vom 30.08. bis 02.09.

Vatikan:

Kinderschutz: Papst Johannes Paul II. hat am Freitag die Bischöfe Thailands zum Schutz vor jeder Form der sexuellen Ausbeutung von Kindern aufgerufen. Anläßlich des ad-Limina-Besuches der Bischöfe forderte der Papst zugleich einen besseren Schutz der Familie.

Kritik: Papst Johannes Paul II. hat das am Freitag in Polen vom Parlament verabschiedete neue Abtreibungsrecht scharf kritisiert. Beim Angelusgebet am Sonntag in der Sommerresidenz Castelgandolfo sagte der Papst zu den polnischen Pilgern wörtlich: "Trauer kommt auf, wenn wir sehen, wieviel unser Vaterlan im Zweiten Weltkrieg gelitten hat und das Drama der Tötung unschuldigen Lebens auch jetzt nicht endet. Ein Staat, der seine eigenen Kinder tötet, hat keine Zukunft", so Johannes Paul. Der neue Gesetzentwurf in Polen sieht vor, daß eine Abtreibung bis zu 12. Schwangerschaftswoche vorgenommen werden kann, wenn sich die Mutter in einer schwierigen persönlichen oder materiellen Situation befindet. Kirchenkreise in Polen haben am Wochenende und am Montag mit Schärfe auf das neue Gesetz reagiert. Wörtlich sagte der Bischof von Kielce, Kasimir Ryczan, in einer Predigt: "Unwürdige Abgeordnete, ich verneige mich vor euren Müttern, die euch das Leben geschenkt haben. Dabei wäre es besser für Polen gewesen, wenn sie wie ihr gedacht hätten."

Ostkirchen: Ebenfalls beim Angelusgebet am Sonntag, sprach der Papst seine Hoffnung aus, daß es zu einer baldigen Wiederannäherung zwischen den Ostkirchen und den Katholiken komme. Dazu könne auch sein Pastoralbesuch in Ungarn beitragen, der am kommenden Freitag beginnt. Johannes Paul verspricht sich wichtige Begegnungen, auch wenn es nicht zu dem erwarteten Treffen mit dem Moskauer Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche, Alexij II., komme.

Vorbehalte: Auch der Vatikan hat Vorbehalte gegen die für den 14. September geplanten Wahlen in Bosnien. Es bestehe die Gefahr, daß die Wahlen die ethnischen Säuberungen sanktionierten, warnte der Vatikanvertreter Monsignore Mario Zenari am Donnerstag vor der OSZE. Die Wahlen seien eine Etappe des Friedensprozesses, aber nicht seine Erfüllung.

Appell: Papst Johannes Paul II. hat die jüngsten Gewaltanschläge in Mexiko verurteilt und energisch zum Dialog aufgerufen. In einer überraschenden Botschaft, die bereits am Freitag vom Nuntius in Mexiko veröffentlicht wurde, vermutet der Papst soziale Gründe für die neue Terrorwelle.

Rücktritt ausgeschlossen: Der französische Kurienkardinal Francois Arreghi hat einen Artikel der Pariser Wochenzeitschrift "L Express" scharf zurückgewiesen. Darin wird über einen möglichen Rücktritt des Papstes wegen seiner gesundheitlichen Probleme spekuliert.

Stockholm-Konferenz gegen Kinderprostitution:

Auf der Weltkonferenz gegen die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern im schwedischen Stockholm, hat die Welt-Tourismus-Organisation WTO angekündigt, sie wolle gegen den Sextourismus vorgehen. Geplant sei eine eigene WTO-Einsatztruppe, die innerhalb der Branche Informationen über Kinderprostitution und Sextourismus sammeln solle, erklärte ein WTO-Sprecher am Freitag. Er räumte zugleich ein, daß sich seine Organisation bisher zu wenig um das Problem gekümmert habe. Ebenfalls am Freitag zogen die deutschen Vertreter eine positive Bilanz des Treffens. Die Öffentlichkeit in der Bundesrepublik sei jetzt in hohem Maße für die Rechte von Kindern sensibilisiert, so die Vorsitzende der Bundestags-Kinderkommission, Dorle Marx. In Schweden haben unterdessen mehr als 80 Nobelpreisträger die Staatengemeinschaft aufgerufen, dem sexuellen Mißbrauch von Kindern den Kampf anzusagen. Das Wohl der Minderjährigen dürfe nicht für wirtschaftliche und sexuelle Bedürfnisse von Erwachsenen geopfert werden. Nach Auffassung des Präsidenten des Päpstlichen Familienrates, Kardinal Lopez Trujillo, sollten sich gerade die Christen weltweit um die Probleme Kinderprostitution und Kinderpornographie kümmern. Dies schreibt Trujillo in einem Beitrag für die Vatikanzeitung Osservatore Romano, der am Samstag veröffentlicht wurde. Zum Abschluß der Konferenz betonte die schwedische Königin Silvia, daß das Treffen ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Ausrottung von Kinderhandel und -pornographie gewesen sei. Jetzt müsse man die Ergebnisse auf allen Ebenen möglichst rasch umsetzen, um die Effektivität von Stockholm zu garantieren, so Königin Silvia.

Menschenrechte:

Wahrheitskommission: Die südafrikanische Wahrheitskommission zur Aufklärung von Apartheidsverbrechen hat am Donnerstag erstmals die Begnadigung von zwei Häftlingen verfügt. Gleichzeitig beschloß das Parlament in Johannesburg ein neues Film- und Presserecht. Aus dem strengen Zensurgesetz der Apartheid wurden nur zwei Elemente übernommen: Das Verbot der Kinderpornographie und der Aufruf zu Hetzreden.

Forum: Ein internationales Treffen über die Menschenrechte in China hat am Freitag in der philippinischen Hauptstadt Manila begonnen. Die Teilnehmer forderten gleich zu Beginn, daß der Kultur der Unterdrückung in China endlich ein Ende bereitet werden müsse. Der weil wurde aus der Volksrepublik bekannt, daß allein in den vergangen vier Wochen fast 100 Muslime in den Ostprovinzen wegen illegaler religiöser Aktivitäten verhaftet wurden.

Immigranten: Die meisten illegalen Afrikaner in Frankreich wollen nicht, daß ihre Fälle vor Gericht verhandelt werden. Dies erklärten Sprecher am Sonntag. Sie wollen jetzt das weitere Vorgehen der Behörden abwarten, die die Immigranten nach dem Sturm auf die S. Bernard-Kirche in Vorbeugehaft genommen hatten.

Krisengebiete:

Freilassung: Nach anfänglicher Verwirrung wurde am Freitag endgültig bekannt, daß die sechs Ordensleute im Südsudan wirklich frei sind. Fünf von ihnen traten am Abend einen Flug nach Nairobi an, um sich von den Strapazen der mehr als zwei Wochen dauernden Entführung zu erholen.

Appell I: Die christlichen Kirchen Burundis haben die Nachbarstaaten aufgefordert, ihr Embargo zu überdenken. Ein solches würde kaum die Versöhnung unter den Burundesern fördern, noch bestrafe es die politisch Verantwortlichen.

Appell II: Die Bischöfe Ugandas haben sich erneut für eine politische Lösung des Konfliktes im Norden des Landes ausgesprochen. Das geht aus einer zum Wochenende veröffentlichten Erklärung hervor. Rebellen haben nach Agenturberichten in den nördlichen Regionen während der letzten 30 Tage 100 Grundschulkinder und 11 Lehrer getöet und rund 250 Schüler entführt.

Spannungen: Mit militärischen Massenaufgeboten hat Israel den Zugang mehrerer Tausend Palästinenser zur Jerusalemer al-Aksa-Moschee am Freitag verhindert. Man wollte damit den jüngsten Demonstrationsaufrufen Yassir Arafats entgegenwirken. Arafat und der lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, riefen am Samstag zu Gebeten der Palästinenser in der Jerusalemer Grabeskirche auf. Diesen folgten am Sonntag jedoch nur wenig über 100 christliche Palästinenser. Nur so könnten die Christen untereinander zusammenhalten, hieß es. Seit Sonntag werden vor jeder Schule in Israel Militärposten aufgestellt. Sie sollen mögliche Anschläge militanter Muslime verhindern, die vom israelischen Geheimdienst befürchtet werden. Ein erwartetes Gipfeltreffen zwischen Regierungschef Netanjahu und PLO-Chef Arafat kam am Montag in Jerusalem nicht zustande.

Friedensvertrag: Auf den Philippinen ist am Montag der Friedensvertrag zwischen Regierung und muslimischen Rebellen der Südprovinzen unterzeichnet worden. In der Region Mindanao soll demnach eine Übergangsregierung eingerichtet werden, die von Muslimen kontrolliert wird. Offen bleibt allerdings, wie die Christen auf den Südphilippinen diesen Vertrag hinnehmen werden. Sie fühlen sich von Staatschef Fidel Ramos verraten. Eine neue christliche Widerstandsgruppe hatte bereits am Wochenende erste Sprengstoffanschläge verübt.

Indigene: Vor erneuten Angriffen auf die Rechte indigener Völker hat der Indianermissionsrat in Brasilien am Freitag gewarnt. Der Nationalkongress berate in diesen Tagen über die Einrichtung sogenannter indigener Reservate, teilte der Rat mit.

Kirche:

Besserung: Mutter Teresa ist nach Auskunft der behandelnden Ärzte weiter auf dem Weg der Besserung. Trotz leichter Herzstörungen am Montag, sei eine Krankenhausentlassung noch in dieser Woche möglich, hieß es aus Kalkutta.

Mafia: Die Bischöfe Italiens haben die Kronzeugenregelung für ehemalige Mafia-Mitglieder kritisiert. Wie die katholische Tageszeitung "Avvenire" am Freitag berichtete, sei die Kirche der Auffassung, daß der Staat aufpassen müsse, welche Vergünstigungen man diesen Personen einräume.

"Lauterkeit": Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Johann Weber, setzt für die Zukunft der Kirche im Land auf "Lauterkeit". Im Rundfunk erklärte er jetzt, daß sich bei der bevorstehenden Wallfahrt der Vielfalt nach Mariazell besonders die Bischöfe mit Offenheit beteiligen sollten.

Krankheit: Kardinal Joseph Bernardin von Chicago in den USA hat Leberkrebs. Dies gab der Erzbischof am Wochenende vor Journalisten bekannt. Er rechne damit, nur noch ein Jahr zu leben, verstehe den Tod aber als Freund, so Bernardin wörtlich.

Ökumene I: Die anglikanische und lutherische Kirche Großbritanniens, der skandinavischen Länder und des Baltikums haben am Sonntag ihre gegenseitige Anerkennung im norwegischen Trondheim beschlossen. Es bestände jetzt eine volle Abendmahlgemeinschaft, hieß es.

Ökumene II: Am Wochenende haben in der Erzdiözese Brüssel-Mechelen die Gedenkveranstaltungen zum 75jährigen Bestehen des Dialogs zwischen Anglikanern und Katholiken stattgefunden. In einer Grußbotschaft ermunterte Papst Johannes Paul II. beide Seiten, den Dialog effektiv fortzusetzen.

Deutschland:

Nachdenklich: Kardinal Josef Ratzinger hat in der jüngsten Ausgabe des "Rheinischen Merkurs" (www.merkur.de) erklärt, die Kirche in Deutschland beschäftige sich zu viel mit sich selbst. Momentan sei die Situation so, daß die Kirche viele Gläubige gewinnen, aber auch verlieren könne. Jugendorganisationen und die Caritas müßten sich fragen lassen, ob sie bloße Vereine seien oder ob sie vom Glauben geleitet würden.

Schulen: Der Bischof von Dresden-Meißen, Joachim Reinelt, hat die Bedeutung der Schulen in freier Trägerschaft gewürdigt. Sie seien nicht Gnadenakte eines freundlichen Staates, sondern Konsequenzen des demokratischen Selbstverständnisses, so Reinelt bei der Einweihung eines katholischen Gymnasiums in Dresden am Samstag.

Medien: Der Trierer Bischof Hermann-Josef Spital hat am Sonntag an die Grenzen der neuen Kommunikationstechniken erinnert. Seelsorge dürfe deshalb nicht auf das persönliche Gespräch verzichten. Derweil hatte sich Bischof Karl Lehmann von Mainz zur Comuptermesse CeBit-Home nach Hannover via Internet zugeschaltet. Er nutzte die Gelegenheit, um der Beichte im Internet eine klare Absage zu erteilen. Am Montag erklärte der Intendant des "Mitteldeutschen Rundfunks", Udo Reiter, in einem Zeitungsbeitrag, daß die Kirchen einen wichtigen Platz in Hörfunk und Fersehen einnähmen.

Jugendpolitik: Der "Bund der deutschen katholischen Jugend" (BDKJ) hat sich für einen höheren Stellenwert der Jugendpolitik ausgesprochen. Das erklärte der Dachverband am Freitag nach einem Treffen mit SPD-Bundestags-Fraktionschef Rudolf Scharping. In diesem Punkt stimme der BDKJ mit der SPD überein, hieß es.

Scientology: Bayerns Innenminister Günther Beckstein hält ein Verbot der Scientology-Sekte für möglich. In einem am Wochenende veröffentlichten Interview hob er hervor, daß für einen solchen Schritt ausreichende Gründe vorliegen würden. Letztlich handele es sich aber um eine Frage für den Bundesinnenminister.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (02. bis 08. September):

Montag: Weltkirchen-Magazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Deutschland: Bischof Lehmann auf der CeBit-Home. - Philippinen: Aktuelles zur Unterzeichnung des Friedensvertrages. - Schweden: Nachlese zur Konferenz gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Ein Gesprächt mit Sr. Lea Ackermann (SOLWODI). - Portrait: An diesem Dienstag wird der Missionsbischof Emil Stehle 70 Jahre alt.

Dienstag: Radioakademie: Das Jahr 2000 und der Glaube an Jesus Christus - ein Beitrag von Eberhard Gemmingen SJ. Teil I.

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien. GEPLANTE BEITRÄGE: Ländervorstellung Ungarn anläßlich der Papstreise am 6.09. - Buch des Monats.

Donnerstag: Jugendmagazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Ungarn vor dem Papstbesuch, was sich Jugendliche erhoffen. - Attraktiv: Auch im kommenden Semester gibt es einen Studiengang "Humanitäre Hilfe" an verschiedenen Universitäten. - Herausforderung: Der "rollende Pater" kommt zu den Leuten ins Haus, wenn sie nicht mehr in die Kirche wollen. - Sportlich: 30 Niederbayern joggten in einer Woche von Deutschland nach Rom. Ein Gespräch mit heraushängenden Zungen. - Außerdem: Tips, Ideen, Termine.

Freitag: Mit Papst Johannes Paul II. in Ungarn. Aktuelle Berichterstattung vom ersten Besuchstag.

Samstag: Mit Papst Johannes Paul II. in Ungarn. Aktuelle Berichterstattung vom zweiten Besuchstag. Außerdem: Um 20.30 Uhr Liveschaltung zum Rosenkranzgebet nach Pannonhalma.

Sonntag: Sondersendung: Nachlese zum Papstbesuch in Ungarn. Außerdem: Papstbotschaft zum Mediensonntag. - 75 Jahre Legio Mariens.

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