vom 27. bis 30. September 1996

Vatikan:

Audienzen: Ab dem 7. Oktober werden die Audienzen des Papstes wegen der anstehenden Operation ausfallen. Ein genaues Datum für den Eingriff wurde nicht bekannt gegeben.

Gebet: Kardinal Camillo Ruini hat die Römer am Freitag dazu eingeladen, im Monat Oktober für Papst Johannes Paul II. zu beten. Anlaß ist die anstehende Operation des Papstes. Ruini bat die Bewohner Roms sowohl für die Gesundheit des Papstes als auch für sein 50. Priesterjubiläum zu beten.

Aufruf: Der Papst hat am Sonntag die jüngste Welle der Gewalt in Jerusalem beklagt. Er appellierte an die Religionsgemeinschaften, mit allen Mitteln Wege zum Frieden zu suchen. Israelis und Palästinenser rief der Papst dazu auf, weitere Provokationen, Ungerechtigkeiten und neue Gewalt zu vermeiden und die Hoffnung auf Frieden nicht aufzugeben.

Angelus: Papst Johannes Paul II. hat beim sonntäglichen Angelus-Gebet erklärt, daß die Menschheit "mehr Herz" brauche. Die heute vorherrschende wissenschaftliche Kultur und ihre Informationsflut reichten zur Humanisierung der Welt nicht mehr aus, betonte er.

Euthanasie: Der Osservatore Romano hat die Anwendung des Euthanasie-Gesetzes in Australien scharf verurteilt. Der Moraltheologe Gino Concetti schrieb, die Tatsache, daß Euthanasie auf Verlangen des Sterbenskranken ausgeführt werde, verringere nicht das objektve Ausmaß des unumkehrbaren Zustands. - In Australien warten inzwischen 5 unheilbar Kranke auf die ärztlich verabreichte Todesspritze. Dies erklärte am Montag der Arzt, der die erste aktive Sterbehilfe vorgenommen hatte.

Seligsprechungen: Am kommenden Sonntag wird Papst Johannes Paul II. sechzehn herausragende Katholiken seligsprechen.

Israel:

Gipfel: Am Montag hoffte man in den Vereinigten Staaten noch auf ein Zustandekommen des israelisch-palästinensischen Gipfels in Washington. Ein Sprecher des Weißen Hauses bestätigte Gerüchte, wonach Yassir Arafat um einen Aufschub des Treffens mit Benjamin Netanyahu gebeten hat. Trotzdem erwartet man in Washington, daß die beiden Staatsmänner am Dienstag oder Mittwoch die Gespräche in der US-amerikanischen Hauptstadt aufnehmen werden.

Friedensappell: Zahlreiche Patriarchen, Bischöfe und muslimische Würdenträger haben sich am Sonntag zu einem Friedensgebet in der St. Ana Kirche in Jerusalem versammelt. In einer gemeinsamen Erklärung forderten sie die Regierung auf, den Tunnel zu schließen. Frieden und Sicherheit könnten nur bestehen, wenn sie auf Gerechtigkeit aufbauen. Die Verantwortlichen müßten zeigen, daß die Gerechtigkeit ihnen das Wichtigste sei.

Aufruf: Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Michel Sabbah, hält eine Wiederaufnahme des Friedensprozesses im Nahen Osten für möglich. Das erklärte er am Samstag abend in einem italienischen Fernsehinterview. Israel müsse jedoch einsehen, daß es seine Sicherheit nicht auf der Unterdrückung der Palästinenser aufbauen könne.

Intifada: Die Hamas hat am Samstag im Libanon eine Erklärung veröffentlicht, in der sie die Palästinenser auffordert, die neue Intifada zu unterstützen. Überall, wo sie sich befänden, sollten sie den bewaffneten Kampf aufnehmen, um ihre Rechte wiederzuerlangen.

Krisengebiete:

Übernahme: Afghanische Taleban-Milizen haben nach der Übernahme der Regierung in Kabul die Errichtung eines strikt islamischen Staates ausgerufen. Die Scharia ist nun gültiges Recht. In einer ersten Reaktion haben die Vereinten Nationen die Hinrichtung des ehemaligen Präsidenten Nadjibullah durch die Fundamenalisten verurteilt. - Die indische Abteilung von amnesty international rief alle Regierungen auf, die Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan zu stoppen. - Die Bewohner Kabuls verlassen fluchtartig die Stadt. Die Scharia wird vehement durchgesetzt: Frauen dürfen nicht mehr in Büros arbeiten. Mindestens 3 Frauen wurden auf offener Straße verprügelt, weil ihre Kleidung nicht den islamischen Kriterien entsprach. Männer, wenn sie Beamte oder Angehörige der Armee sind, müssen sich ab jetzt einen Bart wachsen lassen.

Bombe: Am Montag früh haben in der Türkei Mitglieder einer fundamentalistischen Organisation eine Bombe in den Garten des ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel geworfen. Personen wurden nicht verletzt; der Sachschaden war gering. Agenturmeldungen zufolge hat sich die "islamische Front der Kämpfer des Großen Orients" zu dem Anschlag bekannt. Die Gruppe ist durch Attentate gegen Kirchen und Restaurants, die Alkohol ausschenken, bekannt. Von Plänen zu einem Anschlag auf Patriarch Bartholomäus war bisher nichts bekannt gewesen.

Menschenrechte:

Kampagne: "Türkei - Keine Sicherheit ohne Menschenrechte" Das ist das Motto einer Kampagne, die Amnesty international am erstan Oktober starten will. Dabei soll die Verschlechterung der Menschenrechte in der Türkei ans Licht gebracht und die Regierung aufgefordert werden, dringend nötige Maßnahmen zu ergreifen.

Aung San Suu Kyi: Nachdem das Militär die Straße zu ihrem Haus mit Barrikaden versperrt hat, um eine Zusammenkunft ihrer Partei zu verhindern, wurde die burmesische Friedensnobelpreisträgerin auch daran gehindert, ihre übliche Rede vor ihrem Heim zu halten. Angehörige ihrer Partei wurden verhaftet. Der Außenminister Burmas wies am Freitag Vorwürfe zurück, das Militärregime würde die Menschenrechte verletzen. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien haben die Regierung aufgerufen, die Menschenrechte zu achten. Großbritannien denkt sogar an Sanktionen. - Am Sonntag beschuldigte die Militärregierung die Oppositionspartei, den buddhistischen Klerus zu unterwandern. Damit hätte sie Uneinigkeit im Land säen wollen.

Medien: Die Kirche des Libanon hat sich gegen die Schließung ihrer Fernseh- und Radiosender gewandt. Die Regierung hatte vor kurzem verkündet, daß die Stationen ihre Tätigkeit bis zum 31. Dezember einstellen müßten. Jetzt haben sich die Bischöfe in einem Kommuniqué dazu geäußert. Sie drückten ihre Besorgnis über diese Maßnahme aus. Sie widerspräche den Freiheitsgarantien der Verfassung, besonders der Zusage der Religionsfreiheit und der feien Meinunsgäußerung.

Tibet: Zwei chinesische Dissidenten haben an die Regierung in Peking appelliert, Tibet das Recht der Selbstbestimmung zu geben. Außerdem sollte sie mit dem Dalai Lama sprechen. Die beiden Dissidenten, die wegen ihrer politischen Aktivität im Gefängnis saßen, forderten außerdem strengere Kontrollen für die herrschende kommunistische Partei und Gespräche mit Taiwan.

Bioethik: Die parlamentarische Versammlung des Europarates hat die umstrittene Bioethik-Konvention gegen die Stimmen vieler deutscher Abgeordneter gebilligt. Der SPD-Abgeordnete und Vizepräsident des Rates, Robert Antretter, kritisierte, es gebe viele doppeldeutige Formulierungen in dem Dokument. Deshalb empfahl er der Bundesregierung, dem Entwurf nicht zuzustimmen. Er würde in wesentlichen Passagen dem Grundgesetz und der europäischen Menschenrechtkonvention widersprechen. (kna)

Kirche:

Religionsgesetze: In Weißrußland hat der Erzbischof von Minsk, Kardinal Kazimier Swiatek, Befürchtungen geäußert, daß durch die neu erlassenen Religionsgesetze die Katholiken diskriminiert werden. Als Beispiele nannte er etwa, daß bei der Ernennung eines Pfarreipriesters eine behördliche Erlaubnis nötig sei, oder daß Geistliche ohne Genehmigung nicht einmal in einer anderen Pfarrei Gottesdienste feiern dürften. (kna)

Deutschland:

PDS: Der Erzbischof von Berlin, Kardinal Georg Sterzinsky, hat am Montag die PDS als nicht koalitionsfähig bezeichnet. Die SED-Nachfolge-Partei habe sich nur zu unwesentlich verwandelt. Sie habe nur wenige demokratische Elemente aufgenommen und Lippenbekenntnisse abgelegt. Solange die Partei aber in ihren eigenen Reihen eine kommunistische Plattform dulde, könne sie kein Koalitionspartner sein. (kna)

Deutsch-tschechische Versöhnung: Der Bischof von Pilsen, Frantisek Radkovsky, hat die Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland als Vorbild für das deutsch-tschechische Verhältnis empfohlen. Zwischen Deutschen und Tschechen gebe es noch immer Vorurteile, die nur durch persönliche Kontakte überwunden werden könnten. (kna)

Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz in Fulda:

Bilanz: Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, hat eine positive Bilanz der Beratungen gezogen. Die Bischöfe forderten besonders, einer Versöhnung zwischen der Bundesregierung und der Regierung in Prag entschlossener nachzugehen. (kna)

Schwangerschaftsabbruch: Die Konferenz verabschiedete außerdem ein Hirtenwort zum Schwangerschaftsabbruch. Es soll am 13. Oktober in allen Kirchen verlesen werden. Grundlegende Wahrheiten müßten dabei ins Bewußtsein gerufen werden, die bei der öffentlichen Diskussion zu oft verdrängt würden, erklärte Bischof Lehmann. (kna)

Kirchenwort: Während der viertägigen Gespräche ist vor allem am Text für das gemeinsame Kirchenwort zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland gearbeitet worden. Die soziale Verkündigung sei ein ureigener Auftrag der Kirche, wobei man sich nicht auf ein bestimmtes gesellschaftliches oder ökonomisches System festlegen könne, so Lehmann. Das gemeinsame Wort soll möglicherweise im kommenden Februar veröffentlicht werden. (kna)

Religionsunterricht: Diskutiert wurde in Fulda auch über den Religionsunterricht. Die Bischöfe haben dazu ein gut achzigseitiges Dokument unter dem Titel "Die bildende Kraft des Religionsunterrichtes. Zur Konfessionalität des katholischen Religionsunterrichtes" vorgelegt. (kna)

Personal: Wichtigste Personalentscheidung während der Beratungen war die Neueinrichtung einer bischöflichen Kommission für die Menschen unterwegs. Migranten, Flüchtlinge und Ausländer sollen damit gleichermaßen angesprochen werden. (kna)

Kirchenasyl: Die Bundesgrünen haben die katholischen Bischöfe dazu aufgefordert, das Kirchenasyl zu verteidigen. Das erklärte ihre kirchenpolitische Sprecherin, Christa Nickel, am Donnerstag zum Abschluß der Herbstvollversammlung. Sie betonte, Bischof Karl Lehmann wäre gut beraten, die verantwortlichen Politiker zu mitmenschlichem Handeln zu ermahnen. (kna)

Weitere Meldungen:

Medien: "Die Medien müssen fest in den Händen jener bleiben, die dem Marxismus, der Partei und dem Volk loyal gegenüberstehen." Mit diesen Worten hat der Generalsekretär der chinesischen kommunistischen Partei, Jiang Zemin, die Rolle der Medien bei der Meinungskontrolle bestätigt. Er appellierte an die Journalisten der Tageszeitungen, den "Patriotismus, den Kollektivismus und den Sozialismus" zu verbreiten.

Humanitäre Einsatztruppe: Washington verhandelt mit europäischen und afrikanischen Nationen über die Schaffung einer afrikanischen Einsatztruppe, die bei humanitären Krisen zum Einsatz kommen soll. Dies wurde am Freitag bekannt. Es sollen Wege gefunden werden, wie die afrikanischen Länder effizienter auf Krisensituationn reagieren können.

Konferenz: Am Dienstag beginnt in Minsk eine internationale Konferenz mit Teilnehmern aus allen Ländern der Gemeinschaft unabhängiger Staaten. An ihr nehmen Vertreter der orthodoxen, katholischen und unierten Kirche teil. Schirmherrschaft hat der Moskauer Patriarch Alexij.

Mutter Teresa: In einem offenen Brief hat sich Mutter Teresa gegen den Entwurf eines neuen polnischen Abtreibungsgesetzes gewandt. Sie schreibt, daß sie all die Schmerzen und Leiden ihrer letzten Krankheit den ungeborenen Kindern widme. Am 3. Oktober will der polnische Senat über das umstrittene Gesetz entscheiden.

Gedenken: Der Patriarch von Moskau, Alesij II., hat am Samstag in einer Gedenkkapelle in Belgorod an die Toten des 2. Weltkrieges erinnert. In seiner Rede äußerte er die Hoffnung, daß die Opfer des Krieges immer an den hohen Preis erinnern sollten, den sie für den Frieden bezahlt haben.

Scientology: In Frankreich steht erstmals ein Mitglied der Scientology-Sekte vor Gericht. Der französische Chef der Sekte, Jean-Jaques Mazier, muß sich wegen Todschlages verantworten. Er hatte ein Mitglied mit überzogenen Geldforderungen in den Selbstmord getrieben. Mit ihm sind 20 weitere Sekten-Mitglieder angeklagt.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (30. September bis 06. Oktober):

Montag: Weltkirchenmagazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Die Erklärung von Christen und Muslimen in Jerusalem - Protest der katholischen Arbeitnehmer gegen die bischöfliche Unterstützung des Bonner Sparpakets - Treffen deutscher Pfarrer in Indonesien - Publizität für den seligen Karl Leisner.

Dienstag: Radioakademie: Begegnung mit dem unbekannten Gott. Von Birgitta Eßler. (Unsere begrenzte Gottesvorstellung preßt Gott in eine Schablone, die kaum die Möglichkeit läßt, uns auf ihn einzulassen. Aber Gott ist tatsächlich der Andere, der unsere Vorstellungen übersteigt. Umso mehr müssen wir uns wundern, daß er uns die Gelegenheit gibt, ihm immer wieder zu begegnen, ihn zu erfahren und zu erkennen.)

Mittwoch: Römische Woche.

Donnerstag: Jugendmagazin.

Freitag: Prisma.

Samstag: Betrachtung zum Rosenkranz von Pater Eberhard Gemmingen Rosenkranzgebet mit dem Heiligen Vater

Sonntag: Korrespondenzsendung: Sie schreiben - wir antworten.

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Redaktion: Ruthild Kropp
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