vom 03. bis 05. September

Vatikan:

Lineamenta: Am Dienstag sind bei einer Pressekonferenz die vorbereitenden Papiere für die Sondersynoden des gesamtamerikanischen und des asiatischen Kontinentes vorgestellt worden. Die sogenannten "Lineamenta" für Amerika wurden bereits Anfang August - wir berichteten - veröffentlicht. Das Dokument für die Kirche Asiens fordert eine intensive innerkirchliche Erneuerung im Respekt vor den anderen Religionen. Dabei müsse die kulturelle und religiöse Vielfalt des Kontinentes berücktsichtigt bleiben. Das Papier betont die Teilhabe aller Menschen am sozi-ökonomischen Fortschritt. Die Kirche müsse ihrer Verpflichtung treu bleiben, sich für menschliche Entwicklung und Befreiung in allen Bereichen einzusetzen. Dazu gehöre auch der Kampf gegen Armut, Unterdrückung, Korruption und unzumutbare Formen der Auslandsverschuldung. In Asien habe die Kirche deshalb die Aufgabe, auch die Rechte der Frauen zu verteidigen. Das Synodensekretariat in Rom hofft bei der Vorbereitung des Treffens auf die Mitwirkung besonders chinesischer Bischöfe. Als möglichen Termin für die Konferenzen wurden am Dienstag die kommenden beiden Jahre genannt.

Migrantentag: Am Dienstag ist im Vatikan ebenfalls die Botschaft von Papst Johannes Paul II. zum Weltmigrantentag veröffentlicht worden, der im kommenden Jahr stattfindet. Darin fordert der Papst die Industrienationen auf, auch illegale Einwanderer menschenwürdig zu behandeln. Die Kirche befürworte einen rechtlich gesicherten Status samt Schutzgarantien für Einwanderer, heißt es weiter.

Besuch: Palästinenserpräsident Yassir Arafat hat am Donnerstag einen offiziellen Besuch im Vatikan gemacht. Dabei traf er zwar nicht den Papst, konnte aber ein ausführliches Gespräch mit Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano führen. Themen waren der weitere Verlauf des Friedensprozesses und eine Einigung auf Kooperation bei der Vorbereitung auf das Jahr 2000. Ein wichtiges Thema war dann die Jerusalemfrage, die für beide Seiten von großem Interesse ist. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstagabend im italienischen Außenministerium konnte die Deutsche Abteilung von Radio Vatikan Yassir Arafat fragen, wie seine Hoffnungen für den Status von Jerusalem aussehen. Arafat erklärte wörtlich: "Wir müssen für alle Religonen, Juden, Christen und Muslime, friedliche Lösungen finden. Rom ist die Hauptstadt zweier Staaten, Italiens und des Vatikans. Warum kann das nicht auch für Jerusalem gelten?"

Golfkrise: Der Apostolische Stuhl hofft auf eine internationale politische Lösung der neuen Golfkrise. Wie der Präfekt der Kongregation für die Ost-Kirchen, Kardinal Achille Silvestrini, gegenüber der Zeitung "Corriere della Sera" am Donnerstag erklärte, zeige er sich besorgt über die negativen Auswirkungen des Konfliktes auf die Zivilbevölkerung. Der Vatikan wolle vor einer offiziellen Stellungnahme die Entwicklungen der Krise abwarten, so Silvestrini.

Papstreisen:

Frankreich: Gedenkveranstaltungen anläßlich der Taufe des Frankenherrschers Chlodwig in Reims werden derzeit von Protestveranstaltungen begleitet. Der Erzbischof von Reims, Gerard Defois, wies gegenüber Radio Vatikan am Dienstag Kritik an den Feiern und dem Papstbesuch Ende September zurück. Der Pariser Erzbischof Kardinal Jean Marie Lustiger hat die Kritik im Vorfeld des Papstbesuches am Mittwoch scharf kritisiert. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur reuter erklärte Lustiger, er sei verletzt als Franzose und als Demokrat. Die Aufregung um den Besuch von Johannes Paul II. sei intolerant und fanatisch. Lustiger schäme sich für sein Land, das sonst immer bestrebt sei, sich selbst als kulturelle Hochburg darzustellen.

Menschenrechte:

Verhaftung: Im brasilianischen Erzbistum Paraiba ist ein Franziskanerpater zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt worden. Im wird der Einsatz für Landlose vorgeworfen. Das bischöfliche Hilfswerk Adveniat reagierte bereits entsetzt auf das Urteil, das ein Schlag ins Gesicht für alle Mitarbeiter der Kirche sei, so Adveniat-Geschäftsführer Dieter Spelthan.

Gleichberechtigung: Die Frauen Afghanistans haben die Vereinten Nationen aufgefordert, ihre Unterdrückung durch die islamischen Taliban-Milizen zu verurteilen. Diese untersagten Frauen und Mädchen ein Studium aufzunehmen oder in ihrem Beruf zu arbeiten.

Gesetz: Die Regierung Indiens hat beschlossen, ein umstrittenes Gesetz, das die finanzielle Versorgung von geschiedenen Frauen regeln soll, nicht in Kraft treten zu lassen. Grund für den Gesetzesvorschlag ist, daß nur muslimische Männer in Indien keine Alimente zahlen.

Religionsfreiheit: Der Bischof der pakistanischen Stadt Faisalabad, John Joseph, hat sich erneut für Demokratie und Religionsfreiheit eingesetzt. Auf einer Kundgebung erklärte der Bischof, daß er selbst, wie viele andere Christen und Muslime, unter Umständen bereit sei, sein Ziel mit dem Blut zu bezahlen.

Immigranten: Auch Spanien hat jetzt seine Immigrantenaffäre. 15 illegale Einwanderer konnten dank einer kleinen Erpressung abgeschoben werden. Der nigerianische Außenminister, der zu einem Arztbesuch nach Spanien kommen wollte, erhielt sein Visum nur gegen das Versprechen, einer Abschiebung der unerwünschten Afrikaner zuzustimmen.

Krisengebiete:

Neue Golfkrise: Nach Angaben der "Gesellschaft für Bedrohte Völker" sind am vergangenen Wochenende rund 5000 Zivilisten von der irakischen Armee verschleppt worden. Das berichtete die Gesellschaft am Donnerstag. Zugleich hat der "Ökumenische Rat der Kirchen" in Genf die Angriffe der USA auf den Irak verurteilt und ein sofortiges Ende der Kämpfe verlangt. Moralisch seien die Attacken in keine Weise vertretbar, so der Rat. (s. auch unter "Vatikan")

Friedensvertrag: Einen Tag nach der offiziellen Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen Regierung und muslimischen Rebellen auf den Philippinen, wächst der Unmut über das Abkommen. Rund 5000 Menschen - zumeist Christen - versammelten sich am Dienstag in Zamboanga, um gegen den Vertrag zu protestieren. Sie betonten dabei ihre Bereitschaft, die Erfüllung des Abkommens notfalls mit Waffengewalt zu verhindern. Präsident Fidel Ramos versprach den verarmten Südregionen am Donnerstag größere Zuweisungen in der Entwicklungshilfe.

Boykott: Die Zapatisten-Rebellen in Mexiko haben am Dienstag den erneuten Abbruch der Friedensverhandlungen mit der Regierung beschlossen. Noch immer habe man in Mexiko-City die Rechte der indigenen Chiapas-Bauern nicht anerkannt. Seit Donnerstag versucht Bischof Samuel Ruiz von San Cristobal die Verhandlungen wieder in Gang zu bringen.

Aufruf: Die Kirche bittet die Regierung von Mexiko um Milde bei der Niederschlagung einer neuen Rebellenbewegung im Süden des Landes. In einer Erklärung vom Dienstag zeigte die Bischofskonferenz zwar Verständnis für den Willen der Regierung, jetzt Recht und Ordnung wiederherzustellen. Es dürfe aber nicht zu einer diskriminierenden Repression kommen.

Wahlkampf: Der Erzbischof der nicaraguanischen Hauptstadt Managua, Kardinal Miguel Obando y Bravo, hat sich am Dienstag verhalten optimistisch zum laufenden Präsidentschaftswahlkampf geäußert. Auch wenn es noch keine Gewalt gegeben habe, sei der Wahlkampf doch noch weit von einem "Fest des Bürgerseins" entfernt, der er eigentlich sein sollte, so der Kardinal.

Bürgerkrieg: Der guatemaltekische Erzbischof Prospero del Barrio hofft auf ein Ende des Bürgerkrieges wenigstens noch vor Weihnachten. Wie er am Donnerstag erklärte, seien die Friedensgespräche bisher offen und ehrlich verlaufen, aber es müsse noch viel Arbeit geleistet werden.

Demonstrationen: In der sudanesischen Hauptstadt Karthoum ist es zu Wochenbeginn zu neuen Protesten gegen die Regierung gekommen. Grund sind die schlechten Lebensbedingungen, Erhöhung der Brotpreise und die Schließung einer Universität.

Versöhnungskonferenz: Am 14. und 15. September soll in Algerien eine nationale Versöhnungskonferenz stattfinden. Auf ihr will Präsident Liamin Zerual mit mehreren Parteien beraten, wie die Krise des Landes schrittweise beeendet werden kann. Wichtiger Gesprächspunkt: Die Vorbereitung auf die Parlamentswahlen Anfang 1997. Gleichzeitig hat am Donnerstag eine regierungsnahe Zeitung in Algier Großbritannien vorgeworfen, Angelpunkt des internationalen Terrorismus zu sein. Der Inselstaat sei unter dem Vorwand der Demokratie ein Zufluchtsort für terroristische Organisationen geworden.

Todesstrafe: Angesichts der nicht zu stoppenden Gewalt in Südafrika mehren sich die Stimmen für eine Wiedereinführung der Todesstrafe. Das Verbot aus dem Jahre 1990 solle revidiert werden. Unterdessen gab der Kongress am Dienstag bekannt, daß ab 16. September bei öffentlichen Veranstaltungen keine Waffen mehr getragen werden dürfen.

Kirche:

Anschlag I: Nach mehrere Wochen Ruhe ist jetzt im us-amerikanischen Bundesstaat Tennessee eine überwiegend von Weißen genutzt Kirche abgebrannt. Rassistische Hintergründe sind nicht auszuschließen.

Anschlag II: Wenige Wochen vor dem Papstbesuch in Frankreich ist am Dienstag in der Kirche Saint-Laurent-Sur-Serve eine Bombe entschärft worden. In der Basilika soll der Papst sich während seines Besuches zum Gebet aufhalten.

Hilfe: Die katholischen Bischöfe Großbritanniens wollen mehr Hilfe für sexuell ausgebeutete Kinder anbeiten. Dies geht aus einem jetzt veröffentlichten Bericht der Bischofskonferenz hervor.

Schuldbekenntnis: Nach Auffassung des Wiener Erzbischofs Christoph Schönborn, ist ein Schuldbekenntnis Voraussetzung für kirchliche Erneuerung. Das fordere auch der Papst in seinem Schreiben zur Jahrtausendwende, so Schönborn in einem Interview.

Wallfahrt: Bei der "Wallfahrt der Vielfalt" nach Mariazell am kommenden Wochenende sollen regional erarbeitete Themen im Vordergrund stehen. Die Kombination einer Wallfahrt mit Diskussionen sei etwas neues für Österreich so Verantwortliche der Kirche.

Mafia: Der Erzbischof des italienischen Palermo, Salvatore de Giorgi, hat die extreme Gewaltzunahme der Mafia verurteilt. Bei einem Gottesdienst am Mittwoch reif er zum Respekt vor dem Leben auf.

Priesterjubiläum: Der russisch-orthodoxe Patriarch von Moskau, Alexij II. hat am Dienstag sein 35jähriges Priesterjubiläum gefeiert.

Vorwurf: Die Bischofskonferenz in Indien hat die Regierung für die Tragödie im Himalaya verantwortlich gemacht, bei der in den vergangenen Tagen 190 Hindu-Pilger ums Lebens kamen. In einer gemeinsamen Erklärung schreiben die Bischöfe, daß eine bessere Infrastruktur die Katastrophe bei Schnee und schlechter Versorgung hätte verhindern können.

Mutter Teresa: Die 86jährige indische Ordensfrau kann möglicherweise schon am Samstag aus dem Krankenhaus entlassen werden, so die Ärzte am Donnerstag in Kalkutta.

Sextourismus: Der Kardinal der thailändischen Hauptstadt Bangkok, Michael Kitbunchu, hat den Sextourismus nach Südostasien scharf verurteilt. Bei einem Vortrag in Ludwigsburg machte er auf das wachsende Aids-Problem aufmerksam. In Thailand und Kambodscha habe die Kirche Aufklärungsprogramme starten können.

Militärseelsorge: In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires ist am Mittwoch der erste internationale Kongreß der Militärseelsorge eröffnet worden. Veranstaltet wird das Treffen von der vatikanischen Kongregation für die Bischöfe.

Wahlkritik: Die maronitischen Bischöfe des Libanons haben den bisherigen Verlauf der Parlamentswahlen scharf kritisiert. Die Ergebnisse der ersten drei Wahlgänge zeigten, daß das demokratische System an Boden verliere, so die Bischöfe.

Freispruch: Ein muslimischer Fundamentalist, der nach einem Attentat gegen christliche Bischöfe im Libanon 1993 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war, ist begnadigt worden. Staatspräsident Hari bezeichnete die Amenstie als "humanitären Akt".

Deutschland:

Journalisten: Der stellvertretende Chefredakteur der "Märkischen Zeitung", Lothar Mahrla, hat die Unkenntnis über Kirche und Religion bei vielen Journalisten vor allem in Ostdeutschland kritisiert. Beim Medienempfang des Erzbistums Berlin hob er hervor, daß das von der SED geprägte Kirchenfeindbild vielfach nach weiter wirke.

Abschiebung: Das beschleunigte Abschiebeverfahren nach Algerien stößt auf deutliche Kritik der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl. Es gebe noch gar kein Rücknahmeabkommen zwischen Deutschland und Algerien, kritisierte Pro Asyl am Dienstag in Frankfurt.

Kinderarbeit: Einen stärkeren Kampf gegen die Kinderarbeit in Indien und Pakistan hat die SPD gefordert. Die Entwicklungshilfe müsse noch mehr an die Verhinderung von Kinderarbeit gekoppelt werden, so die SPD-Bundestagsfraktion.

Weitere Meldungen:

Islamistenkonferenz: Drei Teilnehmern der für den 8. September im britschen London geplanten Islamistenkonferenz, ist die Einreise verweigert worden. Das Visa werde aus Gründen der nationalen Sicherheit nicht erteilt, erklärte am Dienstag ein Sprecher des Innenministeriums. Großbritannien hat derweil jegliche Kritik an der Zulassung der Konferenz zurückgewiesen. (s. auch Krisengebiete)

Maßnahmen: Die Europäische Union will in Hinblick auf die Kindermorde in Belgien neue Maßnahmen zur Überwindung von Kinderpornographie und Sex-Tourismus vorschlagen. Besonders wolle man dabei auch gegen "pädophile Wühlarbeit" im Internet vorgehen.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (5. bis 11.September):

Donnerstag: Jugendmagazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Ungarn vor dem Papstbesuch, was sich Jugendliche erhoffen. - Attraktiv: Auch im kommenden Semester gibt es einen Studiengang "Humanitäre Hilfe" an verschiedenen Universitäten. - Herausforderung: Der "rollende Pater" kommt zu den Leuten ins Haus, wenn sie nicht mehr in die Kirche wollen. - Sportlich: 30 Niederbayern joggten in einer Woche von Deutschland nach Rom. Ein Gespräch mit heraushängenden Zungen. - Außerdem: Tips, Ideen, Termine.

Freitag: Mit Papst Johannes Paul II. in Ungarn. Aktuelle Berichterstattung vom ersten Besuchstag.

Samstag: Mit Papst Johannes Paul II. in Ungarn. Aktuelle Berichterstattung vom zweiten Besuchstag. Außerdem: Um 20.30 Uhr Liveschaltung zum Rosenkranzgebet nach Pannonhalma.

Sonntag: Sondersendung: Nachlese zum Papstbesuch in Ungarn. Außerdem: Papstbotschaft zum Mediensonntag. - 75 Jahre Legio Mariens. - Erste Reaktionen von der Wallfahrt der Vielfalt nach Mariazell.

Montag: Weltkirchenmagazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Österreich: Mariazell und die Erneuerung der Kirche. - Medien in der brasilianischen Kirche.

Dienstag: Radioakademie: Das Jahr 2000 und der Glaube an Jesus Christus. Teil II. Von Pater Eberhard Gemmingen.

Mittwoch: Römische Woche.

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Redaktion: Ruthild Kropp, Matthias Kopp
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