vom 09. bis 12. August 1996

Vatikan:

Beileid: Papst Johannes Paul II. hat in einem Beileidstelegramm seinen Schmerz über die Unwetterkatastrophe im nordspanischen Biescas ausgesprochen.

Ostkirchen: Der Papst hat beim Angelusgebet am Sonntag die Gemeinsamkeiten zwischen der katholischen Kirche und der Orthodoxie hervorgehoben. Er betonte besonders den theologischen und geistlichen Reichtum der Ostkirchen. In seiner Sommerresidenz in Castelgandolfo erklärte er, trotz mancher Meinungsverschiedenheiten dürfe nicht vergessen werden, "daß uns viel mehr eint als trennt".

Lega Nord: Die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" hat in ihrer Sonntagsausgabe Äußerungen des Führers der Lega Nord, Umberto Bossi, kritisiert. Dieser hatte gedroht, er werde die Sender der italienischen Rundfunk- und Fernsehanstalt RAI in die Luft sprengen. Der Osservatore verurteilte seine Worte als "terroristische Bedrohungen". Bossi hatte erklärt, dies sei nur der Beginn einer Schlacht ohne Erbarmen zur Befreiung Norditaliens. (kna)

Weihbischof: Das Bistum Lausanne - Genf - Fribourg hat einen neuen Weihbischof: Pièrre Farine. Dies wurde am Montag im Vatikan und in Fribourg bekannt. Farine ist 56 Jahre alt und war bisher Pfarrer in Bernex. (kna)

Menschenrechte:

Abtreibung: Erneut gibt es Diskussionen um einen Abtreibungsfall in Großbritannien. Eine Frau, die sich einer Behandlung gegen Unfruchtbarkeit unterzogen hat, erwartet nun Achtlinge. Die Ärzte raten in einem solchen Fall zur selektiven Abtreibung, um das Leben der Mutter nicht zu gefährden. Ein Sprecher der Anti-Abtreibungs-Gruppe "Life" sprach sich hingegen für einen natürlichen Verlauf der Schwangerschaft aus, da nach seinen Schätzungen mehrere Embryonen auf natürliche Art sterben werden.

Religionen: Die chinesische Regierung hat eine stärkere Kontrolle der Religionen im Land gefordert. Wie sie erklärte, würden feindliche internationale Kräfte ethnische und religiöse Angelegenheiten nutzen, um China eine westliche Prägung zu geben und das Land zu spalten.

Krisengebiet:

Marsch: Durch die Änderung ihrer Marschroute haben die Protestanten am Samstag die Situation im nordirischen Londonderry entschärft. Doch die Ruhe ist nur eine vorläufige: "Wir werden dort entlangmarschieren, wenn wir es wollen - und das wird nicht heute geschehen," erklärte der lokale Führer des Ordens. - Weitere Gedenkmärsche in zahlreichen nordirischen Städten verliefen am Wochenende friedlich. Sowohl Protestanten als auch Katholiken achteten bei ihren Paraden darauf, die Gegenseite nicht zu provozieren.

Sanktionen: Die Militärregierung Burundis gerät immer mehr unter Druck. Die meisten Nachbarländer, Tanzania, Kenia, Uganda und Ruanda, haben im Lauf der letzten Woche Wirtschaftssanktionen beschlossen. - Inzwischen hat die Militärregierung in Bujumbura angekündigt, daß sie übergangsweise eine Nationalversammlung einrichten will. An dieser sollen auch Mitglieder des früheren Parlaments beteiligt sein, die durch den Staatsstreich ihres Amtes enthoben wurden. Beobachter werten die Einbeziehung der ehemaligen Parlamentarier als wichtige Geste gegenüber der Internationalen Gemeinschaft, die den Putsch verurteilt hatte.

Anschlag: Am Montag wurde im indischen Mamangam ein Bombenanschlag in einem Buddhistentempel verübt. Dabei sind 37 Menschen verletzt worden. Als Täter vermutet man die tamilische Befreiungsbewegung, die damit auf die seit Juli andauernde Großoffensive der Regierung Sri Lankas reagiert haben könnte.

Katastrophe: Eine humanitäre Katastrophe bedroht den Süden des Sudan. Dies hat am Sonntag die Befreiungsarmee des Sudan erklärt. Durch Kämpfe zwischen Regierungsarmee und Rebellen wurden etwa 20.000 Personen aus ihren Dörfern in Richtung Süden vertrieben. Sie haben weder Obdach noch Nahrung.

Kirche:

Klage: Der Sekretär der Schweizer Bischofskonferenz, Pater Roland Trauffer, hat eine Ehrverletzungsklage eingereicht. Sie richtet sich gegen die frühere Informationsbeauftragte der Schweizer Bischöfe, Maria Brun, die Trauffer vorgeworfen hatte, ihre Telefonate abzuhören. Trauffer selbst hatte daraufhin gerichtliche Schritte angekündigt. (kna)

Abspaltung: Dem abgespaltenen Flügel der orthodoxen Kirche unter Metropolit Pimen, wird die staatliche Anerkennung verweigert. Das bulgarische Religionsamt lehnt dies ab, weil ein orthodoxes Leitungsgremium bereits seit Jahrzehnten offiziell anerkannt sei. Ein zweites Gremium derselben Konfession könne es nicht geben. (kna)

Wahlen: Die Bischöfe von Bosnien haben die Gläubigen aufgefordert, an den bevorstehenden Wahlen teilzunehmen. Bei der Abgabe ihrer Stimmen sollen die Wähler ihrem Gewissen folgen, so das Hirtenwort, und moralische sowie religiöse Werte berücksichtigen. (kna)

Verbot: Die Kirche Argentiniens hat gefordert, die künstliche Befruchtung durch ein vollständiges gesetzliches Verbot zu unterbinden. Wie der Vorsitzende der argentinischen Bischofskonferenz erklärte, könnten nur so die dabei entstehenden moralischen Probleme vermieden werden. Einen Gesetzentwurf, der Einschränkungen bei der künstlichen Befruchtung gefordert hat, lehnt die Kirche Argentiniens ab. (kna)

Hungerstreik: In Frankreich hat die Pariser Polizei in einer groß angelegten Aktion 10 hungerstreikende afrikanische Einwanderer aus einer Kirche abtransportiert und in verschiedene Krankenhäuser gebracht. Das Vorgehen der Sicherheitskräfte, das von Augenzeugen als brutal bezeichnet wurde, sei lediglich aus medizinischen Gründen erfolgt, so die Polizei. Dem wurde jedoch von einem internationalen Ärzteteam widersprochen. Die französische Regierung ließ verlauten, daß sie auf die strikte Einhaltung der Einwanderungsgesetze bestehe. Unterdessen haben bereits 10 andere Afrikaner am gleichen Ort mit einem neuen Hungerstreik begonnen. (kna)

Zeugen Jehovas: Der lateinamerikanische Bischofsrat hat am Wochenende mitgeteilt, daß die Sekte der Zeugen Jehovas in ihrem Gebiet einen starken Zulauf hat. Sie sei die am schnellsten wachsende Organisation unter den Kirchen und Sekten Lateinamerikas. Besonders groß soll die Zunahme der Mitglieder in Mexiko und Brasilien sein. (kna)

Wiederaufbau: Seit Sonntag arbeiten Freiwillige aller Rassen und jeden Alters am Wiederaufbau verschiedener Kirchen im Süden der Vereinigten Staaten. Die Kirchen waren größtenteils rassistischen Anschlägen gegen die schwarze Bevölkerung zum Opfer gefallen.

Zahlen: Die Anglikanische Kirche Großbritanniens verzeichnet wieder mehr Gottesdienstbesucher. Das geht aus den neuesten statistischen Angaben hervor, die jetzt in London vorgelegt wurden. Danach ist zwischen 1991 und 1994 die Zahl der Kirchgänger um mehr als 40.000 gestiegen. (kna)

Deutschland:

LER: Die Bischöfe von Brandenburg haben Eltern und Schüler aufgerufen, eine Befreiung vom neuen Pflichtfach LER zu beantragen. Die Schüler sollen statt dessen an dem Religionsunterricht in der Gemeinde teilnehmen. Die Bistümer bereiten einen Vordruck für einen Befreiungsantrag vor. - Am Montag hat Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe das Schreiben der Bischöfe kritisiert. Es werde darin der falsche Eindruck vermittelt, als ob in Brandenburg der Religionsunterricht behindert würde. Die Kirchen seien im Gegenteil dazu aufgefordert, diesen anzubieten. (kna)

Wortlaut des Schreibens im WWW unter

http://www.kath.de/bistum/magdeburg/index.htm

Kritik: Der Limburger Bischof, Franz Kamphaus, hat am Montag die Regierung Indonesiens kritisiert. Sie habe in den letzen Jahren jegliche politische Entwicklung zu demokratischen Strukturen verhindert. Kamphaus war am Sonntag von einer mehrwöchigen Südostasienreise zurückgekehrt.

Indigene Völker: Die Bundesregierung will demnächst ein Konzept vorlegen, das Möglichkeiten darlegen wird, wie negative Auswirkungen der Entwicklungshilfe auf die Ureinwohner verringert werden können. Den indigenen Völker soll künftig mehr Mitsprache an Projekten zugebilligt werden. (kna)

Weitere Meldungen:

Hagia Sophia: Die türkische Regierung will die Hagia Sophia wieder in eine Moschee umwandeln. Antwort auf dieses Vorhaben sind internationale Proteste. Griechenland hat bei der UNESCO gegen die Umgestaltung interveniert. Begründung: die Umwandlung würde Veränderungen des berühmten Sakralbaus mit sich bringen. Besonders gefährdet seien die Mosaiken der Hagia Sophia. Die Gottesmutter in der Apsis sowie das Pantokratorbild in der Kuppel seien die ältesten erhaltenen Monumentalbilder der einstigen Konstantins-Stadt. Wird die Hagia Sophia eine Moschee, dann müßten diese übertüncht werden. Dies verstoße gegen die Charta der UNESCO über die Erhaltung des Weltkulturerbes, so die griechische Regierung.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (12. bis 18. August):

Montag: Weltkirchen-Magazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Russland: Ein neues Religionsgesetz - Segen oder Flucht? - Österreich: Die 65. Salzburger Hochschulwochen sind beendet. Ein Fazit. - Ägypten: Nach dem Scheidungsurteil gegen den Literaturwissenschaftler Abu Zaid: Reaktionen von unserem Korrespondenten vor Ort. - Hong Kong: Das Abschlußdokument der Vollversammlung der Bibelföderation liegt vor. Eine Zusammenfassung. - Deutschland: Erzbistum Berlin fordert Aufhebung früherer NS-Urteile.

Dienstag: Radioakademie: Moses und seine Revolution - ein Beitrag von Aldo Parmeggiani. Teil II.

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien. GEPLANTE BEITRÄGE: Italien und die Lega Nord, oder: Das politische Chaos. - Castelgandolfo: Ein internationales Symposion hat über "Aufklärung heute" diskutiert. - Portrait: In diesen Tagen vor 55 Jahren wurde Maximilian Kolbe ermordet.

Donnerstag: Zum Fest "Aufnahme Mariens": Marien-Meditation von Corinna Mühlstedt

Freitag: Prisma - Facetten aus Politik, Gesellschaft und Religion. GEPLANTE BEITRÄGE: Deutschland: Stabwechsel im Cusanuswerk. Ein Gespräch mit der neuen Leiterin. - Sommerseelsorge: Frankfurter Flughafen. - Kolumbien: Bischof vermittelt zwischen Guerilla und Regierung.

Samstag: Kommentar der Woche von Hanspeter Röthlin: Sonntragsbetrachtung von P. Andreas Simon MSF aus Biesdorf

Sonntag: Aktenzeichen Dante Alighieri: Der göttliche Komödiant von Aldo Parmeggiani

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Redaktion: Ruthild Kropp
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