(vom 17. bis 19. September 1996)

Vatikan:

Frankreichreise: Am Donnerstag ist Papst Johannes Paul II. zu seiner 74. Auslandsreise aufgebrochen. Sie führte ihn zunächst nach Tours, wo er die Anwesenden zur Solidarität mit den Armen und den Ausgegrenzten aufrief. Außerdem betonte er die große Tradition der Solidarität und Brüderlichkeit in Frankreich. Am Nachmittag flog der Papst in das Städtchen Saint-Laurent-sur-Sèvre.

Sicherheit: Die Sicherheit Europas kann nicht dauerhaft auf einem bewaffneten Frieden aufgebaut werden. Das erklärte Papst Johannes Paul II. am Dienstag vor Teilnehmern eines Kurses der westeuropäischen Verteidigungsgemeinschaft WEU. Ohne Konsens über ein Modell des gesellschaftlichen Zusammenlebens sei Europas Sicherheit nicht denkbar.

Operation: Nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur afp soll der Papst am 6. Oktober operiert werden. Das wurde am Mittwoch bekannt. Er soll fast eine Woche im Krankenhaus bleiben. Ein Tumor sei ausgeschlossen, sagte sein Chirurg Francesco Crucitti.

Krisengebiete:

Leiche gefunden: Am Dienstag wurde in Burundi des ermordeten Erzbischofs von Gitega, Joachim Ruhuna, in einer Messe gedacht. Seine Leiche wurde in der darauffolgenden Nacht etwa 3 Kilometer vom Ort des Mordanschlags von Soldaten entdeckt. Die Beerdigung wird derzeit vorbereitet. Wie weiter bekannt wurde, ist für die Freilassung der vier verschleppten Überlebenden ein Lösegeld von umgerechnet rund 100 Mark bezahlt worden. (kna)

Heiliger Krieg: In Algerien hat eine Splittergruppe der Islamischen Heilsfront, genannt AIS, zur Fortsetzung des Heiligen Krieges aufgerufen. In einem Kommuniqué verneint die AIS jedoch jede Beteiligung an terroristischen Akten und fordert die Islamische Heilsfront auf, dem bewaffneten Kampf zu entsagen.

Caritas: Im Osten Zaires, in der Stadt Uvira, hat die Caritas ihre Arbeit wieder aufgenommen. Zuvor waren 2 Schwestern aus dem Militärgewahrsam entlassen worden, mehrere Priester befinden sich jedoch noch immer in Haft. De Caritas kümmert sich in Uvira um die etwa 200.000 ruandischen und burundischen Flüchtlinge, die sich zur Zeit dort aufhalten.

Vertreibung: Der Bischof des pakistanischen Faisalabad, John Joseph, hat jetzt beim Chefminister der Provinz Punjab protestiert. Fundamentalistische Moslems in der Stadt Chunian versucht, christliche Bewohner zu vertreiben, die seit Generationen dort ansässig sind. Die pakistanischen muslimischen Behörden seien bis jetzt untätig gewesen. (kna)

Friedensverhandlungen: Im nordirischen Belfast wurden am Montag die Friedensverhandlungen zwischen katholischen und protestantischen Politikern wieder aufgenommen. Die Situation hatte sich zuletzt durch Demonstrationen wieder zugespitzt. Ein Katholik war von unbekannten Tätern erschossen worden.

Todesurteile: In Kenia wurden in der ersten Hälfte dieses Jahres im Durchschnitt jeden Monat 6 Personen zum Tode durch den Strang verurteilt. Das teilte eine private kenianische Menschenrechtsgruppe am Dienstag mit. Sie erklärte, daß sie eine starke Zunahme von Menschenrechtsverletzungen in dem afrikanischen Land festgestellt habe.

Frieden?: Der guatemaltekische Präsident Alvaro Arzù rechnet mit der Unterzeichnung eines Friedensvertrages in den kommenden Wochen. Das erklärte er jetzt gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur efe. Eigentlich war bereits am Wochenende mit einem solchen Friedensschluß gerechnet worden. Am Sonntag feierte das Land seinen Unabhängigkeitstag.

Schießerei: Bei Schießereien zwischen Fundamentalisten und Sicherheitskräften sind am Montag in der ägyptischen Provinz Assiut mindestens 3 Menschen getötet worden. Assiut, die Hochburg des islamischen Fundamentalismus, war in den letzten Tagen einmal mehr Schauplatz von Zusammenstößen, bei denen insgesamt 9 Menschen ums Leben kamen.

Kirche:

Zölibat: Die Debatte um den Pflichtzölibat für Priester sollte entkrampft werden. Dafür hat sich in England der Erzbischof von Westminster, Kardinal Basil Hume, ausgesprochen. Das Zölibat sei ein Kirchengesetz, das jeder Papst ändern könne, erklärte er am Dienstag. Seine Worte waren eine Reaktion auf den Fall des schottischen Bischofs Roderick Wright, der am Montag seinen Rücktritt angekündigt hatte, weil er heiraten will.

Rassenhaß: Die französische Bischofskonferenz hat den Leiter des "Front National", Jean Marie Le Pen, wegen seiner aktiven Anstiftung zum Rassenhaß verurteilt. Die rassistischen Hetzereien des rechtsextremen Le Pen seien eine Beleidigung der Franzosen, deren Identität sich auf Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gründe. - Nach eigenen Angaben will Le Pen auch an der bevorstehenden Papstmesse in Reims teilnehmen. Er sei als Abgeordneter des Europaparlaments dazu eingeladen. Kirchenvertreter ließen jedoch mitteilen, daß auf der Ehrentribüne kein Platz für ihn vorgesehen sei.

Korruption: Die katholischen Bischöfe Malawis haben die Regierung der Korruption beschuldigt. Das schrieben sie in einem Pastoralbrief, der am Dienstag der Nachrichtenagentur afp zukam. Es ist das erste Mal, daß sich die Kirche gegen die Regierung von Präsident Bakili Muluzi wendet, seit diese im Jahr 1994 gewählt worden ist. An der Zerrüttung der zuvor herrschenden Diktatur waren auch die malawischen Bischöfe durch öffentliche Kritik beteiligt gewesen.

Vereinigung: Ein chinesischer Untergrundbischof fordert eine Vereinigung mit der regimetreuen patriotischen Kirche. Das steht in einem Brief, den der Bischof von Jilin, Andrew Han Yingtao, nach eigenen Angaben an romtreue und an regieme-abhängige Bischöfe geschickt hat. Antworten seien bislang noch nicht eingegangen, dafür aber habe er dreimal Besuch von Staatsvertretern erhalten.

Selbstkritik: Der Bischof der argentinischen Stadt Moròn, Justo Laguna, übt Selbstkritik wegen seiner Rolle unter der Militärdiktatur. Als Vorsitzender der bischöflichen Kommission für Menschenrechte habe er viel zu wenig getan, erklärte er in einem Buch, das am Montag in ersten Auszügen veröffentlicht wurde. Er habe nicht wie andere gekämpft, um Dissidenten zu helfen, die das Militär-Regime verschwinden ließ.

Geburtstag: Am Dienstag wurde der Erzbischof von Paris, Kardinal Jean Marie Lustiger, 70 Jahre alt. Der frühere Studentenseelsorger ist seit 15 Jahren Erzbischof der französischen Hauptstadt und seit 13 Jahren Kardinal. Von Biographen wurde er einmal als "Bulldozer" beschrieben - eine Würdigung seiner Autorität.

Deutschland:

Bosnienflüchtlinge: Caritaspräsident Hellmut Puschmann hat die Innenministerkonferenz aufgefordert, von der vorgesehenen Abschiebung der Bosnienflüchtlinge am 1. Oktober abzusehen. In den vergangenen Monaten habe es sich gezeigt, daß der von der Konferenz beschlossene, zweistufige Rückkehr-Zeitplan nicht eingehalten werden könne, heißt es im Schreiben Puschmanns. - Am Mittwoch appelierten die Vereinten Nationen und Amnesty international ebenfalls an die Innenministerkonferenz, sich vorerst auf die freiwillige Rückkehr bosnischer Flüchtlinge zu konzentrieren.(kna)

Verunglimpfung: Gegen die Verunglimpfung von Glaubensinhalten und Symbolen in den Medien will die evangelische Kirche verstärkt aktiv werden. Die Kampagne soll sich zugleich auch gegen den Mißbrauch religiöser Symbole in der Werbung richten. Bisherige Schritte hätten von Eingaben beim Presseamt bis zur Erstattung von Strafanzeigen gereicht, teilte jetzt das zuständige Kirchenamt mit. (kna)

Keine Verfolgung: Vietnamesischen Katholiken droht nach Ansicht des Hessischen Verwaltungsgerichtes bei einer Rückkehr in ihre Heimat keine Verfolgung aus religiösen Gründen. In dem am Dienstag veröffentlichten Urteil wird aber eingeräumt, daß es staatliche Eingriffe bei der Zulassung von Priestern und Bischöfen gebe. Dies führe aber zu keiner unmittelbaren Behinderung der Religionsausübung in Vietnam. (kna)

Kirchenasyl: Der Münchner Erzbischof, Kardinal Friedrich Wetter, rechnet nicht damit, daß weitere Kirchenasyle in Bayern durch die Polizei geräumt werden. Die bestehenden Zustände dürften jedoch kein Dauerzustand sein, erklärte er am Donnerstag zum Abschluß der Herbstvollversammlung der Freisinger Bischofskonferenz. (kna)

Weitere Meldungen:

Gebetswache: Zum Auftakt der 51. Beratungssaison der UNO hat in New York eine Gebetswache stattgefunden. Dabei rief der Erzbischof der Stadt, Kardinal John O`Connor, die Verantwortlichen auf, weiterhin die weltweite Verpflichtung der Vereinten Nationen zu fördern.

Ehrenbürgerwürde: Das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten hat am Dienstag über die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Mutter Teresa abgestimmt. Der Antrag wurde ohne Gegenstimme angenommen.

Pardon: Der französische Armenpriester Abbé Pierre hat am Donnerstag eine Mini-CD mit dem Titel "Das große Pardon" herausgegeben. Damit will der Priester nach eigenen Angaben für ein "planetarisches Bewußtsein ohne alle Nationalismen werben" und sich endgültig von seinen umstrittenen Äußerungen zum Holocaust distanzieren. (kna)

Kulturerbe: 12 Jahre nach der Unterzeichnung des Konkordates sind in Italien Kirche und Staat jetzt über den Schutz der kirchlichen Kulturgüter übereingekommen. Das vom Vorsitzenden der italienischen Bischofskonferenz unterzeichntete Protokoll sieht künftig gemeinsame Gremien und gemischte Finanzierungen für den Erhalt des Kulturgutes vor. (kna)

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (19. bis 25. September):

Donnerstag: Mit dem Papst in Frankreich. 1500 Jahre seit der Taufe des Frankenkönigs Chlodwig.

Freitag: Mit dem Papst in Frankreich.

Samstag: Mit dem Papst in Frankreich.

Sonntag: Mit dem Papst in Frankreich.

Montag: Weltkirchenmagazin. GEPLANTE BEITRÄGE:

Dienstag: Radioakademie: Das Jahr 2000 und der Glaube an Jesus Christus. Teil IV. Von Pater Eberhard Gemmingen.

Mittwoch: Römische Woche.

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