vom 20. bis 22. August 1996

Vatikan:

Ernennung: Papst Johannes Paul II. hat am Dienstag den Erzbischof von Denver, James Francis Stafford, zum neuen Präsident des päpstlichen Laienrates ernannt. Zugleich nahm der Papst das Rücktrittsgesuch von Kardinal Eduardo Pironio an und dankte ihm für seinen langjährigen Einsatz. Stafford hat inzwischen erklärt, daß er seine Arbeit ganz an den Ergebnissen des II. Vatikanischen Konzils ausrichten werde.

2. Amtszeit?: Kardinal Josef Ratzinger, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, schließt eine Verlängerung seiner Amtszeit durch Papst Johannes Paul II. nicht aus. Dies geht aus einem Interview hervor, das am Dienstag in der Passauer Kirchenzeitung veröffentlicht wurde. Ratzinger schränkte allerdings ein, daß er nicht noch einmal für eine komplette Amtszeit von 5 Jahren die Kraft aufbringen könne. (kna)

Aufforderung: Der Papst hat die Katholiken in Benin aufgefordert, zu Vorreitern beim Aufbau ihres Landes zu werden. Dies sagte er am Donnerstag gegenüber den Bischöfen des westafrikanischen Landes, die sich zur Zeit zu ihrem Ad-Limina-Besuch in Rom aufhalten. Der Papst warnte zugleich vor einem Rückfall in heidnische Praktiken sowie vor der Ausbreitung von Sekten.

Menschenrechte:

Sexuelle Ausbeutung: Der deutsche Bundesaußenminister Klaus Kinkel hat eine stärkere internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen gefordert. Bisher seien Deutsche, die im Ausland Kinder schändeten, nur vereinzelt angeklagt worden. Deshalb müsse die Zusammenarbeit mit ausländischen Justiz- und Polizeibehörden ausgebaut werden, so Kinkel. (kna)

Verurteilt: Nach dem Irak hat die UNO-Kommission zum Schutz von Minderheiten nun auch den Iran wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen verurteilt. Die Regierung in Teheran wird für eine steigende Zahl von Hinrichtungen, für Folter sowie die Ermordung von Oppositionellen im Ausland verantwortlich gemacht. (kna)

Hilfe: Die Regierung von Inguschetien hat die Caritas um Hilfe bei der Versorgung tschetschenischer Flüchtlinge gebeten. Das Land beherbergt nach Auskunft von Caritas international bereits rund 90.000 Flüchtlinge aus Tschetschenien. Nach dem neuesten Ultimatum der russischen Regierungstruppen setze ein Massenexodus aus der Region um die Hauptstadt Grosny ein. (kna)

Aufforderung: Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) sorgt sich um Zivilisten in Tschetschenien. Sie hat Bundeskanzler Helmut Kohl aufgefordert, sofort Kontakt mit dem russischen Präsidenten aufzunehmen. Das Leben von zehntausenden eingeschlossenen Zivilisten in Grosny stehe auf dem Spiel, wenn die russische Großoffensive beginne, so die GfbV am Mittwoch in Göttingen. (kna)

Hungerstreik: In der Auseinandersetzung zwischen der französischen Regierung und den Hungerstreikenden in der Pariser Saint-Bernard-Kirche zeichnete sich am Donnerstag ab, daß der Elysee-Palast höchstwahrscheinlich dem Druck nachgeben und einlenken wird. Innenminister Debré erklärte, daß er die Ausweisungsbefehle für die 300 afrikanischen Immigranten noch einmal Fall für Fall überprüfen werde. Inzwischen hat sich der Gesundheitszustand der Hungerstreikenden verschlechtert. Einer der 10 Afrikaner mußte am Dienstag in ein Hospital eingewiesen werden. Er soll sich jetzt außer Gefahr befinden.

Verhaftet: 19 Menschen sind in Birma verhaftet worden, weil sie sich mit indischen Anhängern der Demokratiebewegung verschworen haben sollen. Das berichtete am Donnerstag die offizielle Tageszeitung des Landes. Nach ihren Angaben wolle der indische Flügel der demokratischen Partei die Birmesen in "politischen Trotz trainieren". Außerdem sollte eine geheime Dissidentenzelle im Land eingerichtet werden.

Entschuldigung: Der frühere Staatspräsident Südafrikas, Willem de Klerk, hat sich am Mittwoch vor der Wahrheitskommission für die Verletzung von Menschenrechten entschuldigt. Er wisse um seine Verantwortung in den Jahren der Apartheid, sagte de Klerk vor dem Leiter der Kommission, Erzbischof Desmond Tutu.

Sicherheit: Die jüdische Bevölkerung im Iran sollte nach Israel in Sicherheit gebracht werden. Das hat die Knessetabgeordnete Naomi Blumenthal jetzt laut einem Zeitungsbericht gefordert. Hintergrund ist die Ermordung eines jüdischen Geschäftsmanns in Teheran. Nach Schätzungen leben im Iran 25.000 Juden. (kna)

Krisengebiete:

Massaker: Die Regierung Algeriens hat das Massaker an 63 Personen vom vergangenen Wochenende als "reine Erfindung der Presse" bezeichnet. Zugleich übte sie scharfe Kritik an der in London ansässigen arabischen Zeitung "Al-Hayat", die von dem Massaker berichtet hatte. Diese versuche, Algerien einseitig als Land des islamischen Fundamentalismus darzustellen. Internationale Beobachter halten das Massaker trotzdem nach wie vor für nicht ausgeschlossen.

Flucht: Mehr als 7.000 ruandische Hutuflüchtlinge sind am Montag aus Burundi in ihr Land zurückgekehrt. Das hat ein Sprecher des UN-Flüchtlingskommissariats gegenüber der Nachrichtenagentur reuter erklärt. Die Flüchtlinge fürchten um ihr Leben, wenn sie noch länger in Burundi blieben.

Hilfstransport: Nach wie vor ist Burundi von der Außenwelt abgeschnitten. Einzige Ausnahme ist ein Hilfstransport der Organisation "Ärzte ohne Grenzen", der am Donnerstag von Paris aus in Richtung Burundi gestartet ist. Mit den 25 Tonnen Medikamenten sei die medizinische Versorgung von rund einer Million Menschen für 3 Monate gesichert - so die Organisation.

Hoffnung: In Guatemala wächst die Hoffnung auf ein Ende des Bürgerkrieges. Mit Erleichterung nahmen am Montag zahlreiche Stellen die Ankündigung der Guerilleros auf, bis zum endgültigen Friedensvertrag die Waffen schweigen zu lassen.

Proteste: Im Süden der Philippinen ist es am Mittwoch zu Protestdemonstrationen gegen den neuen Friedensvertrag zwischen Regierung und muslimischen Rebellen gekommen. Die Demonstranten befürchten, daß das neue Abkommen den Muslimen im Südwesten des Landes zu große Freiheiten einräumt.

Kirche:

Treffen: Beim "Treffen der Freundschaft" in Rimini hat am Mittwoch der Oberrabbiner von Jerusalem erklärt, er könne sich ein baldiges Treffen mit Papst Johannes Paul II. in Israel vorstellen. Das werde wohl nicht mehr im kommenden Jahr möglich sein, vielleicht aber im Jubeljahr 2000.

Hirtenbrief: Die ungarischen Bischöfe haben am Mittwoch einen Hirtenbrief veröffentlicht. Er trägt den Titel: "Für eine gerechtere und brüderlichere Welt". Wenige Wochen vor dem Besuch des Papstes in Ungarn nehmen die Bischöfe damit ausführlich zur wirtschaftlichen und politischen Lage im Land Stellung.

Rolle der Frau: Die Bischofskonferenz Australiens will die Rolle der Frau in der Kirche stärken. Das teilte der Erzbischof von Sydney, Kardinal Edward Clancy, jetzt gegenüber Journalisten mit. Eine Kommission soll aus allen Pfarrgmeinden Stimmen zu diesem Thema einholen. Die Katholiken seien auch aufgefordert, Vorschläge einzureichen, wie die zukünftige Rolle der Frau in der Kirche aussehen könne, so Kardinal Clancy. (kna)

Deutschland:

Bosnienflüchtlinge (1): Der Baden-Württembergische Finanzminister, Gerhard Mayer-Vorfelder, hat sich strikt gegen die Idee von Außenminister Klaus Kinkel gewandt, Kirchen, Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbände an einen Tisch zu holen, um gemeinsam über die Rückführung von Bosnienflüchtlingen zu beraten. Dies sei ein "Akt der Hilflosigkeit", der als Debattierclub nur Unsummen verschlingen werde, so Mayer-Vorfelder. (kna)

Bosnienflüchtlinge (2): Die katholische Friedensbewegung Pax Christi hat die Äußerungen von Mayer-Vorfelder als "ignorante und zynische Haltung" bezeichnet. Der Minister fordere mit seinen Worten Krieg und Nationalismus auf dem Balkan und treibe einen Keil zwischen Deutsche und Ausländer. Viele Bosnier versuchten seit langem, in ihre Heimat zurückzureisen. Tausende hätten dies mit Erfolg getan, so der Sprecher von Pax Christi im Erzbistum Freiburg, Herbert Fröhlich. (kna)

Bosnienflüchtlinge (3): Die Haltung des Roten Kreuzes zur Rückführung der Flüchtlinge hat am Dienstag die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) kritisiert. In Göttingen warf die Organisation Rot-Kreuz-Chef Knut Ipsen vor, er trete offen für die Abschiebung von Einzelpersonen ohne Angehörige und von kinderlosen Ehepaaren ein. (kna)

Hildesheim: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, ZdK, hat am Donnerstag das offizielle Programm zum Hildesheimer Kongreß "Solidarität ist unteilbar" vorgestellt. Das Treffen soll nach Auffassung von Zdk-Generalsekretär Friedrich Kronenberg klare und unmißverständliche Signale der Solidarität geben. Im Unterschied zu Katholikentagen behandelt der erstmals veranstaltete Kongreß nur ein einziges Thema. (kna)

Frauenkirche: Erstmals nach ihrer Zerstörung im Jahre 1945 fand am Mittwoch wieder ein Gottesdienst in der Dresdner Frauenkirche statt. Rund 300 Gläubige nahmen an der Feier teil, darunter auch der Ministerpräsident von Sachsen, Kurt Biedenkopf. Am 13. Februar 1945 war die protestantische Barockkirche durch den Bombenhagel der Alliierten zerstört worden.

Weitere Meldungen:

Euthanasie: In Australien ist der Versuch gescheitert, das im Juli eingeführte Euthanasiegesetz der "Northern Territories" zu Fall zu bringen. Eine entsprechende Eingabe der Opposition wurde im Parlament des Gebietes nach einer vierstündigen Debatte abgelehnt. Das australische Euthanasiegesetz ist weltweit das erste dieser Art.

Pater Vermittler: Auf staatlichen Druck hin haben die Bischöfe Sardiniens dem Franziskaner Pinuccio Solina verboten, in Entführungsfällen weiterhin vermittelnd tätig zu sein. Der Pater ist unter dem Namen "Pater Vermittler" bekannt, weil er in mehr als 10 Entführungsfällen aktiv geworden war.

Mutter Theresa: Die Friedensnobelpreisträgerin befindet sich zur Zeit wegen Herzproblemen im Krankenhaus. Das bestätigte eine Klinik in Kalkutta am Donnerstag gegenüber Journalisten. Die 85jährige leide außerdem an leichtem Fieber und müsse künstlich beatmet werden. Ihr Zustand sei mehr oder weniger stabil und sie brauche viel Ruhe, so die Ärzte. (kna)

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der folgenden Woche (22. bis 28. August):

Donnerstag: Kreuz-Feuer. Kirche wo es kritisch wird Unser Thema: Die UNO nach ihren Konferenzen. Dazu als Studiogast: Mons. Diarmuid Martin, Sekretär des Päpstl. Rates Justitia et Pax. Während der Sendung sind wir über die Konferenzen im Gespräch mit dem ehemaligen Missio-Chef Bernd Kauth (Washington), der BDKJ-Vorsitzenden Karin Kortmann (Düsseldorf), unserem Kollegen Stefan Kempis (Kairo) und EXKLUSIV Bundesfamilienministerin Claudia Nolte (Bonn).

Freitag: Prisma - Facetten aus Politik, Gesellschaft und Religion. GEPLANTE BEITRÄGE: Schweden: Intl. Tagung gegen Kinderprostitution. Ein Gespräch mit SOLWODI-Leiterin Schwester Lea Ackermann. - USA: Paralympics, ein Hoffnungszeichen. - Italien: "Katholischer Katholikentag" in Rimini. Ein Bericht. - Frankreich: Der Fahrradpfarrer von Strasburg. Ein Portrait.

Samstag: Kommentar der Woche von Hanspeter Röthlin: Sonntragsbetrachtung von P. Andreas Simon MSF aus Biesdorf

Sonntag: Aktenzeichen Dante Alighieri: Der göttliche Komödiant von Aldo Parmeggiani

Montag: Weltkirchen-Magazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Vietnam: Bischof Franz Kamphaus über seine jüngste Ost-Asien-Reise. - Ägypten: Eindrücke unseres Kollegen Stefan Kempis nach einem vierwöchigen Aufenthalt in Kairo.

Dienstag: Radioakademie: Moses und seine Revolution - ein Beitrag von Aldo Parmeggiani. Teil IV.

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien. GEPLANTE BEITRÄGE: Assisi: Ethikkonferenz. - Musik in der Ewigen Stadt.

So können Sie uns erreichen:

Wir freuen uns über Resonanz auf unsere Internetseiten aber auch auf unser Radioprogramm. Bitte schreiben Sie uns. Unsere Internet-Adresse ist:

mc6778@mclink.it
Radio Vaticana
Redaktion: Ruthild Kropp
Sezione tedesca, I-00120 Città del Vaticano
Telefax: 0 03 96 - 69 88 38 44

kostenfreies E-Mail-Abo der RV-News über: Rolf-Valentin Jouaux

Radio Vatikan Archiv
Leitseite www.kath.de