vom 24. bis 26. September 1996

Vatikan:

Kuba: Der Außenminister des apostolischen Stuhls, Kardinal Jean-Louis Tauran, wird am 25. Oktober Kuba besuchen. Er wird dabei mit Vertretern aus Kirche und Politik zusammentreffen. Wie verlautete, könnte dabei auch ein mögliches Treffen zwischen Papst Johannes Paul II. und Fidel Castro diskutiert werden, der im November zur Generalversammlung der Uno-Ernährungsorganisation nach Rom kommen soll.

Burundi: Bei der Generalaudienz am Mittwoch hat der Papst die Lockerung der Sanktionen gegen Burundi gefordert, weil darunter vor allem die Zivilbevölkerung leide.

Redemptoristen: Papst Johannes Paul II. hat anläßlich des 300. Geburtstags des Heiligen Alfons von Ligouri in einem Schreiben an die von ihm gegründete Gemeinschaft der Redemptoristen die Kongregation ermahnt, auf den Spuren ihres Gründers der Verkündigung der christlichen Botschaft zu dienen. Dabei käme es vor allem auf einen einfachen, klaren und wesentlichen Stil an.

Atomenergie: Ein Sprecher des Vatikans hat in Wien deutlichere und striktere Kontrollen im Atomenergiebereich gefordert. Diese müßten klar und nachvollziehbar sein, sei es bei Kernkraftwerken, sei es bei Atommüll. Der Delegierte des Vatikans sprach sich besonders für ein globales Sicherheitssystem aus, das vor allem vor Katastrophen wie der von Tschernobyl effektiv warnen sollte.- In New York hat unterdessen der ständige Vertreter des apostolischen Stuhls bei den Vereinten Nationen den Vertrag über die Abschaffung der Nukleartests unterzeichnet.

Spionage: Durch die Presse der letzen Tage geisterte ein angeblicher Top-Agent der DDR, der im Vatikan tätig gewesen sein soll. Auf diese Meldungen ging der Pressesprecher des Vatikan am Dienstag ein und wies jede Vermutung in diese Richtung zurück. Die Akten der Stasi sollen ein "phantasievolles Machwerk" sein.- Auch der Veröffentlichung in der Zeitung "Die Zeit", wonach ein ehemaliger Archiv-Angestellter, Geheimdokumente aus dem Vatikan an östliche Geheimdienste geliefert habe, sei wenig Glauben zu schenken. Beobachter gehen davon aus, daß der Archivar aufgrund von Vermutungen Texte zusammengestellt hat, die ihm bei seinen Auftraggebern ein gutes Ansehen vermitteln sollten.

Papstgesundheit: Aus dem Vatikan gibt es bisher keine Reaktion auf eine Meldung in der angesehenen britischen Zeitung "Catholic Herald Tribune", nach der Johannes Paul II. die Parkinsonkrankheit habe.

Krisengebiete:

Israel: Nach Einschätzung des Leiters des Pilgerzentrums Notre Dame in Jerusalem, Richard Mathes, der gleichzeitig vatikanischer Kulturattache in Israel ist, steht nach den Ausschreitungen aufgrund der Tunnelöffnung ein Kleinkrieg zwischen Israel und den Palästinensern bevor. Die Unruhen haben Ministerpräsident Benjamin Netanyahu veranlaßt, seinen Deutschlandbesuch vorzeitig abzubrechen. Er und Yassir Arafat haben versichert, sich für eine Entspannung der Situation einzusetzen.

Mexiko: Erzbischof Samuel Ruiz hat erneut zu einem nationalen Friedensdialog aufgerufen, an dem die beiden Guerillabewegungen, alle Gruppen des öffentlichen Lebens sowie die Armee beteiligt sein müßten.(kna)

Brasilien: In Rio de Janeiro haben Unbekannte ein Denkmal für 19, von der Polizei ermordete Landlose zerstört, das 1995 von dem Künstler Oscar Niemayer aufgestellt worden war.(kna)

Menschenrechte:

Gegen Gewalt: Bei der Bischofsversammlung in Nepal hat ein Jesuit gefordert, daß sich die Kirche verstärkt gegen die Gewalt gegenüber Minderheiten einsetzt. Außerdem sprach er sich gegen die Diskriminierung von Frauen, Ureinwohnern und Armen aus. (kna)

Euthanasie: Der erste durch aktive Sterbehilfe herbeigeführte Todesfall in Australien hat bei Kirchenvertretern wie Politikern Kritik ausgelöst. Das erst seit Juli dieses Jahres in Kraft befindliche Euthanasiegesetz, das liberalste seiner Art, steht erneut vor dem obersten Gerichtshof sowie auf parlamentarischer Ebene auf dem Prüfstand.(kna)

Dalai Lama: Trotz Pekinger Drohungen hat der australische Premierminister den tibetanischen Religionsführer zu einer halbstündigen Unterredung empfangen.

Schikanen: Der Bischof von Bading hat gegen die Unterdrückung der katholischen Kirche durch die Behörden in China protestiert. In einem Brief beschuldigt der Untergrundbischof Peking der Einmischung in religiöse und persönliche Angelegenheiten. (kna)

Kirche:

Erzbischof: Papst Johannes Paul II. hat am Dienstag den ehemaligen Generaloberen der Schönstattpadres, Francisco Errazurus-Ossa, zum Erzbischof von Valparaiso in Chile ernannt. Seit 5 Jahren war er Sekretär der Ordenskongregation im Vatikan. (kna)

Roderick Wright: In Schottland hat der Erzbischof von Saint Andrews und Edingurgh gegenüber der Presse erklärt, sein Amtskollege Bischof Roderick Wright könne, wenn er dies wolle, weiterhin als Priester tätig sein. Wright war wegen seiner Beziehung zu einer Frau und wegen eines unehelichen Sohnes in die Schlagzeilen geraten. Er hat jetzt erklärt, daß er heiraten wolle. (kna)

Lebensschutz: Der österreichische Umweltbischof Paul Iby aus Eisenstadt hat der Europäischen Union 30.000 Unterschriften gegen die Patentierung von Tieren und Pflanzen übergeben, weil "Leben keine Ware" sei.

Zölibat: Der Erzbischof von Wien, Christoph Schönborn, hat in einem Beitrag zu dem Buch "Die Angst der Kirche vor den Frauen", das jetzt auf den Markt kommt, erklärt, über den Zölibat für Priester könne nur auf Ebene der Gesamtkirche entschieden werden, auch wenn verheiratete Priester nicht ausgeschlossen werden könnten. (kna)

Schließung: Gegen die staatlich angeordnete Schließung von zwei kirchlichen Rundfunkstationen und einem Fernsehsender im Libanon haben die katholischen Bischöfe protestiert, da dies im Widerspruch zur Religions- und Meinungsfreiheit stehe.(kna)

Deutschland:

Vollversammlung: In Fulda tagt seit Montag die Vollversammlung der deutschen Bischöfe. Unter anderem werden in diesem Jahr auch sozial-politische Themen behandelt. Bischof Karl Lehmann verteidigte zum Auftakt Einschnitte im sozialen Bereich und kritisierte den Zustand der Sozialpolitik und der sozialen Marktwirtschaft. (kna)

Religionsunterricht: Die SPD will nach Angaben ihres Bundesvorsitzenden, Oskar Lafontaine, am Religionsunterricht in den Schulen als ordentliches Lehrfach festhalten. (kna)

Caritas-Sonntag: Die katholischen Bischöfe haben Familien und Gemeinden aufgefordert, "Orte gelebten Glaubens und überzeugender Menschlichkeit" zu sein. So könnten junge Menschen für ihr eigenes Leben ermutigt werden, heißt es in einem Aufruf zum Caritas-Sonntag.(kna)

Ausländerrecht: Zwei Organisationen haben den Bonner Gesetzentwurf für eine Änderung des Ausländerrechts kritisiert. Der "Ökumenische Vorbereitungsausschuß zur Woche der ausländischen Mitbürger" und der "deutsche Gewerkschaftsbund" verurteilten besonders die mit dem Entwurf verbundenen Erleichterungen der Ausweisungsmöglichkeiten. Bei Straffälligkeit müßten in Deutschland aufgewachsene Ausländer wie Deutsche behandelt werden. (kna)

Auszeichnung: Die katholischen und evangelischen "Camping-Kirchen" sind von Touristik-Journalisten für ihr soziales Engagement ausgezeichnet worden. (kna)

Würdigung: Bundeskanzler Helmut Kohl hat die Arbeit der Behindertenwerkstätten gewürdigt. Sie leisteten einen wesentlichen Beitrag für die Gesellschaft. in Deutschland gibt es etwa 1200 Behindertenwerkstätten mit 150 000 Arbeitsplätzen. (kna)

Scientology: Die Bundestagsvizepräsidentin, Antje Vollmer, hat gegen die Schaffung neuer Feindbilder in der Diskussion über "Scientology" gewarnt. Die derzeitige Auseinandersetzung in Deutschland sei das Gegenteil einer "aufklärenden Sektendebatte". (kna)

Judenvernichtung: Der Schriftsteller Lew Kopelew hat die Thesen des amerikanischen Historikers Goldhagen als unwissenschaftlich zurückgewiesen, wonach die Judenvernichtung unter Hitler im deutschen Wesen verankert gewesen sei. Die publizistische Vermarktung dieser Thesen sei unverantwortlich, so Kopelew.(kna)

Medienkonkurrenz: Die katholische Kirche will weiterhin mit den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten kooperieren und keine Konkurrenz machen, erklärte der Leiter der Zentralstelle Medien der deutschen Bischöfe, Reinhold Jacobi.(kna)

Weitere Meldungen:

Kirchenpresse: Bei der Eröffnung einer internationalen Tagung katholischer Journalisten in Slowenien, auf der auch der Generaldirektor von Radio Vatikan, Pasquale Borgomeo, vertreten ist, wurden Loyalität zur Kirche, persönliche Freiheit und Professionalität als Grundhaltungen katholischer Journalisten hervorgehoben.

Boutros-Ghali: Nach Ansicht des Erzbischofs von New York, Kardinal John O`Connor, verdient es der bisherige UNO-Generalsekretär, Boutros Boutros-Ghali, in seinem Amt wiederbestätigt zu werden. Der Kardinal wendet sich damit offen gegen die Bemühungen von Präsident Bill Clinton.

Mutter Teresa: Die Gründerin der Missionarinnen der Nächstenliebe ist aus dem Krankenhaus entlassen worden, nachdem die behandelnden Ärzte attestierten, daß kein gesundheitliches Risiko mehr für die 86-Jährige bestehe.

Abtreibung: Aus Furcht vor Demonstrationen wird die Firma Hoechst Russel in Kanada das Abtreibungsmittel RU 486 vorläufig nicht produzieren. Nur falls das Gesundheitsministerium den Auftrag zur Herstellung erteile, soll mit der Produktion begonnen werden.

Wohnraumbeschaffung: Katholische Institutionen in den USA werden fast 70 000 Wohneinheiten sponsern. Sie sind vor allem für die finanziell Schwachen gedacht. Auch Altenheime sind geplant.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (26. September bis 2. Oktober):

Donnerstag: Kreuzfeuer - Kirche wo es kritisch wird. Thema spezial: Israel. (Mit einem Exkluxiv-Interview mit Shimon Peres über den Fortgang des Friedensprozesses, den Status von Jerusalem und einen möglichen Papstbesuch in Israel zum Jahr 2000. Außerdem Fragen an Yassir Arafat zum Status von Jerusalem und der vatikanischen Position. Als Gast im Studio: Vater Abt Lindemann von der Dormitio-Abtei in Jerusalem)

Freitag: Prisma. GEPLANTE BEITRÄGE: Die Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz ist zu Ende: Resultate und Pläne.

Samstag: Kommentar der Woche von Pater Herbert Schneider und eine Meditation über den Patriarchen Abraham von Pater Bernhard Häring.

Sonntag: Aktenzeichen Jakob Gapp - Wer Hitler durchschaute, wurde einsam und gehetzt

Montag: Weltkirchenmagazin. GEPLANTE BEITRÄGE:

Dienstag: Radioakademie: Begegnung mit dem unbekannten Gott. Von Birgitta Eßler. (Unsere begrenzte Gottesvorstellung preßt Gott in eine Schablone, die kaum die Möglichkeit läßt, uns auf ihn einzulassen. Aber Gott ist tatsächlich der Andere, der unsere Vorstellungen übersteigt. Umso mehr müssen wir uns wundern, daß er uns die Gelegenheit gibt, ihm immer wieder zu begegnen, ihn zu erfahren und zu erkennen.)

Mittwoch: Römische Woche. GEPLANTE BEITRÄGE:

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Redaktion: Ruthild Kropp
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