vom 04. bis 06. Oktober 1996

Vatikan:

Krankenhaus: Seit Sonntag Abend befindet sich Papst Johannes Paul II. in der Gemelli-Klinik. Zuvor hatte er noch 16 Personen seliggesprochen. Für den Dienstag ist dann die Operation am Blindarm geplant. Wie Pressesprecher Navarro-Valls mitteilte, sei es wahrscheinlich, daß der Papst schon am kommenden Samstag wieder aus der Klinik entlassen werde. Er dementierte Gerüchte, daß der Heilige Vater an einem Tumor operiert werde.

Angelus: Beim Angelusgebet hat der Papst die Gläubigen um ihr Gebet und ihre geistige Nähe während seines Krankenhausaufenthaltes im gebeten. Außerdem rief er zum Gebet für die Wiederherstellung des Friedens in Nordirland auf.

Beileid: Papst Johannes Paul II. hat in einem Beileidschreiben zur Ermordung einer Ordensfrau in Bosnien erneut "echte Freiheit und einen dauerhaften Frieden" für das Land gefordert. Die Zukunft Bosnien-Herzegowinas lasse sich nicht auf "Gewalt gegenüber Unschuldigen und Wehrlosen" aufbauen.

Abholzung: Der Papst hat sich am Samstag gegen die Auswirkungen der Abholzung der Wälder auf den Philippinen ausgesprochen. Durch die Entforstung würde den Eingeborenenstämmen ihr Lebensraum genommen. (kna)

Plus: Der Papstbesuch im französischen Reims hat der Erzdiözese einen finanziellen Überschuß von etwa 150.000 Mark erbracht. Haupteinnahmequelle waren die Kollekte des Papstgottesdienstes und die Fahrkarten der Zubringerbusse. Dies schrieb die katholische Tageszeitung "La Croix".(kna)

Buch: Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist ein neuer Bildband über Papst Johannes Paul II. vorgestellt worden. Er stieß bei Verlagen aus 27 Ländern auf ein reges Interesse. Es handelt sich um einen Photoband mit Momentaufnahmen vom öffentlichen Auftreten des Papstes aber auch von seinem Privatleben.

Menschenrechte:

Kinder: Am Freitag haben Organisationen zum Schutz der Kinder im philippinischen Manila ein internationales Netz zur besseren Zusammenarbeit gegründet. Sie wollen gemeinsam gegen den florierenden Sex-Tourismus kämpfen. Der sexuelle Mißbrauch von Kindern sollte als Verbrechen angesehen werden. Es sei untragbar, daß allein auf den Philippinen 60.000 Kinder dem Geschäft der Prostitution nachgingen.

Todesurteile: In Rußland werden auch weiterhin fortdauernd Todesurteile vollstreckt. Wie Amnesty international am Freitag mitteilte, sind in diesem Jahr bereits 53 Menschen hingerichtet worden. Dies stehe im Widerspruch zu der Selbstverpflichtung, die Rußland für seine Aufnahme in den Europarat abgegeben habe.

Ausweisung: Wie die UNO-Flüchtlingsorganisation mitteilte, will Zaire über eine Million Flüchtlinge aus Ruanda zwangsausweisen, falls sie das Land nicht freiwillig verlassen. Die Ausweisung war bereits für den vergangenen August geplant, wurde aber dann auf internationalen Druck verschoben. Der zairische Außenminister hat bereits der UNO-Generalversammlung mitgeteilt, daß sein Land nicht mehr in der Lage sei, die Flüchtlinge ohne fremde Hilfe weiter zu unterhalten.

Umgebracht: Eine Gruppe von Tutsi-Männern aus Ruanda ist nach Angaben der UNO-Flüchtlingsorganisation am vergangenen 27. September in Zaire umgebracht worden. Die Nachricht wurde von 200 Tutsi-Frauen mitgebracht, die vor einigen Tagen aus Zaire ausgewiesen wurden. Die Zahl der Ermordeten konnte jedoch nicht ermittelt werden.

Völkermord: Mehrere sudanesische Bischöfe hatten am Freitag in Stuttgart die europäischen Länder aufgefordert, dem Völkermord im Süden ihrer Heimat nicht länger untätig zuzusehen. Gleichzeitig wurde Außenminister Klaus Kinkel vorgeworfen, einen zu milden Kurs im Dialog mit dem Iran zu verfolgen. Dieser gelte als wichtigster Waffenlieferant des Regimes im Sudan. (kna)

Flüchtlinge: Die internationale Gemeinschaft soll Staaten mit einem hohen Anteil von Flüchtlingen beistehen. Das hat die UN-Hochkommissarin Sadako Ogata angeregt. Die Kosten für die Aufnahme der Flüchtlinge müßten besser aufgeteilt werden, erklärte sie am Montag in Genf. Weiter warnte sie vor einer Aushöhlung des Asylrechts durch Einschränkungen bei der Aufnahme von Flüchtlingen. (kna)

Verhaftungen: Amnesty international hat sich besorgt über die Menschenrechtslage in Südkorea gezeigt. Die Organisation teile am Freitag in London mit, daß bei den Unruhen im August tausende von Studenten verhaftet und geschlagen worden seien. Außerdem habe der Geheimdienst Kompetenzen wiedererhalten, die ihm wegen wiederholten Menschenrechtsverletzungen vor einiger Zeit entzogen worden waren. (kna)

Religion: Freunde der tibetischen Buddhisten in aller Welt haben sich zum Fasten für die Befreiung des Panchen Lama entschlossen. Das Regime in Peking will die Tibeter durch die Einsetzung eines eigenen Panchen Lamas spalten und ihrem geistlichen Führer, dem Dalai Lama entfremden.

Bericht: Am Samstag hat eine Menschenrechtsgruppe einen Bericht des 10. Panchen Lama über Tibet veröffentlicht, der vor 30 Jahren geschrieben worden war. Er wurde die ganzen Jahrzehnte von Peking geheimgehalten, weil darin Chinas offizielle Politik des Hungers und der Verfolgung aufgedeckt wird. Schon Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre hatte der 10. Panchen Lama erkannt, daß die chinesische Politik in Tibet darauf zielt, die Religion auszurotten und die Tibeter als eigenständiges Volk zu zerstören.

Kindersterblichkeit: Im Irak sterben jeden Monat 4.500 Kinder an den Folgen von Unterernährung und Krankheit. Dies hat am Samstag das UN-Kinderhilfswerk UNICEF in Genf bekannt gegeben. Ursache dafür seien die Folgen des Handelsembargos gegen den Irak und die Senkung der Sozialausgaben bis zu 95% durch das Regime in Kabul. (kna)

Folter: In Schweden fand eine internationale Konferenz gegen die Folter statt. Ergebnis der Tagung: Die Folter ist noch ebenso geläufig wie vor 30 Jahren; nur das Profil der Opfer hat sich geändert. Vertreter von Amnesty international erklärten bei der Eröffnungsveranstaltung ihre Machtlosigkeit. Zum Abschluß wurde ein Aktionsplan verabschiedet, in dem eine Serie von Empfehlungen vorgelegt wurden. Besonderer Akzent liegt auf der Notwendigkeit legaler Reformen.

Medizin: In Burundi kommt es durch das Embargo inzwischen zu Engpässen vor allem im Gesundheitssektor. Besonders bei Medikamenten und Material, die für die erste Hilfe benötigt werden, bestehen Versorgungsschwierigkeiten.

Krisengebiete:

Diplomatische Beziehungen: Bosnien und Serbien nehmen volle diplomatische Beziehungen auf. Darauf haben sich am Donnerstag die Präsidenten der beiden Länder nach langen Verhandlungen geeinigt. Die gegenseitige Anerkennung der neuen Staaten ist ein wichtiger Schritt zu einem dauerhaften Frieden. Gleichzeitig wird die Öffnung der Grenzen angestrebt.

Nicht sicher: Der Bischof von Banja Luka, Franjo Komarica, hält die Rückkehr von Flüchtlingen in bestimmte Gegenden Bosniens noch nicht für sicher. Die Uneinigkeit der führenden Staaten Europas und der Amerikaner lasse die Durchführung des Dayton-Abkommens unglaubwürdig erscheinen. (kna)

Katastrophengebiete:

Überschwemmung: Hilfe für die Opfer der Überschwemmungen in Laos. Dazu haben Hilfsorganisationen am Freitag in Hong Kong aufgerufen. Durch späte Monsunregen haben im Norden des Landes tausende Menschen ihre Behausungen verloren. Bisher gab es 17 Tote. Auch in der nächsten Zeit sind schwere Regenfälle zu erwarten; deshalb ist damit zu rechnen, daß die Katastrophe ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat. Es ist zu befürchten, daß auch die Nachbarländer durch das Anschwellen der Flüsse nicht von Überschwemmungen verschont bleiben werden.

Cholera: Im Sudan sehe sich nach dem Schock der Überflutung und des Verlustes allen Eigentums viele Bewohner eines Elendsviertels bei Karthoum einer neuen Gefahr gegenüber: Die Cholera breitet sich aus. Wie Caritas international am Freitag mitteilte, ignoriere die sudanesische Regierung jedoch das Problem und überlasse die Not- und Katastrophenhilfe in den Lagern der Caritas und anderen Hilfswerken. Unterstützt wird die Ausbreitung der Cholera noch durch die Zerstörung der sanitären Anlagen und das Fehlen von fließendem Wasser. (kna)

Kirche:

Kein Geheimfonds: Die katholische Kirche Großbritanniens unterhält keinen Geheimfonds zur Zahlung von Schadensersatz an Opfer von sexuellem Mißbrauch durch Geistliche. Das wurde am Donnerstag in einer Pressemitteilung der Bischofskonferenz bekanntgegeben. Es bestehe auch keine eigene Versicherung für solche Fälle, hieß es dort. (kna)

Kirchenaustritt: Der Austritt aus der Kirche zieht nicht die Exkommunizierung nach sich. Diese Meinung vertrat am Sonntag der Bischof des schweizerischen Lausanne, Amede Grab, bei einer Konferenz in Freiburg. Allerdings verliere der Katholik mit seinem Austritt nicht nur die Zugehörigkeit zur steuerpflichtigen kirchlichen Körperschaft, sondern auch zur Weltkirche. Mit der Zahlung der Kirchensteuer zeige man die Solidarität innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft, fügte der Bischof hinzu. (kna)

Neue Kirche: Zum ersten Mal seit 30 Jahren wird in Paris eine neue katholische Kirche gebaut. Am Sonntag wurde dazu der Grundstein gelegt und vom Pariser Kardinal Jean-Marie Lustiger gesegnet. Das Gotteshaus, das etwa 9 Millionen Mark kosten wird, soll in einem Jahr vollendet sein. (kna)

Deutschland:

Rückführung: Kritik an den Plänen einiger Bundesländer zur Rückführung bosnischer Flüchtlinge hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) geübt. Ihre Ankunft würde in den kroatisch kontrollierten Gebieten Bosniens eine Tragödie auslösen, erklärte die Organisation am Freitag. Muslimische, serbisch-orthodoxe oder ethnisch gemischte Familien seien dort nicht willkommen. Außerdem seien Einzelheiten der Rückführung nicht mit humanitären Organisationen und der deutschen Außenpolitik abgesprochen worden. (kna)

Kontakte: Die Leitung der Nordelbischen Evangelisch-lutherischen Kirche hat die Christen in Schleswig-Holstein und Hamburg ermuntert, Kontakte zu Juden und jüdischen Gemeinschaften zu suchen. Die Christen wollten den Juden gute Nachbarn und Partner sein "und zwar in dem Maße, in dem Juden dies wünschten", hieß es in einer am Freitag verabschiedeten Entschließung zur "Neuen Jüdischen Nachbarschaft in Nordelbien". (kna)

Weitere Meldungen:

Internet: Jugendlicht in Österreich können Anfang des nächsten Jahres via Internet mit christlichen Würdenträgern kommunizieren. Während der österreichischen Pastoraltagung werden der katholische Jugendbischof Paul Iby und die burgenländische evangelische Superintendentin Gertraud Knoll im Rahmen einer "mailNacht" auf Fragen, Meinungen und Anregungen antworten.

Jubeljahr: Am Freitag hat der Vertreter des Papstes für die Diözese Rom das geistige Vorbereitungsprogramm vorgestellt. So sollen eine Million Exemplare des Evangeliums an die römische Stadt-Bevölkerung verteilen werden. Außerdem sollen auch rund 1.000 Laien, Ordensleute und Priester für die Evangelisierung außerhalb der Kirchen eingesetzt werden.

Demonstration: Am Sonntag haben in ganz Südafrika Aktivisten gegen Schwangerschaftsabbruch demonstriert. Anlaß war ein bevorstehender Parlamentsbeschluß, durch den das weltweit strengste Abtreibungs-Gesetz in eines der liberalsten verwandelt werden könnte.

In eigener Sache:

Ausfall: Wie bereits viele Hörer bemerkt und uns auch mitgeteilt haben, war seit einigen Wochen die Ausstrahlung der Heiligen Messe morgens um 7.30 Uhr ausgefallen. Jetzt haben wir erfahren, woran es lag: Die Antennen, über welche die Mittelwelle ausgestrahlt wurde, mußten neu gestrichen werden. Deshalb wurde das Programm ab 7.20 Uhr abgeschaltet. Dies wurde uns leider nicht mitgeteilt, so daß wir Ihnen am Telefon auch nicht mit einer Erklärung dienen konnten. Ab sofort beginnt die Streicharbeit jedoch später und Sie können die Messe wieder planmäßig hören.

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (07. bis 13. Oktober):

Montag: Weltkirchenmagazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Die Lage im Libanon nach der Schließung fast aller Radiostationen - Kirche-Umwelt-Tagung in Eichstätt - Radio Campnile geht bald in Betrieb - Franz von Assisi

Dienstag: Radioakademie: Begegnung mit dem unbekannten Gott. Von Birgitta Eßer. Teil II.

Mittwoch: Die Römische Woche. GEPLANTE BEITRÄGE: Vor 100 Jahren verstarb Anton Bruckner, ein Porträt - "Der Friede und der Name Gottes": Internationales Treffen "Menschen und Religionen" in Rom. Interview mit Kardinal Franzis Arinze - Wir starten in lockerer Reihe Besprechungen von Rom-Büchern: Als erstes Buch präsentieren wir ihnen einen Bildband über die sixtinische Kapelle vor - Restaurierungsarbeiten an Radio Vatikan.

Donnerstag: Kreuz des Südens - Leben in jungen Kirchen.

Freitag: Prisma-Magazin.

Samstag: Betrachtung zum Rosenkranz von Pater Eberhard Gemmingen Rosenkranzgebet mit dem Heiligen Vater

Sonntag: Korrespondenzsendung: Sie schreiben - wir antworten.

So können Sie uns erreichen:

Wir freuen uns über Resonanz auf unsere Internetseiten aber auch auf unser Radioprogramm. Bitte schreiben Sie uns. Unsere Internet-Adresse ist:

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Radio Vaticana
Redaktion: Ruthild Kropp
Sezione tedesca, I-00120 Città del Vaticano
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