vom 19. bis 22. Juli 1996

Vatikan:

Treffen: Papst Johannes Paul II. und der russisch-orthodoxe Patriarch Alexij II. werden sich nicht treffen. Seit Monaten waren Gerüchte zu hören, nach denen die beiden sich während des Ungarnbesuches des Papstes in der Benediktinerabtei Pannonhalma sprechen wollten. Der Abt des Klosters verkündete am Freitag die Absage Alexijs.

Konkordat: Der Vatikan beklagt den Aufschub der Ratifizierung des Konkordats mit Polen. In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung betonte die Nuntiatur in Warschau, der vor 3 Jahren zustande gekommene Vertrag dürfe nicht zu politischen Zwecken mißbraucht werden. Zur Ratifizierung soll es erst nach dem Referendum über die polnische Verfassung kommen. - Am Montag hat der Außenminister Polens auf die Erklärung der Nuntiatur geantwortet, die Ratifizierung werde wohl in 3 Monaten zustande kommen.

Föten: Der Osservatore Romano hat am Montag die Massenvernichtung von befruchteten menschlichen Eizellen als absolut unzulässig bezeichnet. Nur falls die Mutter die Einpflanzung ihrer befruchteten Eizelle verweigere oder sie nicht auffindbar sei, könne eine andere Frau den Fötus gleichsam adoptieren.

Angelus: Der Papst hat beim Angelusgebet in seinem Ferienort in den Dolomiten den Beginn der Olympischen Spiele in Atlanta gewürdigt. Gott möge die Spiele beschützen, damit sie ruhig und im Zeichen der Brüderlichkeit verliefen. Der Papst gedachte auch der Opfer des Flugzeugabsturz bei Long Island und rief zum Gebet für die Toten auf.

Dank: Der Präsident des internationalen Olympischen Komitees, Juan Antonio Samaranch, hat dem Johannes Paul II. für die Worte beim Angelus gedankt. Er schrieb in seiner Dankesbotschaft wörtlich: "Ihr Segen, Heiliger Vater, gibt uns Mut, im Sinne der Freundschaft, Solidarität und Brüderlichkeit zwischen allen Völkern der Welt zu arbeiten."

Menschenrechte:

Untersuchung: Nach seiner Bosnienreise hat der französische Militärbischof Michel Dubost das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag aufgefordert, auch die Menschenrechtsverletzungen in Banja Luka zu untersuchen.

Gewalt: Der ökumenische Rat der Kirchen hat die Gewalt gegen Landlose in Brasilien verurteilt. Die Bevölkerung sei immer noch von dem Massaker im April traumatisiert. Ein Vertreter der Kommission, die das Land für eine Woche bereiste, erklärte, es sei eine Katastrophe, daß Gewalttäter gegen Landlose gewöhnlich straffrei ausgingen. (kna)

Freispruch: In Brasilien haben der für die Landlosen verantwortliche Bischof und sein Anwalt ihre Verwunderung darüber gezeigt, daß Land-Eigentümer vom Mord an 19 Landbesetzern freigesprochen worden sind. In einem Urteil der Zivilpolizei, das letzten Donnerstag dem Justizministerium übergeben wurde, werden 3 Vertreter der Landlosen-Organisation beschuldigt, Rechtsordnungen nicht beachtet zu haben. Der Bischof kommentierte, er wundere sich, daß man die Schuldigen unter den Opfern suche.

Todesstrafe: Die Bischöfe Litauens haben die Absicht von Staatspräsident Algirdas Braskauskas unterstützt, die Todesstrafe nicht mehr anzuwenden. Es gebe genügend andere Mittel, um die Gesellschaft vor schweren Verletzungen zu schützen, erklärte der Erzbischof von Vilnius, Audris Backis. (kna)

Entführung: In den ersten 3 Monaten dieses Jahres wurden in Kolumbien rund 550 Personen entführt. Davon befinden sich noch etwa 300 in den Händen ihrer Entführer - die anderen wurden freigelassen oder konnten von der Polizei befreit werden. Mehrere Guerillagruppen leben in Kolumbien vom Menschenraub.

Prüfung: Die Menschenrechtskommission der "Organisation amerikanischer Staaten" ist am Freitag in Südmexiko eingetroffen, um die Situation in Chiapas zu studieren. Sie wird auch mit Bischof Samuel Ruiz zusammentreffen, der der Vermittlungsgruppe zwischen Staat und Rebellen angehört.

Massaker: Wie Zeugen am Sonntag erklärten, sollen bei Massakern im Zentrum Burundis mehr als 300 Personen umgekommen sein. Die meisten der Opfer seien Frauen, Kinder und Babys. Ein Gesandter der Vereinten Nationen bat um Notmaßnahmen, um das ethnisch motivierte Morden zu beenden. In den letzten 3 Jahren sollen dabei mehr als 150.000 Menschen ums Leben gekommen sein.

Beschneidung: Das ägyptische Gesundheitsministerium hat ab sofort die Beschneidung von Mädchen in allen staatlichen Krankenhäusern und Kliniken verboten. Bisher wurde dieser Brauch geduldet, um die Kinder vor unfachgemäßen und gefährlichen Eingriffen zu schützen. In den ägyptischen Städten werden heute noch 50% der Mädchen, nicht nur muslimische, sondern auch christliche, beschnitten. Auf dem Land liegt der Anteil bei 80%. Dies geschieht, obwohl der Brauch nicht der islamischen Tradition entspricht.

Druck: Vor 20 Jahren wurde Ost-Timor durch Indonesien annektiert. Anläßlich dieses Datums haben die kanadischen Bischöfe ihre Regierung gebeten, Druck auf Jakarta auszuüben, damit Indonesien die Menschenrechte auf der Insel garantiert. Diese wird mehrheitlich von Katholiken bewohnt. Ihre Priester und pastorale Mitarbeiter würden Schikanen, willkürlichen Verhaftungen und Attentaten ausgesetzt.

Entschuldigung: Die katholische Kirche Australiens hat sich am Donnerstag wegen ihres Verhaltens gegenüber der Urbevölkerung entschuldigt. Sie habe schuldhaft an der früheren Rassentrennungspolitik der Regierung teilgenommen.

Krisengebiete:

Aufruf: Der Primas der katholischen Kirche Irlands, Kardinal Cahal Daly, hat am Sonntag die IRA dazu aufgerufen, die Feuerpause wieder in Kraft zu setzen. Dies würde mehr als alles dabei helfen, den Frieden in Nordirland zu retten. Er forderte weiterhin eine unabhängige Untersuchung der Rolle der Polizei bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen in Portadown.

Katastrophengebiete:

Cholera: In Nigeria wütet eine Choleraepidemie. Mehr als 1.800 Opfer hat die Krankheit seit Anfang dieses Jahres gefordert. Besonders schlimm ist die Lage im Norden des Landes, nahe der Grenze zum Tschad. Die Gesundheitsbehörden des Landes erklärten, sie hätten um nationale und internationale Solidarität gebeten, um mit Notmaßnahmen der Epidemie zu begegnen.

Meningitis: In Westafrika breitet sich eine Meninigitis-Epidemie aus. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag in Genf mitteilte, sind bisher etwa 140.000 Personen infiziert, mehr als 15.000 sind an der Krankheit bereits gestorben. Zwar kommen alle 8 bis 12 Jahre Meningitis-Epidemien in dieser Region zum Ausbruch, jedoch, wie die WHO betonte, häufen sie sich in den letzten Jahren. Besonders betroffen sind Nigeria, Burkino Faso, Niger und Mali. (kna)

Kirche:

Vorwurf: Die belgische katholische Zeitung "Golias" hat dem Vatikan und anderen katholischen Einrichtungen vorgeworfen, sie schützten ruandische Ordensleute, die sich an Massakern beteiligt hätten. Kirchliche Beobachter erwiderten darauf, daß es noch nicht unmoralisch sei, eine Person zu schützen, die sonst aus Rache ermordet würde, ohne vor ein ordentliches Gericht gestellt zu werden. Die Vorwürfe müßten erst bewiesen sein.

Treffen: In Bosnien haben sich kroatische Kirchenführer im serbisch besetzten Banja Luka getroffen. Gäste des Bischofs der Stadt, Franjo Komarica, waren der kroatische Primas, Kardinal Franjo Kuharic, sowie die katholischen Bischöfe von Mostar und Dubrovnik. Auf der Tagesordnung standen Gespräche mit dem serbisch-orthodoxen Bischof von Banja Luka und ein Besuch von Ruinen zerstörter Kirchen.

Konzil: In Deutschland hat der Generalsekretär des ökumenischen Rates der Kirchen, Konrad Raiser, den Vorschlag gemacht, für das Jahr 2000 ein "Allgemeines Christliches Konzil" einzuberufen. Wie er in einem am Freitag veröffentlichten Zeitungsinterview erklärte, habe er diese Anregung schon im letzten Jahr an Papst Johannes Paul II. weitergegeben. (kna)

Letzter Gottesdienst: In der katholischen Gemeinde Maria Himmelfahrt in Hong Kong ist jetzt der letzte offizielle Gottesdienst vor der Übergabe der Kronkolonie an China gefeiert worden. Die Pfarrei wurde dadurch berühmt, daß sie seit 45 Jahren Flüchtlingen Aufnahme gewährt.

Streit um Rückgabe von tschechischem Kircheneigentum:

Vlk (1): Der Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vlk, hat sich jetzt nochmals in die jüngsten parlamentarischen Verhandlungen zu Fragen der Rückgabe eingeschaltet. Er bat am Freitag besonders die Opposition, ihre kritische Haltung gegenüber der Kirche zu überdenken. Die Opposition will das Rückgabeabkommen von vormals enteignetem Kirchengut am kommenden Dienstag im Parlament zu Fall bringen.

Forstbesitz: Inzwischen hat der designierte Bischof von Ostrau, Frantisek Lobkowicz, am Freitag bestätigt, daß die Kirche ihren Forstbesitz zurückerhalten werde. Im Parlament sei diese Entscheidung bereits durchgebracht. 175.000 Hektar Waldfläche würden der Kirche demnach zurückerstattet.

Kritik: Die tschechischen Sozialdemokraten haben die Entscheidung für die Rückgabe des Forstbesitzes kritisiert. Die Regierung könne Staatseigentum nicht wie Privatbesitz behandeln. Sie machten ihre Zustimmung von einer gesetzlichen Regelung des Problems abhängig. (kna)

Vlk (2): Kardinal Vlk hat die Behauptung zurückgewiesen, das enteignete Kirchengut sei öffentliches Eigentum. Er bewertete diese Behauptung als populistisch und demagogisch. Die Kirche verlange das enteignete Gut zurück, um ihren Klerus von Staatsbezahlung unabhängig zu machen. (kna)

Deutschland:

Theologiestudium: Der führende Kirchenrechtler im Bistum Limburg, Thomas Schüller, hat die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Sachen Frankfurter Theologiestudium begrüßt. Sie sei ein Meilenstein für das Verhältnis zwischen Kirche und Staat. Das Land Hessen darf keinen Diplomstudiengang Theologie in Frankfurt ohne Absprache mit der Kirche anbieten.

Abtreibung: Der Münchner Kardinal Friedrich Wetter hat den bayerischen Landtag wegen seiner Debatte um das Abtreibungs-Strafrecht kritisiert. In seiner sonntäglichen Predigt sprach er von einem erbarmungswürdigen Bild der Parlamentarier, ohne allerdings Parteien zu nennen. (kna)

Abschiebung: Amnesty international hat am Freitag die Abschiebung einer afghanischen Familie als "unverantwortlich" kritisiert. Die Abgeschobenen müßten befürchten, Opfer von Menschenrechtsverletzungen zu werden. (kna)

Orthodoxe: Die orthodoxen Christen führen in der Bundesrepublik ein Ghetto-Dasein. Das hat Metropolit Augoustinos jetzt bei einer Tagung erklärt. Die Priester sollten sich öffnen und Deutsch lernen, um sich besser in die Gesellschaft zu integrieren. (kna)

Rehabilitieren: Der thüringische Ministerpräsident Bernhard Vogel, und die Berliner Bürgermeisterin Christine Bergmann haben dafür plädiert, Widerstandskämpfern gegen das Dritte Reich, insbesondere Dietrich Bonhoeffer, zu rehabilitieren. (kna)

Weitere Meldungen:

Karadcic: Der bosnische Serbenführer Radovan Karadcic gibt den Parteivorsitz auf und zieht sich aus dem polititschen Leben zurück. Das ist das Ergebnis von Gesprächen zwischen dem amerikanischen Unterhändler Richard Holbrooke und dem serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic. Karadcic wird vom Den Haager Kriegsverbrecher-Tribunal wegen Völkermord der Prozess gemacht. Dort verlangt man auch nach seinem politischen Aus, das begrüßt wurde, seine Festnahme und Verbringung nach Den Haag.

Abbé Pierre: Der französische Armenpriester Abbé Pierre hat seine umstrittenen Äußerungen zum Holocaust zurückgenommen und sich entschuldigt. Er erklärte am Montag in der katholischen Tageszeitung "La Croix", er habe immer gegen Antisemitismus und Faschismus gekämpft und werde dies auch weiter tun. In einem Schreiben an den Schriftsteller Roger Garaudy, den Abbé Pierre unterstützt hatte, bittet der Priester, seinen Namen nicht in Verbindung mit umstrittenen Thesen zum Holocaust zu nennen. (kna)

Frauensynode: "Frauenmacht verändert das 21. Jahrhundert" ist das Thema der "Ersten Europäischen Frauensynode", die am Sonntag in Gmunden in Oberösterreich eröffnet wurde. An ihr nehmen über 1.000 religiös interessierte Feministinnen aus 40 Nationen teil. Sie werden bis zum kommenden Freitag über das Bild der Frau in Politik, Gesellschaft und Religion diskutieren. (kna)

Emmy: Der große Moses-Film ist für den Fernsehpreis "Emmy" (den Fernseh-Oskar) vorgeschlagen worden. Das wurde am Freitag in Rom bekannt. Die internationale Co-Produktion mit Ben Kingsley in der Hauptrolle soll gute Chancen haben, den Preis zu gewinnen.

(weitere Infos zur Bibelverfilmung auf www.kath.de/bibel)

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (22. bis 28. Juli):

Montag: Weltkirchen-Magazin. GEPLANTE BEITRÄGE: Papst und Olympia - Warum das Treffen zwischen Alexij und dem Papst nicht zustande kommt - Bulgarien hat nun 2 orthodoxe Patriarchen.

Dienstag: Radioakademie: Felicitas Niesel-Lessenthin: "Innehalten bei Gott - Besuch in schönen Gotteshäusern." 4. Teil: Der moderne Kirchenraum.

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien. (Mit der Ansprache des Papstes an die deutschsprachigen Pilger bei der Generalaudienz). GEPLANTE BEITRÄGE: Papst plant Reise nach Sarajewo - 20. Todestag: Kardinal Julius Döpfner, früherer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. - Beitrag zum Jahrestag der Einführung der Inquisition.

Donnerstag: Kreuz des Südens - Leben in jungen Kirchen.

Freitag: Prisma - Facetten aus Politik, Gesellschaft und Religion. GEPLANTE BEITRÄGE: Musical "Straßenkinder in Rio". - Bericht zum Abschluß der ersten Europäischen Frauensynode in Österreich. - Seelsorge am Urlaubsort. Ein Portrait, Teil I.

Samstag: Kommentar der Woche von Matthias Kopp. Sonntagsbetrachtung von Gotthard Rosner WV aus Rom.

Sonntag: Aktenzeichen: Johannes Messner - Auf der Suche nach dem wahren Glück. Von Aldo Parmeggiani.

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Redaktion: Ruthild Kropp
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