(vom 28. Juni bis 01. Juli):

Vatikan:

Ökumene mit den Orthodoxen: Der Papst hat den Willen der katholischen Kirche bekräftigt, den Weg der Ökumene fortzusetzen. Gegenüber einer Delegation aus Konstantinopel ließ er keinen Zweifel, daß die Kircheneinheit weiter verfolgt werden müsse. Der orthodoxe Gesandte zum Fest Peter und Paul, Metropolit Staikos erklärte gegenüber Radio Vatikan, die Kritik des ökumenischen Patriarchen spiegle die Stimmen wider, denen der Weg der Einigung zu schnell gehe.

Kritik am Papstamt: Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., hatte am Freitag gegenüber einer polnischen Tageszeitung das Papstamt scharf kritisiert. Es sei das größte und skandalöse Hindernis für die Einheit der christlichen Kirchen. Das Papstamt müsse neu interpretiert werden, so Bartholomäus weiter, damit es von vielen Kirchen angenommen werden könne. Der Patriarch erklärte dies genau ein Jahr nach seinem geschichtsträchtigen Besuch im Vatikan. (kna)

Am Samstag betete Johannes Paul II. mit 10.000 Pilgern auf dem Petersplatz das Angelusgebet. In seiner Ansprache erinnerte er an den geschichtsträchtigen Besuch von Patriarch Bartholomäus I., genau vor einem Jahr.

Pallium: Der Papst hat am Samstag 31 Erzbischöfen aus 27 Ländern das Pallium, das an die besondere Verantwortung der Erzbischöfe erinnert, überreicht. Unter ihnen war auch der Erzbischof von Wien, Christoph Schönborn. In der Festmesse im Petersdom rief der Papst die Bischöfe zur Einheit auf.

Dank: Papst Johannes Paul II. hat dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, in einem Brief für die "hervorragende Organisation und das gute Gelingen" seines Besuches gedankt. In einem weiteren Schreiben dankte er dem Erzbischof von Paderborn für die guten Begegnugnen in der Paderstadt. (kna)

Vatikankritik: Der Alterzbischof von San Francisco, John Quinn, hat vorgeschlagen, ein neues Konzil einzuberufen, bei dem sich die Kirche auf das nächste Jahrtausend einstellt. Bei einem Vortrag in Oxford kritisierte er außerdem die Amtsführung der vatikanischen Kurie, sie stelle sich mitunter über die Bischöfe. Das Verhältnis von Papst und Ortsbischöfen müsse neu geregelt werden.

Menschenrechte:

Embryonen: Nach Angaben des ständigen Vertreters des apostolischen Stuhls beim Europarat gegenüber Radio Vatikan ist der neue Entwurf für eine Bioethik-Konvention sehr gut. Es heiße darin, daß durch Forschung am Erbgut immer nur das Wohl des Menschen, nie Zwecke der Gesellschaft oder der Wissenschaft anzielen dürfe. Vor allem dürften Daten aus der Erbgutforschung nicht zu wirtschaftlichen Zwecken etwa an Arbeitgeber oder Versicherungen weitergeleitet werden. Die Konvention solle Grundlage für die nationalen Gesetzgebungen werden.

Das Bio-Ethik-Zentrum der katholischen Universität Rom hat jetzt ein eindeutiges Nein zu Experimenten mit menschlichen Embryonen gesprochen. In einem Dokument heißt es, es sei sittlich nicht erlaubt, überschüssige Embryonen für die Forschung zu verwenden oder sie eigens dafür herzustellen.

Euthanasie: In den Australischen Nordprovinzen tritt an diesem 1.Juli weltweit das erste Euthanasiegesetz in Kraft. Demnach können Kranke, um Tötung bitten, wenn mehrere Ärzte unabhängig von einander eine unheilbare Krankheit feststellen. Viele Ärzte Australiens protestieren. Das Verfassungsgericht kann das Gesetz noch verhindern.

Straferlaß: 309 Jahre Strafe hatte ein brasilianischer Polizist erhalten, weil er an einem Massaker an Straßenkindern beteiligt gewesen war. Jetzt hat das Gericht ihm einen großen Straferlaß gewährt: er soll, da er "nur" an dem Mord an 2 Kindern beteiligt gewesen sei, 60 Jahre in Haft bleiben.

Vorwurf: Der Europarat in Straßburg hat die Verletzung von Menschenrechten durch die slovenische Polizei scharf kritisiert. In einem jetzt veröffentlichten Dokument wird den Sicherheitsbehörden Sloveniens vorgeworfen, sie würden Verhaftete physisch quälen.

Mehr Zeit: Der anglikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger, Desmond Tutu, fordert mehr Zeit für die Aufklärung der Gewalttaten der Vergangenheit in Südafrika. Wie er gegenüber Journalisten erklärte, sei es der von ihm geleiteten Kommission nicht möglich, vor Ende nächsten Jahres Licht in das über 30jährige Dunkel der südafrikanischen Vergangenheit zu bringen.

Asylsuchende: Amnesty international hat am Freitag der österreichische Regierung vorgeworfen, sie behandele Asylsuchende nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner der Ausländer-Rechte Europas. Bei einer Tagung über das Asylrecht in Europa meinte ein Sprecher, Rechtsparteien und Gewerkschaften hätten sich gegen Ausländer zusammengeschlossen.

Report: Die US-amerikanische Regierung ist nach Angaben mehrerer internationalen Menschenrechtsorganisationen im Begriff, einen Report über die von US-Amerikanern in Guatemala erlittenen Grausamkeiten zu veröffentlichen. Demnach soll auch der Washingtoner Geheimdienst über alle Vorfälle unterrichtet gewesen sein. Einer der Beweise dafür sei der Fall der Ordensfrau Diana Ortiz, bei deren Entführung und anschließender Folter ein US-Amerikaner anwesend war.

Zurückschicken?: Seit 2 Jahren werden 72 Kinder aus Ruanda in Frankreich beherbergt. Am Freitag haben sich 5 karitative Vereinigungen gegen ihre Rückführung gewandt, die in der ersten Juliwoche erfolgen soll. Ihrer Meinung nach wäre dies übereilt. Ein Sprecher erklärte, die Kinder kehrten in ein Land zurück, in dem ihre Sicherheit nicht gewährleistet sei.

Indonesien: Der deutsche katholische Missionsrat hat auf die katastrophale Menschenrechtslage in der Inselrepublik hingewiesen. Polizei und Sicherheitskräfte verhielten sich willkürlich. Es herrsche politische Unfreiheit. Der Rat forderte die Bundesregierung in Bonn auf, keine Rüstungsgüter nach Indonesien zu verkaufen

In Mexiko werden nach Amnesty International ein Bischof und ein Jesuitenpater von Rechtsradikalen bedroht. Bischof Reyes sei schon im letzten Jahr nur knapp einem Attentat entgangen. Pater Zepeda werde vorgeworfen, er habe einen Landbesitzer ermordet.

Ermordet: 27 Personen sind in der Nacht von Donnerstag auf Freitag von Unbekannten im Nordwesten Ruanda ermordet worden. Das hat das Menschenrechtskommissariat in Kigali am Samstag bekanntgegeben. Die Morde ereigneten sich unweit der Grenze zu Zaire, wo rund 700.000 Hutu-Flüchtlinge in Lagern leben.

Kinderarbeit:

Die internationale Gewerkschaftsorganisation hat bei ihrer Tagung in Brüssel beklagt, daß weltweit etwa 200 Millionen Kinder unter 15 Jahren gesetzwidrig und unter unmenschlichen Bedingungen Sklavenarbeit leisten. Viele Waren in Europa kämen aus Kinderhänden in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Das US-amerikanische Außenministerium hat am Freitag eine Kampagne zum Schutz von Kindern in Pakistan gestartet. Ab sofort wolle man Lederfußbälle, die in Pakistan hergestellt werden, boykottieren. Man habe in einer Studie festgestellt, daß fast alle Fußbälle in Kinderarbeit produziert worden seien. Mit dem Motto "Foul-Ball" möchte man so die Aufmerksamkeit auf das Problem Kinderarbeit in Pakistan richten.

Kirche:

Kirchenbrände: Nach den Kirchenbränden hat der US-amerikanische Senat auf Betreiben von Präsident Bill Clinton eine spezielle Gesetzesvorlage vorbereitet, die eine Strafverfolgung auf Bundesebene vorsieht. Brandstiftung an Kirchen soll mit Gefängnisstrafen bis zu 20 Jahren geahndet werden.

Neuer Brand: Am Freitag ist eine Methodistenkirche im Bundesstaat North Carolina in Flammen aufgegangen. Die Hintergründe sind bis jetzt unklar.

Deutschland:

Schwachpunkt: EKD-Ratsvoritzender Klaus Engelhart hat die Zeremonie am Brandenburger Tor während des Papstbesuches als den kritischsten Punkt der Reise erklärt. Dabei habe er an die vielen evangelischen Gemeinden gedacht, die zur DDR-Zeit ihre Kirchen geöffnet hätten, von denen dann die Revolution ausgegangen sei. Man habe in Berlin den Eindruck haben können, nur die Bundesregierung und der Papst hätten Verdienste um die deutsche Einigung.

Münster-Preis: Der ehemalige Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek, hat am Sonntag den Toleranz-Preis der Stadt Münster erhalten. Er habe sich fast 2o Jahre lang um ein gutes Zusammenleben zwischen Juden und Muslimen bemüht. Der Preis wird seit drei Jahren verliehen.

Halbherzig: Der Zentralratsvorsitzende der Deutschen Juden, Ignaz Bubis, hat die deutsche Menschenrechtspolitik als "halbherzig und leicht verlogen" bezeichnet. Gegenüber dem Südwestfunk erklärte er am Freitag, kleine Länder müßten mit aller wirtschaftlicher Härte rechnen während die Großmächte ihren "Schutzpatron" hätten. (kna)

Beratungsgesetz: Das bayerische Schwangerenberatungsgesetz trägt den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes mehr Rechnung als das Bundesgesetz. Diese Auffassung hat am Samstag der Trierer Bischof Hermann Josef Spital vertreten. Bayern habe die Schwäche des Bundesgesetzes erkannt und lege den vom Verfassungsgericht formulierten Maßstab seinem Gesetz zugrunde.(kna)

LER: Eine Studie der nordrhein-westfälischen Bildungskommission ist wegen ihrer Aussagen zum Religionsunterricht auf Kritik gestoßen. Die Autoren möchten ein brandenburgähnliches Modell wie LER, also einen Religionsunterricht für alle Schüler gemeinsam. Gegenüber Radio Vatikan kritisierte der Vorsitzende des Arbeitskreises Katholischer Schulen in freier Trägerschaft, Bernhard Krautter, die Studie. (kna)

Frauen: Die Tätigkeit von Frauen ist ein "zentraler Bestandteil" der Kirchenarbeit. Das erklärte Bundesratspräsidentin Rita Süßmuth im Kolpingblatt. Sie würdigte das soziale Engagement der Frauen in der Kirche und kritisierte, daß das zeitaufwendige kirchliche Engagement groß, die öffentliche Anerkennung der Fraueninteressen aber immer noch gering seien. (kna)

Pfadfinder: Die extrem konservative junge Kongregation um Pater Andreas Hönisch darf auf Vermittlung des Vatikans ein halbes Jahr länger in der Diözese Augsburg bleiben. Der dortige Bischof hatte die Gemeinschaft verwiesen, weil sie nicht anpassungsfähig sei.

Weitere Meldungen:

Anglikanische Geistliche stehen mehrheitlich auf Seiten der Labour-Party von Antony Blair. Das meldet am Sonntag die Sunday-Times. Nur zwei Bischöfe hätten sich für die Konservativen ausgesprochen, 17 für die Labor. Ebensoviele seien unentschieden.

In Bukarest haben am Sonntag zwischen 2000 und 4000 orthodoxe Christen gegen den Weltkongress der Zeugen Jehovas in der rumänischen Hauptstadt demonstriert. Patriarch Teoctist hatte dazu aufgerufen. Er betonte jedoch in einer Ansprache, daß es keine Machtdemonstration sei, sondern ein religiöser Akt. Der Eindruck der Sekten, die nicht an Jesus Christus glauben, sei eine Beleidigung Rumäniens.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (01. bis 07. Juli):

Montag: Weltkirchen-Magazin: GEPLANTE BEITRÄGE: Unser Studiogast: Kardinal Aloisio Lorscheider aus Brasilien spricht über Straßenkinder, Ökumene, Laien und die Zukunft der Kirche. - Außerdem: Libanon nach den "Früchten des Zorns", ein Interview mit der Caritas. - Adveniat Deutschland: Brasilien als Thema der nächsten Adveniat-Aktion, warum, wieso, weshalb, ein Gespräch. -Ökumene in der Diskussion: Der orthodoxe Metropolit von Österreich, Michael Staikos, im Exklusivgespräch mit Radio Vatikan.

Dienstag: Radioakademie: Felicitas Niesel-Lessenthin: "Innehalten bei Gott - Besuch in schönen Gotteshäusern." 1. Teil: Romanische Klöster und Dome.

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien. (Immer mit den Worten des Papstes an die deutschen Pilger bei der Mittwochsaudienz.): GEPLANTE BEITRÄGE: Evolutionstagung in Castelgandolfo, ein Gespräch - Deutschland nach dem Papstbesuch: Ein Interview mit Ökumenekardinal Edward Cassidy. - Bioethikkonvention ja oder nein? Ein Hintergrund zur Position des Vatikans. - Portrait des heiligen Thomas.

Donnerstag: Jugendmagazin: Jürgen Erbacher - Katholischer Pfadfinder. Weltoffen, nicht kleinkariert.

Freitag: Prisma - Facetten aus Politik, Gesellschaft und Religion. GEPLANTE BEITRÄGE: Das Buch des Monats Juli.

Samstag: Sonntagsbetrachtung von Gotthard Rosner WV aus Rom. Danach das Rosenkranzgebet mit dem Heiligen Vater.

Sonntag: Korrespondenzsendung: Sie schreiben - wir antworten.

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