vom 26. bis 29. Juli 1996

Vatikan:

Telegramm: Nach dem Bombenattentat in Atlanta hat Papst Johannes Paul II. an den Erzbischof der Stadt ein Beileidstelegramm geschickt. Darin sprach er seine tiefe Anteilnahme und sein Beileid für die Familien der Opfer aus. Der Papst nannte das Attentat einen "Akt sinnloser Gewalt".

Aufruf: Der Papst hat bei seinem Angelussegen an diesem Sonntag zur Wiederherstellung der Eintracht und des Friedens in Burundi aufgerufen. Er betonte, daß er allen Leidgeprüften in dem Land nahe sei und für sie beten werde.

Föten: Mehr als 200 italienische Frauen haben sich nach einem Aufruf bereit erklärt, die in England eingefrorenen Föten auszutragen. Der Vatikan wies jedoch darauf hin, daß die Adoption von Föten die Praxis des Einfrierens von befruchteten menschlichen Eizellen eher fördern als verhindern könnte.

Krisengebiete:

Gespannt: Auch nach dem Putsch in Burundi durch Piere Buyoya ist die Lage angespannt. Amnesty international hat in der Nacht auf Samstag die "Organisation Afrikanischer Länder" aufgerufen, mit allen Mitteln neue Massaker und Flüchtlingsströme zu verhindern. - Wie der neue Staatschef am Montag erklärte, werde er von der völligen Ausweisung der Flüchtlinge absehen. Er betonte gegenüber Journalisten, sein Land wolle internationale Abkommen, besonders die zum Schutz der Flüchtlinge, respektieren. Konkrete Maßnahmen konnte Buyoya noch nicht nennen. Zugleich warnte er vor dem Eingreifen einer internationalen Militärgruppe. Wer helfen wolle, so Buyoya, solle Menschen schicken, die verhandeln, und nicht solche, die Soldaten seien.

Neue Unruhen: Aus dem Nachbarland Ruanda werden neue Zwischenfälle gemeldet. Wie ein Sprecher der Vereinten Nationen am Freitag erklärte, sollen bei den Ausschreitungen der letzten Tage fast 300 Tutsi-Zivilisten getötet worden sein.

Erste Einigung: In Nordirland konnten sich Vertreter aller am Multi-Parteien-Gespräch beteiligten Gruppen auf die Verhandlungsregeln einigen. Damit ist die erste Hürde genommen. Der Kompromiß war durch den Chefunterhändler George Mitchell zustandegekommen. Beobachter sehen darin einen Schritt nach vorne, da mit der Anerkennung der gemeinsamen Regeln alle Parteien ihre Gesprächsbereitschaft signalisiert hätten.

Tempelberg: Nach den Unruhen auf dem Jerusalemer Tempelberg hat am Samstag die palästinensische Autonomiebehörde die Regierung Netanjahu kritisiert. Bei dem versuchten Sturm von radikalen Juden auf den heiligen Bezirk sei jede Vereinbarung in den Friedens- und Autonomiegesprächen mißachtet worden.

Internationale: Im mexikanischen Chiapas haben sich Vertreter humanitärer, sozialer und politischer Organisationen aus aller Welt zu einem interkontinentalen "Treffen für die Menschlichkeit und gegen den Neoliberalismus" getroffen. Auf Einladung der zapatistischen Befreiungsarmee möchten sie zu einer "Internationale der Hoffnung" aufrufen. Etwa 2.500 Personen aus 42 Ländern nahmen am Sonntag an der Eröffnungsfeier teil.

Menschenrechte:

Hinrichtung: Trotz des Gnadengesuchs des Papstes werden die beiden Campesinos in Guatemala hingerichtet. Sie haben ein vierjähriges Mädchen ermordet.

Vorwürfe: Die UNO-Menschenrechtskommission hat Nigeria, Brasilien und Peru vorgeworfen, Persönlichkeitsrechte zu verletzen. Nigeria wurde aufgefordert, die Demokratie wieder herzustellen und Sondergerichte, Massenexekutionen und Folter abzuschaffen. Brasilien soll die Sicherheitskräfte in ihre Schranken weisen und ebenfalls gegen Massenexekutionen vorgehen. Peru wurde vorgeworfen, die Rechtsordnung bisher nicht in vollem Umfang wieder hergestellt zu haben.

Prostitution: Die Regierung Großbritanniens wird demnächst Kinderprostitution unter Strafe stellen. Sie arbeitet derzeit an einem Gesetz gegen die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger. Verschiedene humanitäre Organisationen, unter ihnen auch kirchliche Hilfswerke, hatten diese Maßnahme gefordert.

Flüchtlinge: Im Grenzland zwischen dem Iran und dem Irak, das überwiegend von Kurden bewohnt wird, bahnt sich eine neue Flüchtlingskatastrophe an. Nach dem militärischen Eingreifen Irans gegen im Irak lebende Kurden flüchteten am Montag 2.500 Personen zum Stützpunkt des UNO-Flüchtlingskommissariates im irakischen Erbil. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder.

Todesstrafe: "Ohne die Todesstrafe kann sich die Gesellschaft nicht gegen das Verbrechen wehren." Das hat in Polen der Vorsitzende der christlichen Nationalunion, Marian Pilka, erklärt. Deshalb dürfe die Todesstrafe auf keinen Fall abgeschafft werden.

Hoffnung: Der Dalai Lama glaubt an eine Lösung der Tibetfrage, die für beide Seiten annehmbar ist. Das erklärte er am Sonntag in Chicago. Dieses Jahrhundert sei eine Periode des Blutvergießens gewesen - das nächste solle ein Jahrhundert des Dialogs sein, betonte er.

Gestorben: Einer der führenden tibetischen Regimekritiker, der Mönch Kelsang Thutop, ist in einem tibetischen Gefängnis gestorben. Dies hat Amnesty international am Freitag mitgeteilt. Thutop verstarb bereits am 5. Juli, weil er medizinisch nicht versorgt worden war. Er war 1989 wegen subversiver Tätigkeit zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt worden. 1988 hatte Thutop die allgemeine Menschenrechtserklärung ins Tibetische übersetzt und ein Buch mit dem Titel "die kostbare demokratische Verfassung Tibets" geschrieben.

Hungerstreik: Die Regierung der Türkei hat am Freitag gedroht, ein Gefängnis in Istanbul zu stürmen. Dort befinden sich 2.000 Häftlinge im Hungerstreik. 11 von ihnen sind bereits gestorben, etwa 100 befinden sich in kritischem Zustand. Der Justizminister beschuldigte die Gefangenen dieser Haftanstalt, den Streik, an dem sich Häftlinge in Gefängnissen des ganzen Landes beteiligen, zu organisieren. Sie fordern bessere Haftbedingungen. Der Streik konnte am Sonntag beendet werden.

Gefängnisse: Die Zustände in den brasilianischen Gefängnissen sind katastrophal. Darauf haben zuletzt die Menschenrechtsorganisation Amnesty international und Human Rights Watch hingewiesen. (kna)

Prozession: Im indischen Srinagar haben am Montag Sicherheitskräfte etwa 300 Menschen auseinandergetrieben, die anläßlich des Geburtstages des Propheten Mohammed eine Prozession veranstalten wollten. Obwohl die Polizisten mit Stöcken und Tränengas gegen die Gläubigen vorging, wurde niemand ernstlich verletzt. In der Vergangenheit waren ähnliche Versammlungen in anti-indische Veranstaltungen umgeschlagen. Auch kam es oft zu Massenpaniken.

Katastrophengebiete:

Regen: 3 Millionen Soldaten und Zivilisten sind in China im Einsatz, um einen Dammbruch am Yangtse-Fluß zu verhindern. Jetzt schon kamen nach starken Regenfällen durch Dammbrüche 1.400 Menschen ums Leben. 2 Millionen Personen wurden obdachlos. Der sogenannte "Blaue Fluß" hat seinen Höchststand seit 1931 erreicht.

Kirche:

Begräbnis: Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Alexandria und ganz Afrika, Parthenios III., wird am Dienstag in Kairo beigesetzt werden. Das erklärte am Samstag das Patriarchat in Athen. Parthenios III. war am letzten Mittwoch auf einer Pilgerfahrt in den Kykladen an Herzversagen gestorben. An den Begräbnisfeierlichkeiten werden der ägyptische Präsident Mubarak und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela teilnehmen.

Exkommuniziert: In Bulgarien ist der neu gewählte Gegenpatriarch Pimen vom Synod der orthodoxen Kirche exkommuniziert worden. Er war von einer Versammlung orthodoxer Geistlicher gewählt worden, die den amtierenden Patriarchen Maxim ablehnen, weil er eine prokommunistischen Vergangenheit hat.

ETA: Die katholische Kirche des spanischen Baskenlandes hat von der Terrororganisation ETA ein Ende des Blutvergießens gefordert. In einem Brief schreibt der Bischof von San Sebastian, Terror sei nicht vereinbar mit dem Recht auf Freiheit. Dem baskischen Klerus war in der Vergangenheit mehrfach vorgeworfen worden, sich nicht deutlich genug von der Separatistenorganisation zu distanzieren. (kna)

Interreligiös: Der Dalai Lama hat bei der Eröffnung einer in den USA stattfindenden Konferenz über den religionsübergreifenden Dialog erklärt, daß das Vorhandensein einer einzigen Religion unrealistisch sei. Die Vielfalt der Religionen und der damit verbundene geistige Reichtum seien genauso wichtig wie eine ausgeglichene und vielseitige Ernährung. Beides brauche der Mensch zum Leben und zu seiner positiven Entwicklung.

Treffen: Am Montag wurde an der Elfenbeinküste ein interreligiöses Treffen von Katholiken und den traditionellen Religionen des Landes eröffnet. Die Initiative geht vom Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog aus. Rund eine Woche werden Fachleute über Parallelen und Gesprächsformen zwischen dem Evangelium Jesu und dessen Inkulturation in die traditionellen Religionen nachdenken.

Deutschland:

Zuflucht: 22 Nigerianer haben in einer evangelischen Kirche in Hannover Zuflucht gesucht. Dies wurde am Montag bekannt. Nach ersten Informationen wurde ihr Asylantrag abgelehnt. Der evangelische Pastor habe Kontakt mit der Botschaft in Bonn aufgenommen. Demnach drohe den Nigerianern in ihrer Heimat keine politische Verfolgung.

Gebetsruf: Jeden Freitag wird man in Zukunft in Oldenburg den islamischen Gebetsruf hören können. Er wird für 2 Minuten aus Lautsprechern erschallen. Dies erklärte der Ausländerbeauftragte der Stadt am Freitag. Eine Anwohnerbefragung wurde nicht durchgeführt, denn, so der Beauftragte wörtlich, "schließlich muß ein Atheist die Kirchenglocken ja auch ertragen. (kna)

Religionsunterricht: Von den geplanten Sparmaßnahmen an bayerischen Schulen sind auch die Fächer Religion und Ethik betroffen. Schüler an Volks- und Förderschulen sollen ab dem kommenden Schuljahr die beiden Fächer vermehrt in jahrgangsübergreifenden Klassen erhalten. Dies erklärte der Kultusminister Bayerns, Hans Zehetmair, der Katholischen Nachrichtenagentur. (kna)

Werbung: Papst Johannes Paul II. wirbt seit einer Woche bundesweit in Zeitungen und Zeitschriften für die "Deutsche Stiftung für UNO-Flüchtlingshilfe". Gedruckt wird eine Abbildung des Papstes und seine Aussage: "Es gibt keine Freiheit ohne Wahrheit, ohne Solidarität, ohne Opfer und ohne Liebe".

Transplantationen: Ein Transplantationsgesetz hat die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ingrid Matthäus-Meier, gefordert. Dies schrieb sie in einem Kommentar in der "Mainzer Allgemeinen Zeitung". Sie sieht in der Rechtsunsicherheit von Spendern, Empfängern und Ärzten die Hauptursache für die abnehmende Bereitschaft zur Organspende. (kna)

Gewürdigt: Der Essener Bischof Hubert Luthe hat am Montag den verstorbenen Sozialpolitiker Hans Katzer gewürdigt. Er sei in seinem Glauben fest verwurzelt gewesen, sagte Luthe beim Trauergottesdienst im Kölner Dom. Der frühere Bundesarbeitsminister war im Alter von 77 Jahren in Köln gestorben. (kna)

Sternsinger: Die Sternsingeraktion konnte ihr Sammelergebnis im vergangenen Jahr um rund 5% steigern. Dies gab das Kindermissionswerk am Freitag in Aachen bekannt. Die höchste Steigerung wurde in den neuen Bundesländern erreicht.

Weitere Meldungen:

Islam: Die Teilnehmer der Kairoer Konferenz über den Islam haben die Nicht-Muslime gebeten, den Islam besser zu verstehen und ihn nicht mit Fundamentalismus zu verwechseln. Hochrangige Vertreter aus 70 mehrheitlich muslimischen Ländern tagen seit letztem Mittwoch, unter ihnen auch Vertreter des Christentums und von wissenschaftlichen Islam-Instituten. Eindringlich wird davor gewarnt, die Religion Allahs mit Terrorismus gleichzusetzen.

Hochschulwochen: In Salzburg ist am Montag die größte akademische Sommerveranstaltung eröffnet worden. Zum 65. Mal finden die Salzburger Hochschulwochen statt, zu denen sich über 1.200 Teilnehmer der deutschsprachigen Länder und Osteuropas zusammenfinden. Das Thema der Hochschulwochen heißt "Vor-Bilder".

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine dieser Woche (29. Juli bis 04. August):

Montag: Weltkirchen-Magazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Südafrika: Schwierige Arbeit der Wahrheitskommission. Ein Bericht. - Österreich: Eröffnung der Salzburger Hochschulwochen. Ein Interview. - Burundi: Appell der Bischöfe sowie aktueller Lagebericht. - Lateinamerika: Kampf oder Ohnmacht den Drogen?

Dienstag: 30 Jahre Deutsch-Polnische Freundschaft - ein Beitrag von Hans Maier aus München

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien. (Mit der Ansprache des Papstes an die deutschsprachigen Pilger bei der Generalaudienz). GEPLANTE BEITRÄGE: Der Vatikan und sein Beitrag bei der Welt-Klima-Konferenz von Genf. - Festtagsportrait: Hl. Ignatius v. Loyola.

Donnerstag: Jugendmagazin - Facts - Ideen - Termine. GEPLANTE BEITRÄGE: Pünktlich zu Olympia: Der ringende Pater. - Beispielhaft: Portrait eines nur von Behinderten geführten Hotels in Hamburg. - Nachlese: Europäisches Jugendforum in München beendet. Außerdem: Aktuelles für den Sommerkalender.

Freitag: Prisma - Facetten aus Politik, Gesellschaft und Religion. GEPLANTE BEITRÄGE: Buch des Monats August. - Das Portrait: Der älteste Kardinal der Kirche, Gong Pin-Mei aus dem chinesischen Shanghai, wird 95 Jahre alt. - Türkei: Kein Ende von Opfern der Hungerstreiks? Ein Bericht. - Elfenbeinküste: Interreligiöses Kolloquium. Vom Dialog und anderen zaghaften Versuchen. - Bericht zum Versöhnungsfest in Assisi.

Samstag: Sonntagsbetrachtung von Pater Eberhard Gemmingen. Rosenkranzgebet mit dem Heiligen Vater

Sonntag: Sie schreiben - wir antworten - Korrespondenzsendung

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