vom 05. bis 08. Juli 1996

Vatikan:

Union von Brest: Am Sonntag beging Papst Johannes Paul II. gemeinsam mit ukrainischen Bischöfe die 400-Jahrfeiern der Union von Brest. Sie hielten eine mehr als dreistündige Liturgie im griechisch-katholischen Ritus. Auch beim Angelus mit den Pilgern und Gläubigen auf dem Petersplatz ermutigte der Papst mit Blick auf das Jahr 2.000 zu einer größeren Gemeinschaft mit den Ostkirchen.

Pilger: Anläßlich dieser Feiern haben die Behörden der Ukraine erstmals einem Pilgerzug von über 1.000 Bürgern in den Vatikan zugestimmt.

Menschenrechte: Johannes Paul II. hat die Kirche von Birma zum Engagement für die Menschenrechte aufgerufen. In einer Ansprache, deren Text er am Freitag den Bischöfen des Landes bei einer Audienz übergab, vermied er allerdings jeden direkten Angriff auf das Militärregime.

Zufrieden: Der Papst hat sich am Montag gegenüber dem neuen Botschafter von Paraguay beim apostolischen Stuhl zufrieden über den Demokratisierungsprozess in dem lateinamerikanischen Land geäußert. Nach 34 Jahren Diktatur herrscht in Paraguay seit 1989 Demokratie. Johannes Paul II. lobte den friedlichen Übergang zu einem wirklichen Rechtsstaat.

Reise: Anläßlich der Feiern zum 1.000 Todestag des Heiligen Adalbert wird der Papst Ende April 1997 die Tschechische Republik besuchen. Das gab am Donnerstag der Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vlk, bekannt.

Urlaub: Der Papst geht in Sommerferien. Er wird 2 Wochen im oberitalienischen Cadore in den Dolomiten verbringen. Sein Urlaub beginnt an diesem Mittwoch nach der Generalaudienz.

Menschenrechte:

Gedenken: Vor 50 Jahren war es in der südpolnischen Stadt Kielce zu einem Judenpogrom gekommen. Mit einer Feier erinnerte man am Donnerstag dort der Opfer. Im Anschluß daran kam es zu heftigen Diskussionen über die Schuldfrage. Am Sonntag wurde in einer offiziellen Feier der Toten gedacht.

Flüchtlinge: Zwischen 1991 und 1995 ist die Zahl der Flüchtlinge weltweit von 17 auf 27 Millionen gestiegen. Wie das UNO-Flüchtlingshochkommissariat jetzt mitteilte, sind die Hauptgründe für diese internationale Völkerwanderung in Bürgerkriegen, Hunger und Armut zu suchen.

Kinderprostitution: Ende August findet in Stockholm die Weltkonferenz gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern statt. Die Kinderschutzorganisation "Terre des hommes" hat aus diesem Anlaß verstärkte Entwicklungsprogramme zugunsten betroffener Mädchen und Jungen gefordert. (kna)

AIDS: Am Sonntag begann im kanadischen Vancouver die 11. internationale AIDS-Konferenz. 15.000 Abgesandte aus 125 Ländern nehmen an ihr teil. Aufgrund einer neuen medikamentösen Behandlung hoffen Wissenschaftler, daß sie das Leben von AIDS-Patienten zumindest verlängern können. Jedoch dämpfte die Tatsache, daß eine Heilung der Krankheit nicht in Sicht ist und das Bewußtsein, daß sie sich unaufhaltsam ausbreitet, den Optimismus der Wissenschaftler.

Religionsfreiheit: Die chinesische Führung hat sich verpflichtet, auch nach ihrer Übernahme Hong Kongs dort die Religionsfreiheit zuzulassen. Das erklärte Gouverneur Christopher Patten am Freitag in einem Radiointerview. Er persönlich glaube nicht, daß es zu einer Kirchenverfolgung wie auf dem chinesischen Festland kommen werde.

Rückführung: Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat den deutschen Bundesinnenminister Manfred Kanther kritisiert. Er spiele mit dem Schicksal von mehr als 300.000 bosnischen Flüchtlingen. Die Organisation erklärte am Montag in Göttingen, es sei für die Flüchtlinge nicht möglich, in den kroatisch und serbisch beherrschten Sektor Bosniens zurückzukehren. (kna)

Entwicklungsprojekte: Im brasilianischen Manaus prüft die Päpstliche Stiftung "Populorum progessio" 200 Anträge für Entwicklungsprojekte in Lateinamerika. Die meisten von ihnen betreffen Hausbau, Gesundheit, Nahrungsmittelversorgung und Kleinhandel. Die Stiftung wurde vom Papst zur Förderung von Ureinwohnern, Afro-Amerikanern, Mestizzen und anderen Randgruppen ins Leben gerufen. Es ist ihre 4 Vollversammlung.

Apokalyptisch: Die Behörden Tunesiens haben am Freitag die Kritik von Amnesty international an der Menschenrechtslage in ihrem Land als ein "surrealistisches Selbstgespräch" zurückgewiesen. Sie erklärten, die Hilfsorganisation beschreibe eingebildete Situationen in einem Land, das man nach ihren quasi apokalyptischen Beschreibung unmöglich wiedererkennen könnte.

Krisengebiete:

Hilfsersuchen: Die Regierung von Burundi hat ausländische Truppen um Hilfe gebeten, um die gewalttätigen Ausschreitungen beenden zu können. Am Donnerstag hatten bewaffnete Hutu-Milizen eine Teefabrik in Teza überfallen. Radio Burundi gab die Zahl der Todesopfer mit 80 an.

Gipfel: Der 32. Gipfel der Organisation afrikanischer Staaten hat in Kamerun am Montag seine Arbeit aufgenommen. Er tagt bis Mittwoch unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt Yaounde. Die Konferenz beschäftigt sich hauptsächlich mit den Konflikten in Burundi, Liberia und Somalia.

Freigelassen: Der russisch-orthodoxe Priester, der am Donnerstag in Tschetschenien aus der Geiselhaft entlassen wurde, ist offenbar auf Vermittlung der OSZE freigekommen. Das meldet die tass aus Grozny. Im Gegenzug habe Rußland einen Leibwächter des früheren Separatistenführers Dudajew freigelassen. Pater Sergius Zigulin war insgesamt 5 Monate in der Hand der tschetschenischen Aufständischen.

Friedensmarsch: Mehrere tausend Personen nahmen am Freitag im Zentrum der Hauptstadt Liberias an einem Friedensmarsch teil. Zuvor hatten sie 3 Tage lang gefastet und gebetet, um ihrer Hoffnung auf Frieden Ausdruck zu verleihen. Angeführt wurden die Marschierenden von einer Gruppe Priester, die Palmzweige als Symbol für den Frieden in den Händen hielten.

Katastrophengebiete:

Überschwemmung: Für die Opfer der Überschwemmungskatastrophe in der Volksrepublik China hat Caritas Internationalis 150.000 Mark bereitgestellt. Die Partnerhilfe wird über die Caritas Hong Kong an besonders arme Familien verteilt.

Cholera: Im Norden Kameruns, nahe der Grenze zum Tschad, sind etwa 30 Personen an Cholera gestorben. Im Tschad waren in 2 Wochen 42 Menschen der Krankheit zum Opfer gefallen. 747 Cholerafälle wurden registriert.

Choleragefahr: Wie die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" am Montag in Bonn mitgeteilt hat, sitzen rund 3.500 somalische Flüchtlinge an der Grenze zu Kenia fest. Sowohl ihr Ernährungs- als auch ihr Gesundheitszustand seien schlecht. Es drohe eine Choleraepidemie. Die Menschen waren vor Kämpfen und einer drohenden Hungersnot geflohen. (kna)

Kirche:

Synode: Priester, kirchliche Verbände und Laien der Schweiz haben die umgehende Einberufung einer Synode für ihr Land gefordert. Angesichts der Polarisierung sei es von größter Wichtigkeit, brennende Probleme zusammen mit den Bischöfen aufzuarbeiten, heißt es in einem am Freitag an die Bischöfe gerichteten offenen Brief. Die Unterzeichner erinnern an ihre im vergangenen Jahr eingereichten Reformpläne, deren Diskussion zwischen Bischöfen und Kirchenvolk nicht auf die lange Bank geschoben werden dürfe. (kna)

Jan Hus: Der Prager Erzbischof, Kardinal Miloslav Vlk, hat die Rehabilitierung des Kirchenreformers Jan Hus eingeleitet. Hus war am 6. Juli 1415 in Konstanz hingerichtet worden. Kardinal Vlk sagte am Samstag, das Urteil gegen den Reformator müsse widerrufen werden, Hus sei das Opfer eines politischen Kalküls des römischen Kaisers Sigismund geworden. Die Neubewertung der Gestalt des tschechischen Reformators durch die katholische Kirche hatte Johannes Paul II. bei seinem ersten Pastoralbesuch kurz nach der Wende eingeleitet. (kna)

Radio: In Brasilien möchte der Erzbischof von Sao Paolo, Kardinal Paolo Evaristo Arns, ein Kirchenradio wiederbeleben, das 1973 vom ehemaligen Militärregime geschlossen worden war. Der Sender "9. Juli" war den Machthabern wegen seiner offenen Kritik und seines Kampfes für die Menschenrechte im Weg gewesen. Die Wiedereröffnung wird vom jetzigen Präsidenten Enrique Cardoso unterstützt.

Deutschland:

Caritas: Die Caritas soll sich nach Ansicht des Freiburger Religionssoziologen, Michael Ebertz, unabhängig von der staatlichen Sozialpolitik bewegen. Hinsichtlich der Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand solle sich das katholische Hilfswerk stärker auf seine Stellung zwischen Staat, Markt und Kirche besinnen und neue Geldquellen erschließen. (kna)

Beratung: Der Sozialdienst katholischer Frauen verteidigt die kirchliche Schwangerenberatung in Bayern. Gleichzeitig äußert er sich empört über Pläne der brandenburgischen Sozialministerin Regine Hildebrand, die kirchlichen Beratungsstellen in Brandenburg mit dem Entzug der staatlichen Lizenz bedroht.

Religionsunterricht:

Ökumenisch: Der evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber, hat für ökumenischen Religionsunterricht plädiert. Was dieses Fach betrifft, gebe es schon eine große Übereinstimmung zwischen den beiden Kirchen, so Huber. (kna)

Beraubt: Ein Ersatz des Religionsunterrichts durch ein Schulfach "Ethik" würde die Schüler nach Ansicht des Tübinger Religionspädagogen, Albert Biesinger, "wichtiger Möglichkeiten" berauben. Gerade aktuelle Trends wie Kult- und Esoterikbewegungen sprächen nicht gegen, sondern für einen Religionsunterricht an den öffentlichen Lehranstalten. (kna)

Weitere Meldungen:

Untersuchung: Die Bischofskonferenz von Panama hat eine Untersuchung darüber gefordert, ob Politiker für ihren Wahlkampf Drogengelder akzeptiert haben. Das schrieben sie in einer Erklärung zum Abschluß ihrer Vollversammlung in Panama-City. Es dürfe nicht der geringste Zweifel und nicht die geringste Unklarheit zurückbleiben.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (08. bis 14. Juli):

Montag: Weltkirchen-Magazin: GEPLANTE BEITRÄGE: Liberia: Ein Augenzeugenbericht - Kuwait: Ein Konvertit muß sich verstecken.

Dienstag: Radioakademie: Felicitas Niesel-Lessenthin: "Innehalten bei Gott - Besuch in schönen Gotteshäusern." 2. Teil: gotische Sakralbauten.

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien. (Immer mit den Worten des Papstes an die deutschen Pilger bei der Mittwochsaudienz.). GEPLANTE BEITRÄGE: Beitrag zu den 400-Jahr-Feiern der Union von Brest - Wiedereröffnung der von der Mafia gesprengten Kirche San Giorgio in Velabro - Portrait der Heiligen Olaf und Erich.

Donnerstag: Kreuz des Südens

Freitag: Prisma - Facetten aus Politik, Gesellschaft und Religion.

Samstag: Kommentar der Woche von Matthias Kopp. Sonntagsbetrachtung von Gotthard Rosner WV aus Rom.

Sonntag: Bischof Kurt Koch, Basel: Plauderei mit dem neuen Bischof der Schweizer Diözese.

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Redaktion: Ruthild Kropp
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