vom 25. bis 28. Oktober + + +

Vatikan:

Kuba-Politik: Der Chef der Vatikandiplomatie, Erzbischof Jean Louis Tauran, hält sich derzeit in Kuba auf, um für ein besseres Verhältnis zwischen der Regierung Castro und der Kirche zu sorgen. In einem Gespräch mit dem kubanischen Außenminister verurteilte Tauran Wirtschaftsembargos, ohne die USA zu nennen. Tauran ermutigte die Kirche Kubas ihre Eigenständigkeit zu behaupten. Er brachte eine Spende des Papstes für die Opfer des Wirbelsturmes Lili mit. Bei der Messe forderte Tauran die Beachtung der Religionsfreiheit. Ein kubanischer Regierungssprecher erklärte vor der Presse, der Besuch Tauran habe nicht den Zweck eine weiter Visite vorzubereiten. Beobachter hatten vermutet, er bereite einen Papstbesuch auf Kuba vor oder einen Castro-Besuch im Vatikan.

Solidarnocz-Hilfe: Der Papst hat der freien polnischen Gewerkschaft Solidarnosz keine finanzielle Hilfe gegeben. Das hat jetzt der frühere Gewerkschaftsführer und spätere polnische Präsident Lech Walesa in den USA erklärt. Walesa widersprach damit anhaltenden Spekulationen in der Weltpresse und unter Historikern.

Abtreibungskritik: Die Vatikan-Zeitung Osservatore Romano hat am Freitag die neue polnische Abtreibungsgesetzgebung scharf kritisiert. Unter der Überschrift "Polen wählt den Weg des Todes" spricht die Zeitung von der "Kultur des Todes". Der italienische Kardinal Camillo Ruini nannte die Entscheidung einen Rückschritt für ganz Europa.

Landreform: Der ständige Vatikan-Beobachter bei der UNO, Erzbischof Renato Martino, hat die Staatengemeinschaft gemahnt, für eine gerechte Landverteilung zu sorgen. Notfalls müsse eine Landreform durchgeführt werden. Vor der UNO-Vollversammlung sagte Martino am Freitag, es reiche nicht, Hilfsprogramme durchzuführen. Die Staaten hätten die Verpflichtung, das Recht der Menschen auf Nahrung zu garantieren. In manchen Ländern besäße 1 Prozent der Bevölkerung 5o Prozent des Landes.

Unions-Jubiläum: Am Sonntag ist im Petersdom eine Liturgie im byzantinischen Ritus gefeiert worden. Anlaß dafür war das 35o-jährige Jubiläum der Union von Uzgherod. Dabei hatten sich Teile der orthodoxen Kirche der Ukraine vom Moskauer Patriarchat gelöst und sich Rom angeschlossen. Der Papst nahm an der Liturgie teil und würdigte das Glaubenszeugnis der unierten Katholiken und der orthodoxen Schwesterkirche während der kommunistischen Verfolgung. Orthodoxe und Unierte ermahnte er, die Einheit der Kirchen weiterhin zu suchen.

Waffenhandel: Der Vatikan warnt vor einem internationalen Kartell der Waffenhändler. Deren Interessen steckten hinter vielen blutigen Konflikten. Der ständige Vatikanvertreter bei der UNO, Erzbischof Renato Martino erklärte vor der Vollversammlung am Freitag, die internationale Gemeinschaft dürfe nicht zulassen, daß wirtschaftlicher Druck eine wirkliche Abrüstung blockiere.

Assisi-Jubiläum: 10 Jahre nach dem großen interreligiösen Gebetstreffen in Assisi hat am Sonntag in der Franziskusstadt eine Gedächtnismesse stattgefunden. Der Präsident des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Roger Etchegaray, feiert dort im Auftrag des Papstes eine Messe. In seiner Predigt sagte er, der Friede koste mehr als Waffen und Kriegsmaterial. Er könne nur mit Leiden und Gebet errungen werden.

Europäische Bischofskonferenzen:

Die fünftägigen Beratungen von über 150 Vertretern aus rund 30 europäischen Ländern und ihrer Bischofskonferenzen sind am Sonntag zuende gegangen. Die christlichen Kirchen des Kontinentes müssen nach Ansicht der Bischöfe ihren Beitrag zur Sicherung der modernen Demokratien leisten. Das verlange von der Kirche Dialogfähigkeit, erklärte der Prager Kardinal Miloslav Vlk zum Abschluß der Beratungen. Christen müßten den Mut haben, ihren Glauben in den pluralistischen Gesellschaften mit voller Entschlossenheit und ohne Abstriche zu leben, so Vlk. In den Tagen zuvor hatten die Bischöfe und Laienvertreter in Plenumsgesprächen und Sprachzirkeln über die Frage "Religion - Privatsache oder öffentliche Angelegenheit?" diskutiert. Für die meisten Teilnehmer war dabei von besonderer Wichtigkeit das Zeugnis der osteuropäischen Kirchen. Einer der Höhepunkte in den Beratungen war die Rede der früheren polnischen Ministerpräsidenten Hanna Suchocka. Eine Zusammenfassung der Beratungen in unserem Sonderkommentar am Ende dieser Internetnachrichten.

Krisengebiete:

Zaire-Ruanda: Die katholischen Missionare im Gebiet um Kivu wollen vorerst auf ihrem Posten bleiben. Das ergab eine Umfrage der KNA bei den Ordensgeneralaten in Rom. Die Afrika-Missionare sind der Ansicht, ihre Ordensleute sollen solange bleiben, als sie nicht nur Zielscheibe für Gewehre seien. Auch die Xaverianer meinen, daß ihre Leute so lange wie möglich bei der Bevölkerung der Region ausharren sollen. Die europäische Caritas will 35 Millionen Tonnen Lebensmittel nach Bukave schicken.

Angola: Die erdölreiche Enklave Cabinda zwischen Kongo und Zaire soll über ihre Zukunft in einem Referendum entscheiden. Das hat jetzt der dortige Bischof, Fernandes Madeca, vorgeschlagen. Die Bevölkerung müsse selbst über ihre Zukunft bestimmen.

Israel: Im Verwaltungsrat der Heiligen Stätten in Jerusalem ist es zu Streit zwischen Palästinensern und Jordaniern gekommen. Nach Presseangaben versuchten die Palästinenser letztere aus dem Rat zu drängen. Politiker aus Israel und Jordanien hätten verhindern müssen, daß Palästinenser den Verwaltungsrat auf dem Tempelberg übernehmen. Dies wäre eine Verletzung der Vereinbarung von Oslo gewesen.

Ost-Timor: Der Gouverneur der Insel hat sich beim Nobelkomitee in Oslo wegen der Zuerkennung des Nobelpreises an Bischof Carlos Felipe Belo beschwert. Kein Bewohner von Ost-Timor, der sich für den Widerstand engagiere, habe die Auszeichnung verdient. Indessen hat Bischof Belo eine Einladung von Bundeskanzler Helmut Kohl in Indonesien aus Zeitgründen ausgeschlagen. Kohl ließ mitteilen, er sei bis Dienstag in Jakarta weiter zu Gesprächen bereit.

Kirche:

Schweiz: Pressemeldungen zufolge hat Weihbischof Paul Vollmar den Rücktritt des Bischofs von Chur, Wolfgang Haas, gefordert. Nach Angaben der KNA von diesem Montag schreibe Vollmar dies in einem Beitrag der Zeitschrift für Pastoral in der Novembernummer. Bischof Haas werde von zu wenigen in seiner Diözese angenommen. Bis jetzt liegen weder von der Diözese Chur, noch vom Vatikan Stellungnahmen zu dem ungewöhnlichen Vorgang vor.

Frankreich: Fast zwei Drittel aller Franzosen finden es gut, daß die Bischöfe sich vom rechtsextremen Politiker LePen distanziert hätten. Das ergab eine Fernsehumfrage, die am 25.10. veröffentlicht wurde. Fast ein Drittel der Befragten meinte, die Bischöfe hätten damit ihre Kompetenz überschritten. Die Bischöfe Frankreichs hatten kürzlich die fremdenfeindliche Politik von LePen kritisiert.

Frankreich: Die Bischöfe wollen dem amtsenthobenen Bischof Jaques Gaillot keine neuen Vorschläge für Tätigkeiten unterbreiten. Am Freitag sagte der Präsident der Bischofskonferenz, man hätte sich gefreut, wenn Gaillot die Seelsorge in einem Gefängnis oder in der Psychiatrie übernommen hätte.

El Salvador: An Allerheiligen wird der Seligsprechungsprozess von Erzbischof Oscar Arnulfo Romero in seiner Heimat beendet. Anschließend werden die Akten in den Vatikan gebracht. Das wurde an diesem Sonntag offiziell in San Salvador bekanntgegeben.

Peru: Kirche und Staat erarbeiten jetzt getrennt Informationsmaterial zum Sexualkundeunterricht. Sie hatten sich nicht auf Vorlagen einigen können, die gemeinsam herausgegeben werden. Die Kirche erlaubt nur natürliche Familienplanung.

Hongkong: Der neue Bischofs-Koadjutor der britischen Kronkolonie wünscht sich ein entspanntes Verhältnis zwischen der Regierung in Peking und den Katholiken, die bisher im Untergrund leben müssen. Vor der Presse erklärte er am Wochenende, alle Christen sollen öffentlich beten können.

Großbritannien: Der schottische Kardinal Thomas Winning hat die Labor-Partei scharf angegriffen. Vor allem sei ihre Einstellung zur Abtreibung nicht klar. Beobachter registrieren, daß kurz vorher die britische Bischofskonferenz hart mit der Sozialpolitik der konservativen Partei ins Gericht gegangen war.

Indonesien: Führende Muslime, Hindus, Katholiken und Protestanten haben am Wochenende vor der Presse erklärt, daß sie ein harmonisches Zusammenleben der Religionen wünschen. Vor drei Wochen hatten fanatisiert Muslime mehrere Kirche und einen Tempel niedergebrannt. Seither ist die Lage zwischen den Religionen gespannt.

Deutschland:

Religionsunterricht: Die Initiatoren der Unterschriftenaktion gegen das Pflichtfach LER sind von der schwachen Resonanz enttäuscht. Am Freitag erklärte ein Mit-Initiator, viele Pfarrgemeinden hätten die ausgefüllen Listen nicht zurückgeschickt. Die Humanistsiche Union in Berlin hat der Kirche indessen vorgeworfen, sie wolle aus dem Religionsunterricht eine Sache des Staates machen. Er sei jahrelang als freiwilliges Fach gegeben worden. Mehr sei nicht nötig und nicht gut.

Kommentar zu den Beratungen der Europäischen Bischofskonferenzen in Rom

Von Matthias Kopp, Rom

Ist Religion jetzt eine öffentliche Angelegenheit oder eine reine Privatsache? Das versuchten die Teilnehmer in fünf Tagen herauszufinden - und sie waren fleißig. Das Symposion war sicherlich nicht nur bloße Rederei, wie es manche befürchtet hatten. Zuallererst war es erst einmal ein wichtiger Gedankenaustausch zwischen Ost und West. Ganz ohne Differenzen liefen die Beratungen nicht ab, westliche Bischöfe bemängelten theologische Defizite im Osten. Aber es war ein Klima des Vertrauens und Zuhörens, des sich Füreinander-Interessierens, bei allem verbunden mit der festen Überzeugung: Die Kirchen sind auf dem Weg ins nächste Jahrtausend aufgefordert, ihren Beitrag zur Sicherung der Demokratien zu leisten. Und das könne nur geschehen - so erklärte es Kardinal Vlk von Prag - wenn jeder Dialogfähigkeit, Dienstbereitschaft und Solidarität signalisiere. Vielleicht war das der deutlichste Aufruf an jeden - übrigens auch an uns - Religion nicht zur Privatsache verkommen zu lassen. Jedenfalls haben die Beratungen in Rom dem intensiven Gespräch gedient. Offen bleibt, wie die Ergebnisse jetzt in den Ortskirchen umgesetzt werden. Wenn sich die Bischöfe in drei Jahren wieder treffen, müssen sie viele Hausaufgaben erledigt haben, um sagen zu können, daß dieses Treffen mehr als ein Gedankenaustausch war.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (28. Oktober bis 03. November):

Montag: Weltkirchenmagazin: GEPLANTE BEITRÄGE: England:

Kardinal Basil Hume kommentiert den Sozialhirtenbrief der englischen Bischöfe. - Polen: Kirche zur Abtreibungsbestimmung im Parlament. - Italien: Zusammenfassung der Beratungen der Europäischen Bischofskonferenzen. - Südafrika: Bischof Kasper aktuell zu seiner am Wochenende beendeten Reise.

Dienstag: Radio-Akademie: Hans Waldenfels: Quellen der Spiritualtät.

Mittwoch: Römische Woche: Es findet keine Generalaudienz statt. GEPLANTE BEITRÄGE: Hintergründe zur Evolutionsrede des Papstes von der vergangenen Woche. - Bericht zum aktuell entdeckten Baptisterium unter der Kirche S. Croce in Gerusalemme. - Zusammenfassung des am Dienstag zu veröffentlichtenden Arbeitspapiers zum Vatikan-Kongress über Priesterberufungen in Europa (Mai 1997). - Hintergründiges aus Rom und Italien.

Donnerstag: Meditation: Heilige von Hitlers Gnaden - Am Vorabend von Allerheiligen, von P. Eberhard Gemmingen SJ.

Freitag: Prisma: Deutschland: Das Kanzler-Jubiläum. Ein Mit-Ministrant erinnert sich. - Österreich: 1000 Jahre Alpenrepublik. Bischof Johann Weber zur aktuellen Lage der Kirche. - Buch des Monats November. - Kurzmeditation zum Allerseelentag.

Samstag: Betrachtung zum Feiertag Allerseelen. Von Matthias Kopp, Rom. Anschließend übertragen wir das Rosenkranzgebet aus dem Vatikan.

Sonntag: Korrespondenzsendung Sie schreiben - wir antworten.

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