vom 16. bis 19. August 1996

Menschenrechte:

Hungerstreik: Noch immer halten sich die rund 300 afrikanischen Einwanderer ohne Papiere in der Saint Bernard Kirche in Paris auf. Nachdem am Samstag ein Ultimatum der Regierung verstrichen ist, befürchten die Einwanderer nun ein gewaltsames Eingreifen der Polizei. Die Regierung hatte erneut bekräftigt, daß sie nicht bereit sei einzulenken.

Flüchtlinge: Die mexikanische Regierung will ihre Politik gegenüber Flüchtlingen aus dem Nachbarland Guatemala ändern. Dies wurde jetzt aus Regierungskreisen bekannt. Den rund 30.000 guatemaltekischen Flüchtlingen soll der Status von Einwanderern angeboten werden.

Abschiebung: Die Regierung Angolas hat mit massiven Ausweisungen von Immigranten begonnen. Sie begründete die Aktion damit, daß die Ausgewiesenen in ungesetzliche Geschäfte verwickelt gewesen seien.

Kasten: In Indien haben Vertreter der Unberührbaren und der indigenen Völker gefordert, daß die Kastendiskriminierung beendet wird. Das erklärte das Ambedkar Centre für Gerechtigkeit und Frieden am Donnerstag in Genf. Die Kastenordnung grenze 250 Millionen Menschen von Alltagsaktivitäten aus und mache sie zu Willlküropfern von Angehörigen der anderen Kasten. (kna)

Umerziehung: Die chinesische Regierung hat in tibetischen Klöstern ein politisches Umerziehungsprogramm eingeführt. Das berichtete am Freitag das "Tibet-information-network" in London. Mönche müßten ein politisches Treueversprechen unterschreiben. Andernfalls drohe ihnen die Vertreibung.

Erkrankung: Amnesty international hat sich am Montag erneut besorgt über den Gesundheitszustand des in China inhaftierten Bischofs Zeng Jingmu geäußert. Wie die Menschenrechtsorganisation erklärte, sei nicht bekannt, ob der schwer erkrankte Geistliche medizinisch betreut würde. Bei seiner Inhaftierung litt der 75-jährige an einer schweren Lungenentzündung. (kna)

Indios: Menschenrechtsorganisationen haben jetzt beklagt, daß Goldgräber brasilianische Indios mit Feuerwaffen versorgen. Dies habe negative Auswirkungen auf die Stammeskultur der Indios, weil diese nun interne Konflikte mit diesen Schußwaffen austrügen. Seit März diesen Jahres dringen tausende Goldgräber illegal in die Indianerschutzgebiete der Yanomani ein. Sie schleppten dabei auch Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose und Gelbfieber in die Reservate ein, die sich nun epidemieartig ausbreiten. (kna)

Überfall: In Pakistan haben sich militante sunnitische Muslime zu einem Anschlag bekannt, bei dem am Sonntag 18 Menschen erschossen wurden. In einem Brief bezeichnete eine bisher unbekannte Gruppe den Anschlag als Vergeltung für die in Karachi ermordeten 12 Sunniten. Diese waren am letzen Mittwoch während einer Prozession zu Tode gekommen. Die Gruppe kündigte weiter an, daß sie ihren "heiligen Krieg" fortsetzen werde.

Kinder: Am Montag begann in Bosnien ein Kinderreferendum. Es wurde organisiert vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Bis zum 31. August können die Kinder ihre Stimme abgeben und damit ihren Wünschen über die Zukunft des Landes Ausdruck verleihen.

Kinderprostitution: Die dänische Kinderschutzorganisation "Red Barnet" hat eine Kampagne gegen Kinderprostitution gestartet. Das wurde am Freitag in Kopenhagen bekannt. Mit Unterschriftenlisten soll Druck auf die Regierung der Staaten ausgeübt werden, in denen die Kinderprostitution besonders verbreitet sei. Unter diesen Ländern sind Thailand, Kambodscha, Rußland, Ungarn und die baltischen Staaten. (kna)

Freilassung: Das Parlament Perus hat am Donnerstag ein Gesetz verabschiedet, das die Freilassung unrechtmäßig inhaftierter Rebellen beschleunigen soll. Mit sofortiger Wirkung wurde eine Kommission gebildet, die entsprechende Anträge auf Begnadigung prüfen soll.

Krisengebiete:

Friedenshoffnung: "Wir haben beschlossen, den Krieg zu beenden und den Frieden wieder herzustellen." Dies hat der muslimische Rebellenführer Nur Musuari nach einem Treffen mit dem philippinischen Präsidenten Fidel Ramos erklärt. Es war das erste Gespräch der beiden nach 10 Jahren. Der endgültige Friedensschluß soll am 2. September in Manila unterzeichnet werden. Damit würde eine 26 Jahre andauernde Rebellion beendet, die 150.000 Menschen das Leben gekostet hat.

Massaker: Beim schlimmsten Massaker seit Beginn der Unruhen in Algerien vor 4 Jahren sind 63 Menschen getötet worden. Das berichtete am Montag die arabische Tageszeitung Al-Hayat. Mehr als 100 muslimische Rebellen stoppten 2 Busse auf einer Straße im Südosten von Algier, nachdem sie falsche Straßensperren aufgestellt hatten. Zeugenaussagen zufolge töteten sie alle Insassen, darunter auch Frauen, Kinder und ältere Menschen. Die Behörden haben sich bisher noch nicht zu dem Vorfall geäußert.

Drohungen: Die mexikanischen Bischöfe Samuel Ruiz und Raul Lopez sind weiterhin in Gefahr. Das erklärte Amnesty international am Freitag in Bonn. Die beiden Bischöfe und andere Menschenrechtler im mexikanischen Bundesstaat Chiapas seien zunehmend Drohungen ausgesetzt. Anfang August sei auf Bischof Ruiz von San Cristobal de las Casas ein Anschlag versucht worden.

Demonstrationen: Auf Zypern scheint nach den gewalttätigen Demonstrationen wieder Ruhe eingekehrt zu sein. Die Unruhen sind jedoch auf das griechische Festland übergetreten, wo sie sich in Angriffen auf türkische Einrichtungen entladen.

Shabbath: In Israel haben Ultra-Orthodoxe Juden zu Massendemonstrationen für eine strenge Einhaltung der Shabbath-Ruhe aufgerufen. Grund der Proteste ist die Entscheidung des obersten Gerichtshofs, eine wichtige Verkehrsader durch Jerusalem am Shabbath nicht zu sperren. (kna)

Folter: PLO-Chef Yassir Arafat soll den Folterungen durch palästinensische Sicherheitskräfte ein Ende setzen. Das hat Amnesty international am Freitag in einer Stellungnahme gefordert. Mindestens 8 Menschen, die sich im Gewahrsam palästinensischer Sicherheitskräfte befanden, seien seit Juli gestorben. Die Umstände ließen auf Folter schließen, so Amnesty.

Luftembargo: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat sich am Freitag für ein Luftembargo gegen den Sudan ausgesprochen. Ein genaues Datum für den Beginn der Maßnahmen wurde jedoch nicht bekannt. Grund für die Entscheidung des Sicherheitsrates ist die Weigerung des Sudan, die militanten Islamisten auszuliefern, die einen Anschlag auf den ägyptischen Präsidenten Mubarak unternommen haben. - Der Sudan erarbeitete daraufhin am Wochenende einen Plan, um sich gegen "regionale und internationale Unterfangen zu wenden, die nur das Ziel verfolgten, den Sudan zu isolieren." Die Regierung appellierte an den Sicherheitsrat der UNO, das Luftembargo noch einmal zu überdenken.

Ausgeflogen: Die Vereinten Nationen haben am Samstag erneut Mitarbeiter aus Burundi ausgeflogen. Die Aktion steht im Zusammenhang mit der Verschärfung des Embargos gegen das Land durch seine Nachbarländer. Nach UN-Angaben befinden sich damit nur noch 140 Mitarbeiter in Burundi.

Kirche:

Gestorben: Frère Max Thurian ist am Donnerstag gestorben. Wie die Gemeinschaft in Taizé mitteilte, starb er in seiner Heimatstadt Genf. Er war einer der ersten Weggefährten von Frère Roger Schutz und galt als der bedeutendste Theologe der ökumenischen Gemeinschaft. Thurian wäre am Freitag 75 Jahre alt geworden. Der Papst würdigte ihn als Menschen tiefen Glaubens und als großen Theologen. Thurian wurde am Sonntag im Kreis seiner Brüder beigesetzt. (kna)

Moscheen: Die Leiter der Moscheen von Paris und Lyon sind für die Schaffung eines "Obersten Rates des Moscheen in Frankreich". Dies forderten sie in einer Stellungnahme, in der sie auch eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen Muslimen und der französischen Gesellschaft feststellten.

Weitere Meldungen:

Wahlen: Mit gegenseitigen Anschuldigungen regierungsnaher und oppositioneller Parteien haben am Sonntag im Libanon die Parlamentswahlen begonnen. Bestechung, Einschüchterung und Stimmenkauf lauten die Vorwürfe. Begleitet werden die Wahlen von umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen.

Cholera: Eine Choleraepidemie im Norden des Mongolei hat bereits 8 Todesopfer gefordert. Das bestätigte am Montag die offizielle chinesische Nachrichtenagentur. Weiter 92 Menschen seien schwer erkrankt. Aus dem Osten des Landes werden weiter 43 mögliche Fälle gemeldet. Um eine weitere Ausbreitung der Epidemie zu verhindern wurden die meisten Zugverbindungen des Landes unterbrochen.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (19. bis 25. August):

Montag: Weltkirchen-Magazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Algerien: Gewalt ohne Ende - Kenia: Kirche fordert eine neue Verfassung - Polen: 400 Jahre Union von Brest - Rumänien: Deutscher Bischof beim Ernteeinsatz - Tschechien: Kirche im Parteienstreit.

Dienstag: Radioakademie: Moses und seine Revolution - ein Beitrag von Aldo Parmeggiani. Teil III.

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien. GEPLANTE BEITRÄGE: Dokumentation der Botschaft des Papstes zum Weltjugendtag 1997. - Castelgandolfo: Ein Gespräch mit Leuten von der Straße zum Papst und seiner Residenz. - Das Portrait: Hl. Papst Pius X.

Donnerstag: Kreuz-Feuer. Kirche wo es kritisch wird Unser Thema: Die UNO nach ihren Konferenzen. Dazu als Studiogast: Mons. Diarmuid Martin, Sekretär des Päpstl. Rates Justitia et Pax. Während der Sendung sind wir über die Konferenzen im Gespräch dem ehemaligen Missio-Chef Bernd Kauth (Washington), der BDKJ-Vorsitzenden Karin Kortmann (Düsseldorf), unserem Kollegen Stefan Kempis (Kairo) und EXKLUSIV Bundesfamilienministerin Claudia Nolte (Bonn).

Freitag: Prisma - Facetten aus Politik, Gesellschaft und Religion. GEPLANTE BEITRÄGE: Deutschland: Stabwechsel im Cusanuswerk. Ein Gespräch mit der neuen Leiterin. - USA: Paralympics, ein Hoffnungszeichen. - Frankreich: Der Fahrradpfarrer von Strasburg. Ein Portrait.

Samstag: Kommentar der Woche von Hanspeter Röthlin: Sonntragsbetrachtung von P. Andreas Simon MSF aus Biesdorf

Sonntag: Aktenzeichen Dante Alighieri: Der göttliche Komödiant von Aldo Parmeggiani

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