag verstorben ist. In seiner Amtszeit habe Wissing den Mut bewiesen, die Ergebnisse des II. Vatikanischen Konzils zu verwirklichen. Außerdem sei es im gelungen, den frischen Wind aus den Kirchen der Dritten Welt in die Arbeit von missio zu übersetzen, erklärte am Mittwoch missio-Präsident Dietmar Baader in Aachen. (kna)

Welternährungsgipfel in Rom:

Papststrede: Mit einer Rede des Papstes wurde am Mittwoch der Welternährungsgipfel eröffnet. Johannes Paul ermutigte darin alle Bemühungen, den Hunger in der Welt zu überwinden. Dazu müßten sich Einstellungen und Lebensweisen ändern. Der Papst bemerkte auch, daß der Hunger oft vom Menschen gemacht sei. Er kritisierte politische Unsicherheit, Krieg, Flüchtlingsdramen, Internationale Schulden oder Embargos, Waffenhandel und Luxusproduktion.

Papstempfang: Papst Johannes Paul II. hat am Dienstag Vertreter der Nicht-Regierungs-Organisationen in Audienz empfangen. Sie halten sich anläßlich des Welternährungsgipfels in Rom auf. Vor ihnen betonte er das Recht jedes Menschen auf Nahrung und die Gefahr, daß die Demokratie durch Verachtung des Ungeborenen ihre eigenen Grundlagen zerstört.

Weitere Meldungen:

Athos-Klöster: Die Klöster auf dem Athosberg werden seit dem Umbruch im Osten immer mehr von slawischen Mönchen aufgesucht. In den kommenden Monaten erwartete das griechische Außenministerium eine weitere Welle von bis zu 1.000 russischen Mönchen und Arbeitssuchenden.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (14. bis 20. November):

Donnerstag: Kreuz des Südens: Leben junger Kirchen GEPLANTE BEITRÄGE: Aktuelles zur Lage in Zaire und Burundi. - FAO-Gipfel in Rom: Debatten ohne Ende, ein Zwischenbericht. - Peru: Die Kirche und Empfängnisverhütung, ein Feature.

Freitag: Prisma-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Deutschland: Die Kirchen und das geplante Sozialwort der Kirchen, ein Gespräch. - Italien: Dritter Tag des FAO-Gipfels. Gespräche und Interviews. - Tag des verfolgten Schriftstellers, eine Zusammenfassung. - Ökumene: In St. Ottilien treffen sich Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche und Mitglieder der deutschen Bischofskonferenz.

Samstag: Kommentar der Woche von Heinz-Albert Raem, Rom und Betrachtung aus dem Geist von Rupert Mayer von Vitus Seibel, Berlin.

Sonntag: Aktenzeichen Don Sturzo - Partei-Politiker, Stratege und Priester. Von Aldo Parmeggiani.

Montag: Weltkirchenmagazin GEPLANTE BEITRÄGE: Rückblick auf den FAO-Gipfel - was ist geblieben?

Dienstag: Henri Nouwen: Auf die Stille hören. Teil III. Gespräch mit dem bekannten Seelsorger und Buchautor, der auch Mitglied der Gemeinschaft "Arche" war; dort leben Gesunde und geistig Behinderte zusammen.

Mittwoch: Die Römische Woche GEPLANTE BEITRÄGE: Neues und hintergründiges zur Archäologie in Rom (jüngste Entdeckungen). - Ein Portrait der neuen Seligen Jakob Gapp und Otto Neururer (Seligsprechung am Sonntag). - Rezension: Das neue Geo-Heft Rom (Oktober 1996).

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