vom 23. bis 25. Juli 1996

Vatikan:

Sarajewo: "Ich weiß nicht wann, aber man muß dorthin." Mit diesen Worten hat Papst Johannes Paul II. seine Absicht, Sarajewo zu besuchen, erneut betont. Am Dienstag, kurz vor seinem Abflug aus den Dolomiten, erklärte er außerdem, er habe die Idee eines christlichen Konzils im Herzen, er wisse aber nicht wann er die Gedanken konkret vortragen könne.

Weihbischöfe: Am Dienstag hat der Papst 2 neue Weihbischöfe für das Erzbistum Paderborn ernannt. Es sind Heinz Josef Algermissen und Reinhard Marx. (kna)

Steuern: Nachdem Johannes Paul II. zum Ehrenbürger des kleinen Ortes Lorenzago di Cadore ernannt wurde, hat er im Scherz erklärt, jetzt müsse er wohl Steuern zahlen. Diese Bemerkung beschäftigte daraufhin italienische Presse und Politiker und wurde zum Sommerspektakel. Die Reaktion des Papstes auf diese Aufregung soll schallendes Gelächter gewesen sein.

Krisenregion Burundi:

Aufruf: Am Donnerstag vormittag wurden in Burundi lebende Ausländer von verschiedenen Regierungen aufgerufen, das Land zu verlassen. Außenminister Klaus Kinkel erklärte, einige Hutu-Angehörige, darunter hochrangige Politiker des Landes, seien in die deutsche Botschaft geflüchtet. Er wollte sich wegen der unübersichtlichen Lage nicht zu konkreten Schritten Deutschlands und der EU gegenüber Burundi äußern.

Hoffnung: Das UNO-Flüchtlingskommissariat hofft, daß die zwangsweise Rückführung von Hutu-Flüchtlingen aus Burundi nach Ruanda doch noch gestoppt werden kann. Das erklärte die Organisation am Mittwoch.

Staatspräsident: Die Regierung in Washington hat bestätigt, daß Staatspräsident Ntibantunganya, dem die Opposition Hochverrat vorwarf, zwei Nächte aus Sicherheitsgründen in der amerikanischen Botschaft verbracht hat. Am Dienstag mußte er die Teilnahme an der Beerdigung von über 300 ermordeten Tutsis abbrechen, da er mit einem Steinhagel empfangen worden war.

Furcht: Die internationale Gemeinschaft befürchtet einen offenen Ausbruch des schon länger schwelenden Bürgerkrieges. Frankreich fordert den Weltsicherheitsrat auf, eine Sicherheitstruppe nach Burundi zu schicken.

Appell: PJPII hat am Mittwoch an die Verantwortlichen um Frieden für Burundi appelliert.

Forderung: Die Bischofskonferenz des Landes fordert Maßnahmen zur Eindämmung der ethnischen Auseinandersetzungen. Seit dem Massaker an über 300 Tutsis in einem Flüchtlingslager am Samstag herrsche im Land Angst und Verwirrung. Kirchenvertreter versuchten im Hintergrund zu vermitteln - sie hätten aber nicht viele Chancen, solange Burundis zerstrittene Führung uneinig sei.

Caritas: Der deutsche Caritasverband hat am Dienstag die internationale Gemeinschaft aufgerufen, den Friedensprozeß in Burundi stärker zu unterstützen. Eine Friedenstruppe mit Soldaten aus Nachbarländern sei jetzt dringend notwendig, erklärte Caritasvertreter Günter Hölter in Freiburg. Das Beispiel Ruanda zeige, was geschehe, wenn auf politischer Ebene nicht entschieden gehandelt werde.

Krisengebiete:

Optimismus: Die beiden Konfliktparteien Nordirlands haben ausführliche Gespräche miteinander geführt. Deshalb hat sich der Hauptverhandlungsführer bei den Friedensgesprächen, George Mitchell, am Mittwoch leicht optimistisch in bezug auf eine Lösung des Konfliktes geäußert.

Vorwurf: Amnesty international hat Israel vorgeworfen, Völkerrecht gebrochen zu haben. Mit diesem Vorwurf bezieht sich die Organisation auf den Angriff der israelischen Streitkräfte auf den UNO-Stützpunkt Kana im April diesen Jahres. Dieser sei kein Versehen gewesen, sondern ein bewußter Angriff. (kna)

Spannungen: In Jerusalem mußten am Donnerstag Polizisten eine Versammlung von Juden daran hindern, den Tempelberg zu stürmen, um dort zu beten. Nach dem Status-Quo-Gesetz der letzten Jahrzehnte hatte man sich geeinigt, von jüdischen Gebeten auf dem muslimischen Territorium abzusehen. Die Gesetzeshüter mußten ebenfalls eine Gegendemonstration von Muslimen auflösen. Sie rechnen mit weiteren Spannungen in den kommenden Tagen.

Menschenrechte

Straßenkinder: Am Dienstag hat die brasilianische Vereinigung zum Schutz der Straßenkinder vor weiteren Übergriffen der Polizei gewarnt. Auch 3 Jahre nach dem Massaker an Straßenkindern vor einer Kirche in Rio de Janeiro würden Kinder noch immer brutal ermordet.

Erstes Opfer: Amnesty international hat vor wenigen Tagen Bahrein der schweren Menschenrechtsverletzungen angeklagt. Jetzt wurden die Anschuldigungen durch ein erstes Opfer bestätigt. Eine Frau ist den Verletzungen erlegen, die sie durch Verhaftung und Folter der Polizei erlitten hatte.

Abtreibung: Die katholischen Krankenhäuser Südafrikas haben erklärt, daß sie lieber schließen wollen, als irgendeine Art von Abtreibungsaktivitäten zuzulassen. Anlaß zu dieser Aussage ist ein Gesetzentwurf, der dem Parlament vorliegt. Er soll Abtreibungen bis zur 14. Schwangerschaftswoche erlauben.

Spätabtreibungen: Verschiedene katholische Organisationen Italiens haben schriftlich gegen die Abtreibungspolitik des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton protestiert. Sie kritisieren besonders sein Veto gegen das Gesetz, das Spätabtreibungen (bis zum 7. Monat) verbieten sollte.

Euthanasie: Der Oberste Gerichtshof der australischen Northern Territories hat am Mittwoch die Klage gegen das umstrittene Euthanasiegesetz abgewiesen. Das Gesetz sei korrekt zustandegekommen, urteilten die Richter.

Studium: Es gibt Planungen für einen Studienabschluß im Bereich "Humanitäre Hilfe" an einigen europäischen Hochschulen. Diese Ankündigung machte jetzt der Vorsitzende der US-amerikanischen Hilfsorganisation "Care international" in Brüssel. Das immer größer werdende Flüchtlingselend und andere Katastrophen machten ausgebildete Fachkräfte auch an den Universitäten notwendig, so die Begründung des Vorhabens.

Katastrophengebiete:

Überschwemmung: Bei den Überschwemmungen im Süden und Osten Chinas sind mindestens 929 Personen ums Leben gekommen. Diese provisorische Bilanz wurde am Mittwoch veröffentlicht.

Kirche:

Verstorben: Am Mittwoch ist der Patriarch der griechisch-orthodoxen Kirche von Alexandria und ganz Afrika, Parthenios III. gestorben. Er befand sich auf einer Pilgerreise. Der 77jährige trug in der auch den Titel "Papst" und "Richter der Ökumene". Er galt in den vergangenen Monaten als wichtigster Vermittler bei den Streitigkeiten zwischen dem Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., und dem russisch-orthodoxen Alexij II. Als Kenner der Kirche in Mittelmeerraum, besonders in Nordafrika, gehörte Parthenios zu den herausragenden Gestalten der orthodoxen Ökumene.

Treffen: In der ungarischen Benediktinerabtei Pannonhalma wird eine Woche nach dem Besuch des Papstes ein hochrangiges Ökumenetreffen stattfinden. Der Abt des Klosters hat für den 14. September Vertreter der orthodoxen, katholischen und protestantischen Kirche zu einem "Tag der christlichen Einheit" aufgerufen. Anlaß ist das 1000jährige Bestehen der Abtei. (kna)

Reaktionen: Ein allgemeines christliches Konzil - das soll nach dem Vorschlag des Generalsekretärs des Ökumenischen Rates der Kirchen, Konrad Raiser, einberufen werden. In ersten Reaktionen begrüßten Vertreter der Konferenz europäischer Kirchen und des Reformierten Weltbundes die Idee.

Rückgabe: Der Rechtsberater der katholischen Kirche Tschechiens hat erklärt, daß die geplante Rückgabe von 175.000 Hektar Waldbesitz an die Kirche ungenügend sei. Er wandte sich insbesondere gegen die damit verbundene Kürzung staatlicher Zahlungen. (kna)

Laienbewegung: Die franziskanische Laienbewegung breitet sich besonders in Ostmitteleuropa aus. Die nationalen Organisationen des sogenannten "Dritten Ordens" in Tschechien, Ungarn und der Slowakei wurden beim Generalkapitel in Rom wieder offiziell anerkannt. In vielen anderen osteuropäischen Staaten kam es zu Neugründungen.

Deutschland:

Schwangerenberatung: Im Streit um das geplante Schwangerenberatungsgesetz hat die Opposition im bayerischen Landtag am Montag Kardinal Friedrich Wetter angegriffen. Er hatte am Sonntag in seiner Predigt vom "erbarmungswürdigen Bild" des Parlaments gesprochen. Am Montag erklärte die bayerische SPD-Vorsitzende Renate Schmidt, in der Demokratie werde über den besten Weg nicht von der Kanzel herab entschieden. Auch Bündnis 90/Die Grünen meinten, ohne das, "unselige Wirken der Bischöfe" wäre die ganze Debatte nicht notwendig gewesen. (kna)

Letzte Reaktion: Renate Schmidt hat Kardinal Wetter in den Landtag eingeladen. In einem am Mittwoch veröffentlichten Brief schreibt sie, daß sich der Kardinal in der Schwangerenberatungsdebatte vom kommenden Montag an so ein objektives Bild der Lage machen könne. - Wie am Donnerstag bekannt wurde, antwortete Kardinal Wetter nicht auf dieses Angebot (kna)

Sekten: Die etablierten Sekten finden in den neuen Bundesländern weniger Zulauf als befürchtet. Das hat der wissenschaftliche Referent an der evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungen, Andreas Fincke, festgestellt. Jedoch fänden unterschiedliche okkulte Gruppen und neuheidnisch-germanische Sekten dort den geeigneten Boden. Fincke erklärte, in Ostdeutschland verbreiteten sich, abgesehen von den Zeugen Jehovas, eher säkulare Sekten als religiöse Gruppierungen.

Kindergärten: Die katholische Kirche hat in den letzten 4 Jahren fast 60.000 neue Kindergartenplätze geschaffen. Das teilte am Dienstag der Caritasverband in Freiburg mit.

Aufgeschappt:

Lärm: Umweltschützer haben am Donnerstag festgestellt, daß der römische Verkehr genauso laut ist wie die Niagara-Fälle. 77,6 Dezibel wurden kurz vor der Siesta an der Kirche S. Maria Maggiore gemessen. (kna)

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (25. bis 31. Juli):

Donnerstag: Kreuz des Südens - Leben in jungen Kirchen.

Freitag: Prisma - Facetten aus Politik, Gesellschaft und Religion. GEPLANTE BEITRÄGE: Europäische Frauensynode in Österreich, ein Bilanz. - Seelsorge am Urlaubsort, Beispiel: Frankfurter Flughafen.

Samstag: Kommentar der Woche von Matthias Kopp. Sonntagsbetrachtung von Gotthard Rosner WV aus Rom.

Sonntag: Aktenzeichen: Johannes Messner - Auf der Suche nach dem wahren Glück. Von Aldo Parmeggiani.

Montag: Weltkirchen-Magazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Südafrika: Schwierige Arbeit der Wahrheitskommission. Ein Bericht. - Österreich: Eröffnung der Salzburger Hochschulwochen. Ein Interview.

Dienstag: 30 Jahre Deutsch-Polnische Freundschaft - ein Beitrag von Hans Maier aus München

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien. (Mit der Ansprache des Papstes an die deutschsprachigen Pilger bei der Generalaudienz).

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