r a d i o   v a t i c a n a    k o m m e n t a r

ausgestrahlt von Radio Vatikan am 15.7.1996

Kommentar von Pater Eberhard v. Gemmingen zur Internationalen Aids-Konferenz in Vancouver.

Ich habe nirgend gelesen, daß auf der Konferenz laut gesagt worden wäre: Treue gegen den Ehepartner ist sichere Garantie gegen Aids. "Sei deinem Ehepartner treu, dann wirst Du fast sicher kein Aids bekommen". Wenn die Fachwelt den Menschen helfen will, müßte sie auch und als erstes dies sagen. "Versuche also eine glückliche Ehe einzugehen, das ist die beste Aids-Impfung. Sollte Deine erste Ehe sogar zerbrochen sein und du nochmals heiraten, dann sei deinem zweiten Ehepartner treu bis in den Tod und du wirst fast sicher kein Aids bekommen."

Das sind zwar Binsenweisheiten, aber gerade jungen Menschen muß man diese Binsenweisheiten dann und wann sagen. Wie sollen sie sie lernen, wenn es ihnen niemand sagt? Dann sollte man aber ruhig anfügen: Sexualverkehr mit wechselnden Partnern ist auch unhuman. Für Christen gilt: Es ist gegen das göttliche Gebot. Die Freude am Geschlecht wird zum Konsumgut, wenn sie nicht eingebunden ist in die Liebe zum anderen Menschen als Menschen.

Ich weiß, daß vor allem Menschen, die homosexuell veranlagt sind und ihre Homosexualität praktizieren, die Hauptgefährdeten sind. Aber auch hier gilt wohl: "Wenn du deine homosexuelle Anlage schon praktizieren willst, dann bleib bitte bei deinem Partner, halte ihm die Treue, und du bist fast sicher vor Aids".

Und dann füge ich gerne an: Wir sind aus christlicher Liebe streng verpflichtet, Aids-Kranken und HIV-Infizierten wirklich zu helfen. Christus wird uns eines Tages auch fragen, ob wir ihn im Aids-Kranken gesehen haben. Hilfe und Sorge und Vorsorge sind nötig. Aber Christus wird uns eben auch fragen, ob wir jungen Leuten eindeutig erklärt haben: Wenn Du Männer oder Frauen wie Konsumgut zu deinem Vergnügen mißbrauchst, dann hast Du Christi Liebe mißbraucht. Wir haben es ihm angetan.

Und ein Wort zur Aidsausbreitung in Afrika: Ich gehe davon aus, daß die Krankheit sich dort besonders verbreitet, weil die Familie in Afrika in den letzten Jahrzehnten besonders rapide zerfallen ist, weil die Dorf- und Stammes-Struktur sich aufgelöst hat. Daher ist Sexualverkehr auf dem schwarzen Kontinent nicht mehr eingebunden in ein überkommenes Verhaltensmuster, in Tradition und Sitte. Es ist daher falsch, Steine auf die Afrikaner zu werfen. Wir würden uns in der Situation ebenso verhalten. Wir sollten helfen, sogut wir dies können, eine neue innere Sozialordung zu finden, dann wird auch Aids sich relativieren.

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