(vom 24. bis 27. Juni):

Vatikan:

Reise: Papst Johannes Paul II. hält an seinem Projekt fest, nach Sarajewo zu reisen. Das bekräftigte er am Dienstag bei einer Audienz für den bosnischen Außenminister. Seine ursprünglich für September 1994 geplante Reise in die bosnische Hauptstadt hatte der Papst aus Sicherheitsgründen absagen müssen.

Berufen: Johannes Paul hat am Donnerstag den Münchener Philosophieprofessor Robert Spaemann zum Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben berufen. Mit Spaemann wurden noch weitere 10 Fachleute zu Mitgliedern der Einrichtung ernannt.

Gelobt: Der Papst hat am Donnerstag das Engagement der Christen für die Kirchen des Ostens gelobt. Er empfing die Mitglieder der Jahrestagung für die Ostkirchenhilfe, darunter waren auch Vertreter der deutschen bischöflichen Aktion "Renovabis".

Wunder: Eine wichtige Voraussetzung für die Seligsprechung von Frederic Ozanam ist erfüllt: Papst Johannes Paul II. bestätigte am Dienstag offiziell ein Wunder, das auf die Fürbitte des Gründers der Vinzenzkonferenzen zurückgeführt wird. Außerdem bestätigte er die heroische Lebensweise des italienischen Priesters Giacomo Alberione, der nach der Gründung der paolinischen Ordensfamilien erst im Jahr 1971 gestorben ist.

Nachklänge zur Deutschlandreise des Papstes:

Positives Echo: In Israel wurde der Besuch des Papstes mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Wie am Dienstag die italienische Tageszeitung "Il Tempo" berichtete, ist der überwiegende Teil der Stimmen positiv.

Protest: Am Dienstag haben drei deutsche Bischöfe beim hessischen Rundfunk energisch gegen eine Fernsehsendung über den Papstbesuch protestiert. Darin sei die Kirche praktisch als Verbrechersyndikat dargestellt worden. In der Sendung waren auch das Kreuz und die eucharistischen Gaben verhöhnt worden.

Strafantrag: Drei Bundestagsabgeordnete der CDU/CSU haben jetzt einen Strafantrag gegen die Beteiligung an den Anti-Papstveranstaltungen in Berlin gestellt. Es handle sich um Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft. Darauf stehen bis zu 3 Jahren Freiheits- oder Geldstrafe.

Ökumene 1: Der hannoversche Landesbischof und Vizepräsident des Lutherischen Weltbundes, Horst Hirschler, hat die Aussagen des Papstes zur Ökumene positiv beurteilt. Er hob besonders hervor, daß der Papst auch vom Versagen der Katholiken während der Reformationszeit gesprochen habe und er die evangelischen Märtyrer unter den Nazis genannt hätte. Weniger gut fand Hirschler, daß der Papst Luther "Individualismus" vorgeworfen hat, der die Gemeinschaft der Kirche zerstöre. (kna)

Ökumene 2: Der Würzburger Bischof Paul-Werner Scheele hat am Donnerstag betont, daß der Papst mit seinem Besuch einen wichtigen Impuls für die Ökumene gegeben habe. Es sei bedeutsam, daß Johannes Paul II. das gemeinsame Zeugnis aller Christen für die Evangelisierung hervorgehoben habe. (kna)

Nichtbeachtung: Der Nachfolgezeitung der DDR-Kommunisten, "Neues Deutschland", war der Besuch des Papstes nur eine Karikatur von Johannes Paul II. und einen wenige Zeilen umfassenden Artikel wert. Damit gehört sie zu den wenigen Blättern, die so gut wie kein Interesse am Papstbesuch gezeigt haben.

Druckfehler: Die Tageszeitung "Echo von Bergamo" hat sich den größten Druckfehler der Reise geleistet und damit für große Verwirrung in Norditalien gesorgt. Am Dienstag stand auf dem Titelblatt: "Woytila: Vereint Euch zum Antisemitismus." Offenbar sollte es "Vereint Euch zu einem Nein gegenüber dem Antisemitismus" lauten.

Menschenrechte:

Land: Der brasilianische Staatspräsident Fernando Cardoso hat ein Dekret zur Enteignung von rund 12 Millionen Hektar Land unterzeichnet. Es soll unter 3 Millionen Landarbeiterfamilien aufgeteilt werden. Die katholische Kirche des Landes will zentral ihren gesamten Grundbesitz feststellen, um ihren Beitrag zur geplanten Landreform leisten zu können.

Generalamnestie: In Südafrika hat eine Gruppe von Generälen der Apartheidszeit eine Generalamnestie für frühere Verbrechen gefordert. An die Wahrheitskommission zur Aufklärung von Gewalttaten schreibt die Gruppe, sie sei sich einer kollektiven Verantwortung bewußt.

Kritisiert: Deutschland hat die Vereinigten Staaten scharf wegen ihrer Kürzungen der Entwicklungshilfe kritisiert. "Die Einsparungen bedeuten einen schweren Rückschlag im Kampf gegen Massenarmut, Umweltzerstörung, AIDS und Drogen", erklärte ein Vertreter des Bundesentwicklungsministeriums am Donnerstag in Bonn. (kna)

Propaganda: Die chinesische Regierung hat Präsident Bill Clinton schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Die Regierungszeitung beruft sich auf die zahlreichen Kirchenbrände in den Vereinigten Staaten und schreibt, auch nach der Erklärung der Menschenrechte müßten ethnische Minderheiten in Amerika um ihr Leben fürchten. Die Clinton-Regierung solle sich intensiver für die eigene Wahrung von Menschenrechten einsetzen und nicht andere Staaten kritisieren, so die Zeitung. - Der amerikanische Kongress hat jetzt zur Aufklärung der Anschläge den Behörden weitreichende Vollmachten erteilt.

Krisengebiete:

Tempelberg: Mit dem Antritt der neuen israelischen Regierung hat auch eine neue Debatte um den Tempelbezirk begonnen. Jüdische Rufe nach Gebetserlaubnis in dem heiligen Bereich hinter der Klagemauer beunruhigen die Moslems.

Bürgerkrieg: Die mexikanische Chiapas-Region steht vor einem Bürgerkrieg. Der Vermittler in dem Konflikt, Bischof Samuel Ruiz, hat am Dienstag mit dieser Feststellung wieder an die Dauerkrise erinnert.

Angriff: Mehrere tausend Flüchtlinge aus Burundi sind an der Landesgrenze von tansanischen Soldaten festgehalten, angegriffen und beraubt worden. Das meldete am Dienstag der Missionsorden der Weißen Väter in Luzern. Die bereitgestellten Nahrungsmittel konnten die hungernden Flüchtlinge nicht erreichen - die Soldaten verhinderten die Übergabe. (kna)

Katastrophengebiete:

Flut: Die UNO-Abteilung für humanitäre Hilfe hat die Internationale Gemeinschaft zu einer Spende für die Opfer der Flutkatastrophe in Nordkorea aufgefordert. Um die Ernährung einer halben Millionen bedürftiger Nordkoreaner bis zur nächsten Ernte zu sichern, werden 65 Millionen Mark benötigt.

Kirche:

Gespräche: In Moskau finden laut Pressemeldungen Gespräche zwischen Katholiken und Vertretern der orthodoxen Kirche über eine mögliche Begegnung zwischen dem Papst und Patriarch Alexej statt. Das Treffen soll nach Wunsch des ungarischen Bischofs Astrik Warsegi in der Benediktinerabtei Pannonhalma stattfinden. (kna)

Zusammenarbeit: In Italien will der reformierte Weltbund unter gewissen Voraussetzungen mit der katholischen Kirche bei der Vorbereitung und Durchführung des Jubiläumsjahres 2.000 zusammenarbeiten. Weltbund-Generalsekretär Milan Opocenski kritisierte, daß der Vatikan die anderen Kirchen nur zur Teilnahme eingeladen habe, aber offenbar alleiniger Veranstalter sein wolle. (kna)

Widerspruch: Die Bischofkonferenz der Philippinen hat sich am Dienstag gegen die Behauptung gewandt, 2 Drittel aller Priester des Landes lebten wie Verheiratete. Eine Gruppe von laisierten Geistlichen hatte diese These aufgestellt.

Deutschland:

Kirchentag: Am letzten Wochenende fand ein gemeinsamer Kirchentag der evangelischen und katholischen Kirche in Eisleben statt. Bei dem Treffen wurden beide christlichen Kirchen in Deutschland dazu aufgerufen, im Jahr 2.000 einen großen gemeinsamen Kirchentag zu veranstalten. Er solle ein Zeichen der Hoffnung für beide Glaubensgemeinschaften sein.

Landminen: Die Haltung der Entwicklungsländer zum Einsatz von Landminen soll zum Kriterium für Entwicklungshilfe werden. Dies erklärte am Mittwoch der Vorsitzende der deutschen Kommission von Justitia et Pax, Weihbischof Leo Schwarz. Zur Lösung des weltweiten Minenproblems seien solche Schritte unbedingt erforderlich. (kna)

Adveniat: Der Nordosten Brasiliens steht im Mittelpunkt der diesjährigen Adveniat-Aktion. Weihbischof Franz Grave erläuterte am Mittwoch vor der Presse in Bonn, daß vor allem der Blick der Jugend nach Lateinamerika gelenkt werden solle. Auch wenn viele Deutsche sparen müßten, so sei doch ein großer Teil der Weltbevölkerung auf das Teilen der Reicheren angewiesen.

Interreligiös: Der interkulturelle Rat hat dazu aufgerufen, zum Tag der deutschen Einheit interreligiöse Veranstaltungen auszurichten. Wie der Sprecher des Rates, Jürgen Micksch, am Donnerstag erklärte, sei ein tieferes Verstehen anderer Religionen eine Voraussetzung für den Frieden in einer multireligiösen Gesellschaft. (kna)

Diskriminierung: Der Zentralrat deutscher Sinti und Roma sowie Vertreter der dänischen, friesischen und sorbischen Minderheiten haben ein Diskriminierungsverbot im Presse- und Verwaltungsrecht der Bundesländer gefordert. Ohne zwingenden Grund soll die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit in den Medien nicht mehr genannt werden dürfen.

Eingestellt: Das Münchener "Antirassistische Telefon" hat aus Geldmangel seine Tätigkeit eingestellt. Es war 1993 als Reaktion auf ausländerfeindliche Ausschreitungen eingerichtet worden. Wie die privaten Träger der Aktion mitteilten, seien außerdem die ehrenamtlichen Kräfte überfordert gewesen. (kna)

Weitere Meldungen:

Euthanasiegesetz: Die australische Regierung will ein umstrittenes Gesetz zur Euthanasie der "Northern Territories" zu Fall bringen. Vor einem Jahr hatte dort die Lokalregierung die Beihilfe zum Selbstmord gesetzlich erlaubt.

Dalai Lama: China hat den Dalai Lama als "Schoßhündchen der feindlichen Mächte" bezeichnet. Sein Kampf um die Freiheit Tibets werde niemals Erfolg haben. Es gebe keine Nation, die seine Bestrebungen ernsthaft unterstütze, heißt es weiter. Trotzdem sei die chinesische Regierung immer bereit, ihn zu empfangen - wenn er seine Forderungen aufgebe.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der folgenden Woche (27. Juni bis 03. Juli):

Donnerstag: Kreuz des Südens - Leben in jungen Kirchen. GEPLANTE BEITRÄGE: Israel: Wer hat Zugangsrecht zum Jerusalemer Tempelberg? - Eine Bilanz der muslimischen Wallfahrt nach Mekka 1996 - Interview mit einem Missionar in Chiapas (Mexiko) - Wahlen im Tschad.

Freitag: Prisma - Facetten aus Politik, Gesellschaft und Religion. GEPLANTE BEITRÄGE: Euthanasiekongreß Niederlande, ein Bericht - Jahresversammlung der Nicht-Regierungs-Organisationen in Paris, ein Interview - Zur Geschichte des Festes Peter und Paul, ein Hintergrund.

Samstag: Sonntagsbetrachtung von Jürgen Benisch

Sonntag: Aktenzeichen: Aldo Parmeggiani zu Maria Celesta Crostarosa - Heilige und Adelige.

Montag: Weltkirchen-Magazin: GEPLANTE BEITRÄGE: Libanon nach den "Früchten des Zorns", ein Interview mit der Caritas. - Ökumenekardinal Cassidy im Gespräch nach dem Papstbesuch in Deutschland. - Brasilien als Thema der nächsten Adveniat-Aktion, warum, wieso, weshalb, ein Gespräch.

Dienstag: Radioakademie: Felicitas Niesel-Lessenthin: "Innehalten bei Gott - Besuch in schönen Gotteshäusern." 1. Teil: Romanische Klöster und Dome.

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien. (Immer mit den Worten des Papstes an die deutschen Pilger bei der Mittwochsaudienz.)

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