vom 30. Juli bis 01. August 1996

Vatikan:

Diplomatie: Der apostolische Stuhl und die afrikanische Republik Sierra Leone nehmen diplomatische Beziehungen auf. In Freetown wird eine Nuntius den Vatikan vertreten - in Rom soll eine Botschaft des afrikanischen Staates errichtet werden. Die Anzahl der Katholiken beträgt in Sierra Leone 3 Prozent.

Rücktritt: Papst Johannes Paul II. hat am Mittwoch das Rücktrittsgesuch von Weihbischof Bernhard Rieger von Rottenburg-Stuttgart angenommen. Rieger hatte aus Gesundheitsgründen um Amtsentlassung gebeten. Er war seit 1985 Weihbischof.

Menschenrechte:

Registrierungspflicht: Die chinesische Religionspolitik bleibt weiter restriktiv. Die Regierung hat eine "Registrierungspflicht" für Kultstätten und Priester angeordnet - eine Neuerung, die es so noch nicht gab. Mit der Ernennung eines neuen Chefs im kommunistischen Religionsbüro, im Juli vor einem Jahr, weht für die Kirche ein schärferer Wind. Religionsfragen werden nicht mehr nur im dafür vorgesehenen Ministerium behandelt, sondern auch im Sicherheits- und Polizeibüro.

Vernichtung: Am Donnerstag haben in Großbritannien die Kliniken mit der Vernichtung der etwa 3.000 tiefgefrorenen menschlichen Embryonen begonnen. In der Nacht hatten verschiedene Gruppen mit Kerzen, Liedern und Gebeten vor den Kliniken gewacht. - Noch kurz vor Ablauf der Frist haben sich mehrere Dutzend "Eltern" in den Kliniken gemeldet, um für ihre Embryonen eine längere Aufbewahrung zu gewährleisten.

Experimente: Die Bischöfe der Niederlande haben sich wegen der geplanten Erlaubnis von Embryo-Experimenten besorgt geäußert. Die Regierung will unter bestimmten Bedingungen Forschungen mit überzähligen Embryonen nach einer Reagenzglasbefruchtung zulassen. In einem Brief der Bischöfe an den Gesundheits- und Justizminister heißt es, die Kirche sei generell wissenschaftlichen Untersuchungen gegenüber aufgeschlossen, aber die Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben setze bestimmt Grenzen. (kna)

Landreform: Brasiliens Präsident Fernando Cardoso hat am Dienstag versprochen, daß innerhalb dieses Jahres 60.000 landlose Familien Grundbesitz erhalten werden. Er wolle damit einen Anstoß geben für die Landreform in ganz Brasilien. Cardoso entspricht damit auch einem oft geäußerten Wunsch der katholischen Kirche.

Verhaftung: Amnesty international hat die Verhaftung und mögliche Ermordung indonesischer Oppositioneller verurteilt. Bei einer Razzia im Büro der Demokratischen Partei in Jakarta wurden 240 Personen verhaftet. Bei Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten wurden 90 Menschen verletzt. Nicht bestätigt wurde, daß 7 Menschen dabei getötet wurden. Das Militär verweigert den Zugang zu den Verletzten.

Bericht: Eine Spezial-Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen hat jetzt einen Bericht über die gesundheitliche Lage der Urbevölkerung in allen Teilen der Welt vorgelegt. Demnach sind die 300 Millionen Ureinwohner wesentlich mehr von Krankheiten betroffen als die übrige Weltbevölkerung. Als Grund dafür werden Armut und Entwurzelung angegeben.

Unvermeidbar: Der Premierminister von Papua-Neu Guinea, Julius Chan, hat Menschrechtsverletzungen seiner Truppen "unvermeidbar" genannt. Die Soldaten bekämpfen abtrünnige Rebellen in der Hauptstadt Bougainville. Chan erneuerte jedoch die Zusage seines Landes, gegen Greueltaten beider Seiten zu ermitteln und vorzugehen.

Krisengebiete:

Sanktionen: Der Sondergipfel verschiedener afrikanischer Staaten zur Lage in Burundi hat am Mittwoch überraschenderweise internationale Wirtschaftssanktionen gefordert. Erst wenn die Regierung in Bujumbura den gestürzten Präsidenten wiedereinsetze und die Parteien erlaube, könnten die geplanten Sanktionen aufgehoben werden.

Friedenszentrum: Derweilen haben die Schönstädter Marienschwestern mitgeteilt, daß sie in Bujumbura ein Friedenszentrum aufbauen wollen. In diesem sollen Kinder, Jugendliche und Frauen - sowohl Tutsis als auch Hutus - gemeinsam arbeiten, beten und leben. Das wurde am Dienstag bekannt. Das Zentrum wird vom Kindermissionswerk Aachen finanziert.

Gespräche: Am Dienstag ist die erste Runde der Multiparteiengespräche über die Zukunft Nordirlands zu Ende gegangen. Die Vereinigten Staaten äußerten sich zuversichtlich über die erzielten Fortschritte.

Aufstand: Die Katholiken der Philippinen befürchten einen neuen Aufstand der Muslime auf Mindanao. Nach Angaben des Bischofs von Cotabato versuchten jetzt viele Christen sich zu bewaffnen. Die Muslime wollten nicht nur Autonomie, sondern einen unabhängigen Staat. (kna)

Kirche:

Begräbnis: Am Dienstag ist der Patriarch von Alexandria und ganz Afrika, Parthenios III., in Kairo beigesetzt worden. Anwesend waren auch Vatikanvertreter. In einer Botschaft an den bereits ernannten Nachfolger, Patriarch Porphyrios, würdigte Papst Johannes Paul II. am Dienstag den Verstorbenen. Parthenios habe sich durch einen, so wörtlich, "ruhigen Kampf" für eine Annäherung und Wiederversöhnung der Kirchen eingesetzt.

Oberhaupt: Die griechisch-orthodoxe Kirche von Nord- und Südamerika hat ein neues Oberhaupt. Der ökumenische Patriarch Bartholomäus I. ernannte am Dienstag in Istanbul den bisherigen Metropoliten der Griechisch-orthodoxen in Italien. Spyrion, zum neuen Führer. Der orthodoxe Synod hatte Spyrion vor kurzem aus 3 möglichen Kandidaten gewählt.

Unterteilung: Patriarch Spyrion wird ein kleineres Gebiet zu verwalten haben als in ersten Agenturmeldungen berichtet wurde. Der Heilige Synod hat, gleichzeitig mit der Wahl des neuen Metropoliten, beschlossen, das Gebiet von Nord- und Südamerika in 4 Verwaltungseinheiten zu unterteilen. Das teilte am Mittwoch das orthodoxe Patriarchat von Konstantinopel mit. Die 3 Amtskollegen von Patriarch Spyrion müssen noch gewählt werden.

Anschläge: Das Erzbistum Sarajewo hat die jüngsten Anschläge auf Moscheen und Kirchen verurteilt. Kardinal Vinko Puljic und sein Weihbischof Pero Sudar warfen am Dienstag den Behörden vor, die Anschläge stillschweigend zu dulden.

Deutschland:

Beratungsgesetz: Das neue Schwangerenberatungsgesetz hat nach Endlosdebatten und Marathonsitzungen den bayerischen Landtag passiert. Die Kirche atmet auf, ebenso die CSU. Kritik kam von der FDP, die ein Volksbegehren gegen die Entscheidung anstrengen will, und von der SPD.

Archäologie:

Tontafelarchiv: In Tel Hazor, im Norden Israels, wurde jetzt ein Tontafelarchiv entdeckt, das Aufschluß über die Zeit der Patriarchen, also rund 1.500 Jahre vor Christi Geburt zu geben scheint. Die Entdeckung wurde am Montag von einem Forscherteam der Hebrew-University vorgestellt. Die Ausgrabungen werden erst Ende des Jahres beendet sein.

Berg Mose: Der deutsche Theologe und Filmemacher, Jesuitenpater Paul Imhof, will jetzt den wahren Berg Mose entdeckt haben. Bei einer Expedition sei er auf mehr als 2.000 Funde aus der Zeit Mose gestoßen, was, so Imhof, keinen Zweifel an der Echtheit des Ortes aufkommen ließe. Er ist sicher, daß der Berg Har Karkom der Ort der Gesetzesübergabe sei. In Fachkreisen wird die etwas sensationalistisch aufgemachte Entdeckung Imhoffs bereits angezweifelt. (kna)

Weitere Meldungen:

Frauen: Am Mittwoch begann in Sudans Hauptstadt Karthoum eine viertägige internationale Konferenz zum Thema "Frauen im Islam". Ihr Ziel ist die Schaffung einer weltweiten Organisation von muslimischen Frauen, die den Islam fördern. Das internationale Netz soll gleichzeitig, wie es heißt, die westliche Immoralität bekämpfen und Frauen auf kulturelle und politische Arbeit vorbereiten.

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