vom 06. bis 08. August 1996

Vatikan:

Paul VI.: Papst Johannes Paul II. hat am Dienstag eine Messe zum 18. Todestag von Papst Paul VI. gefeiert. In seiner Sommerresidenz Castelgandolfo erinnerte Johannes Paul in seiner Predigt daran, daß sein Vor-Vor-Gänger während seines Pontifikats einen schwierigen Weg mit großer Verantwortung gehen mußte.

Lineamenta: In Amerika liegen seit Dienstag die Lineamenta für die Sondersynode vor. Lineamenta sind Diskussions- und Arbeitsvorlagen. Das Papier lobt dabei den großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt, kritisiert aber zugleich jede Form von wachsendem Individualismus und Materialismus.

Menschenrechte:

Entschuldigung: Die katholische Kirche Australiens hat sich bei den Aborigines dafür entschuldigt, daß sie Menschenrechtsverletzungen an ihnen unterstützt hat. Bis in die 60er Jahre habe die Meinung vorgeherrscht, daß eine erfolgreiche Christianisierung die Zerstörung der Kultur der Aborigines voraussetze. Damals nahm man den Ureinwohnern ihre Kinder weg, damit sie von Weißen aufgezogen wurden. Viele dieser "gestohlenen Kinder" starben jung an Krankheiten, Alkoholmißbrauch oder durch Selbstmord. (kna)

Embryonen: Auch im spanischen Barcelona ist für 300 tiefgefrorene Embryonen die Frist abgelaufen. Das Gesetz sieht auch in diesem Land eine Aufbewahrungsdauer von 5 Jahren vor. Zunächst ist die Vernichtung der Embryonen noch nicht geplant, zumal das Gesetz keine klaren Richtlinien vorsieht.

Gesetzesänderung: Der Vorsitzende der Bischofskonferenz von England und Wales, Kardinal Basil Hume, hat sich für eine Gesetzesänderung beim Embryonenschutz ausgesprochen. Generell sollte das Einfrieren von Embryonen verboten und neue Behandlungen von Unfruchtbarkeit gefunden werden. (kna)

Protest: In Israel haben mehrere tausend Palästinenser gegen Menschenrechtsverletzungen ihrer eigenen Landsleute demonstriert. Damit wollten sie ein klares Zeichen gegen die Innenpolitik von Autonomiepräsident Yassir Arafat setzen. Seine Sicherheitskräfte werden beschuldigt, in der vergangenen Woche 2 Menschen getötet zu haben. Die Palästinenser werfen Arafat tyrannische Methoden vor, die jede Form der Menschenrechte mißachte.

Eingeborenenkonferenz: In Ecuadors Hauptstadt Quito hat Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchu am Mittwoch eine Eingeborenenkonferenz eröffnet. In ihrer Rede lud sie besonders zum Dialog der Eingeborenen untereinander ein und regte die Diskussion über die Rolle der Eingeborenen in den Demokratiebewegungen des Kontinents an. Die Konferenz soll 3 Tage dauern.

Kinderarbeit: Die Kirche und die Gewerkschaften Brasiliens haben die Kinderarbeit in dem Land öffentlich verurteilt. In einer Zeitschrift nannten sie die bestehenden Zustände "Sklaverei". Experten sind der Ansicht, daß in Brasilien etwa 20 Millionen Kinder arbeiten.

Scheidungsurteil: Mehrere Menschenrechtsorganisationen haben das ägyptische Scheidungsurteil des obersten Berufungsgerichts verurteilt. Es bestimmte am Montag, daß eine islamische Ehe zwangsgeschieden werden muß, weil der Mann vom Glauben abgefallen sein soll. Die Menschenrechtsorganisationen sehen in der Gerichtsentscheidung eine Gefährdung der Freiheit des Wortes und der Gedanken.

Zusammenarbeit: Der nationale Rat der Kirchen Indiens hat die christlichen Organisationen aufgefordert, sich gemeinsam für die Einhaltung der Menschenrechte in dem Land zu engagieren. Zu diesem Zweck wurde jetzt eine ökumenische Kommission eingesetzt, die Kontakt zur Regierung in Neu Delhi aufnehmen soll.

Krisengebiet:

Beisetzung: In Algerien wurde am Dienstag nachmittag der ermordete Bischof von Oran, Pièrre Claverie, beigesetzt. Pater Hans Vöcking war als Vertreter der deutschen Bischofskonferenz anwesend und überbrachte dem Erzbischof von Algier, Henri Teissier, ein Schreiben von Bischof Karl Lehmann. (kna)

Anschläge: Algerien kommt nicht zur Ruhe. Am Montag konnte eine schwere Bombe am Sitz einer karitativen islamischen Hilfseinrichtung rechtzeitig entschärft werden. Der Anwalt der fundamentalistischen islamischen Heilsfront wurde ebenfalls am Montag entführt; über seinen Verbleib ist nichts bekannt. Am Dienstag mittag wurden bei einem Anschlag in einem Restaurant 5 Menschen verletzt. Am Donnerstag explodierte in einem Café eine Bombe. Staatschef Leamni Zeroual hat für Dienstag die Oppositionsparteien zu Gesprächen eingeladen. Gemeinsam müsse man über die Bekämpfung des Terrors nachdenken.

Marsch: Der für Samstag geplante protestantische Marsch in der nordirischen Hauptstadt Belfast wurde verboten. Das wurde am Donnerstag bekannt. Truppen versperrten die vorgesehene Strecke mit Stacheldraht. Auch nach mehrtägigen Verhandlungen waren die beiden Parteien nicht zu einem Kompromiß gekommen. Jetzt hofft man, daß die Protestanten diese Provokation, wie sie es nennen, nicht gewalttätig beantworten. (kna)

Hoffnung: Die kirchlichen Hilfswerke hoffen, daß sich die Lage in Somalia nach dem Tod von General Aidid beruhigt. Wie das Diakonische Werk am Dienstag in Stuttgart mitteilte, seien die Führer der Bürgerkriegsparteien bereit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. (kna)

Beobachter: Burundi braucht mehr UNO-Beobachter. Das hat der Hochkommissar für Menschenrechte der Vereinten Nationen, Jose Ayala Lasso, am Montag in Genf gefordert. Massaker, Hinrichtungen und Mißhandlungen von Gefangenen seien in Burundi an der Tagesordnung. Bisher sind in dem Land 5 Beobachter stationiert. (kna)

Hilferuf: Der Präsident Burundis, Piere Buyoya, hat Deutschland um Hilfe für seine Land gebeten. Vor der Presse bat er am Mittwoch zugleich um Verständnis dafür, daß die bestehende Situation ihn dazu zwinge, den Demokratisierungsprozeß für eine Weile zu unterbrechen. (kna)

Kirche:

Rücktritt: Nach Rundfunkberichten aus Moskau hat der russische Botschafter beim Apostolischen Stuhl, Wjatschesla Kostikow, seinen Rücktritt eingereicht. Präsident Jelzin soll einen entsprechenden Erlaß unterzeichnet haben; jedoch soll der Botschafter, der Jelzin häufiger kritisiert hat, freiwillig zurückgetreten sein. (kna)

Erhoben: Der aus Freiburg stammende Bischof Emil Stehle ist seit Donnerstag Diözesanbischof in Ecuador. Der Papst erhob die Territorialprälatur Santo Domingo de los Colorados in den Rang einer Diözese.

Unterstützung: Nach einem Treffen mit Kardinal Vinko Puljic hat der bosnische Ministerpräsident Hasan Muratovic am Dienstag der katholischen Kirche seinen Einsatz zugesagt. Jede demokratische Gesellschaft brauche die religiösen Gemeinschaften zur Erziehung des Volkes, so Muratovic. Das Engagement gelte in gleicher Weise für die Belange der katholischen wie der orthodoxen Kirche und auch für die Interessen der Muslime. (kna)

Deutschland:

Asyl: Das Bundesverwaltungsgericht in Berlin hat am Dienstag entschieden, daß Muslime aus Bosnien-Herzegowina in der Bundesrepublik keinen Anspruch auf Asyl haben. Die Richter begründeten die Entscheidung wie folgt: Wer Schutz vor politischer Verfolgung durch den eigenen Staat erhalten könne, bedürfe des Asyls in Deutschland nicht. (kna)

90: Der erste Geschäftsführer des bischöflichen Hilfswerkes Misereor, Prälat Gottfried Dossing, wurde am Mittwoch 90 Jahre alt. Bischof Karl Lehmann hob in seinem Glückwunschschreiben hervor, daß Dossing die entscheidenden Fundamente für Misereor gelegt habe. (kna)

Scientology: Die CDU hat ein schärferes Vorgehen gegen die Scientology-Sekte gefordert. Am Mittwoch stellt die Partei in Bonn einen entsprechenden Maßnahmenkatalog vor. So soll die Sekte u.a. gezwungen werden, ihre als kirchliche Angebote getarnten Aktivitäten als Gewerbe anzumelden. (kna)

Jugendforum: Am Dienstag abend hat in Altötting das Europäische Jugendforum begonnen. Es wurde mit einer Meßfeier eröffnet. Zu dem 6tägigen Treffen werden 3.000 Jugendliche und junge Erwachsene aus 19 Ländern erwartet. Der Veranstalter ist die katholische Gemeinschaft Emmanuel. (kna)

(http://www.uni-passau.de/ktf/studentInnen/emmanuel.html)

Weitere Meldungen:

Auflösung: Die katholische Friedensbewegung Pax Christi hat am Mittwoch die Auflösung des römischen Militärgerichts gefordert. Nach dem Freilassungsurteil für den ehemaligen SS-Führer Erich Priebke, habe das Gericht dem Ansehen der italienischen Demokratie geschadet.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (08. bis 14. August):

Donnerstag: Kreuz des Südens Leben in jungen Kirchen. GEPLANTE BEITRÄGE: Südafrika: Bleibt die Wahrheitskommission erfolgreich? - Algerien: Nach dem Anschlag auf Bischof Claverie. Ein Kommentar - Liberia: warum die geplante Wahl nicht stattfindet - Eine neue Diözese in Ecuador

Freitag: Prisma - Facetten aus Politik, Gesellschaft und Religion. GEPLANTE BEITRÄGE: Mexiko: Zapatisten für die Menschenrechte. Ein Kongressbericht. - Bad Dürrheim: Ein Hilfsprojekt für Straßenkinder in Deutschland. - Altötting: das Europäische Jugendforum tagt.

Samstag: Kommentar der Woche von Hanspeter Röthlin: Sonntragsbetrachtung von P. Andreas Simon MSF aus Biesdorf

Sonntag: Sie schreiben - wir antworten - Korrespondenzsendung

Montag: Weltkirchen-Magazin.

Dienstag: Radioakademie: Moses und seine Revolution - ein Beitrag von Aldo Parmeggiani. Teil II.

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien. (Mit der Ansprache des Papstes an die deutschsprachigen Pilger bei der Generalaudienz). GEPLANTE BEITRÄGE: Italien und die Lega Nord - 55. Todestag von Maximilian Kolbe.

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