vom 06. bis 09. September

Vatikan:

Einladung: Vertreter der Demokratischen Partei Kurdistans haben Papst Johannes Paul II. zu einem Besuch im Nordirak eingeladen. Eine Visite des Papstes würde mit Sicherheit einen Wendepunkt für das kurdische Volk bedeuten, erklärten sie gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur ansa.

Ermahnung: Der Sekretär der vatikanischen Glaubenskongregation soll Pressemeldungen zufolge die chilenischen Bischöfe ermahnt haben, das Ehescheidungsgesetz abzulehnen, weil es unmoralisch sei. Chile ist eines der letzten Länder der Erde, in denen es keine staatliche Ehescheidung gibt.

Papstreise:

Proteste: Rund anderthalb Wochen vor dem geplanten Besuch des Papstes in Frankreich mehren sich die Proteste. Sie kennen kaum noch Grenzen. Am Sonntag störten mehrere Demonstranten einen Gottesdienst und bewarfen die Priester. Ihr Anführer, ein Belgier, erklärte, er wolle so lange die Gottesdienste stören bis der Papst seinen Besuch absage.

Menschenrechte:

Kinderarbeit: Die Regierung Brasiliens hat am Freitag beschlossen, eine Offensive gegen Kinderarbeit zu starten. Durch Zahlungen an die Familien soll erreicht werden, daß die Minderjährigen von ihren Arbeitsplätzen zur Schule zurückkehren. Rund 3,5 Millionen Kinder müssen in Brasilien in Fabriken, Minen und auf den Feldern arbeiten.

Anklage: In den Vereinigten Staaten bewegt ein Rechtsstreit die Gemüter. Eine Alkoholikerin ist des versuchten Mordes an ihrem ungeborenen Kind angeklagt worden, weil sie auch während der Schwangerschaft getrunken hat. Das Kind, das vor 6 Monaten mit einem hohen Alkoholgehalt im Blut geboren wurde, zeigt nach Auskunft der Ärzte Anzeichen einer verlangsamten Entwicklung. Die Mutter muß mit einer Gefängnisstrafe von bis zu 50 Jahren rechnen.

Abgelehnt: Der Vorsitzende der südafrikanischen Wahrheitskommission, Erzbischof Desmond Tutu, hat erstmals eine Amnestie für Mörder abgelehnt. Diese hatten behauptet, die Morde im Kampf gegen die Apartheid begangen zu haben. Tutu erklärte, daß die Gewalttaten in keinem politischen Zusammenhang gestanden hätten.

Euthanasie: Auch nach der Bestätigung des Euthanasiegesetzes durch ein regionales Gericht in den australischen Northern Territories ist die Diskussion noch nicht vorbei. Nachdem ein Politiker einen privaten Gesetzesentwurf eingereicht hat, der sich gegen die Euthanasie wendet, berät nun das Parlament über das Problem. Die Regierung Australiens hat jedoch nur die Macht, ein Gesetz, das in 2 Staaten besteht, zu überstimmen. Die neue Euthanasiebestimmung wurde jedoch für 6 Territorien verabschiedet.

Asyl: Kardinal Basil Hume hat die britische Asylpolitik kritisiert. Der Umgang mit Flüchtlingen sei bezeichnend für den moralischen Zustand der Gesellschaft, erklärte der Erzbischof von Westminster am Samstag in London. (kna)

Recht auf Bildung: Anläßlich des Weltbildungstags, der am Sonntag aufgrund eines UNO-Beschlusses begangen wurde, hat Caritas International daran erinnert, daß Flüchtlingskinder ein besonderes Recht auf Bildung besäßen. Vor allem aber gebe es in Flüchtlingslagern besondere Chancen, die Kinder zu unterrichten.

Krisengebiete:

Frieden: Die guatemaltekische Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchu ist am Freitag mit Vertretern des bischöflichen Hilfswerkes Adveniat zusammengetroffen. Bei der Begegnung betonte sie, daß erstmals seit Jahrzehnten Hoffnung auf Frieden für ihr Land bestehe. Die Verhandlungen zwischen der Regierung und der "Nationalen Revolutionären Union Guatemalas" hätten einen positiven Verlauf genommen und es stünde die Unterzeichnung von Verträgen bevor.

Kirche:

Erkrankt: Der frühere Augsburger Erzbischof Josef Stimpfle befindet sich seit Samstag in kritischem Gesundheitszustand. Während seines Urlaubs in der Schweiz habe der achzigjährige eine Gehirnblutung erlitten, teilte das Ordinariat in Augsburg mit. Auch am Montag hatte Stimpfle das Bewußtsein noch nicht wiedererlangt. (kna)

Ehrung: Dem Erzbischof von Chicago, Kardinal Joseph Bernardin, ist die Freiheitsmedaille der Vereinigten Staaten zuerkannt worden. Wie am Freitag bekannt wurde, erhält Bernardin diese höchste Auszeichnung der USA für seinen Einsatz im Kampf gegen die Armut und seine Bemühungen um die Versöhnung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen. (kna)

Frauenrechte: Führende österreichische Theologen haben am Montag vor der Bischofskonferenz mehr Rechte für Frauen in der Kirche und eine Lockerung des Pflichtzölibats gefordert. Es muß alles getan werden, damit Frauen an kirchlichen Entscheidungsprozessen beteiligt werden, heißt es in einem in Wien vorgestellten Papier. (kna)

Übernahme: Die Nationalkonferenz der katholischen Priester von England und Wales hat die Übernahme verheirateter anglikanischer Priester, die konvertiert sind, begrüßt. In einer Erklärung sprach man sich auch wiederholt für die Freiwilligkeit des Zölibats aus. In dem Dokument wird die Autorität von Papst und Bischöfen ausdrücklich anerkannt, gleichzeitig aber unterstrichen, daß es zur Zölibatsfrage keine "endgültigen doktrinären Aussagen" geben könne. (kna)

Zurückgetreten: Der Leiter des mexikanischen Wallfahrtsorts der Jungfrau von Guadaloupe, Guillermo Schulemburg, ist von seinem Posten zurückgetreten. Das gab die katholische Kirche des Landes am Freitag bekannt - nannte jedoch keine Gründe für den Schritt des 8ojährigen. Schulemburg war vor einigen Monaten ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil er die Erscheinung Mariens vor dem Indianerjungen Juan Diego als "symbolische Legende" bezeichnet hatte.

Wiedereröffnung: Am Donnerstag haben rund 7.000 Menschen in der ungarischen Hauptstadt an der Wiedereröffnung der größten Synagoge Europas teilgenommen. Sie war im 2. Weltkrieg durch Bomben zerstört worden. Unter den Ehrengästen war auch der ehemalige israelische Premierminister Yitzhak Shamir, der eine Grußbotschaft seines Amtsnachfolgers Benjamin Netanyahu überbrachte.

Deutschland:

Embryonen: Gegen ein Forschungsvorhaben mit abgetriebenen Embryonen hat der Behindertenbeauftragte des Landes Niedersachsen, Karl Finke, protestiert. Die bereits von der Ethik-Kommission der Medizinischen Hochschule Hannover genehmigte Behandlungsmethode sieht vor, Hirngewebe abgetriebener Embryonen auf Parkinson-Kranke zu übertragen. Finke sieht dadurch die Embryonen zu "Ersatzteillagern" und die abtreibenden Frauen zu "Rohstofflieferantinnen" degradiert. (kna)

Spendenkritik: Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat sich von den Grünen distanziert. Die Partei hatte eine Spendenaktion der Katholiken des Erzbistums Paderborn für den Bau einer Kirche in Rom kritisiert. Es sei nicht Aufgabe der Landesregierung, die Verwendung von Spendenmitteln der Kirche auf irgendeine Weise zu bewerten oder gar zu beeinflussen, erklärte Sozialminister Axel Horstmann. (kna)

Überprüfung: Die "Christdemokraten für das Leben" haben am Sonntag eine Überprüfung der Pro-Familia-Beratungsstellen gefordert. Der Bundesvorstand der politischen Gruppe stelle in einer Erklärung fest, es beständen erhebliche Zweifel, ob sich Pro Familia an die Vorschriften der neuen Beratungsgesetze halte. (kna)

Kritik: Die Menschenrechtsorganisation "Pro Asyl" hat die Verhaftung eines Mannes aus Togo aus dem Kirchenasyl im bayerischen Wunsiedel kritisiert. Ihr Sprecher Heiko Kaufmann bezeichnete das Vorgehen "bayerisches Muskelspiel eines autoritären Obrigkeitsstaates". Dieser verliere den Respekt vor der Gewissensentscheidung seiner Bürger und die Achtung vor gefährdeten Menschen. Die Handlung sei schamlos und skrupellos, so Kaufmann. (kna)

Geschlechterkampf: Medienbischof Hermann Josef Spital hat am Freitag die Frauenbewegung vor einem "Geschlechterkampf" gewarnt. In Bonn wandte er sich vor Journalisten gegen die Auffassung, Frauen müßten die Vorherrschaft übernehmen. Zugleich verurteilte er die Zurückdrängung der Frauen auf eine innerhäusliche Rolle sowie die reine Dotierung der "Berufsarbeit". (kna)

Weitere Meldungen:

Konferenz: Die umstrittene Islamistenkonferenz, die in Großbritannien stattfinden sollte und dann abgesagt wurde, soll nun doch abgehalten werden. Das haben die Organisatoren am Samstag bekanntgegeben. Geplant sind lose Vortragsveranstaltungen an sieben englischen Orten.

Ausgeraubt: Eine Adveniat-Delegation, die sich zur Zeit in Guatemala befindet, ist ausgeraubt worden. Personen kamen nicht zu Schaden. Weihbischof Franz Grave, der zu der Delegation gehört, erklärte anschließend, dieser Überfall verbinde Adveniat noch mehr mit Lateinamerika und Guatemala, wo die Menschen viel Schlimmes erleben müßten. (kna)

Protestiert: Im ungarischen Budapest haben am Donnerstag abend etwa 10.000 Menschen gegen den ungarisch-rumänischen Freundschaftsvertrag protestiert. In dem Papier würde, nach Aussage der Demonstranten, die ungarische Minderheit nicht in ausreichender Weise berücksichtigt. (kna)

Entlassen: Am Freitag wurde Mutter Teresa aus dem Krankenhaus entlassen. Sie begab sich sofort in den indischen Hauptsitz ihres Ordens, obwohl die Ärzte sie gerne noch bis Samstag unter Beobachtung in einem Pflegeheim gesehen hätten. "Gott wird sich um mich kümmern," sagte Mutter Teresa zu ihren Ärzten und: "Ich habe noch viel Arbeit vor mir."

Todesstrafe: In Belgien werden nach der neuerlichen Entdeckung zweier Leichen die Rufe nach Wiedereinführung der Todesstrafe lauter. Der Brüsseler Kardinal, Gotfried Daneels, sprach sich gegen diese Forderungen aus. Eine derart entwickelte Gesellschaft wie die belgische müsse in der Lage sein, Verbrechen auf andere Art und Weise zu ahnden.

Filme: Die katholische Filmorganisation OCIC hat am Samstag beim Filmfestival in Venedig ihre Preise vergeben. In diesem Jahr sind 2 Filme die Preisträger: Die amerikanische Produktion "The Funeral", in der eine Familie sich mit Gewalt auseinandersetzen muß, und der französische Streifen "Ponette", der zeigt wie ein vierjähriges Mädchen den Tod seiner Mutter verarbeitet. (kna)

Ein Kommentar zur Ungarnreise des Papstes von Pater Eberhard von Gemmingen SJ:

Der Aufmerksame Beobachter einer Papstreise kann sich am Ende einer solchen Unternehmung fragen: ist es nicht ein hoffnungsloses Bemühen, einem ganzen Volk sagen zu wollen, wo es nach dem Verständnis der katholischen Kirche lang gehen soll. Sind die Weichen nicht längst durch die kulturelle Entwicklung, durch Säkularisierung, Medien, Wirtschaft und Politik gestellt? Gleicht Johannes Paul II. nicht einem Sisiphus oder noch schlimmer einem Don Quichotte, der gegen Windmühlen-flügel kämpft und dabei nur den Kürzeren ziehen kann?

Selbstverständlich kommt dann sofort die Antwort: Jesus Christus und Franz von Assisi seien noch viel machtloser gewesen, hätten aber doch die Welt wesentlich geprägt. Freilich war ihre Mission-methode auch ganz anders: Sie wanderten von Dorf zu Dorf, ja von Haus zu Haus, versuchten diesen und jenen zu gewinnen, den großen geschichtlichen Erfolg überließen sie voll Vertrauen dem Vater im Himmel. Sind denn die Blitzreisen und die Reden vor Hundert-tausenden effizient und überhaupt christlich? Müßte man nicht mit den heutigen Medien noch viel effizienter auf die Menschen zugehen und den Glauben verkünden - oder im Gegenteil alle weltlichen Mittel der Beeinflussung fallen lassen und als Bettler - wie Jesus und Franz nur dem jeweiligen Nächsten vom Glauben Zeugnis geben. Mit einem Satz: haben Papstreisen einen Sinn und erreichen sie einen Zweck?

Ich meine ja, möchte aber dieses Ja doch noch differenzieren:

Nicht jeder Papst wird Pastoralreisen machen müssen. Der jetzige hat das Charisma dazu, warum soll er es nicht nutzen?

Die Papstreisen dürfen nicht getrennt von anderen pastoralen Maßnahmen gesehen werden. Die Kirche muß natürlich auch versuchen, den Glauben über die Medien zu verbreiten, sie muß auch Erziehungsarbeit in Kindergarten, Schule, Hochschule leisten, sie muß auch Pfarreien, Sozialzentren, Krankenhäuser und Altenheime führen. All dies ist ebenso Glaubenszeugnis wie eine Papstrede. Es wäre unmöglich, wenn eine Papstreise und -rede nicht getragen wäre von der Pastoralarbeit rundherum, sie wäre tönendes Erz und klingende Schelle. In dem Sinn lebt der Papst vom stillen, bescheidenen, alltäglichen Zeugnis jedes Gläubigen. Ohne dies wäre jenes nur leere Schelle. Und umgekehrt: jeder Getaufte, der nicht nach seinem Glauben lebt, verhindert den Erfolg einer Papstreise. So gesehen darf ich sie einladen, nicht nur Zuschauer zu sein bei Papstreisen, sondern Mitspieler.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (09. bis 15. September):

Montag: Weltkirchenmagazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Österreich: Mariazell und die Erneuerung der Kirche. - Medien in der brasilianischen Kirche. - Deutschland: Bischof Walter Kasper zum Dialog zwischen katholischer und lutherischer Kirche. - Kolumbien: Die Kirche und die "Woche für den Frieden".

Dienstag: Radioakademie: Das Jahr 2000 und der Glaube an Jesus Christus. Teil II. Von Pater Eberhard Gemmingen.

Mittwoch: Römische Woche. GEPLANTE BEITRÄGE: Padanien oder wie aus einem Italien zwei werden. - Das Papst-Auto unter dem Hammer.

Donnerstag: Kreuz des Südens SPEZIAL: GEPLANTE BEITRÄGE: Es-Präsident Nyerere von Tansania, Vermittler im Burundi-Konflikt, steht uns Rede und Antwort.

Freitag: Prisma-Magazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Aktuelles vom Katholischen Kongress aus Hildesheim.

Samstag: Der Kommentar der Woche von Herbert Schneider OFM und eine Meditation über den Patriarchen Abraham von Bernhard Häring

Sonntag: Sondersendung: Katholischer Kongress Hildesheim von Matthias Kopp.

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