vom 01. bis 04. Nov. 1996 + + +

Vatikan:

Angelus: Am Sonntag waren etwa 40.000 Pilger und Gläubige auf den Petersplatz gekommen, um mit dem Papst den Angelus zu beten. In seiner Kurzansprache ging Johannes Paul II. auf die Verehrung der Heiligen ein. Der Kult helfe den Christen, so der Papst, die Bedeutung des Gebets wieder zu entdecken.

Goldenes Priesterjubiläum: Mit 700 Priestern aus Rom, zahlreichen Kardinälen und Bischöfen feierte Papst Johannes Paul II. am Freitag den 50. Jahrestag seiner Priesterweihe. Kardinal Camillo Ruini begann seine Ansprache mit den Worten: "Heute ist ein großer und glücklicher Tag für die Kirche von Rom." Der Osservatore Romano veröffentlichte aus diesem Anlaß am Dienstag eine Sondernummer, in der 16 herausragende Kirchenleute die Tätigkeit des Papstes würdigen.

Buch: Papst Johannes Paul II. hat anläßlich seines goldenen Priesterjubiläums einige, wie es heißt "Erinnerungen und Überlegungen zu seiner Berufung" geschrieben. Das rund 70seitige, in Polnisch verfaßte Buch sei zum Teil Biographie, zum Teil eine Reflexion über das Priesteramt.

Krisenregion Zaire:

Aufruf: Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, hat ein Eingreifen der Völkergemeinschaft zum Schutz der Flüchtlinge in Zaire gefordert. Angesichts der Flüchtlingskatastrophe, die sich in dem afrikanischen Land abspiele, sei die weitgehende Untätigkeit der Welt geradezu unerträglich.

Militärintervention: Frankreich hat am Sonntag seine Absicht erklärt, Soldaten nach Zaire zu schicken. Dem Appell an die Vereinten Nationen haben sich am Montag zahlreiche Staaten angeschlossen. Außenminister Klaus Kinkel forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates.

Krisengebiete:

Opfer: In Burundi sollen seit der Machtübernahme durch Pièrre Buyoya etwa 10.000 Menschen ums Leben gekommen sein. Das teilte UN-Generalsekretär Boutros Boutros Ghali am Freitag in Genf mit. Der Bürgerkrieg habe nach dem Staatsstreich vom 25. Juli nichts an Härte verloren und die Gewalt breite sich im ganzen Land aus, erklärte er. (kna)

Gesperrt: Auf Druck von ultra-orthodoxen Juden wird eine große Straße in Jerusalem am Sabbat zu bestimmten Zeiten gesperrt werden. Auf Vorschlag der zuständigen Kommission wird aber gleichzeitig ein halböffentlicher Bus-Verkehr eingerichtet. Konservative Bewohner der heiligen Stadt hatten seit langem die Schließung des Bar-Ilan-Boulevards gefordert. Er soll aber zunächst nur während der Gebetszeiten für den Straßenverkehr gesperrt sein.

Gedenken: Am Montag war der Jahrestag der Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Yitzak Rabin. Bei zahlreichen Gedenkveranstaltungen wurde sein unermüdlicher Einsatz für den Frieden gewürdigt. Anläßlich der Einweihung eines Denkmals in Jerusalem erklärte Rabins Witwe, Lea, große Unsicherheit und Trauer liege über dem Land.

Dalai Lama: Die taiwanische Regierung ist bereit, den Dalai Lama zu empfangen, wenn er das Land besuchen möchte. Das hat ein Sprecher des Präsidenten gegenüber der Presse erklärt. Zuvor hatten die Medien einen möglichen Besuch des tibetischen Relgionsführers angekündigt.

Menschenrechte:

Gerichtshof: Amnesty international hat die Einrichtung eines "ständigen internationalen Gerichtshofs" gefordert, der sich mit Vergehen gegen die Menschlichkeit beschäftigt. Das geringe Interesse, mit dem die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen bisher eine solche Initiative verfolgt hätten, mache sie fast mitschuldig an den gegenwärtigen Greueltaten, erklärte die Präsidentin der italienischen Amnesty-Abteilung, Carla Gottardi. (kna)

Flüchtlinge: Am Freitag hat der ständige Beobachter des apostolischen Stuhls bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Renato Martino, die Haltung der katholischen Kirche zur Rückführung von Flüchtlingen dargelegt. Er erklärte, sie dürften nicht zur Heimkehr in ihr Land gezwungen werden. Als Prinzip habe zu gelten, so Martino, daß Flüchtlinge von ihrer Heimat angezogen werden und nicht vom Zufluchtsort abgestoßen werden sollten.

Kindersoldaten: Weltweit sollen etwa 250.000 minderjährige Soldaten im Einsatz sein. Wie die Organisation "save the children" mitteilte, kämpfen in 33 bewaffneten Konflikten Jungen und Mädchen ab 5 Jahren als Soldaten. Die Organisation forderte die UNO dazu auf, das Mindesteinzugsalter auf 17 Jahre anzuheben.

Indigene: Die katholische Kirche Ecuadors hat Regierung und Eingeborene zum Dialog aufgerufen. Die Indigenen-Verbände hatten sich gegen die geplante Einrichtung eines ethnisch-kulturellen Ministeriums ausgesprochen und zum Teil gegen die Ernennung des neuen Ministers für Eingeborenenfragen protestiert.

Katastrophengebiete:

Absturz: Am Freitag hat Papst Johannes Paul II. sein tiefes Mitgefühl mit den Hinterbliebenen des Flugzeugabsturzes in der brasilianischen Stadt Sao Paolo ausgedrückt. In einem Beileidstelegramm an den Erzbischof der Stadt, Kardinal Evaristo Arns, versicherte er den Familienangehörigen, im Gebet ihren Schmerz zu teilen.

Hurrikan: Wie jetzt aus Havanna gemeldet wird, werden in Kuba über 30.000 Tonnen Reis, Bohnen und Milchpulver nicht verteilt, die für die Opfer der Hurrikankatastrophe vorgesehen waren. Der Grund ist, daß die Regierung noch keine Einigung über die Verteilung erzielen konnte.

Kirche:

Vollversammlung: Im Marienwallfahrtsort Lourdes begann am Montag die Herbstvollversammlung der französischen Bischofskonferenz. In diesem Jahr soll ein neuer Vorsitzender gewählt werden, da eine Wiederwahl von Erzbischof Joseph Duval wegen seiner abgelaufenen sechsjährigen Amtszeit nicht möglich ist. Dieser erinnerte in seiner Rede an den Papstbesuch in diesem Jahr. (kna)

Deutschland:

Beschwerde: Die Scientology-Sekte hat Beschwerde gegen die Bundesregierung eingelegt. Nach dem Beschluß der bayerischen Landesregierung, Bewerber für den öffentlichen Dienst nach ihren Verbindungen zu der Sekte zu befragen, wandte diese sich an das Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Menschenrechte. Scientology nannte die bayerische Entscheidung "einen Schritt zurück in die dunkleren Zeiten der deutschen Geschichte. (kna)

Gebet: Zum Auftakt der Synode in Borkum hat der Vorsitzende des Rates der evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Klaus Engelhardt, die christlichen Kirchen zum verstärkten Gebet aufgerufen. Wörtlich sagte Engelhardt, "daß Kirche betet, muß ihr deutlichstes Kennzeichen sein."

Soziale Dienste: Nach Einschätzung von Bischof Klaus Engelhardt wird die evangelische Kirche gezwungen sein, ihre sozialen Dienste einzuschränken. Grund dafür ist der Rückgang der Kirchensteuer-Einnahmen. Wie Engelhardt am Montag im Südwestfunk erklärte, werde sich die Kirche darauf konzentrieren, den wirklich notleidenden Menschen zu helfen. (kna)

Welternährungsgipfel in Rom:

Hoffnungen: Die deutschen Teilnehmer am Welternährungsgipfel erhoffen sich deutliche Signale für langfristige Strategien gegen Hunger und Armut. Einer der Generaldirektoren der Welternährungsorganisation FAO bezeichnete das Motto des Gipfels "Nahrung für alle" als "durchaus realistisches Ziel". Konkret wolle man erreichen, daß sich die Zahl der Unterernährten bis zum Jahr 2015 halbiere. (kna)

Gewohnheiten ändern: Mit Blick auf den Ernährungsgipfel hat der Bischof von Limburg, Franz Kamphaus, die deutschen Verbraucher aufgefordert, ihre Gewohnheiten zu ändern. "Wer Lebensmittel vernichtet, mißachtet soziale Gerechtigkeit, erklärte er. Der Verbraucher solle lieber saisonale Produkte aus der Region und weniger Fleisch konsumieren. (kna)

Weitere Meldungen:

Auschwitz: Die Maja-Firma, die Anfang dieses Jahres den Bau eines Einkaufszentrums in Auschwitz geplant hatte, hat jetzt Klage gegen die polnische Regierung eingereicht. Die Firma fordert eine Schadensersatzzahlung von rund 800.000 Dollar. Aufgrund der weltweiten Proteste gegen das Projekt hatte Warschau das Unternehmen aufgefordert, von dem Projekt abzusehen.

Einreiseverbot: Die dänische Regierung hat am Donnerstag mitgeteilt, daß sie dem Schriftsteller Salman Rushdie die Einreise verweigert. Rushdie soll im kommenden Monat den Literaturpreis der Europäischen Union in Kopenhagen entgegennehmen. Die Regierung begründete ihr Verbot damit, daß sie nicht für die Sicherheit des Autors garantieren könne. Dänische Parteien und Politiker sowie das Komitee zur Unterstützung von Salman Rushdie protestierten gegen diese Entscheidung.

Wahlempfehlung: "Die Katholiken der Vereinigten Staaten sollen keinen Politiker wählen, der für eine Legalisierung der Abtreibung ist." Dazu hat der ehemalige Erzbischof von New Orleans, Philip Hannan, in der letzten Woche aufgerufen. Seiner Erklärung, er habe in diesem Punkt die volle Unterstützung aller Bischöfe von Louisiana, widersprachen jedoch die Bischöfe zweier Diözesen des Staates.

Zurückgeschickt: Kuba hat einen Teil der humanitären Hilfen von katholischen Organisationen wieder in die Vereinigten Staaten zurückgeschickt. Grund waren Etiketten, die nach Ansicht der Verantwortlichen "konterrevolutionäre Aufschriften" sein sollen. Wie eine Zeitung in Havanna schrieb, lehne das kubanische Volk eine konterrevolutionäre Propaganda ab. (kna)

Bischöfinnen: In der anglikanischen Kirche Englands hat sich eine Initiative gegründet, die nach der Zulassung der Frauen zum Priesteramt nun auch die Bischofsweihe für sie fordert. Nach Angaben der Londoner Sunday times sollen sich mehr als 100 Personen der Bewegung angeschlossen haben. Gegner der Initiative befürchten eine Kirchenspaltung. (kna)

Kommentar zur Lage in Zaire von Matthias Kopp, Rom:

Wie ein Alphabet lesen sich die Krisenherde in Afrika. War es gerade Burundi, ist es eben Ruanda und jetzt Zaire. Welches wird der nächste Staat sein? Wer wird der nächste Bischof oder Gläubige sein, der mutig die Stimme erhebt aber mit den einfachsten Mitteln zum Schweigen gezwungen wird? Ostzaire vor dem Abgrund, Banditenbanden in der Hauptstadt Kinshasa, die die unübersichtliche Lage zum Plündern nutzen, seit diesem Freitag. Erzbischof Christopher Munzihirwa, mit dem wir noch vor kurzem sprachen, ist jetzt tot. Wie schnell wird das Wort von der Vergänglichkeit der Welt Gegenwart! Und bei allem: Die internationale Staatengemeinschaft scheint zu scheitern, zumindest bis zum vergangenen Wochenende. Fast krampfhaft, ja lächerlich, versuchte die UNESCO am letzten Freitag einen Appell zum Frieden zu veröffentlichen. Einen Appell, was Kirchenführer und andere Denker schon früher getan haben. Aber der moderne diplomatische Verwaltungsapparat zwischen New York und Paris scheint zu scheitern, scheint Verantwortung für den Abstieg Zaires zu tragen, scheint abzuwarten. Ein dunkles Kapitel für unsere Welt-Geschichte, ein schwarzer Abschnitt für jene, die meinen, internationale Verantwortung übernommen zu haben.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (04. bis 10. November):

Montag: Weltkirchenmagazin: GEPLANTE BEITRÄGE: Vereinigte Staaten: Ein Land im Wahlkampf. Radio Vatikan im Gespräch mit us-amerikanischen Kardinälen vor dem Tag der Wahl. - Außerdem: 1. Jahrestag der Ermordung von Yitzak Rabin, eine Würdigung.

Dienstag: Henri Nouwen: Auf die Stille hören. Gespräch mit dem bekannten Seelsorger und Buchautor, der auch Mitglied der Gemeinschaft "Arche" ist; dort leben Gesunde und geistig Behinderte zusammen.

Mittwoch: Römische Woche: (Es findet keine Generalaudienz statt.) GEPLANTE BEITRÄGE: Vatikan: Die Papstbotschaft zum Krankentag - außerdem eine Tagung der Päpstlichen Kommission "Justizia et Pax" - Rom: Besprechung einer Ausstellung über den Maler Domenichino - Vorstellung eines Rom-Führers.

Donnerstag: Jugendmagazin: Tips - Ideen - Termine

Freitag: Prisma: GEPLANTE BEITRÄGE: Deutschland: Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, P. Hans Langendörfer, im Gespräch. -Das Sozialwort der Kirchen, kommt es oder kommt es nicht? Ein Hintergrund.

Samstag: Kommentar der Woche von Heinz-Albert Raem, Rom und Betrachtung zum Geist von Rupert Mayer von Vitus Seibel, Berlin.

Sonntag: Korrespondenzsendung: Sie schreiben - wir antworten.

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