vom 01. bis 03. Oktober 1996

Vatikan:

Atomteststop: Der Apostolische Stuhl hat eine unverzügliche Umsetzung des UNO-Vertrags über Atomteststopps unter internationaler Kontrolle gefordert. Mit dem Hinweis auf das Testverbot und auf das Verbot, Nuklearwaffensysteme auszubauen, hat der ständige Beobachter bei der UNO am Donnerstag seine Zustimmung zur Vertragsunterzeichnung begründet. (kna)

Botschaft: Papst Johannes Paul hat am Dienstag eine Botschaft an die Konferenz christlicher Kirchen im weißrussischen Minsk gesandt. Ohne es ausdrücklich zu erwähnen, verteidigt der Papst darin die Seelsorge katholischer Bischöfe und Priester in Rußland und den anderen Nachfolgeländern der ehemaligen Sowjetunion.

Behauptung: Bisher hat der Vatikan noch nicht auf die Behauptung des ehemaligen CIA-Chefs Gates reagiert, daß der Papst intensiv mit dem ehemaligen Präsidenten Reagan zusammengearbeitet hätte, um den Kommunismus zu stürzen. Diese Ansicht wird in einem Buch vertreten, das ein italienischer Journalist und der US-amerikanische Reporter Bernstein (beteiligt an der Aufdeckung der Watergate-Affäre) geschrieben haben.

Positiv: Der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, beurteilt das Verhältnis zwischen Kirche und Staat auf Kuba positiv. Es habe sich in der letzten Zeit soweit verbessert, daß eine Papstreise auf die Zuckerinsel nicht auszuschließen sei. Nähere Einzelheiten gab Ortega nicht bekannt. Auf ideologischer Ebene sei man sich freilich noch nicht näher gekommen, erklärte er.

Theologenkomission: Zur Zeit tagt in Rom die internationale Theologenkommission. Sie berät den Papst in grundlegenden theologischen Fragen. Bei der diesjährigen Sitzung geht es um das Verhältnis der katholischen Kirche zu den anderen Religionen.

Israel:

Tunnel: Die Öffnung des historischen Durchgangs unter dem Tempelberg in Jerusalem sorgt weiterhin für eine weltweite Diskussion. Die Mehrheit der Israelis lehnt sie als falsch ab, ist jedoch gegen eine Schließung, da er jetzt bereits geöffnet wurde. Dies ergab eine Meinungsumfrage in Israel, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Krisengebiete:

Sicherheit: Amnesty international sorgt sich um die Sicherheit des katholischen Bischofs von Tehuantepec in Mexiko, Arturo Lona Reyes. Der Bischof, der wegen seines Engagements für die ärmsten Bevölkerungsschichten bekannt ist, hat bereits einen Mordanschlag überlebt. Er erhält Drohbriefe. Die Regierungspartei PRI soll in den örtlichen Medien eine Haßkampagne gegen ihn inszeniert haben. (kna)

IRA: Der irische Kardinal Cahal Daly hat am Dienstag der IRA vorgeworfen, die Friedensverhandlungen in Nordirland unterbrochen zu haben. Der 79jährige sagte anläßlich seiner bevorstehenden Pensionierung, durch ihre paramilitärischen Gewaltakte der letzten Zeit habe die IRA den vereinbarten Waffenstillstand gebrochen.

Hutus oder Tutsi?: Ob der burundische Erzbischof von Gitega, Joachim Ruhuna, von Hutu-Rebellen oder von Angehörigen der Tutsi-Minderheit ermordet wurde, ist nicht geklärt. Das betonte die Zeitschrift "Mondo e Missione". Ruhuna sei für seine eigene ethnische Gruppe eine unbequeme Person gewesen.

Völkermord: Der sudanesische Bischof Paride Taban hat die Weltgemeinschaft aufgefordert, den Völkermord in seinem Heimatland beenden zu helfen. Die Welt müsse mit einem Waffenembargo gegen die Regierung in Karthoum eingreifen. Diese besitze jetzt schon genug Kampfhubschrauber und Bomben, um die gesamte Bevölkerung des Südsudan auszurotten, erklärte Taban am Mittwoch in Mainz. (kna)

Ermordet: Am Montag abend ist im bosnischen Kakanj auf offener Straße eine katholische Ordensfrau ermordet worden. Die 46jährige Danka Ana Jurcecic, eine Schwester der Gemeinschaft der "Töchter von Gottes Liebe" wurde von einer unbekannte Person erstochen. (kna)

Menschenrechte:

Reaktion: Auf einen Bericht von Amnesty international über die Menschenrechtslage in der Türkei veröffentlicht hat, hat am Mittwoch die Regierung in Ankara reagiert. Der türkische Außenminister bezeichnete die Kampagne als "Aufruf zum Terrorismus". Das Papier sei parteiisch und enthalte Hintergedanken, erklärte er.

Zahlen: Am Mittwoch hat burmesische Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi genaue Zahlen über die Verhaftungen ihrer politischen Anhänger gemacht. Demnach wurden von der Militärregierung seit dem letzten Donnerstag 800 Mitglieder und Unterstützer ihrer Oppositionspartei festgenommen.

Verschlechtert: Die Menschenrechtssituation in Rußland hat sich im Lauf des Jahres 1995 wesentlich verschlechtert. Dies hat am Mittwoch die Helsinki-Menschenrechts-Föderation in Wien mitgeteilt. Sie klagt ebenso den Verfall der grundlegenden Freiheiten in anderen Nachfolgestaaten des ehemaligen Ostblocks an. Moskau wird beschuldigt, einige Gesetze erlassen zu haben, um Mißachtungen der persönlichen Freiheiten zu rechtfertigen.

Kirche:

Stürmung: Am Dienstag abend haben scharf bewaffnete Polizisten eine Moschee in Moskau gestürmt. Einige Beter wurden geschlagen, verhaftet und anschließend wieder freigelassen. Dies berichtete eine Rundfunkstation in der russischen Hauptstadt. Die meisten der anwesenden Muslime sollen Tschetschenen und Inguschen gewesen sein. Die muslimische Gemeinde zeigte sich geschockt über das Vorgehen der Polizei. Die religiösen Gefühle der Gläubigen seien schwer verletzt worden, erklärte sie. Inzwischen hat die Polizei mitgeteilt, daß sie Ermittlungen über die Stürmung der Moschee einleiten würde.

Todesstrafe: Die Kirche Ecuadors hat die Ablehnung der Todesstrafe auch staatlich durchsetzen können. Kurz nachdem sie die Hinrichtung von Mördern verurteilt hatte, erklärte Präsident Bucaram am Dienstag, daß er dem kirchlichen Urteil folge. Das Land sei christlich und wolle in einer so heiklen Frage nicht kirchlicher Lehre widersprechen. Vorher hatte er angekündigt, dem Parlament die Wiedereinführung der Todesstrafe für Mord an Minderjährigen vorzuschlagen.

Kirchengut: Die tschechische Republik will den Religionsgemeinschaften des Landes einen weiteren Teil ihrer von den Kommunisten beschlagnahmten Immobilien zurückgeben. Die katholische Kirche begrüßte diese Entscheidung. Sie würde zwischen 450 und 600 Gebäude zurückerhalten. An die Rückgabe ist jedoch die Bedingung geknüpft, die Immobilien nur für religiöse und caritative Zwecke oder als Wohnungen für Geistliche zu nutzen. (kna)

Konferenz: Am Montag hat im süditalienischen Bari eine Konferenz der Mittelmeer-Ortskirchen zum Thema "Versöhnung" begonnen. Sie soll die ökumenische Kirchenversammlung Europas im kommenden Jahr in Graz vorbereiten. In einer Erklärung, die am Vorabend der Tagung veröffentlicht wurde, wird an die Konflikte und die stürmische Geschichte des Mittelmeer-Raumes erinnert. Versöhnung sei dringend nötig. Die Kirchen fühlten sich berufen, einen Beitrag für die Völkerverständigung zu leisten.

Deutschland:

Afghanische Flüchtlinge: Amnesty international hat am Mittwoch die Innenminister von Bund und Ländern aufgefordert, afghanische Flüchtlinge nicht in ihre Heimat zurückzuschicken. Angesichts der zugespitzten politischen Lage in Afghanistan sei die Abschiebung, die seit 1993 für möglich gehalten wird, jetzt unverantwortlich. (kna)

Schwangerschaftsberatung: Bündnis 90/Die Grünen haben wegen ihres Vorgehens gegen die katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen eine Welle der Empörung ausgelöst. Sie hatten einen Antrag beschlossen, nach dem die Förderung katholischer Beratungsstellen eingestellt werden soll, da diese die Rechte der Frauen mißachteten. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Brigitte Spet plädierte dagegen mit Nachdruck für Pluralität der Beratung. (kna)

Transplantation: Das katholische Büro in Bonn hat am Mittwoch die Hoffnung ausgesprochen, daß die Bundesregierung bald ein Organ-Transplantationsgesetz verabschiedet. Die katholische Kirche wünscht, daß möglichst viele Menschen zur Organspende bereit sind. Diese sollten schriftlich ihre Zustimmung - oder auch Ablehnung - erklären, sagte das Bischofsbüro. Wenn keine schriftliche Zustimmung vorliege, sollten die nächsten Angehörigen gefragt werden. Bei Zweifel dürfe kein Organ entnommen werden. (kna)

Lohnfortzahlung: In der Kontroverse um die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall hat der Essener Weihbischof Franz Grave die Tarifparteien zur Mäßigung aufgerufen. Wie er dazu am Dienstag erklärte, müßten bestehende Tarifverträge eingehalten werden. Die von der Bundesregierung beschlossenen Gesetzesänderungen sollten den Arbeitgebern und Gewerkschaften genügend Spielraum beim Abschluß neuer Tarifverträge lassen. (kna)

Gesundheitsreform: Der Caritasverband hat am Mittwoch in einem öffentlichen Schreiben an Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer seine Zweifel an der geplanten Gesundheitsreform geäußert. Es sei vor allem unverständlich, wie die Bundesregierung die Leistungen für die häusliche Krankenpflege "in das Belieben der Krankenkassen und ihren Wettbewerb" stellen könnte. (kna)

Europaparlament: Für mehr Befugnisse des Europaparlaments hat sich das Europäische Kolpingwerk ausgesprochen. Parlament und Ministerrat sollten künftig in allen Bereichen der Gesetzgebung, außer bei Entscheidungen von Verfassungsrang, gleichberechtigt sein. Mehr Mitspracherecht der Parlamentarier könnte das Europa-Engagement der Bürger verbessern. (kna)

Miteinander: Politiker, Gewerkschaften und Kirchenvertreter haben dazu aufgefordert, den bevorstehenden Tag der deutschen Einheit als einen "Tag des Miteinanders von Deutschen und Ausländern" zu begehen. Dieser Tag sei zwar ein nationaler Feiertag, die sieben Millionen hier lebenden Ausländer dürften jedoch nicht ausgegrenzt werden, erklärte dazu Heiner Geißler. (kna)

Buß- und Bettag: Der Buß- und Bettag soll wieder ein gesetzlicher Feiertag werden. Das fordern die evangelischen und die katholische Kirche in Niedersachsen. Der evangelische Bischof von Oldenburg, Wilhelm Sievers, und der katholische Bischof von Hildesheim, Josef Homeyer, schrieben einen entsprechenden Brief an Ministerpräsident Gerhard Schröder. (kna)

Weitere Meldungen:

Euthanasie: Der oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten wird sich in seiner neuen Sitzungsperiode mit der Euthanasie beschäftigen. Dies wurde am Dienstag bekannt. Zwei örtliche Gerichte hatten zuvor bundesstaatliche Gesetze zum Verbot der Sterbehilfe verworfen. Eine Entscheidung des obersten Gerichtshofs ist für Juli 1997 zu erwarten. (kna)

Minen: Am Donnerstag begann im kanadischen Ottawa eine internationale Konferenz über Anti-Personen-Minen. Zu ihr werden mehr als 60 Staaten, internationale Gemeinschaften und mehrere humanitäre Organisationen erwartet. Ziel ist das vollständige Verbot der Minen. Der Vertreter Kanadas erklärte, die Konferenz sei einzigartig, denn sie beschäftige sich mit allen Aspekten des Problems: Dem Verbot der Minen, ihrer Zerstörung und der Heilung der Opfer.

Schließung: Der Generaldirektor von Radio Vatikan, Pasquale Borgomeo, hat sein Bedauern über die Schließung der christlichen Rundfunkanstalten im Libanon ausgesprochen. Die Station "Voix de la charité" hatte dort die arabischen Programme von Radio Vatikan ausgestrahlt.

Impfungen: Rund zwei Millionen Mark benötigt die UN-Weltgesundheitsorganisation für eine Impfkampagne in Albanien. Der Appell, an dem auch das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen beteiligt ist, wurde am Mittwoch in Genf veröffentlicht. In Albanien ist ein Polio-Epidemie ausgebrochen, an der bereits 78 Menschen erkrankt sein sollen. (kna)

Nobel Alternativ: Am Mittwoch ist in Stockholm der sogenannte Alternative Nobelpreis verliehen worden. Vier Personen bzw. Institutionen, die sich für ethische Grundsätze und Frieden eingesetzt haben, wurden mit diesem "Preis für die richtige Lebensweise" ausgezeichnet. Es sind: Das Komitee der Mütter russischer Soldaten, das indische Forum wissenschaftlicher Autoren in Kerala, der griechische Homöopat Vithoulkas und der amerikanische Wirtschaftsprofessor Herman Daly.

Ehrenbürgerin: Am Dienstag hat der US-amerikanische Präsident Bill Clinton die Ehren-Staatsbürgerschafts-Urkunde für Mutter Teresa unterzeichnet. Er begründete die Auszeichnung mit dem unermüdlichen Einsatz der Friedensnobelpreisträgerin für Waisen, verlassene Kinder, Kranke und Arme. (kna)

In eigener Sache:

Ausfall: Wie bereits viele Hörer bemerkt und uns auch mitgeteilt haben, war seit einigen Wochen die Ausstrahlung der Heiligen Messe morgens um 7.30 Uhr ausgefallen. Jetzt haben wir erfahren, woran es lag: Die Antennen, über welche die Mittelwelle ausgestrahlt wurde, mußten neu gestrichen werden. Deshalb wurde das Programm ab 7.20 Uhr abgeschaltet. Dies wurde uns leider nicht mitgeteilt, so daß wir Ihnen am Telefon auch nicht mit einer Erklärung dienen konnten. Ab sofort beginnt die Streicharbeit jedoch später und Sie können die Messe wieder planmäßig hören.

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (03. bis 09. Oktober):

Donnerstag: Jugendmagazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Corinna Mühlstedt zum theologischen Studienjahr in Jerusalem - Sister Act: Eine Schule geht auf die Bühne - Der BDKJ zum Hildeshimer Kongreß - Radfahren in Frankreich: ein Priester fürs Rad

Freitag: Prisma. GEPLANTE BEITRÄGE: Buchtip des Monats

Samstag: Betrachtung zum Rosenkranz von Pater Eberhard Gemmingen Rosenkranzgebet mit dem Heiligen Vater

Sonntag: Korrespondenzsendung: Sie schreiben - wir antworten.

Montag: Weltkirchenmagazin.

Dienstag: Radioakademie: Begegnung mit dem unbekannten Gott. Von Birgitta Eßer. Teil II.

Mittwoch: Die Römische Woche.

So können Sie uns erreichen:

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Radio Vaticana
Redaktion: Ruthild Kropp
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