vom 15. bis 17. Oktober 1996

Vatikan:

Zurück: Papst Johannes Paul II. hat das Krankenhaus verlassen und ist am Dienstag abend wieder in den Vatikan zurückgekehrt. Am Mittwoch zeigte er sich um 12 Uhr kurz am Fenster seines Arbeitszimmers und erteilte den wartenden Gläubigen den Segen.

Armut: Zum Welttag der Bekämpfung der Armut hat der Papst in einer Botschaft an die Christen und alle Verantwortlichen appelliert, alles in ihrer Macht stehende zu tun, bis dies "Weltplage ausgerottet ist". Solange nur ein einziger Mensch durch die Armut entstellt sei, solange bleibe die gesamte Menschheit entstellt, schrieb Johannes Paul.

Beileid: Der Papst hat am Donnerstag sein Beileid für die Todesopfer der Tragödie im Sportstadion von Guatemala-Stadt ausgedrückt. In einem Telegramm an die Bischofskonferenz des Landes schrieb er, ein friedliches sportliches Fest sei zu einer schmerzvollen Tragödie geworden, die Trauer in viele Familien gebracht habe. Nach bisher vorliegenden Angaben hatten Fußballfans vor einem Weltcup-Qualifikationsspiel in einer Massenpanik mindestens 78 Menschen zu Tode getrampelt; etwa 127 Personen wurden verletzt.

Feier: Das polnische Krakau, gedenkt seines früheren Bürgers und Bischofs, Papst Johannes Pauls II., in besonderer Weise. Anläßlich des Jahrestages der Papstwahl und der fünfzigjährigen Priesterweihe strahlte das polnische Fernsehen am Dienstag eine Dokumentation über Johannes Paul aus. Am Mittwoch begann die päpstliche Akademie der Wissenschaften in Krakau ein wissenschaftliches Symposium über das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Gerüchte: Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat am Dienstag den Papst aufgerufen, den Friedensnobelpreisträger Bischof Belo, nicht auf Druck aus Indonesien zu versetzen. Die Organisation will erfahren haben, daß Belo auf Wunsch von Jakarta in eine kleine Stadt auf Ost-Timor versetzt werden soll.

Ernährung: Am Mittwoch wurde der Welttag der Ernährung begangen. Aus diesem Anlaß sandte Papst Johannes Paul II. eine Botschaft an die Welt-Gemeinschaft.

Menschenrechte:

Todesstrafe: Die Bischofskonferenz Ecuadors wehrt sich gegen den Versuch der Regierung, die Todesstrafe wieder einzuführen. Das schreibt sie in einem Brief an den neuen Präsidenten Abdala Bucaram. Er hatte im September vorgeschlagen, Vergewaltiger und Kindesmörder künftig mit dem Tode zu bestrafen. In El Salvador hat in der vergangenen Woche das Parlament die Todesstrafe wiedereingeführt.

Medikamente: In Venezuela sind zahlreiche Yanomami-Indianer nach Überschwemmungen an Infektionskrankheiten gestorben, weil die reichlich vorhandenen Arzneimittel nicht verteilt worden waren. Dies berichtete jetzt eine US-amerikanische Hilfsorganisation, die beizeiten Medizin im Wert von 70.000 Dollar nach Venezuela geschickt hatte. Die Arzneimittel liegen heute noch beim Zoll, weil das Gesundheitsministerium bis jetzt noch keine Einfuhrerlaubnis erteilt hat.

Selbstbestimmung: Der australische Senat hat sich am Dienstag für die Selbstbestimmung der Bevölkerung von Ost-Timor ausgesprochen. Er stellte sich damit hinter die Forderung von Friedensnobelpreisträger Bischof Belo aus Dili. Bisher war Australien einer der wenigen Staaten, die im Gegensatz zur internationalen Gemeinschaft die Annektion der Insel Ost-Timor durch Indonesien anerkannt hatten.

Ermordet: Der kolumbianische Menschenrechtsanwalt, José Giraldo, ist am Sonntag vermutlich von paramilitärischen Banden ermordet worden. Das teilte Misereor Aachen am Mittwoch mit. Giraldo hatte sich für Kleinbauern und Familien engagiert, die von ihrem Grund und Boden vertrieben wurden. Mehrfach hatte er Todesdrohungen erhalten.

Krisengebiete:

Verschlechtert: Die katholische Kirche in Jerusalem sieht die palästinensische Bevölkerung durch die jüngste israelische Blockade gegen die besetzten Gebiete in Gefahr. Die Situation habe sich drastisch verschlechtert, so der lateinische Patriarch in einem Schreiben an die Bischöfe der Welt. Die Angst, die Not und die Niedergeschlagenheit der palästinensischen Bevölkerung nehmen täglich zu.

Hilfe: In Bosnien hat der Bischof von Banja Luka, Franjo Komarica, um weitere Hilfe für sein Land gebeten. Er erklärte am Dienstag, viele Menschen seien arbeitslos und wüßten nicht, wovon sie leben sollten. Besonders der bevorstehende Winter mache humanitäre Hilfe von außen unbedingt notwendig, so Komarica.

Visum: Priester und kirchliche Mitarbeiter verschiedener Konfessionen haben immer größere Schwierigkeiten, ein Visum für Mexiko zu kommen. Das schreibt die Bistumszeitung Panamas in ihrer neuesten Ausgabe. Einem Priester sei das Visum mit der Begründung verweigert worden, religiöser Proselitysmus sei in Mexiko nicht erwünscht.

Niedergang: Amnesty international beklagt einen Niedergang der Menschenrechtslage in Mexiko. Wie die Organisation am Dienstag erklärte, seien jetzt nicht mehr vorrangig Menschenrechtsaktivisten Ziel von Todesdrohungen und Übergriffen, sondern immer mehr Menschen würden offenbar zufällig bedroht. Amnesty forderte eine Bestrafung der Täter, auch wenn sie Mitglieder der Sicherheitskräfte und paramilitärischer Gruppen seien. (kna)

Wahlen: Am Donnerstag sollten sich die Einwohner Nicaraguas durch Buße und Gebet auf die Wahlen am kommenden Sonntag vorbereiten. Dazu hatte die katholische Bischofskonferenz in Managua aufgerufen. Beobachter stellen fest, daß der Bürgerkrieg zwar vorbei sei, daß es aber zwischen den Anhängern der Sandinisten und der Bürgerlichen an Versöhnung fehle.

Zurück: Als "schwerwiegenden Schritt zurück" hat Amnesty international die Menschenrechtslage in Niger bezeichnet. Seit dem Staatsstreich im Januar hätte sich die Situation sehr verschlechtert, besonders durch die Verhängung des Ausnahmezustandes und das Verbot von Parteien. Besonders schwer wiege die Verschlimmerung der Lage im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen im Juli.

Marsch: Erneut wird im nordirischen Londonderry ein Marsch von Protestanten durch ein katholisches Viertel geplant. Eine protestantische Bewegung hat am Dienstag um die Erlaubnis ersucht, am kommenden Wochenende das katholische Gebiet durchqueren zu dürfen. Dieser Plan stieß umgehend auf die Kritik der Anwohner, die erklärten, die Marschierer suchten nur die Auseinandersetzung.

Kirche:

Beziehungen: Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Anglikanische Kirche Englands haben ihre gegenseitigen Beziehungen verbessert. In den vergangenen fünf Jahren seien weitere Fortschritte auf dem Weg zur Einheit gemacht worden und Partnerschaften auf unterschiedlichen kirchlichen Ebenen entstanden, erklärten jetzt evangelische Kirchenvertreter in Hannover. Sie berufen sich dabei auf einen Bericht der sogenanten "Meißner Kommission", einem gemeinsamen Ausschluß beider Kirchen. (kna)

Staat - Kirche: Der Vorsitzende der slowakischen Bischofskonferenz, Rudolf Balaz, hat am Dienstag dem Staatspräsidenten seines Landes, Vladimir Meciar, vorgeworfen, die Kirche zu "gängeln". Meciar versuche, Priester und Gläubige zu spalten, so der Bischof. Er warf dem Regierungschef vor, sich zu sehr in kirchliche Angelegenheiten einzumischen. So soll Meciar versucht haben, den Bischöfen vorzuschreiben, einen Brief Papst Johannes Pauls II. zu veröffentlichen. Darin wird das slowakische Episkopat zur Bewahrung von Glauben und Einheit aufgefordert.

Beklagt: Die Bischofskonferenz von Malawi hat die weitverbreitete Korruption und ein Ansteigen der Gewalt beklagt. In einem Hirtenbrief zum Jahr 2000 warnt sie die Bevölkerung davor, nicht zu einer Gesellschaft zu werden, in der ohne Bestechung gar nichts funktioniere.

Änderung: Die Kirchen Frankreichs fordern von Präsident Jacques Chirac eine Änderung seiner Sudan-Politik. Am Dienstag begannen mehrere kirchliche und humanitäre Organisationen, darunter die Bischofskonferenz, außerdem eine Kampagne zur Sensibilisierung der französischen Öffentlichkeit zugunsten der Christen im Sudan.

Deutschland:

Armut: Auch in Deutschland vergrößert sich der Unterschied zwischen Arm und Reich immer mehr. Das hat der Limburger Bischof Franz Kamphaus am Donnerstag erklärt. Er sprach vor einem Arbeitskreis von Vertretern aus Politik, Kirche und Entwicklungsorganisationen in Bonn. Kamphaus warnte davor, die Armen und Armgemachten nur als Objekte der Hilfe zu betrachten. Der Bischof lobte die Zusammenarbeit von staatlichen und kirchlichen Hilfseinrichtungen in Deutschland. (kna)

Frauen: Zur Verbesserung der Lage von Frauen sind langfristige Strategien nötig, in die auch Männer einbezogen werden müssen. Dies war eine der Forderungen einer Fachtagung, die jetzt in der Diözese Rottenburg Stuttgart zu Ende gegangen ist. Wünschenswert sind nach Meinung der Teilnehmer mehrgleisige Strategien, damit den Frauen ein Weg aus der Armut und der Abhängigkeit von einer durch Männer dominierten Gesellschaft gelinge. (kna)

Caritas: Der Caritasverband hat sein neues Leitbild definiert. Demnach bekennt er sich ausdrücklich als "Caritas der Kirche" und will "Helfer und Anwalt der Armen und Schwachen" sein. Gleichzeitig versteht er es als seine Aufgabe, die Politiker auf strukturelle Schwächen der Gesellschaft aufmerksam zu machen. (kna)

Wehrpflicht: Für ein Fortbestehen der allgemeinen Wehrpflicht hat sich die "Gemeinschaft Katholischer Soldaten" ausgesprochen. Sie sei die angemessene Form des Engagements der Bürger für die Sicherheit des Landes. Internationale Einsätze und militärische Zusammenarbeit im Rahmen der Vereinten Nationen seien notwendig um das Menschen- und Völkerrecht im Notfall wieder herzustellen oder zu schützen, erklärte die Soldatengemeinschaft am Dienstag in Bonn. (kna)

Weitere Meldungen:

Radio: Den Christen und den Muslimen hat der Libanon jeweils eine Radiostation zuerkannt. Außerdem erhalten sie je zwölf Stunden Fernsehzeit. Dies gab der Direktor des katholischen Informationszentrums, Pater Antoine Gemayel, am Donnerstag bekannt. Maßgebliche Christenführer hatten gegen die geplante Schließung der Medien protestiert. (kna)

Toleranz: Im marokkanischen Rabat fand in diesen Tagen ein philosophisches Seminar über Toleranz und Religion statt, an dem Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern teilnahmen. Organisiert wurde es von der UNESCO und dem Pariser internationalen Institut für Philosophie. Thema war die Toleranz im Bereich der Religion und Moral und die Bedeutung der Toleranz für den Frieden.

Abtreibung: Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat am Mittwoch eine Anhörung über das Recht auf Demonstrationen vor Abtreibungskliniken durchgeführt. Stein des Anstoßes war eine Entscheidung eines Bundesgerichts. Sie untersagt Abtreibungsgegnern, Krankenhäuser zu betreten und Patienten zu bedrängen. Gegner dieser Entscheidung sind der Ansicht, dadurch würde die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit eingeschränkt. (kna)

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (17. bis 23. Oktober):

Donnerstag: Kreuzfeuer - Kirche wo es kritisch wird. GEPLANTE BEITRÄGE: Bischof Belo: Interview mit dem Friedensnobelpreisträger 1996. Außerdem Stellungnahmen von Kardinal Roger Etchegaray (Vatikan) und Bischof Samuel Ruiz (Mexiko), Vermittler im Chiappas-Konflikt

Freitag: Prisma-Magazin.

Samstag: Kommentar der Woche von Hans Schwemmer. Außerdem: Betrachtung über den Heiligen Franz von Assisi von Pater Hermann Schallück

Sonntag: Korrespondenzsendung: Sie schreiben - wir antworten.

Montag: Weltkirchenmagazin.

Dienstag: Radioakademie: Begegnung mit dem unbekannten Gott. Von Birgitta Eßer. Teil IV: Im Nächsten Gott begegnen.

Mittwoch: Die Römische Woche.

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