vom 11. bis 14. Oktober 1996

Vatikan:

Gesundheit des Papstes: Der Genesungsprozess von Papst Johannes Paul II. geht normal voran. Das wurde am Freitag in einem ärztlichen Bulletin bekanntgegeben. Der Papst habe weder Fieber noch Schmerzen und nehme auch immer mehr feste Nahrung zu sich. Weiter treffen Genesungswünsche aus aller Welt im Vatikan und in der römischen Gemelli-Klinik ein. Am Sonntag zeigte er sich das erste Mal am Fenster seines Krankenzimmers; am Dienstag soll er aller Voraussicht nach die Klinik verlassen können.

Reisepläne: Der Papst will im nächsten Jahr im April erneut nach Prag reisen. Das bestätigte am Sonntag ein Sprecher von Kardinal Milioslav Vlk. Johannes Paul will in der Moldau-Stadt an den Feiern des 1000. Todestages des heiligen Adalbert teilnehmen. Ein genaues Programm stehe jedoch noch nicht fest, erklärte der Sprecher.

Besuch: Eine Abordnung des Vatikans ist am Sonntag zu politischen Gesprächen nach Vietnam aufgebrochen. Sie will versuchen, Erleichterung für die vietnamesische Kirche zu erreichen. Für 5 Tage will sich die Gruppe in Vietnam aufhalten. Eine Verbesserung des Verhältnisses Vietnam - Vatikan ist derzeit in der Schwebe, u.a. weil Hanoi den Schwestern von Mutter Teresa nach nur einem Jahr die Erlaubnis zur Tätigkeit in Vietnam wieder entzogen hat.

Gedenken: Am Samstag fand in der römischen Abtei Tre Fontane eine Messe zur Erinnerung an die 7 Trappisten-Mönche statt, die vor wenigen Monaten in Algerien ermordet worden sind. Papst Johannes Paul II. sandte eine Botschaft an die dort versammelten Ordensleute. Darin sagte er, die ermordeten Mönche gehörten zu den Märtyrern am Ende dieses Jahrhunderts. Ihr Opfertod zeige den Sieg der Liebe, die die Welt rette.

Menschenrechte:

Armut: In den Niederlanden kommt es zum Streit zwischen den Bischöfen und der Regierung. Die katholische Kirche wirft Den Haag vor, sich zu wenig um die Armen zu kümmern. Seit zehn Jahren schon fordere die Kirche von der Regierung Maßnahmen zugunsten der Notleidenden, erklärte der Sprecher der Bischofskonferenz. Es sei ein Skandal. Die Regierung Wim Kok fürchtet jetzt durch die Kirchenattacke, ihr Gesicht und die Mehrheit zu verlieren. Denn 86 % der Bevölkerung geben inzwischen den Bischöfen Recht.

Vorwurf: Die Bischofskonferenz Haitis hat die internationale Staatengemeinschaft scharf kritisiert. Der Vorwurf richtet sich dagegen, daß nichts zur Beseitigung der Armut unternommen werde.

Zwangssterilisation: Die mexikanische Regierung sieht sich der Anklage gegenüber, Zwangssterilisationen an Frauen vorgenommen zu haben. Die Anti-Abtreibungsgruppe Pro-Vida erhob diesen Vorwurf, die Regierung dementiert. Die Gruppe berichtete, daß in den letzten drei Jahren mindestens 300 Zwangssterilisationen nachzuweisen. Der Großteil dieser Eingriffe sei in armen Regionen des Landes vorgenommen worden. Die Frauen würden bei Routineuntersuchungen oder nach einer Entbindung ohne ihr Wissen narkotisiert. Nach dem Eingriff gingen die Opfer ahnungslos nach Hause.

Exodus: Der Exodus der zairischen Zivilbevölkerung aus der Region Uvira weitet sich aus. Tausende von Menschen, zum größten Teil zairische Tutsis, werden dort durch die Armee vertrieben. Wegen der Schließung des Hafens von Uvira ist es unmöglich, mit dem Schiff über den Tanganjikasee nach Tansania zu gelangen. So müssen die Flüchtlinge zu Fuß auf verminten Straßen zu einer weiter nördlich gelegenen Stadt laufen. Caritas international forderte die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf die Konfliktparteien auszuüben.

Kritik: Amnesty international beschuldigt Zaire, daß Massenverhaftungen und Morde die erzwungene Auswanderung von Tutsis aus dem Osten des Landes begleiten. In den letzten Wochen habe die Menschenrechtsgruppe Berichte über Folter und Hinrichtungen von Tutsis erhalten. Am Donnerstag haben sich auch die Vereinten Nationen besorgt über die Situation in Zaire geäußert. "Die Lage ist explosiv," erklärte eine UN-Sprecherin.

Schließung: Der Außenminister der Vereinigten Staaten, Warren Christopher, hat am Freitag die Schließung der Flüchtlings-Camps in Tansania und Zaire gefordert. Sie gefährdeten die Sicherheit Ruandas. Christopher hält sich derzeit in Äthiopien auf, um sich für den Aufbau einer afrikanischen Friedenstruppe einzusetzen.

Krisengebiete:

Terrorismus: Ab Montag tagen in Algier die Polizei- und Sicherheits-Chefs der arabischen Länder. Sie wollen den Kampf gegen den Terrorismus koordinieren. Geplant ist eine Art Europol für die arabischen Staaten mit Schwerpunkt Terrorbekämpfung.

Alarmzustand: Die Jerusalemer Polizei ist in Alarmzustand versetzt worden. Israelische Sicherheitskräfte befürchten Attentate von Ultrarechten auf dem Gebiet der Al-Aqsha Moschee. Hier soll in der nächsten Woche in den sogenannten "Ställen Salomons" einer neue Moschee eröffnet werden. Am Freitag lehnte der oberste Gerichtshof einen Dringlichkeitsantrag der Extremisten gegen eine Öffnung der Moschee ab.

Aufforderung: Der Lateinische Patriarch von Jerusalem. Michel Sabbah, fordert alle Bischöfe der Welt auf, gegen die Situation der Palästinenser im Gaza-Streifen, auf der West Bank und in Jerusalem zu protestieren. Ihre Leben sei durch Verbote auf unmenschliche Weise eingeschränkt. Die Welt müsse von der Ungerechtigkeit erfahren und Druck auf Israel ausüben.

Gewaltverzicht: Eine überwältigende Mehrheit der Katholiken Nordirlands hat sich für einen Gewaltverzicht der IRA ausgesprochen. Die auf einer nicht repräsentativen Telefonumfrage beruhenden Daten wurden am Freitag in der Tageszeitung "Catholic Irish News" veröffentlicht. Etwa 92% der Anrufer brachten Wut und Angst zum Ausdruck.

Unterstützung: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat am Freitag einstimmig entschieden, die friedenserhaltenden Maßnahmen in Angola fortzuführen. Gleichzeitig drohte der Rat mit Sanktionen gegen die Rebellen, wenn diese weiterhin die Stabilität des Wiederaufbaus nach dem Bürgerkrieg in Gefahr brächten.

Wahlaufruf: Mit Blick auf die Wahlen in Nicaragua in der nächsten Woche hat der Erzbischof von Managua, Kardinal Miguel Obando, am Freitag dazu aufgerufen, den "am wenigsten schlechten" Kandidaten zu wählen. Er kündigte weiterhin an, daß die Kirche im ganzen Land einen Tag des Gebetes organisieren werde, damit das Volk auf verantwortungsvolle Weise wählt.

Deutschland:

Entfremdung: Vor zunehmender Entfremdung zwischen Kirche und Politik hat der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, gewarnt. Auf beiden Seiten fehle zunehmend das nötige Verständnis für die innere Logik und Zielsetzung der jeweils anderen Seite, sagte er am Donnerstag beim Jahresempfang des "Foyers für Gespräche zwischen Kirche, Gesellschaft und Politik".

Ethische Werte: Beim Streit um die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall hat der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky die Achtung ethischer Werte angemahnt. Sterzinsky meinte am Montag im Berliner Tagesspiegel, Solidarität und Selbstverantwortung seien unverzichtbare Voraussetzungen für die soziale Marktwirtschaft. Die Kirche werde sich nicht davon abbringen lassen, die Stimme für die Armen und Schwachen der Gesellschaft zu erheben. Bestimmte Parteiinteressen spielten dabei keine Rolle (kna)

Steuerreform: Die Steuerreform soll nicht zu Mindereinnahmen bei der Kirchensteuer führen. Dies hat CDU-Generalsekretär Peter Hintze in einem vorab veröffentlichten Interview am Montag erklärte. Die Kirchensteuer werde auch zukünftig, genauso wie Spenden an die Caritas oder das diakonische Werk, von der Einkommensteuer abzuziehen sein. Dies seien einige der ganz wenigen Ausnahmen, betonte Hintze. (kna)

Verbot: Die Scientology-Sekte darf nicht auf öffentlichen Verkehrsflächen für sich werben. Dieses Verbot der Stadt Stuttgart hat am Montag der Baden-Württembergische Verwaltungsgerichtshof bestätigt. Als Begründung wurde angeführt, daß bei der Werbung kein individueller Meinungs- und Informationsaustausch stattfinde, sondern daß die Straße wie ein Geschäftsraum zur Anbahnung und Abwicklung von Geschäften genutzt werde. (kna)

Weitere Meldungen:

Friedensappell: Mit einem eindringlichen Friedensappell gegen Haß, Gewalt und Blutvergießen haben sich am Donnerstag abend in Rom führende Vertreter der großen Weltreligionen an alle Staatsoberhäupter gewandt. Es gebe keinen "Heiligen Krieg", nur der Friede sei heilig, hieß es in der Botschaft zum Abschluß einer viertägigen Ökumenetagung.

Existenzrecht: In Russland lehnen viele Priester die verfassungsmäßig garantierte Religionsfreiheit ab und vertreten das alleinige Existenzrecht der orthodoxen Kirche. Das schreibt jetzt der bekannte russische Wissenschaftler Anatolij Krassiskov in einer großen Moskauer Zeitung. Viele Politiker versuchten ihrerseits, Kirche und Religion zu ihren Gunsten zu nutzen. Krassikov ist der Überzeugung, daß Präsident Jelzin diese doppelte Tendenz ablehnt und für eine wirkliche Religionsfreiheit eintritt. Der bekannte Autor sieht ebenfalls keine Gefahr für die Religionsfreiheit in der jetzt vorliegenden Gesetzesnovelle

Friedensbemühungen: Katholische und evangelische Kirchen wollen sich gemeinsam bemühen, die Friedensprozesse in Zentralamerika voranzubringen. Das verlautete am Schluß des ökumenischen Treffens in Guatemala-Stadt. Drei Tage lang hatten Katholiken, Anglikaner, Lutheraner, Mennoniten, Methodisten und andere evangelische Gemeinschaften auf Einladung des lateinamerikanischen Kirchenrates miteinander gesprochen.

Friedenstruppe: Der Präsident Südafrikas, Nelson Mandela, hat am Samstag den Vorstoß der Vereinigten Staaten für eine afrikanische Friedenstruppe begrüßt. Jedoch erklärte er auch, daß der Idee die Glaubwürdigkeit fehle, wenn sie nur als eine Initiative der USA wahrzunehmen sei.

Kindertage: Die drei monotheistischen Religionsgemeinschaften der Vereinigten Staaten veranstalten nächste Woche besondere Kindertage. Am Freitag für muslimische, am Samstag für jüdische und am Sonntag für christliche Kinder. Dabei werden Gottesdienste besonders für die Kinder gestaltet. Geplant sind außerdem Kinderfeste.

Schulverweis: In Frankreich dürfen sieben Schülerinnen, die 1994 von der Schule verwiesen wurden, weil sie darauf bestanden hatten, den islamischen Schleier zu tragen, wieder am Unterricht teilnehmen. Dies hat das Verwaltungsgericht in Grenoble entschieden. Der Ausschluß war damals von den Direktoren dreier Schulen in Albertville durchgesetzt worden. Das Gericht berief sich bei seiner Entscheidung auf die Menschenrechtserklärung der französischen Revolution und auf die französische Verfassung.

Friedensnobelpreis:

Preisträger: Der Friedensnobelpreis geht dieses Jahr erstmals an einen katholischen Bischof. Es ist der Apostolische Administrator von Dili, Bischof Carlos Felipe Ximenes Belo. Er wird für seinen Einsatz für die Menschenrechte im indonesisch besetzten Ost-Timor geehrt. Mit Belo zusammen wird der Exilpolitiker José Ramos Horta ausgezeichnet.

Wer ist Bischof Belo?: Bischof Carlos Belo ist 48 Jahre alt und Salesianer. Er kann als das schlechte Gewissen der indonesischen Regierung bezeichnet werden. Seit Anfang der siebziger Jahre die mehrheitlich katholische Insel Ost-Timor von Indonesien besetzt wurde, kommt es dort immer wieder zu Spannungen und Unruhen. Bischof Belo, der kein Politiker sein will, gelang es, daß die verfeindeten Seiten wenigstens angefangen haben, miteinander zu sprechen. Er ist der Mann des Friedens für Ost-Timor.

Erste Reaktionen: Als Sieg für Ost-Timor sieht Bischof Belo selbst diese Auszeichnung und verspricht, jetzt noch stärker für den Frieden zu arbeiten. Im Vatikan zeigte man sich in einer ersten Stellungnahme außerordentlich zufrieden. Freude bei Belos Ordensbrüdern, den Salesianern, und bei den deutschen Missionswerken, die in Bischof Belo einen guten Partner haben.

Schockiert äußerte sich dagegen der indonesische Staatsminister, wobei er vor den Journalisten seine Reaktion als privat und noch nicht offiziell herunterspielte. Eine offizielle Stellungnahme der Besatzer aus Jakarta steht noch aus. Der indonesische Gouverneur von Ost-Timor würdigte Bischof Belo kritisierte aber scharf den Exil-Politiker Ramos Horta, der mit Belo zusammen den Preis empfängt.

Einladung: Bischof Belo hat nach eigenen Aussagen eine Einladung der Regierung erhalten, einer Versammlung mit dem indonesischen Staatspräsidenten Suharto teilzunehmen. Suharto will am Dienstag zu einem offiziellen Kurzbesuch nach Ost-Timor kommen, um staatliche Bau-Projekte einzuweihen. Belo erklärte vor der Presse, er habe die Einladung angenommen, wisse aber nicht, ob er zu einem persönlichen Gespräch mit dem Präsidenten zusammentreffen werde.

Derzeitige Lage: Der Nobelpreis für Bischof Belo fällt in einen Moment steigender Spannung unter Indonesiens Moslems. Auf der Insel Java gab es auch am Donnerstag wieder Ausschreitungen von Moslems gegen katholische Einrichtungen. Dabei wurden in Situbondo neun Kirchen niedergebrannt, außerdem vier katholische Schulen und ein Kloster. In einer der Kirchen sollen nach ersten Berichten fünf Menschen an einer Rauchvergiftung gestorben sein. Sie hatten sich vor mehreren tausend aufgebrachten Moslems in das Gotteshaus geflüchtet.

Anschuldigungen: Einen Tag nach der Bekanntgabe der Friedensnobelpreisvergabe an Carlos Belo und José Ramos-Horta gibt es Anschuldigungen gegen die Regierung in Jakarta. Die staatliche Menschenrechtskommission beschuldigt sie, für die gewalttätigen Ausschreitungen im Juli verantwortlich gewesen zu sein. Damals kamen 5 Personen ums Leben, 149 wurden verletzt.

In eigener Sache:

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Magazine in dieser Woche (14. bis 20. Oktober):

Montag: Weltkirchenmagazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Kommentar zu den Wahlen in Österreich und

Dienstag: Radioakademie: Begegnung mit dem unbekannten Gott. Von Birgitta Eßer. Teil III: Sakramente, Heilszeichen von Gottes Gegenwart.

Mittwoch: Die Römische Woche. GEPLANTE BEITRÄGE: "Habemus Papam": Vor 18 Jahren wurde Papst Johannes Paul der II. zum Papst gewählt - Besprechung der Ausstellung "Vedere i Classici" in den Vatikanischen Museen - Papst Urban VIII., Bernini und der Barock.

Donnerstag: Kreuzfeuer - Kirche wo es kritisch wird.

Freitag: Prisma-Magazin.

Samstag: Kommentar der Woche von Hans Schwemmer. Außerdem: Betrachtung über den Heiligen Franz von Assisi von Pater Hermann Schallück

Sonntag: Korrespondenzsendung: Sie schreiben - wir antworten.

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