vom 12. bis 15. Juli 1996

Vatikan:

Treffen?: Beim Papstbesuch im September in Ungarn könnte es wirklich zu einer Begegnung Johannes Pauls mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Alexi II. kommen. Beide Seiten denken derzeit darüber nach, erklärte am Sonntag ein Vatikansprecher. Das Treffen, das eine Premiere wäre, könnte nach Ansicht von Beobachtern den Weg für eine Papstreise nach Moskau freimachen. Dazu gibt es nach Vatikanangaben aber noch keine konkreten Vorbereitungen.

Programm: Am Montag ist das Programm für die Frankreich-Reise des Papstes veröffentlicht worden. Er wird am 19. September in Tours landen. Von dort aus macht er Abstecher nach Saint Laurent sur Sevre, nach Lorient und Saint Anne D`Auray. Am vierten und letzten Tag besucht er Reims. Anlaß für die Reise ist der 1500. Jahrestag der Taufe des Frankenkönigs Chlodwig.

Nordirland:

Gebet: Papst Johannes Paul II. hat zum Gebet für den Frieden in Nordirland aufgerufen. Von seinem italienischen Ferienort in den Dolomiten aus mahnte der Papst nachdrücklich, den Respekt vor den Rechten jeder Person und jeder sozialen Gruppe zu wahren.

Katastrophal: Der katholische Primas von Irland, Kardinal Cahal Daly, hat am Freitag die Entscheidung der Polizei, einen protestantischen Marsch doch noch zu erlauben, als "katastrophal" kommentiert. Nachdem er mit dem anglikanischen Erzbischof Robin Eames tagelang in Verhandlungen versucht hatte, einen Kompromiß zu finden, fiel die überraschende Entscheidung der Polizei noch vor dem Ende ihrer Gespräche. Nach Dalys Meinung muß man bei der derzeit herrschenden Gewalt mit verhängnisvollen Konsequenzen rechnen.

Verantwortung: Der Primas der katholischen Kirche von Irland, Kardinal Cahal Daly, hatte bereits am Freitag die Regierung Major scharf attackiert. Sie sei verantwortlich für die brutalen Auswüchse in Ulster. Zugleich wollte er aber die Hoffnung auf eine Besserung der Lage noch nicht völlig aufgeben. Wörtlich sagte Daly:" Ich kann nicht glauben, daß all das, was in den letzten 2 Jahren ausgehandelt worden ist, jetzt in Rauch aufgegangen ist."

Wahnsinn: Ein Pressesprecher der englischen Polizei in Irland hat die 5. Nacht gewalttätiger Ausschreitungen von Freitag auf Samstag als "absoluten Wahnsinn" bezeichnet. Mehr als 300 Brandbomben wurden allein auf einen Abschnitt der Lenadoon Avenue im Westen Belfasts geworfen.

1 Toter: Ein Ire ist am Samstag an den Folgen der gewalttätigen Auseinandersetzungen der vorigen Nacht gestorben. In deren Verlauf hatten Randalierer etwa 900 Brandbomben auf Sicherheitskräfte geworfen. Er wurde am Montag beigesetzt.

Staatsstreich: Gerry Adams, der politische Führer der Shinn Fein, hat erklärt, daß die Unionisten von Ulster einen "Staatsstreich" ausgeführt hätten. Die britische Regierung habe vor ihnen kapituliert. In einem Interview mit der BBC verglich er den Marsch durch das katholische Viertel Belfasts mit einem Gang des Ku-Klux-Clans durch Harlem. Weiter betonte er, daß der Friedensprozess seiner Meinung nach eindeutig in Trümmern liege.

Teneriffa: Hunderte von britischen und irischen Touristen sind auf Teneriffa aneinandergeraten. Eine Diskussion über die politische Situation in Nordirland artete in einen Kampf aus. Die Touristen gingen mit Flaschen, Gläsern und Messern aufeinander los. 3 Briten wurden bei den Auseinandersetzungen verhaftet, an denen etwa 300 Personen beteiligt waren.

Menschenrechte:

Arbeitslosigkeit: In den Ländern der Europäischen Union sollen wirksame Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit ergriffen werden. Dazu hat die Konferenz Europäischer Kirchen die EU aufgefordert. Der geplante neue Unionsvertrag soll auch ein Kapitel zur Beschäftigungssicherheit enthalten (kna)

Keine Einmischung: Das chinesische Amt für religiöse Angelegenheiten in Peking wird sich in Hongkong nicht in die Religion einmischen. In diesem Sinne hat das Religionsamt sich in diesen Tagen gegenüber einer Delegation des Weltrates der Kirchen geäußert. Diese meinte nach ihrer Rückkehr, es herrsche eine überraschende Toleranz gegenüber der Religion. (kna) - Am Montag hat das Büro des Dalai Lama in Nordindien mitgeteilt, daß vor einigen Wochen 8 tibetische Nonnen von der chinesischen Polizei geschlagen und anschließend verhaftet worden seien. Der Grund dafür sei eine Unabhängigkeitsdemonstration gewesen.

Gedenken: Am Freitag haben etwa 30.000 Menschen im bosnischen Tuzla den Jahrestag der Massaker von Srebrenica begangen. In Tuzla hält sich der größte Teil der Überlebenden aus der UNO-Schutzzone auf. Sie war vor einem Jahr in die Hand der bosnischen Serben gefallen. Tausende von Moslems aus der Stadt sind seither vermißt und vermutlich tot.

Sterilisation: Die peruanischen Bischöfe werfen der Regierung in Lima vor, Frauen durch Vergünstigungen zur Sterilisation zu verleiten. Auch Kinder würden dazu eingesetzt, ihre Mütter zu überreden. Falls dieser jetzt erhobene Vorwurf sich bestätigt, werde die Kirche die Regierung anklagen, Würde und Freiheit der Frauen menschenrechtswidrig zu verletzen.

Ermordet: In Uganda soll die fundamentalistische Sekte "Widerstandsarmee des Herrn" etwa 90 sudanesische Flüchtlinge ermordet haben. Dies meldet das Welternährungsprogramm in Kenia. Es sei das schlimmste Massaker im Norden Ugandas gewesen. Die Sekte möchte Uganda mit Gewalt zu einem urchristlichen Paradies machen.

Untersuchung: Am Montag ist eine Delegation des Weltrats der Kirchen zur Untersuchung des Massakers an Landlosen im brasilianischen Rio de Janeiro eingetroffen. Der Weltrat hatte nach der Ermordung von Landbesetzern durch die Militärpolizei im April bei Präsident Fernando Cardoso die Bestrafung der Verantwortlichen gefordert. Nun wollen sich die Ratsmitglieder ein Bild an Ort und Stelle verschaffen. (kna)

Krisengebiete:

Jerusalem: Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu will Pressemeldungen zufolge die palästinensischen Behörden auffordern, den Amtssitz ihres Kultusministers auf dem Tempelberg in Jerusalem zu schließen. Diese Nachricht erregte in Israel viel Aufsehen. Bei seinem Besuch in den USA hatte Netanyahu Präsident Bill Clinton bereits ein Verzeichnis mit den Verletzungen der Osloer Abkommen durch die Palästinenser überreicht. Alle darin aufgeführten "Vergehen" beziehen sich auf die Stadt Jerusalem.

Zusammenstöße: In der Nacht von Freitag auf Samstag ist es in Jerusalem zu heftigen Zusammenstößen zwischen orthodoxen Juden und der Polizei gekommen. Hunderte von Ultraorthodoxen warfen Steine auf Polizisten und Autos. Damit reagierten sie auf die Entscheidung des obersten Gerichtshofs, eine Hauptverkehrsader am Sabbat für den Verkehr offen zu halten.

Kirche:

Diktator: Der Sprecher des Erzbischofs von Guatemala-Stadt hat Präsident Alvaro Arzu als "modernen Diktator" bezeichnet. Auch wenn er Präsident sei, habe er kein Recht, die Kirche zum Schweigen anzuhalten. Arzu hatte Äußerungen von Erzbischof Prosper Penados del Barrio zur Innenpolitik als unqualifiziert abgetan.

Besserung: Der Erzbischof von Havanna auf Kuba hat auf eine deutliche Besserung des Staat-Kirche-Verhältnisses hingewiesen. Ein klarer Fortschritt sei bereits, daß sich der kubanische Staat nicht mehr als atheistisch, sondern als laizistisch bezeichne.

Radikalisierung: Der Erzbischof der bosnischen Hauptstadt Sarajewo, Kardinal Vinko Puljic, ist beunruhigt über Anzeichen einer Radikalisierung der politischen muslimischen Kräfte im Land. Er rief jetzt zur Respektierung der Rechte von Minderheiten auf. Der Kardinal äußerte den Wunsch, daß der Papst im Herbst nach Sarajewo kommen solle. "Wenn er nicht in diesem Jahr kommt, wäre es sehr enttäuschend für uns", erklärte er.

Verurteilt: Die bulgarische Regierung hat die Spaltung der orthodoxen Kirche scharf verurteilt. Sie steht auf der Seite des rechtmäßigen Patriarchen Maxim. Das geht aus einem Brief hervor, den Ministerpräsident Jano Widenow an Maxim gerichtet hat. Eine Kirchenvolksversammlung hatte in der Vorwoche den Ex-Patriarchen Pimen zum Gegenpatriarchen gewählt. Bereits vor 4 Jahren hatte Pimen Patriarch Maxim für abgesetzt erklärte, weil er angeblich Handlanger der kommunistischen Regierung gewesen sei. (kna)

Finanzkrise: Der Weltkirchenrat steckt in einer tiefen Finanzkrise. Das schreibt Generalsekretär Konrad Reiser in einem Brief an die Mitgliederkirchen. Die Einkünfte reichen nicht länger aus, um die Aktivitäten des Rates zu bezahlen.

Anerkennung: Die vom russischen Patriarchat abgespaltene ukrainisch-orthodoxe Kirche hat erneut ihre Anerkennung durch die Weltorthodoxie gefordert. Bei einer improvisierten Feier ehrten am Sonntag 1.500 Menschen in Kiew den vor einem Jahr verstorbenen Patriarchen Wolodymir.

Laienforum: In London ist am Donnerstag das Europäische Forum der Laienräte zuende gegangen. 120 Teilnehmer aus 25 Mitgliederkomitees hatten fast eine Woche über die Verantwortung von Laien in Medien diskutiert.

Jan Hus: Die Protestanten Tschechiens begrüßen den Schritt von Kardinal Miloslav Vlk, den Reformator Jan Hus zu rehabilitieren. Der frühere Sekretär der evangelischen Kirche des Landes lobte die Äußerung des Kardinals als einen großen Schritt für die Ökumene. (kna)

Deutschland:

Friedensdienst: Ein ziviler Friedensdienst von Deutschen in Ex-Jugoslawien ist unabdingbar. Das erklärte der Präsident der deutschen Sektion von Pax Christi, Bischof Hermann Josef Spital, am Freitag. Niemand könne übersehen, daß nach einem Truppenabzug auf dem Balkan schon im Herbst der Bürgerkrieg wieder aufflammen könne. Entwicklungsminister Carl-Dieter Spranger hatte Anfang des Monats angedeutet, er werde das Projekt Friedensdienst nicht unterstützen. (kna)

Waffenlieferungen: Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat am Montag der Bundesregierung vorgeworfen, heimlich Waffenlieferungen in alle Welt zu erleichtern. Dies sei durch den Beschluß des Bundessicherheitsrates möglich geworden. Man fördere die Zusammenarbeit mit Partnerfirmen in Nato-Staaten und Ländern Südostasiens. (kna)

Scientology: Die Sekte hat erneut vor Gericht gegen den Weltbild Verlag gewonnen. Das Oberlandesgericht München wies am Freitag eine Berufung des Verlags gegen ein früheres Urteil zurück. Danach dürfen der Weltbild Verlag und die Autorin Renate Hartwig nicht behaupten, daß Scientology geplant habe, den Mann von Frau Hartwig zu ermorden. (kna)

Respekt: Mehr Respekt für die 1941 nach Sibirien zwangsevakuierten Rußlanddeutschen - das hat der katholische Bischof von Novosibirsk am Freitag gefordert. In der Bundesrepublik herrsche derzeit ein Klima, das viele von ihnen nach ihrer Einreise als eine weitere Vertreibung empfänden. (kna)

Diskussionen um die Schwangerenberatung:

Gescheitert: Die bayerische SPD ist am Donnerstag mit ihrer Klage vor dem Münchener Verfassungsgerichtshof gescheitert. Sie hatte gegen das laufende Gesetzgebungsverfahren zur Neuordnung der Schwangerenkonfliktberatung geklagt. Die SPD sah während einer Ausschußsitzung das Rederecht ihrer Abgeordneten verletzt. (kna)

Man wartet: Das Land Brandenburg wird den katholischen Schwangerenberatungsstellen vorläufig nicht die Anerkennung entziehen. Ein Ministeriumssprecher erklärte am Montag in Potsdam, man warte auf ein neues Angebot der Kirche. (kna)

Weitere Meldungen:

Freigesprochen: Im Libanon ist der ehemalige Führer der Untergrundorganisation "guerre chrétien", Samir Geagea, am Samstag von der Anklage des Attentats auf eine Kirche freigesprochen worden. 1994 waren bei dem Anschlag auf ein maronitisches Gotteshaus bei Beirut 11 Personen getötet worden. Der Gerichtshof, der Geagea gleichfalls von der Anklage des versuchten Staatsstreiches freisprach, verurteilte ihn dennoch zu 10 Jahren Gefängnis für die Gründung militärischer Brigaden.

Warnung: Junge Schweizer, die in die USA, besonders nach Kalifornien reisen, sollen sich vor der Moon-Sekte vorsehen. Dies erklärte das eidgenössische Schweizer Polizeibüro am Samstag in Bern. Grund für diese Warnung sind verstärkte Bemühungen der Moon-Sekte, neue Mitglieder zu werben.

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