vom 08. bis 10. Oktober 1996

Gesundheit des Papstes:

Operation: Am Dienstag vormittag wurde Papst Johannes Paul II. am Blinddarm operiert. Im Anschluß daran bekräftigte der leitende Chirurg, Francesco Crucitti, alle Vermutungen über weitere Erkrankungen des Papstes oder Tumore hätten sich als falsch herausgestellt. Inzwischen zeigt sich der Papst wieder in einer erstaunlich guten Form. Er hat sowohl am Mittwoch wie auch am Donnerstag die Messe gefeiert und ist einige Minuten auf und ab gegangen. Er erwarte ein wenig ungeduldig, daß er vom Tropf befreit werde.

Genesungswünsche: Indes treffen Grüße aus aller Welt ein. Der Erzbischof von Sarajewo drückte dabei auch den Wunsch nach einem päpstlichen Bosnienbesuch aus. Palästinenserpräsident Yassir Arafat schickte mit besten Grüßen 20 Rosen.

Vatikan:

Geweiht: Kardinal Ratzinger hat am Donnerstag in Rom fünf deutsche Diakone aus dem Collegium Germanicum zu Priestern geweiht. Darüber hinaus erhielten auch zwei Kroaten und drei Ungarn die Priesterweihe. (kna)

Menschenrechte:

Unterricht: US-amerikanische Offiziere haben am Mittwoch damit begonnen, Soldaten aus Lateinamerika Basis-Informationen über Menschenrechte zu geben. Die Militärs aus Argentinien, Bolivien, Paraguay und Uruguay sollen in Zukunft nicht mehr foltern und unterdrücken, sondern Schützer der Zivilbevölkerung sein.

Unterernährung: Täglich sterben in Brasilien 1.000 Kinder an Unterernährung. Dies hat am Mittwoch die Calfat-Salem-Stiftung bekanntgegeben, die im Auftrag der Vereinten Nationen Entwicklungshilfe leistet. Der Gründer der Stiftung sprach von einem Massaker und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die jährliche Todesrate entspreche den Opfern von zwei Hiroshima-Atombomben.

Rechte: Am Mittwoch haben sich Indianer aus ganz Mexiko im Nationalkongreß versammelt, um gegen ungerechte Behandlung zu protestieren. Diese nationale Versammlung der indigenen Völker wurde von den Teilnehmern als einzige Möglichkeit gesehen, um ihre Forderungen nach Landrechten, besserer Erziehung und Gesundheitsversorgung sowie einem Ende der Armut durchzusetzen.

Krisengebiete:

Friedensprozeß: Die Europäer wollen beim Friedensprozeß in Israel eine größere Rolle spielen. Das erklärte am Dienstag der irische Außenminister in Ägypten. Er war von der Europäischen Union zu den Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern geschickt worden.

Hebron: In Israel stecken die Verhandlungen über Hebron immer noch in der Sackgasse. Eine Erklärung des US-Gesandten lobt die Verständigungsbereitschaft zwischen Israelis und Palästinensern, zeigt aber keinen Weg zu einer Lösung.

Moschee: Die Muslime wollen eine neue Moschee unter der Al Aqsa-Moschee eröffnen. Nachdem zunächst bereits das Freitagsgebet darin hatte stattfinden sollen, wurde aus Angst vor gewalttätigen Auseinandersetzungen die Eröffnung offiziell verschoben.

Verschärfung: Der Religionsminister Ägyptens hat den koptischen Papst Shenuda III. kritisiert. Sein Verbot von koptischen Pilgerreisen nach Jerusalem trage zur Verschärfung der Lage in der Heiligen Stadt bei, meinte der Minister am Mittwoch in einem Zeitungsgespräch. Wenn Kopten und auch Moslems aus Ägypten massenweise an die heiligen Stätten strömten, hätte sich Israels Ministerpräsident Netanjahu eine Provokation wie die Tunnelöffnung nicht leisten können.

Versöhnung: Schwester Emmanuelle, die Mutter der Müllmenschen von Kairo, hat zur Versöhnung zwischen Muslimen, Juden und Christen im Nahen Osten aufgerufen. Sie betonte, es sei ihrer Gemeinschaft in Ägypten gelungen, zwischen den verschiedenen Religionen Brücken zu schlagen.

Friedensschluß: Auf den Philippinen klagen Gegner des Friedensschlusses mit den Moslems seit Dienstag vor dem Obersten Gerichtshof. Nach ihrer Ansicht hatte Präsident Fidel Ramos kein Recht, den Moslems auf Mindanao im letzten Monat Schritte zu einer größeren Autonomie zuzugestehen. Die Bevölkerung von Mindanao ist überwiegend christlich.

Blockade: Die burmesische Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin, Aung San Suu Kyi, will ihr öffenlichen Versammlungen nach Aufhebung der Straßensperre vor ihrer Wohnung wieder aufnehmen. "Eine Blockade ist kein Hindernis für die Demokratisierung," betonte sie und erklärte, daß sie trotz allem ihre Anhänger auch weiterhin treffen werde.

Boykott: Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat die deutschen Touristen zum Boykott von Burma aufgerufen. Das in dem Land ausgegebene Geld würde nur zum Kauf neuer Waffen benützt, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung. Derselben Ansicht ist auch die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. Sie fordert alle Ausländer auf, die von Rangoon geplante Werbekampagne "pro Myanmar", die in den kommenden Monaten Touristen aus aller Welt in das isolierte Land locken soll, zu ignorieren.

Verhaftung: Tibeter im Exil haben am Donnerstag die Verhaftung des chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo verurteilt. Sie wandten sich an die internationale Gemeinschaft, die seine Freilassung erreichen soll. Liu hatte offene Briefe an die Regierung in Peking gesandt, in denen er Pressefreiheit und Gespräche zwischen China und dem Dalai Lama verlangte. Die Polizei gab keine Gründe für die Verhaftung Lius an.

Kritik: Der Bischof der bosnischen Stadt Banja Luka, Franjo Komarica, hat die Überwachungsmächte des Dayton-Friedensvertrages scharf kritisiert. In einem Interview für die neueste Ausgabe der Wochenzeitung "Die Furche" spricht Komarica von unverzeilichen Inkonsequenzen der Mächte, die den Friedensprozeß in Bosnien gefährden. Das politische Klima könne sich unter den gegebenen Zuständen wieder in Richtung Apartheit entwickeln, erklärte Komarica.

Schritte: Ab Donnerstag prüft der Kongreß von Guatemala, welche Schritte zu tun sind, damit es endlich zu einem Friedensvertrag zwischen Regierung und Rebellen kommen kann. Die nötige Verfassungsänderung ist anscheinend das einzige verbleibende Hindernis für die Beendigung des letzten Bürgerkriegs in der Region. In Guatemala-Stadt veranstaltet die Friedenskommission des Kongresses ab Donnerstag eine dreitägige Sondertagung zu dem Thema.

Attentate: In Algerien haben mutmaßliche Fundamentalisten in den letzten Tagen in einem Dorf im Süden des Landes etwa 38 Menschen umgebracht. Es ist das wohl größte Attentat muslimischer Fundamentalisten seit Beginn der Verfassungsreformen vor einem Monat.

Überfall: In Liberias Hauptstadt Monrovia haben mehrere Gangster ein Team des Notärzte-Komitees "Cap Anamur" überfallen. Durch Zahlung eines Lösegeldes von 13.000 Mark habe man die Entführung einer Krankenschwester verhindern können.

Kirche:

Selbstkritisch: Die anglikanische Kirche Ruandas überprüft derzeit ihre eigene Rolle, die sie während des Massakers von 1994 gespielt hat. Der Erzbischof von Canterbury, George Carey, beschuldigte ruandische Anglikaner letztes Jahr vor den Vereinten Nationen, sie hätten versäumt, die Gewalt zu verhindern. Eine englische Delegation von Juristen befindet sich derzeit in Ruanda, um die jüngste Kirchengeschichte des Landes zu überprüfen.

Deutschland:

Gentechnik: Die CDU sieht in der Gentechnik "die wichtigste Zukunftsentwicklung für die Menschheit". Dies hat der Vorsitzende des CDU-Bundesfachausschusses "Forschung", Herbert Reul, am Donnerstag in Bonn gesagt. Anlaß war die Vorstellung eines Grundsatzpapiers seiner Partei zu Bio- und Gentechnik. Das Papier entstand unter Mitwirkung eines katholischen Moraltheologen und eines Biochemikers. Nach Ansicht des Ausschusses könnten durch die Gentechnik Krankheiten gelindert, Hunger bekämpft und der Umweltzerstörung entgegengetreten werden. Die vor Mißbrauch schützenden Rahmenbedingungen für die Anwendung der Gentechnik seien weitestgehend geschaffen. (kna)

Bosnienflüchtlinge: Das Rafaels-Werk der Caritas hat die deutschen Behörden ermahnt, die bosnischen Flüchtlinge bei ihrer Rückführung in die Heimat zu begleiten und zu beraten. Die Lage der Flüchtlinge sei ernst. Die Schaffung geeigneter Strukturen für die Rückkehr sei billiger als die Aufnahme einer erneuten Flüchtlingswelle. (kna)

Vorwürfe: Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, hat Vorwürfe zurückgewiesen, die Bischöfe hätten in der Frage der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall Partei für die Arbeitgeber ergriffen. Es handle sich um eine "massive Verdrehung", so der Bischof am Dienstag in einem Interview. Lehmann betonte, Bischöfe ergriffen keine Partei für politische Richtungen. Vielmehr werde zu Grundsatzfragen überparteilich Stellung genommen.

Schwangerschaftsberatung: Als letztes der deutschen Bistümer hat Fulda neue Richtlinien für die Schwangerschaftsberatung erlassen. Sie wurden jetzt im Kirchlichen Amtsblatt des Bistums veröffentlicht. Sie beziehen eine Sonderstellung unter Beschlüssen der deutschen Bistümer. Die deutsche Bischofskonferenz hatte im November 1995 die sogenannte "Vorläufigen bischöflichen Richtlinien" beschlossen, die mittlerweile in allen Bistümern gelten. (kna)

Organspenden: Angehörige von Organspendern kommen nach Ansicht des Freiburger Sozialmediziners, Chistoph Student, in der Transplantationsdebatte zu kurz. Die meisten Angehörigen der jährlich rund 1.000 Organspender würden von der Nachricht des bevorstehenden Todes" ihres Verwandten völlig überrascht, sagte Student am Dienstag gegenüber der katholischen Nachrichtenagentur. Unter "Schock" müßten sie dann innerhalb von Minuten eine der vielleicht schwierigsten Entscheidungen treffen, die zu erheblichen psychischen und physischen Belastungen führten, betonte der Sterbeforscher.

Schiedsstellen: Unabhängige Schiedsstellen in der Kirche - das fordert der Münsteraner Kirchenrechtler Klaus Lüdicke. Beim derzeit praktizierten Beschwerdeverfahren sei kein Unparteiischer beteiligt, kritisierte Lüdicke in einem Interview, das am Dienstag vom BDKJ-Journal vorab veröffentlicht wurde. (kna)

Ehrendoktor: Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, ist seit Dienstag Ehrendoktor in Breslau. Die katholische Fakultät in der schlesischen Hauptstadt ehrte in Meisner den Schlesier, der zur Überwindung des Kommunismus mit beigetragen habe. (kna)

Kohlendioxid: Zahlreiche katholische Verbände und Einrichtungen unterstützen die Anti-Kohlendioxid-Kampagne des Weltkirchenrats. Sie wollen von den Idustriestaaten eine Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes um 20 Prozent bis zum jahr 2000. Mitgetragen wird die Klima-Petition unter anderem von Misereor, Missio. Pax Christi und dem BDKJ. (kna)

Fernsehserie: Die 14-teilige RTL-Serie "Bruder Esel", die am Mittwoch abend anlief, ist auf Protest des Franziskanerordens gestoßen. Thematisiert wird in dem Film die Liebe eines Franziskanerpaters zu einer alleinerziehenden Mutter von drei Kindern. Der Film greife auf längst überholte Klischees zurück, meinte am Dienstag Franziskaner-Provinzial Peter Schorr. Das franziskanische Ordensleben werde als eine Art Exotentum dargestellt. (kna)

Weitere Meldungen:

Nobelpreis: Zwei katholische Bischöfe stehen auf der inoffiziellen "Anwärterliste" für den diesjährigen Friedensnobelpreis. Beide haben sich durch ihre friedensstifrende Vermittlerrollr in Krisengebieten ausgezeichnet. Der mexikanische Bischof Samuel Ruiz von San Cristobal de las Casas, vermittelt zwischen der Regierung seines Landes und der zapatistischen Befreiungsarmee. Der zweite Anwärter ist der Bischof von Osttimor, Carlos Filipe Ximenes Belo. Er bemüht sich seit Jahren in der von Indonesien annektierten, ehemaligen portigiesischen Kolonie um die Aufdeckung von Menschenrechtsverletzungen.

Friedenstreffen: Ein erstes ökumenisches Friedenstreffen der Region Zentralamerika ist am Mittwoch in Guatemala-Stadt eröffnet worden. Dabei diskutieren nicht nur Katholiken und Protestanten, sondern auch Vertreter aus Politik und Kultur über Frieden und Wiederversöhnung in dem Von Mexiko bis Kuba reichenden Gebiet.

Ausgewiesen: Etwa 50 Pastoren der sogenannten "Universalkirche vom Reich Gottes" müssen Mexiko verlassen. Das bestätigte am Dienstag die Migrationsbehörde. Die Geistlichen der brasilianischen Sekte waren 1993 nach Mexiko gekommen; sie haben jetzt eine Frist von 20 Tagen, um es wieder zu verlassen. Allerdings handelt es sich nach Angaben des Migrationsbüros um keine formelle Ausweisung.

Roderick Wright: Der vor kurzem untergetauchte katholische Bischof, Roderick Wright, will demnächst heiraten. Pressemeldungen zufolge wird es sich dabei nur um eine standesamtliche Trauung handeln. Seine zukünftige Frau hat drei Kinder aus erster Ehe. Wright, der nach 32 Jahren von seinem Priesteramt zurücktritt, ist bereits Vater eines Sohnes.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (10. bis 16. Oktober):

Donnerstag: Kreuz des Südens - Leben in jungen Kirchen. GEPLANTE BEITRÄGE: Japan: Kardinal sieht Rolle der Kirche in der Vergangenheit sehr kritisch - Ägypten: Papst Shenuda II. empfängt in Audienz - Franz von Assisi: Auch nur ein gescheiterter Missionar

Freitag: Prisma-Magazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Deutschland: Kritik am Urteil der Berliner Staatsanwälte zur Religionsbeleidigung während des Papstbesuches - Italien: Bericht von der großen Friedens-Konferenz mit 400 Religionsvertretern aus aller Welt - Deutschland: Kommentar zu dem Franziskanerfilm in RTL.

Samstag: Kommentar der Woche von Hans Schwemmer. Außerdem: Betrachtung über den Heiligen Franz von Assisi von Pater Hermann Schallück

Sonntag: Korrespondenzsendung: Sie schreiben - wir antworten.

Montag: Weltkirchenmagazin.

Dienstag: Radioakademie: Begegnung mit dem unbekannten Gott. Von Birgitta Eßer. Teil III: Sakramente, Heilszeichen von Gottes Gegenwart.

Mittwoch: Die Römische Woche.

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