2. Juli bis 4. Juli 1996

Vatikan

Der Regierungschef von Mosambique, Pascal Manuel hat dem Papst am 2.7. einen Besuch abgestattet. Beobachter vermuten, daß es bei den Gesprächen vor allem um die Aussöhnung und den Demokratisierungsprozess in dem afrikanischen Land ging.

Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi hat am 4.7. dem Papst seinen Antrittsbesuch abgestattet. Ein großer Gesprächspunkt bei der Begegnung war die Europapolitik.

Der sudanesiche Freiheitskämpfer John Garang hat den Papst in den Süd-Sudan eingeladen. Bei einer Pressekonferenz in Rom meinte der SPLA-Führer, der Papst und seine Berater sollten sich persönlich über die Lage in dem Bürgerkriegsland informieren.

Deutschland:

Ein neues Konkordat zwischen dem Freistaat Sachsen und der Apostolischen Stuhl ist am Dienstag in Dresden unterzeichnet worden. Es regelt den Religionsunterricht in der Schule, die theologischen Fakultät an der Technischen Universität und die Form der Bischofsernennungen. Beide Vertragspartner zeigten sich sehr zufrieden mit dem Ausgang der Verhandlungen. Es ist dies der erste Staat-Kirche-Vertrag in einem der neuen Bundesländer.

Die katholische Kirche hofft, ihre Schwangerenberatungsstellen auch in Brandenburg behalten zu können. Der Sprecher der Bischofskonferenz reagierte auf eine Drohung der Potsdamer Sozialministerin, den Einrichtungen die Genehmigung entziehen. Er wies darauf hin, daß Brandenburg hier allein stehe. Denn mehrere andere Bundesländer hätten bereits die im März vorgelegten Richtlinien akzeptiert.

Gegen "Lebensgestaltung-Ethik-Relgionskunde" wehren sich das Erzbistum Berlin und die Diözesen Görlitz und Magdeburg. Sie klagen beim Bundesverfassungsgericht und verlangen die Festschreibung des Religionsunterrichts als ordentliches Lehrfach.

Die Muslime fordern einen Grundvertrag mit dem Staat, der ihre Rechtsstellung klärt. Dies geht aus der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift "Islam aktuell" hervor. Hintergrund ist das Verbot des Halal-Schlachtens, bei dem das Tier ohne Betäubung getötet wird.

Tropenhölzer sollten nicht generell gemieden werden - meint die Erzdiözese Freiburg. Malaysia z.B.betreiben eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Genereller Boykott sei kein geeignetes Mittel zur Rettung der Regenwälder.

Am starken Bevölkerungswachstum ist nicht der Papst schuld. Der Moraltheologe Eberhard Schockenhoff erinnerte bei einem Vortrag in Hamburg daran, daß die Bevölkerung am meisten dort wachse, wo es keine Christen gibt. Aber auch Lateinamerika richte sich kaum nach der katholischen Lehre von der Empfängnisregelung. Katholiken hielten sich kaum an die päpstliche Lehre.

Einen neuen Sekretär hat die deutsche Bischofskonferenz seit 4.7.: Der 44-jährige Jesuit, Hans Langendörfer übernahm das Amt von Wilhelm Schätzler.

Misereor mußte 1995 einen Spendenrückgang von 5,5 Prozent hinnehmen, erhielt aber dennoch Spenden in Höhe von fast 13o Millionen DM. Das Hilfswerk teilte am 2.7. mit, man habe fast die Hälfte aller Hilfsanträge ablehnen müssen. Gelobt wurde gleichzeitig die Spendenbereitschaft, da die Katholiken trotz eigener Einschränkungen dennoch viel spendeten.

Österreich: Religion gehört zum seelisch gesunden Menschen. Diese Überzeugung hat jetzt Kardinal Franz König vor dem internationalen Psychotherapie-Kongress vertreten. Die Wissenschaft habe sich von der Ansicht Sigmund Freuds entfernt. Es stimme freilich, daß krankhafte und gesunde Formen des religiösen Phänomens nicht immer leicht unterschieden werden könnten. Das spreche nicht dagegen, daß Religion ein Positiv-Phänomen sei und keine Zwangsneurose.

Rußland: Patriarch Alexi hat vor der Stichwahl seine Landsleute aufgerufen, denjenigen zu wählen, der die Menschenrechte am besten respektiert. Beobachter weisen darauf hin, daß die orthodoxe Kirche weitgehend hinter Präsident Jelzin steht. Der neue Sicherheitsberater Lebed hatte vor kurzem erklärt, in Rußland hätten nur Orthodoxe, Muslime und Buddhisten Heimatrecht. Alle anderen Religionen und Konfessionen sollten nicht im Lande bleiben.

Polen: Das Konkordat kann erst nach einem Referendum ratifiziert werden. Das hat das polnische Parlament am 3.7. beschlossen. Die Volksabstimmung wird frühestens Ende 1996 stattfinden.

Australien: Die Vatikanzeitung Osservatore Romano hat die Entscheidung der Nordprovinz scharf kritisiert, die aktive Sterbehilfe zu legalisieren. Sie kann noch vom Verfassungsgericht in Canberra verhindert werden. Der Premierminister der Region erklärte jetzt, auch wenn er katholisch sei, werde er die kirchliche Kritik ignorieren.

Israel: Die Regierung Netanjahu will das Patriarchengrab in Hebron für eine Woche schließen. In dieser Zeit sollen die israelischen Soldaten, die den Heiligen Ort bewachen, trainiert werden. Gleichzeitig will Netanjahu bekanntgeben, ob er einen Rückzug der Armee aus Hebron in Betracht zieht.

Philippinen: Konflikt zwischen den Katholiken und Präsident Ramos. Dieser will den Muslimen auf Mindanao Autonomie gewähren. In diesen Tagen haben die Christen mit Massenprotesten ihre Opposition gezeigt. Die Muslime versuchen seit Jahren, die Regierung in Manila zu zwingen, Mindanao einen Autonomiestatus zu gewähren.

Vereinigte Staaten: Präsident Bill Clinton hat am 3.7. umgerechnet weitere 1o Millionen Mark zur Aufklärung der Brandanschläge genehmigt. Indessen wird am 4.7. bekannt, daß in North-Carolina ein 13-jähriges Mädchen wegen Brandstiftung verhaftet worden sei. Es ist geständig. Es könnte in 1o Tagen wie ein Erwachsener bestraft werden. Seit Monaten werden in den USA Kirchen niedergebrannt, die mehrheitlich von Schwarzen besucht werden.

Bulgarien: Schisma in der orthodoxen Kirche. Nach monatelangem Streit hat sich eine Gruppe von Geistlichen um den greisen Patriarchen Pimen vom amtierenden Primas Pimen getrennt. Dieser erklärte, er werde die Spaltung nicht anerkennen. Die Regierung kritisierte den Vorgang.

Tschechische Republik: Der Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vlk wird erstmals an den offiziellen Jan-Hus-Gedenkfeiern in seinem Heimatort Husinec teilnehmen. Sie finden am Samstag, 6.7. statt. Das meldet der Prager Rundfunk. Bisher hatte der Prager katholische Erzbischof nur an einem ökumenischen Wortgottesdienst zum Gedenken an den Reformator teilgenommen. Hus war 1415 wegen Häresie in Konstanz auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden.

Frankreich: Die Bischöfe distanzieren sich von einer Gottes-Mutter-Wallfahrt. Dabei werden mehr als 100 Madonnenstatuen durch das Land gefahren. Sie handle sich um eine private Initiative. Der Ortsbischof hatte bereits verboten, daß die Statuen im September zum Papstbesuch nach Reims kommen.

Frankreich: Die meisten Katholiken sind energischer gegen die Rechtsradikalen als der Durchschnittsfranzose. Das ergab jetzt eine Meinungsumfrage des renommierten Instituts CSA im Auftrag der Wochenzeitschrift "La Vie". Die Katholiken halten die Positionen des Front National für unvereinbar mit dem christlichen Glauben.

Südafrika: Der Vorsitzende der Wahrheitskommission, Erzbischof Desmond Tutu ist am 3.7. knapp einem Anschlag entkommen. Ein Bewaffneter drang in das Beratungsgebäude der Kommission ein. Tutu war allerdings nicht in der Sitzung. Der Attentäter wurde festgenommen.

Hier unsere kommenden Sendungen:

Freitag, 5.7. Prisma-Magazin: Evolutionslehre und Glaube

Friedensdienst in Deutschland, schon vor Start gescheitert?

Philippinen: Konflikt Christen-Muslime

Buch des Monats

Samstag: 6.7. Sonntagsbetrachtung von dem Stuttgarter Afrika-Missionar Gotthart Rosner, der gleichzeitig Generaloberer seiner Gemeinschaft ist

Sonntag, 7.7. Programmänderung: 1.Teil der Wanderung durch Gotteshäuser: Romanische Klöster und Dome von Felicitas

Niesel-Lessenthin.

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