vom 18. bis 21. Oktober1996

Vatikan:

Mission: Zum ersten Mal nach seiner Operation hat sich Papst Johannes Paul II. am Sonntag öffentlich im Vatikan gezeigt und hat mit den Gläubigen den Angelus gebetet. Aus Anlaß der Feier des Missionssonntags (in Deutschland wird dieser Tag am 27. Oktober begangen) betonte der Papst, die Förderung der Missionen sei an der Schwelle zum neuen Jahrtausend wichtiger denn je. Johannes Paul dankte den weltweit tätigen Missionaren für ihren Einsatz bei der Glaubensverkündigung. In diesem Zusammenhang erinnerte er an die ermordeten Trappistenmönche in Algerien.

Entführung: Der Papst hat im Anschluß an das Angelusgebet gefordert, daß die 30 katholischen Schülerinnen, die in Uganda entführt worden sind, unverzüglich freigelassen werden.

Embargo: In den Vereinigten Staaten haben einige Medien inzwischen auf die Kritik des Vatikans am Wirtschaftsembargo gegen Kuba reagiert. Kardinal Roger Etchegaray hatte das Helms-Burton-Gesetz kritisiert.

Gebetstreffen: Am Samstag hat Johannes Paul eine Botschaft an das interreligiöse Gebetstreffen für den Frieden in Assisi geschickt. Die Franziskaner veranstalten es zugleich in vielen Städten, unter anderem auch in Sarajewo. Der Papst erinnerte in seiner Botschaft an das erste Treffen dieser Art vor genau 10 Jahren. Die Religionen seien wegen ihrer Ausrichtung auf Gott besonders berufen, Frieden und Versöhnung unter den Menschen zu schaffen.

Hunger: Der Präsident des Päpstlichen Rates "Iustitia et Pax", Kardinal Roger Etchegaray, hat es als Skandal bezeichnet, daß soviele Menschen auf der Erde immer noch von Hunger bedroht sind. Er hofft, daß der Welt-Ernährungsgipfel der F.A.O. im November in Rom das Recht auf Nahrung als Grundrecht hervorhebt. Etchegaray verurteilte die Wirtschaftsembargos, die die ganze Bevölkerung eines Landes und vor allem seine Kinder betreffen.

Jahr der Caritas: Der Päpstliche Rat "Cor Unum" berät derzeit über die Vorbereitungen auf das "Jahr der Caritas" 1999. Dabei soll die Caritas als Wesensausdruck der Kirche im Blick auf das Jahr 2000 vorgestellt werden.

Papstbesuch: Die griechisch-katholische Kirche der Ukraine glaubt, daß der Zeitpunkt für einen Besuch von Papst Johannes Paul II. noch nicht gekommen ist. Wie der mit Rom unierte Exarch von Kiew, Ljubomyr Husar, erklärte, sei es zu früh, über einen Papstbesuch zu sprechen. Zwar gebe es entsprechende Pläne, von staatlicher Seite sei aber bisher nicht der leiseste Versuch gemacht worden, in dieser Sache Kontakt mit dem Vatikan aufzunehmen.

Ablehnung: Nach dem offiziellen Besuch der Vatikandelegation in Vietnam hat sich am Samstag eine regierungsnahe Zeitung erstmals zu dem Treffen geäußert. Vietnam habe die vom Vatikan angebotene Hilfe abgelehnt, so die Zeitung. Verantwortliche hätten der Delegation mitgeteilt, sie seien an Hilfen ausländischer Organisationen oder anderer Länder nicht interessiert, wenn Vietnam damit enger an Auswärtige gebunden werden sollte.

Menschenrechte:

Zusicherungen: Amnesty international hat am Samstag den Regierungen vorgeworfen, keine Zusicherungen von Seiten Chinas zur Beachtung der Menschenrechte in Hong Kong erreicht zu haben. Nur wenige Regierungen hätten Peking direkt ihre Besorgnis unterbreitet, so die Organisation.

Entschuldung: Der Bischof des brasilianischen Barreiras, Richard Weberberger, hat sich für eine weitreichende Entschuldung der Dritt-Welt-Länder ausgesprochen. Der aus Österreich stammende Weberberger erklärte in einem Zeitungsinterview, daß es in Zeiten von Sparpaketen schwieriger geworden sei, die Notwendigkeit der Entschuldung einsichtig zu machen. Diese sei auch wichtig für die reichen Länder des Nordens. Das enorme Gefälle von Arm und Reich sei für die globale Entwicklung nicht von Vorteil, so Weberberger.

Aufruf: In vielen Ländern Afrikas werden die Menschenrechte weiterhin verletzt. Dies hat Amnesty international am Montag in London erklärt und gleichzeitig darauf hingewiesen, daß sich die Mitgliedstaaten der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) in der 1986 unterzeichneten Charta ausdrücklich zur Respektierung der Menschenrechte verpflichtet hätten.

Krisengebiete:

Unruhen: Christen und Muslime Indonesiens sind besorgt über die jüngsten Brandstiftungen auf der Insel Java. In einer gemeinsamen Erklärung schreiben sie: "Wir bedauern die Ereignisse, in deren Verlauf auch religiöse Gebäude in Brand gesetzt wurden." 21 Kirchen und 5 christliche Schulen brannten, 5 Christen kamen ums Leben. Die wichtigste Moslemorganisation Indonesiens hatte sich schon in den letzten Tagen für die Unruhen entschuldigt.

Distanziert: Die verbotene islamische Heilsfront hat sich von den Anschlägen der letzten 2 Wochen in Algerien distanziert. Bei der Gewaltwelle waren 20 Personen ums Leben gekommen. "In Algerien eskaliert derzeit die terroristische Gewalt und wir verdammen mit Nachdruck die Verbrechen," lautete es in der Erklärung der Heilsfront. (kna)

Eingreifen: Die Bischofskonferenz Italiens hat die Regierung in Rom, die Europäische Union und die Vereinten Nationen am Montag zu einem verstärkten Eingreifen in Burundi aufgerufen. Nach der Tragödie von Ruanda stehe Burundi vor ähnlichen Problemen, mahnte der Sekretär der Bischofskonferenz. Auf Initiative der Caritas Italiens begann am Montag eine landesweite Hilfskampagne für Burundi.

Marsch: Der angekündigte Marsch im nordirischen Londonderry ist ohne Ausschreitungen verlaufen. Unter massivem Polizeischutz zogen etwa 200 Anhänger einer protestantischen Gruppe durch katholisches Gebiet. Von Seiten der Anwohner kam es zu lautstarken Protesten.

Verurteilt: Die neue Welle der Gewalt in Nordirland ist von der Bischofskonferenz der Republik verurteilt worden. Die vergangenen Monate seien von Spannungen, Furcht und Mißtrauen gekennzeichnet gewesen, betonten die Bischöfe in einer Erklärung auf ihrer Herbstvollversammlung. Das Ergebnis sei ein Zusammenbruch der Beziehungen zwischen Nachbarn und zwischen Gemeinden. Deshalb müsse die Kirche mehr denn je unterstützen und ermutigen, hieß es. (kna)

Vermittlung: Der Bischof der spanischen Stadt Bilbao hat am Montag die Vermittlung der Kirche im baskischen Konflikt angeboten. Sie sei immer dafür zuständig gewesen, Gewaltausübung zu beenden, erklärte er. Damit reagierte er auf die Forderung des politischen Armes der Untergrundorganisation ETA. Sie verlangt eine Zusammenlegung ihrer Gefangenen im Baskenland. (kna)

Kirche:

Wahlen: Am Sonntag wurde in Nicaragua gewählt. Im Vorfeld der Wahlen hat sich Managuas Erzbischof, Kardinal Miguel Obando y Bravo, fast täglich an das Volk gewandt und zu einem vernünftigen Wahlverhalten aufgerufen. Die Kirche befürchtet einen Wahlsieg von Daniel Ortega, dem Führer der Sandinisten, die zu Zeiten ihrer Diktatur die Kirche unterdrückten. Kardinal Obando versprach am Donnerstag, die Kirche werde mit der künftigen Regierung zusammenarbeiten - unter der Bedingung, daß diese Regierung die Menschenrechte beachtet, daß sie der Kirche die Fortsetzung der Pastoralarbeit erlaubt und daß die Staatsführung kein Unterdrückungssystem aufbaut.

Sozialwort: Die katholischen Bischöfe Großbritanniens haben am Montag ein 35seitiges Dokument zur sozialen Lage und Grundlagen der Soziallehre veröffentlicht. Darin werden die bestehenden sozialen Zustände kritisiert. Die befürchtete einseitige Wahlempfehlung der Bischöfe gab es nicht. Unter dem Titel "Das Gemeinwohl" schreibt Kardinal Basil Hume unmißverständlich, daß das Papier weder als politisches noch als Wahlmanifest zu bezeichnen sei.

Seminar: Am Freitag hat der Erzbischof von Sarajewo, Kardinal Vinko Puljic , das Priesterseminar wiedereröffnet. Bei einer Messe in der Kathedrale konzelebrierten die Bischöfe von Mostar, Dubrovnik und Banja Luka.

Rückkehr: Etwa 100 Priesteramtskandidaten kehren jetzt nach Sarajewo zurück. Die katholischen Hilfswerke Renovabis und Ostpriesterhilfe teilten mit, daß die Beseitigung der Kriegsschäden an dem Seminar 1,3 Millionen Mark gekostet hat. (kna)

Homosexuell: In England ist der anglikanische Weihbischof von Ripon, Derek Rawcliffe, seines Amtes enthoben worden. Er hatte ein homosexuelles Paar gesegnet. Pressemeldungen zufolge hat der 74jährige eingeräumt, selbst homosexuell zu sein. Nach Angaben des Riponer Bischofs, David Young, bezieht sich die Amtsenthebung nur auf die Bischöflichen Aufgaben Rawcliffes, der aber weiterhin Priester bleibe. (kna)

Prostitution: Der Erzbischof von Mailand, Kardinal Carlo Maria Martini, hat scheinheilige Proteste gegen die Prostitution verurteilt. Sie könne nur wegen der Nachfrage bestehen, erklärte er am Donnerstag bei der Vorstellung eines Caritas-Projekts gegen die Prostitution. Der Gesetzgeber müsse Prostituierten helfen, wenn diese ihr Leben ändern wollten. (kna)

Religionsunterricht: In Spanien wartet die Kirche immer noch auf die versprochene Anerkennung des Religionsunterrichts an staatlichen Schulen. Von dem neuen Ministerpräsidenten, José Maria Aznar, der vor einem halben Jahr gewählt worden ist, hatte sich die Kirche eine Wiedereinführung des Religionsunterrichts erhoffe, der von der Regierung Gonzales an staatlichen Schulen abgeschafft worden war.

Gestohlen: In Tschechien haben Unbekannte die Reliquien des heiligen Jan Sarkander gestohlen. Diese hatten sich in der Wallfahrtskirche von Svaty Hostyne befunden. Sarkander, den Papst Johannes Paul II. im Mai 1995 seliggesprochen hatte, ist der Schutzpatron Mährens.

Deutschland:

Waffenhandel: Die beiden großen Kirchen haben die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union aufgefordert, sich auf eine möglichst restriktive Rüstungs-Exportpolitik zu einigen. Waffenhandel dürfe nicht zu einem Mittel der Exportförderung gemacht werden, heißt es in einer Erklärung der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung am Freitag in Bonn. (kna)

Spardiskussion: Die katholische Arbeitnehmer-Bewegung hat die Bundesregierung heftig kritisiert. Im Rahmen der Spardiskussion werde die Lastenverteilung auf Kosten der Arbeitnehmer, der Arbeitslosen, der Familien und der Frauen vorgenommen. Das erklärte der Vorsitzende, Karl Nothof, am Freitag bei einer Bundesverbandstagung in Bonn. Auch an der deutschen Bischofskonferenz übte man Kritik. Sie äußere sich nur zweideutig und unkonkret zur gegenwärtigen Sozialpolitik. (kna)

Soziale Marktwirtschaft: Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, hat eine Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft gefordert. Dies sei notwendig, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Zugleich forderte Lehmann, daß Arme, Kinderreiche und Alleinerziehende "nicht unter die Räder kommen". (kna)

Schwangerschaft: Kirchliche Schwangerenberatungsstellen sollen im staatlichen System bleiben, sich dort aber deutlich engagieren. Das haben am Wochenende zahlreiche Delegierte des Landeskomitees der Katholiken in Bayern gewünscht. Der Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion, Alois Glück, befürchtet weitreichende Folgen für das Verhältnis von Staat und Kirche, wenn die Kirche aus der Beratung ausstiege. (kna)

Scientology: Ein Sprecher des US-amerikanischen Außenministeriums hat die Aussage der Scientology-Sekte, die Behandlung durch Bonn gleiche der Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten, als "verabscheuungswürdig" bezeichnet. Die Sekte hatte diesen Vergleich in einer Anzeige aufgeführt, die in der Donnerstags-Ausgabe der New York Times erschien. Der Sprecher erklärte allerdings auch, daß die Vereinigten Staaten sehr wohl glauben, daß Scientologen in Deutschland unter Diskriminierung zu leiden hätten.

Weitere Meldungen:

Wahrheitskommission: Zukünftig wird eine größere Anzahl von Personen vor der Wahrheitskommission Südafrikas Amnestie erbitten können. Am Freitag hat die Organisation den Zeitraum ausgedehnt, der als Apartheid definiert wird und in dem eine Amnestie für politische Verbrechen möglich ist. Bisher galt als Schlußdatum der 6. Dezember 1993 - jetzt können Verbrechen, die bis zum 10. Mai 1994 verübt wurden, amnestiert werden. Die Entscheidung für die Ausweitung fiel einstimmig, so der Vorsitzende der Kommission, Erzbischof Desmond Tutu. Das Parlament Südafrikas muß jedoch erst noch zustimmen.

Orden der Freiheit: Der Bischof Ost-Timors, Carlos Belo, soll den "Orden der Freiheit" von der portugiesischen Regierung erhalten. Das wurde jetzt in Lissabon bekannt. Mit der Auszeichnung werden Personen geehrt, die sich im Kampf für Demokratie und gegen Diktatur auszeichnen. Vor Belo haben der König von Spanien, Juan Carlos, sowie die Präsidenten Mandela und Mitterand den Orden erhalten.

Einreise: Die katholische Kirche hat die philippinische Regierung aufgerufen, dem ost-timoresischen Menschenrechtskämpfer José Ramos-Horta die Einreise auf die Philippinen zu erlauben. Der Sprecher der Bischöfe erklärte in einer am Samstag veröffentlichten Erklärung, die Regierung könne jetzt ihr Bereitschaft zur Demokratie unter Beweis stellen. Da Manila die Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen unterzeichnet habe, dürfe es keinem Menschenrechtler die Einreise verweigern. Horta hat am Montag sein Bedauern über die Verweigerung ausgesprochen.

Lotterie: In Großbritannien sollen rund 50 Millionen Mark aus der Staatslotterie historischen Kirchen des Landes zugute kommen. Pressemeldungen zufolge können mit der Summe Orgeln, Fenster, Glocken aber auch Teile der Kirchenschätze restauriert werden. Als Gegenleistung müssen die Kirchen, die Lotteriegelder erhalten, regelmäßig geöffnet werden. (kna)

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (21. bis 27. Oktober):

Montag: Weltkirchenmagazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Mexiko: Bischof Samuel Ruiz aus Chiappas zum Friedensprozesss - Nicaragua: Überraschung bei der Kirche über Wahlausgang - Großbritannien: Sozialwort der Bischöfe wird als Parteinahme für Labour mißverstanden - USA: Otto von Habsburg bedauert Clinton und Dole.

Dienstag: Radioakademie: Begegnung mit dem unbekannten Gott. Von Birgitta Eßer. Teil IV: Im Nächsten Gott begegnen.

Mittwoch: Die Römische Woche.

Donnerstag: Kreuz des Südens.

Freitag: Prisma-Magazin.

Samstag: Kommentar der Woche von Paul-Walter Hlinka. Außerdem: Betrachtung über den Heiligen Franz von Assisi von Pater Hermann Schallück.

Sonntag: Aktenzeichen Otto Neururuer - Am Galgen für Christus von Aldo Parmeggiani

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