vom 27. bis 29. August 1996

Vatikan:

Botschafter: Neuer Botschafter Österreichs am Vatikan wird der 61jährige Gustav Ortner. Das gab am Mittwoch daß Außenministerium in Wien bekannt. Ortner folgt in dem Amt Christoph Coronaro, der zum Jahreswechsel in den Ruhestand tritt.

Einladung: Katholische Kreise in Belgrad rechnen mit einer offiziellen serbischen Einladung an Papst Johannes Paul II. zu einem Besuch in der Hauptstadt. Der Erzbischof der Stadt, Franko Perko, glaubt, daß der Papst womöglich im Rahmen seines geplanten Sarajewo-Besuchs einen Abstecher nach Belgrad machen wird.

Seligsprechung: Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano hat sich am Mittwoch für eine baldige Seligsprechung von Papst Johannes XXIII. ausgesprochen. Er bete dafür, daß der schon 1974 begonnene Prozeß bald in seine Schlußphase treten möge. Gleichzeitig sprach sich Kardinal Sodano für die Einheit Italiens aus. Das Land brauche einen Föderalismus nach deutschem Vorbild, so Sodano.

Rehabilitierung: Der Theologe Hans Küng hofft auf eine Rehabilitierung durch den Vatikan. Das erklärte er zum Abschluß einer Ethik-Tagung in Assisi, wo sich Fachleute von Christentum und Islam aber auch Nichtglaubende aufhielten.

Stockholm-Konferenz gegen Kinderprostitution:

Am Dienstag hat im schwedischen Stockholm die erste Weltkonferenz gegen die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern begonnen. Das Treffen wird von der UNICEF veranstaltet und versammelt erstmals auch Nichtregierungs-Organisationen gleichberechtigt neben Politikern. Ziel des Kongresses ist, zu untersuchen, wie sich Kinderhandel, Kinderprostitution und Kinderpornographie zu stoppen lassen. In seiner Rede hat der Vatikandelegierte, Piero Monni am Mittwoch scharfe Kritik an der Passivität vieler Staaten angesichts des Problemfeldes der Kinderschändung geübt. Die internationale Gemeinschaft müsse effektive Maßnahmen zur Verbrechensbekämpfung zur Verfügung stellen. Pornographie, so Monni, müsse in jeder Form verboten werden. Wörtlich erklärte er: "Wir können nicht von Meinungsfreiheit sprechen, wenn Medien diesen Weg benutzen, der eine fürchterliche Form von Sklaventum fördert." Ebenfalls am Mittwoch warnte die Vorsitzende der Kinderkommission des Bundestages, Dorle Marx, davor, daß das Problem der Kinderprostitution bald auch Deutschland überrollen werde. Gerade in Osteuropa gebe es dagegen keine Gesetze. Bundesfamilienministerin Claudia Nolte forderte vor den Delegierten, Kinderschänder öffentlich beim Namen zu nennen. Der Gesellschaft müsse deutlich werden, daß sexueller Mißbrauch an Kindern kein Kavalliersdelikt sei. Am Mittwoch nahmen dann alle 130 in einer Deklaration ein Aktionsprogramm an. In dem Papier verpflichten sich die Staaten, schärfere Gesetze zu entwickeln, die Hersteller und HÄndler von Kinderpornographie bekämpfen. Auch müßten Maßnahmen ergriffen werden, die den Sextourismus unter schwere Strafe stellten. Zugleich soll die internationale Zusammenarbeit der Polizei verbessert werden.

Menschenrechte:

"Ohne Papiere": Der größte Teil der afrikanischen Immigranten aus der französischen Saint-Bernard-Kirche bleibt zunächst im Gewahrsam der Polizei. Sie müssen jetzt die Entscheidung des Gerichtes abwarten, das ihre Fälle einzeln prüft. Am Dienstag kritisierte Außenminister Hervé de Charette mehrere französischsprachige Länder Afrikas. Sie würden nicht genügend tun, um die Auswanderung einzudämmen. Mit Chartermaschinen wurden am Mittwochabend weitere 88 Immigranten in ihre Heimatländer ausgeflogen. Jedoch hatten sich verschiedene Fluggesellschaften geweigert, Maschinen zur Verfügung zu stellen.

Uiguren: Der chinesischen Regierung sind am Mittwoch erneut schwere Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Uiguren im Nordwesten des Landes vorgeworfen worden. Der chinesische Menschenrechtler Harry Wu und die "Gesellschaft für bedrohte Völker"erklärten in Göttingen, daß Peking 100.000 Milizionäre eingesetzt habe, um die rund 7 Millionen Uiguren mit Gewalt zu unterdrücken.

Rassismus: Im italienischen Livorno ist am Mittwoch das zweite Europäische Treffen gegen den Rassismus zuende gegangen. Juden, Muslime und Christen hatten sich versammelt, um über das Problem von Immigranten zu sprechen.

Krisengebiete:

Entführt: Die 3 australischen Ordensschwestern, zwei Ordensbrüder und ein Diözesanpriester, die im Sudan entführt worden sind, wurden am Mittwoch freigelassen. In den Tagen zuvor hatten Kirchenvertreter sowie australische und us-amerikanische Diplomaten intensiv mit den Rebellen verhandelt. Die Entführungsopfer sollen am Donnerstag für einige Tage nach Nairobi geflogen werden und kehren dann auf ihre Stationen zurück. Die Gründe für die Entführung durch die SPLA-Rebellen sind weiter unklar. Das Drama hatte bereits am 17. August begonnen. Wie die Comboni-Missionare am Donnerstag erklärten, wollen sie auch nach dem Entführungsfall weiter in der Krisenregion bleiben. Am Donnerstag wurde bekannt, daß sich die Rebellen für die Entführung entschuldigt hätten.

Flüchtlinge: Die Rückführung der ruandischen Flüchtlinge aus Burundi ist am Dienstag beendet worden. Das teilte das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen mit.

Verhandlungen: Die Vereinten Nationen wünschen rasche Friedensverhandlungen, um den Konflikt in Burundi zu beenden. Ein ernsthafter politischer Dialog mit allen Beteiligten sei dringend notwendig, so ein UNO-Vertreter am Mittwoch im burundischen Rundfunk. Derweil sind aus der Krisenregion neue Massaker gemeldet worden. In den vergangenen Tagen habe die von Tutsis dominierte Armee mindestens 77 Zivilisten ermordet, berichten Zeugen gegenüber Journalisten.

Friedensgespräche: Trotz neuer Zusammenstöße auf den Südphilippinen scheint der Unterzeichnung eines Friedensvertrages zwischen der Regierung und muslimischen Rebellen nichts mehr im Wege zu stehen. Am Mittwoch und Donnerstag konnten wichtige Einzelfragen bis hin zu einer Teilautonomie für die Muslime ausgehandelt werden. Die Unterzeichnung wird für kommenden Montag im indonesischen Djakarta erwartet.

Kirche:

Aufstieg: Die Gesundheit von Mutter Teresa geht bergauf. Mutter Teresa ist seit Mittwoch außer Lebensgefahr und möchte - nach eigenen Angaben - recht bald das Krankenhaus verlassen. Die künstliche Beatmung konnte eingestellt werden, berichten die verantwortlichen Ärzte im indischen Kalkutta.

Schließung: Der liberianische Rebellenführer Charles Taylor hat den Erzbischof von Monrovia, Michael Francis, gebeten, die katholischen Schulen des Landes vorerst nicht zu schließen. Francis hatte nach Presseberichten im vergangenen Juni die Schließung zahlreicher katholischer Einrichtungen angeordnet. Wie eine Caritas-Mitarbeiterin erklärte, handele es sich nur um soche Einrichtungen, die ständig von Rebellen überfallen würden.

Landarbeiter: Mehrere Kirchen in Brasilien haben die große Gewalt in ländlichen Gegenden und gegenüber Landarbeitern verurteilt. Dies geht aus einem Brief hervor, den der nationale Rat christlicher Kirchen an Präsident Cardoso gerichtet hat.

Abtreibung: Das Parlament in Polen hat den Weg zur Liberalisierung der Abtreibung geebnet. Das Parlament soll wahrscheinlich schon am Freitag über ein entsprechendes Gesetz abstimmen. Letzte Details werden in einer Spezialkommission an diesem Donnerstag geprüft. Die Abtreibung soll damit wesentlich erleichtert werden. Bereits zuvor hatte sich der Primas der katholischen Kirche, Kardinal Josef Glemp in die Debatte eingeschaltete. Wörtlicht erklärte er: "In der katholischen Kirche ist für Befürworter einer straffreien Abtreibung kein Platz."

130: Der Bischof des mexikanischen Tapachula, Felipe Arizmendi, hat die Regierung davor gewarnt, den Paragraphen 130 zu verändern, der das Staat-Kirche-Verhältnis regelt. Vor Einführung dieses Paragraphen vor wenigen Jahren sei Mexikos Verfassung bewußt antikirchlich und antiklerikal gewesen. Mexikanische Politiker sind beunruhigt über die immer häufigeren politischen Stellungnahmen der Bischöfe.

Anschlag: In Nordirland, im Norden Belfasts, ist eine katholische Kirche in der Nacht auf Dienstag durch einen Brandanschlag verwüstet worden. Dies ist, nach Angaben der Polizei, bereits der 20. Fall von Brandstiftung dieser Art seit Anfang des Sommers.

Deutschland:

Vorwurf: Die katholische Kirche hat der Gesellschaft für Familienplanung "Pro Familia" vorgeworfen, den Boden für Kindesmißbrauch zu bereiten. Dies geschehe durch die Verbreitung von pornographischem Material, erklärte am Donnerstag der Sekretär der Bischofskonferenz, Hans Langendörfer. Zur Zeit ermittelt deswegen die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen "Pro Familia".

Sorge: Keinen Anlaß zur Entwarnung in Tschetschenien sieht der Präsident des Deutschen Caritasverbands, Hellmut Puschmann. Der Konflikt könnte zu jeder wieder aufflammen, zumal der Winter in der Region bedrohlich werden könne, so Puschmann am Donnerstag in Freiburg.

Schule: Der Staat darf nach Ansicht des Dresdner Bischofs Joachim Reinelt nicht das Schulmonopol beanspruchen. Freie Schulen leisteten einen wesentlichen Beitrag für die Demokratie, so Reinelt am Donnerstag vor Journalisten.

Weitere Meldungen:

Zerstörung: 23 Fresken einer orthodoxen Kirche in Albanien sind von muslimischen Fundamentalisten zerstört worden. Eindringlinge hatten die Wandmalerein aus dem 13. Jh. vollständig ruiniert, hieß es am Donnerstag aus Tirana.

Islamistengipfel: Ägyptens Staatspräsident Hosni Mubarak hat am Donnestag erneut gegen den für den 8. September geplanten Islamistengipfel in Großbritannien protestiert. Wenn schon gegen den Terrorismus gekämpft werde, dürfe man keine neuen Möglichkeiten für radikale Muslime schaffen, so Mubarak. Die jüdische Gemeinde in London rief ebenfalls zum Protest gegen die Konferenz auf.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (29. August bis 04. September):

Donnerstag: Kreuz des Südens: GEPLANTE BEITRÄGE: Kolumbien: Erstes Interview mit dem neuen Chef der Bischofskonferenz. - Indonesien: Gejagter Jesuit. Bischof Kamphaus und ein Brief an Bundeskanzler Kohl. - Südafrika: De Klerk vor der Wahrheitskommission. - Philipinnen: Vor dem Friedensschluß zwischen Regierung und Rebellen, ein Bericht.

Freitag: Prisma - Facetten aus Politik, Gesellschaft und Religion. GEPLANTE BEITRÄGE: Stabwechsel beim Cusanuswerk, ein Interview mit der neuen Leiterin. - Die SPD und LER, ein Rückblick mit SPD-Mitglied Wolfgang Thierse. - Vatikan: Fleißige Jogger aus Niederbayern liefen nach Rom. - Deutschland: Schreinemakers und die Kirchensteuer, ein Einblick.

Samstag: Kommentar der Woche von Hanspeter Röthlin: Sonntragsbetrachtung von P. Andreas Simon MSF aus Biesdorf

Sonntag: Sondersendung: Der Papst in Paderborn. Dokumentation seiner wichtigsten Ansprachen.

Montag: Weltkirchen-Magazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Deutschland: Bischof Lehmann auf der CeBit. - Philippinen: Aktuelles zur Unterzeichnung des Friedensvertrages. - Österreich: Wallfahrt der Versöhnung nach Maria Zell läuft an. - Schweden: Nachlese zur Konferenz gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Ein Gesprächt mit Sr. Lea Ackermann (SOLWODI).

Dienstag: Radioakademie: Das Jahr 2000 und der Glaube an Jesus Christus - ein Beitrag von Eberhard Gemmingen SJ. Teil I.

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien. GEPLANTE BEITRÄGE: Ländervorstellung Ungarn anläßlich der Papstreise am 6.09. - Buch des Monats.

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