vom 05. bis 07. Nov. 1996 + + +

Vatikan:

Ratzinger: Kardinal Josef Ratzinger wird auch weiterhin Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation bleiben. Wie er am Dienstag in München erklärte, habe er dem Papst gegenüber nicht "nein" sagen können. Der Kardinal bezweifelte jedoch, daß er die gesamte Amtszeit von fünf Jahren physisch durchstehen werde.

UNICEF: Der Vatikan hat aus Protest seinen finanziellen Beitrag für die UNICEF in diesem Jahr gestrichen. Es handelte sich bei den Geldern um eine "symbolische Leistung", mit der die Kirche die Arbeit von internationalen Einrichtungen unterstützt. Grund für die Streichung sind die von der UNO-Organisation vertretenen Familienplanungsmethoden, die sie in einem Handbuch über die "Pille danach" vertreten hat. Die entwicklungspolitische Sprecherin der deutschen Sozialdemokraten, Adelheit Tröscher, hat am Donnerstag die Entscheidung des Vatikans kritisiert. Sie forderte die Christen, die aus der Kirche ausgetreten sind auf, das gesparte Geld UNICEF zu geben. (kna)

Einladung: Der Staatspräsident von Ecuador, Abdala Bucaram, hat Papst Johannes Paul II. zu einem Besuch seines Landes eingeladen. Nach seinen Worten soll der Papst im kommenden Jahr vorbeisehen, wenn er sich auf seiner Reise nach Brasilien befindet. (kna)

Kuba: Weiterhin gibt es keine Bestätigung für ein Treffen zwischen Papst Johannes Paul II. und dem kubanischen Staatspräsidenten Fidel Castro. Wie der Verantwortliche für die vatikanischen Außenbeziehungen, Erzbischof Jean-Louis Tauran, am Mittwoch erklärte, habe Castro noch nicht offiziell um eine Audienz gebeten.

Sachsen-Anhalt: Bis zum Jahr 1998 soll der Staatskirchenvertrag zwischen Sachsen-Anhalt und dem Vatikan abgeschlossen werden. Dies erklärten am Mittwoch der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reinhard Höppner, und der apostolische Nuntius, Giovanni Lajolo. Höppner nannte das soziale Engagement der Kirchen und ihren Beitrag für Erziehung und Bildung unersetzlich. (kna)

Glückwünsche: Der polnische Staatspräsident Aleksander Kwasniewski hat am Donnerstag Papst Johannes Paul II. Glückwünsche zum 50jährigen Priesterjubiläum geschickt. In seiner Botschaft hebt er die großen friedlichen und gewaltlosen Umwälzungen der vergangenen Jahre in Polen und Europa hervor. Sie seien zum Teil nur mit der Hilfe Johannes Pauls II. und der Kirche in Polen verwirklicht worden.

Solidaritätsappell: Der Bürgermeister von Bethlehem, Elias Freij, will Papst Johannes Paul II. um einen Solidaritätsappell bitten. Angesichts der sozialen und logistischen Probleme der Stadt seien alle Christen in Vorbereitung auf das Jahr 2000 zur Unterstützung aufgerufen. Wie Freij am Donnerstag erklärte, brauche Bethlehem umgerechnet etwa 300 Millionen Mark. (kna)

Krisengebiete:

Gipfel zu Zaire: Am Dienstag begann ein Gipfel der zentralafrikanischen Länder in Nairobi. Ziel der Gespräche ist eine Lösung des Konflikts in Ost-Zaire. Das Krisenland selbst hat am Montag seine Teilnahme abgesagt, weil der, wie Zaire sagte, "Aggressor Ruanda" mit am Tisch sitze. Am Mittwoch forderten die teilnehmenden afrikanischen Länder eine neutrale Militäreinheit, die den Frieden zwischen Ruanda und Zaire wiederherstellen soll.

Internationale Intervention: Am Dienstag-Mittag hat sich der Erzbischof der zairischen Stadt Kinshasa und Vorsitzende der Bischofskonferenz zu dem Konflikt geäußert. Er sieht als einzige Lösung eine internationale Intervention. Wie er kurz vor seiner Abreise aus Rom erklärte, sei das Problem der ruandischen Flüchtlinge der internationalen Gemeinschaft seit Jahren bekannt gewesen. Am Donnerstag gab der zairische Staatschef Mobutu seine Einwilligung zu einer militärischen Intervention.

Lage in Afrika: Der afrikanische Kontinent braucht kein Mitleid, sondern Solidarität. Mit diesen Worten hat der ständige Vertreter des apostolischen Stuhls bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Renato Martino, am Dienstag an die mitunter dramatische Situation Afrikas erinnert. Die Lage, so Martino, verbessere sich im Vergleich zu dem was nötig sei, viel zu langsam.

Verhandlungen in Chiappas: In Mexiko begann am Dienstag eine neue Runde der Friedensverhandlungen zwischen Regierungsvertretern und Chiappas-Rebellen. Zuvor war es wegen Unstimmigkeiten zu einer zweimonatigen Unterbrechung gekommen.

Protest gegen Entführung: In der philippinischen Stadt Cotabato haben die Einwohner mit Glockenläuten und öffentlichen Streikaktionen gegen das Versagen der Behörden bei mehreren Entführungsfällen protestiert. Noch immer befinden sich rund 30 Personen, darunter auch Geistliche verschiedener Konfessionen, in der Hand der Entführer. (kna)

Menschenrechte:

Kinder: In Afghanistan stirbt alle zwei Minuten ein Kind. Darauf hat das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, am Mittwoch hingewiesen. Neben den direkten Opfern des Krieges würden jährlich etwa 280.000 Kindern an den Kriegsfolgen sterben. Durch die Unruhen der letzten Wochen seien in Afghanistan fast alle Gesundheitszentren zerstört worden. (kna)

Wahrheitskommission: Der ehemalige südafrikanische Staatspräsident, Pieth Botha, will sich vor der Wahrheitskommission gegen "falsche Anschuldigungen" wehren. Laut Agenturmeldungen hatten ihn Polizeibeamte vor der Kommission bezichtigt, während seiner Amtszeit in den 80er Jahren, Angriffe gegen die schwarze Bevölkerung und Apartheidsgegner angeordnet zu haben.

Kirche für Menschenrechte: Die christlichen Kirchen Europas und Nordamerikas haben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) Vorschläge zum Schutz der Menschenrechte vorgelegt. Sie fordern weitere Schritte hin zur Festigung der Religions-, Gewissens- und Glaubensfreiheit, Maßnahmen für eine gemeinsame und umfassende Sicherheit sowie den Abbau von Rassismus und Nationalismus. (kna)

Politische Gefangene: Amnesty international hat die Regierung Nigerias aufgerufen, politische Gefangene freizulassen. In einem am Dienstag veröffentlichten Dokument beklagt die Organisation schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen durch die Militärregierung. Mit dem Papier will Amnesty zugleich an den ersten Jahrestag der Hinrichtung des nigerianischen Freiheitskämpfers Ken Saro-Wiwa am 10. November erinnern.

Kirche:

Neuer Vorsitzender: Am zweiten Tag der Vollversammlung der französischen Bischofskonferenz wurde der Erzbischof von Aix-en- Provence, Louis-Marie Bille, zum neuen Vorsitzenden gewählt. Vizepräsident wurde der neue Bischof von Evreux, Jacques David.

Neuer Primas: Am letzten Sonntag hat in Irland ein neuer Primas sein Amt angetreten. Erzbischof Sean Brady wurde bei einer Feier in der Kathedrale von Armagh in sein Amt eingesetzt und folgt damit Kardinal Cahal Daly, der in den Ruhestand getreten ist.

Kirchliche Gerichtshöfe: Die anglikanische Kirche Englands will künftig Delikte, die von Priestern begangen wurden, schärfer ahnden. Dies steht in einem am Donnerstag in London veröffentlichten Bericht. Nationale kirchliche Gerichtshöfe sollen dafür sorgen, daß Beschwerden gegen Priester unverzüglich untersucht und Vergehen angemessen bestraft werden. (kna)

Wahlaufruf: Die slowenischen Bischöfe haben in einem Hirtenbrief zur Teilnahme an den Parlamentswahlen aufgerufen, die am kommenden Sonntag stattfinden werden. Wie sie betonten, müßten die Christen besonders darauf achten, daß für die zukünftigen Machthaber nicht nur wirtschaftliche Probleme, sondern auch die Menschenrechte und andere christliche Werte von Bedeutung sind. (kna)

Erinnerung: Die Kirche El Salvadors hat am Mittwoch eine Novene zur Erinnerung an die Ermordung von sechs Jesuiten vor sieben Jahren begonnen. Sie waren wegen ihres Eintretens für soziale Gerechtigkeit von Todesschwadronen in der Nacht zum 16. November 1980 erschossen worden. Durch Gottesdienste und verschiedene kulturelle Veranstaltungen soll an ihren Einsatz für die Armen erinnert werden.

Deutschland:

Sozialwort: Am Mittwoch ist in Bonn eine Dokumentation vorgestellt worden, die sich mit dem Konsultationsprozess in Vorbereitung eines gemeinsamen Sozialwortes der Kirchen beschäftigt. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Karl Lehmann, hatte bereits vor zwei Wochen in Rom erklärt, das Sozialwort selbst könne im Februar kommenden Jahres veröffentlicht werden.

Kultursteuer: Die Steuerkommission der deutschen Diözesen hält nichts von einer Kultursteuer für Personen, die keine Kirchensteuer zahlen. Dies erklärte der Vorsitzende der Kommission am Mittwoch in München. Damit reagierte er auf Äußerungen von kirchlicher und politischer Seite, in denen eine Kulturabgabe als Ersatz für die Kirchensteuer gefordert worden war. Die Bundesregierung ist der gleichen Meinung. Sie hält eine mit dem Kirchenaustritt verbundene Kultursteuer für verfassungswidrig. (kna)

Erziehungsgeld: Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZDK) hat sich für eine deutliche Erhöhung des Erziehungsgeldes ausgesprochen. Wie es am Donnerstag mitteilte werden außerdem weitere Verbesserungen der Familienpolitik gefordert. (kna)

Religionsunterricht: Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat den Religionsunterricht zum kommenden Schuljahr gekürzt. Dies erklärte ein Sprecher am Donnerstag. In den Klassen 3 und 4 der Grundschule wird der Unterricht von drei auf zwei Stunden verringert. Die eingesparte Unterrichtseinheit solle zur Stärkung der Grundfertigkeiten der Schüler im Schreiben und Rechnen genutzt werden.

Welternährungsgipfel in Rom:

Schlußdokument: Der Gipfel scheint unter guten Vorzeichen zu stehen. Wie die Generalsekretärin der Vorbereitungskommission am Dienstag erkläre, hätten sich die Mitgliedstaaten bereits im Vorfeld auf das Schlußdokument so gut wie geeinigt. Das sei bisher einmalig in der Geschichte der Vereinten Nationen. Wie sie weiter erklärte, soll der Gipfel mit einer Botschaft von Papst Johannes Paul II. eröffnet werden. (kna)

Bonner Vorbilanz: Der Welternährungsgipfel wird nach Einschätzung der Bonner Bundesregierung weder zusätzliche Gelder noch neue Nahrungsmittelhilfen bereitstellen. Das Treffen sei jedoch trotzdem "außerordentlich wichtig", da man die betroffenen Länder auffordern werde, selbst Vorkehrungen gegen den Hunger zu treffen, erklärte Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert am Donnerstag gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur. (kna)

Weitere Meldungen:

Verbot an Rotes Kreuz: Die Regierung des Sudan hat dem internationalen Rot-Kreuz-Komitee bis auf weiteres jede Aktivität untersagt. Als Grund wurde genannt, daß die Hilfsorganisation bei einem Versorgungsflug mehrere Mitglieder der südsudanesischen Rebellenbewegung mitgenommen habe.

Kampf den Drogen: Die katholische Kirche Vietnams hat ihre Gläubigen zum Kampf gegen Drogen aufgerufen. "Drogenmißbrauch stellt einen Angriff auf die traditionellen Werte der vietnamesischen Gesellschaft dar", schreibt der Erzbischof von Hanoi in einem Hirtenwort. Er fordert besonders alle Priester auf, sich an der Anti-Drogenkampagne aktiv zu beteiligen.

Benazir Butho: Der überraschende Sturz der pakistanischen Premierministerin führte bisher zu keiner Reaktion der Kirche. Jedoch muß nun die kleine katholische Minderheit besorgt in die Zukunft blicken. In Indien fürchten Hindu-Nationalisten neue Spannungen mit Pakistan wegen des Streits um das Kaschmir-Tal. Auch die Taliban-Kämpfer in Afghanistan müssen nun um ihren wohl wichtigsten Rückhalt bangen.

Gebetsverbot: Das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten hat das Verbot von Gebeten in öffentlichen Schulen bestätigt. Wie es dazu in der Urteilsbegründung heißt, sei das von Lehrern oder Schülern gesprochene Schulgebet verfassungswidrig. Nach einem ersten Urteil aus dem Jahr 1962, das nur von Lehrern gesprochene Gebete verbot, haben mehrere Bundesstaaten, meist erfolglos, versucht, die Schulgebete wieder einzuführen. (kna)

Gebet für Jelzin: Der russische Patriarch Alexij hat an diesem Montag die Gläubigen aufgerufen, für einen guten Ausgang der Operation von Präsident Boris Jelzin zu beten. Anläßlich eines Dankgottesdienstes vor einer berühmten Madonnenikone betete Alexij für die geistige und körperliche Gesundheit des Präsidenten

In eigener Sache:

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Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt

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Magazine in dieser und der kommenden Woche (07. bis 13. November):

Donnerstag: Jugendmagazin: Tips - Ideen - Termine

Freitag: Prisma: GEPLANTE BEITRÄGE: Deutschland: Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, P. Hans Langendörfer, im Gespräch. -Das Sozialwort der Kirchen, kommt es oder kommt es nicht? Ein Hintergrund.

Samstag: Kommentar der Woche von Heinz-Albert Raem, Rom und Betrachtung zum Geist von Rupert Mayer von Vitus Seibel, Berlin.

Sonntag: Korrespondenzsendung: Sie schreiben - wir antworten.

Montag: Weltkirchenmagazin:

Dienstag: Henri Nouwen: Auf die Stille hören. Teil II. Gespräch mit dem bekannten Seelsorger und Buchautor, der auch Mitglied der Gemeinschaft "Arche" ist; dort leben Gesunde und geistig Behinderte zusammen.

Mittwoch: Römische Woche

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