(vom 21. bis 24. Juni):

PAPSTREISE:

Predigten und Reden: Berlin: Papst Johannes Paul II hat am Sonntag in Berlin die beiden Priester Bernhard Lichtenberg und Karl Leisner seliggesprochen. Lichtenberg hatte nach der Reichsprogromnacht regelmäßig in sein öffentliches Abendgebet auch die Juden und die KZ-Gefangenen eingeschlossen. Er erhielt 1941 dafür zwei Jahre Gefängnisstrafe. Während des anschließenden Transport ins KZ-Dachau erlag er seinen Mißhandlungen. Karl Leisner war den Nationalsozialisten schon als katholischer Jugendführer aufgefallen. Als sie einen Vorwand fanden, ihn zu verhaften, kam er ins KZ-Dachau, wo er fünf Jahre verbrachte. Gegen Ende des Krieges wurde er dort zum Priester geweiht, starb jedoch kurz nach der Befreiung an den Folgen der KZ-Behandlung. Der Papst hatte die beiden vor etwa einem Jahr als Martyrer erklärt.

Am Brandenburger Tor würdigte Bundeskanzler Helmut Kohl den Beitrag des Papstes zur Überwindung des Kommunismus. Das Kirchenoberhaupt betonte den Wert der Freiheit und rief den Menschen zu: "Haltet dieses Tor offen!"

Paderborn: Papst Johannes Paul II hat im Rahmen einer Messe in vor übertriebenem Kapitalismus gewarnt. Vor den Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland würdigte er das Lebenswerk von Martin Luther, gab aber auch zu, daß die katholische Kirche während der Zeit der Reformation auch versagt habe.

Berlin: Ein politischer Papst sprach sich unter anderem gegen LER aus und forderte die Sicherung des Religionsunterrichtes als ordentliches Lehrfach. Außerdem ging der Papst auf die sozialen Probleme Deutschlands ein.

JUDEN: In einer Begegnung mit dem Zentralrat der Juden gab der Papst zu, daß es im nationalsozialistischen Widerstand zu wenige Kämpfer von katholischer Seite gegeben habe.

Gespräche: Kohl: Papst Johannes Paul II. und Bundeskanzler Helmut Kohl haben bei ihrem Gespräch besonders über die Entwicklung Europas gesprochen. Der Papst unterstrich, daß die gegenwärtigen Schwierigkeiten in Deutschland und Europa nicht vergessen werden dürften. Es sei ein notwendiger Beitrag von Staat und Kirche, zu Versöhnung und Entwicklung der Völker Europas beizutragen.

Proteste: Festnahmen: Bei den Protesten und Gegenkundgebungen zum Papstbesuch sind am Sonntag in Berlin 33 Personen festgenommen worden. Nach Aussagen der Polizei habe ein Großteil von ihnen die allgemeine Sicherheit gefährdet. Alle seien noch am gleichen Tag wieder freigelassen worden. (kna)

Reaktionen: Fest des Glaubens: Der Papstbesuch ist zu einem Fest des Glaubens und der Freude geworden. Das erklärte am Montag Kurien-Erzbischof Paul Josef Cordes. "Nach den kritischen und ablehnenden Vorberichten war ein so positives Echo meiner Landsleute nicht zu erwarten," betonte er. (kna)

Ökumene: "Das Herz des Papstes schlägt für die Ökumene." Das hat der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Bischof Klaus Engelhard, betont. Er sei äußerst zufrieden mit den Worten des Papstes zur Ökumene und betrachte seinen Aufenthalt in Deutschland als einen "Schub" für das Miteinander der christlichen Kirchen. (kna)

Krisengebiete:

Schließen: Die katholische Kirche will in Liberia alle ihre Schulen und Krankenhäuser schließen. Das wurde jetzt in der Hauptstadt Monrovia bekannt. Grund ist offenbar die Gefahr neuer Kämpfe im Land.

Aufgeschoben: Die neue israelische Führung hat eine Entscheidung über die Räumung des besetzten Hebron aufgeschoben. Laut den Verträgen von Oslo hätte sie schon Anfang Mai stattfinden müssen. Laut Radioberichten sprach sich Ministerpräsident Netanjahu dafür aus, daß das Militär zwar 80 Prozent der Stadt räumt aber trotzdem die gesamte Sicherheitskontrolle über die mehrheitlich palästinensische Stadt behält. Das wäre ein Bruch der Abkommen mit der palästinensischen Autonomiebehörde.

Kampagne: Ugandische Truppen haben einen wichtigen Standort der christlich-fundamentalistischen Rebellengruppe "Widerstandsarmee des Herrn" kampflos eingenommen. Der Einsatz der Armee ist Teil einer groß angelegten Kampagne der Regierung gegen die Fundamentalisten, die anscheinend von der Oppositionspartei unterstützt werden. Ziel der Rebellen ist es, das Land streng nach den 10 Geboten zu regieren. Friedensverhandlungen sind jedoch in Sicht.

Kirche:

Brände: Immer neue Brandanschläge auf Kirchen in den Vereinigten Staaten. Der letzte Anschlag auf eine afro-amerikanische Kirche wurde am Montag gemeldet.

Eingeladen: Der Wiener Erzbischof Christof Schönborn ist vom Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Alexej II., zu einem Besuch eingeladen worden. Beobachter sehen darin eine Anerkennung für die intensive Russlandhilfe durch die österreichische Caritas. Außerdem wird die Geste als Zeichen der Wertschätzung für das theologische Interesse gewertet, das Schönborn der Ostkirche entgegenbringt.

Überlastet: Die Priester und Ordensleute in Kroatien sind zunehmend überlastet und nicht immer an der richtigen Stelle im Einsatz. Das ergab jetzt ein Bischofstreffen in Zagreb. Der regionale Einsatz von Priestern und Ordensleuten soll daher möglichst bald neu geordnet werden.

Verabschiedet: In Südafrika ist am Sonntag der anglikanische Erzbischof von Kapstadt und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu feierlich aus seinem Amt verabschiedet worden. Er bleibt jedoch an der Spitze der sogenannten Warheits-Kommission, die die Verbrechen während des Apartheitsregimes aufklären soll.

900 Jahre: In Frankreich feiert man ein besonderes Jubiläum: Die Kathedrale von Nîmes wird 900 Jahre alt. Papst Johannes Paul II. schrieb in einer Grußbotschaft, daß die Kathedrale nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch auf der Schwelle zum neuen Jahrtausend von großer Bedeutung sei. Er bezeichnete sie als "Ehrenmal für die ganze Region".

Religionsfreiheit: China hat der britischen Kronkolonie Hongkong versichert, in Fragen der Religionsfreiheit nicht zu intervenieren.

Menschenrechte:

GIA: Die islamische Terroristengruppe GIA hat im Laufe der letzten 2 Monate offenbar an eine marokkanische Radiostation zahlreiche Botschaften zum Entführungsfall der 7 Trappisten geschickt. Das bestätigen Mitarbeiter der Radiostation. Das letzte Kommuniqué der Entführer stamme vom letzten Dienstag. Darin werden Einzelheiten über Kontakte der Entführer mit französischen Diplomaten in Algier genannt.

Terrorismusbekämpfung: Der Religionsminister Algeriens hat am Sonntag die Gründung eines geistlichen Rates zur Terrorismus-bekämpfung vorgeschlagen. Dieser Senat solle die Rechtfertigung für gewalttätigen Fundamentalismus durch den Koran entkräften.

Frei: In Nicaragua sind die 33 Geiseln wieder freigelassen worden. Die Rebellen reagierten damit auf die Zusicherung der Armee, sich aus der von den Entführern geforderten Region im Norden des Landes zurückzuziehen. Um die Beilegung des Konflikts hatten sich vor allem Vertreter der Kirche bemüht.

Kritik: Das türkische Außenministerium hat scharfe Kritik an dem Bericht von Amnesty International über den Mißbrauch von Menschenrechten geübt. Die Organisation gebe ein verzerrtes Bild der Lage wieder. Die Gewalt der kurdischen Terroristen sei verharmlost und das Verhalten der Regierungstruppen übertrieben dargestellt worden, verlautete am Montag aus Istanbul.

Aufforderung: Die kroatische Regierung soll die Menschenrechte wahren. Dazu haben die kroatischen Bischöfe aufgefordert. Sie verlangen, daß der Staat die Würde der Familie achte und objektive moralische Prinizipien akzeptiere, die jede Form von Korruption, Bestechung und Gewalt ausschlössen. (kna)

Eingedrungen: Etwa 7.000 Goldsucher sind in Brasilien in das Schutzgebiet der bedrohten Yanomami-Indianer eingedrungen. Die Schatzjäger aus Venezuela und Brasilien zerstören die Landschaft mit Flugzeuglandepisten, schleppen Krankheiten ein, die für die Indianer tödlich sein können. Das Justizministerium hat ihre Ausweisung angekündigt.

Vermißt: Mit Protesten und Nachtwachen in Kirchen haben Frauen auf Zypern Auskunft über das Schicksal ihrer Männer und Söhne gefordert. Mehr als 2.400 griechische und türkische Zyprioten gelten seit der türkischen Invasion und den darauf folgenden Jahren der Gewalttätigkeiten im Norden des Landes als vermißt.

Deutschland:

Gedenktafel: Am Montag ist eine Gedenktafel im ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück enthüllt worden. Sie erinnert an 40.000 inhaftierte Frauen und Kinder. Die Bronzetafel mit polnischem und deutschem Text war am Sonntag von Papst Johannes Paul II. in der Berliner Hedwigs-Kathedrale gesegnet worden. (kna)

Solidarität: Die Würde von Arbeitnehmern muß weltweit gefördert werden. Das hat der neue Generalsekretär der Weltbewegung christlicher Arbeiter, Norbert Klein, am Montag in Koblenz erklärt. Er forderte "Netzwerke der Solidarität", die wegen der zunehmenden Globalisierung der Wirtschaft und der Liberalisierung der Märkte notwendig seien. (kna)

Volksbegehren: Gegen das geplante bayerische Schwangerenberatungsgesetz will die Landes-FDP ein Volksbegehren in die Wege leiten. Es misse nun mit anderen Mitteln eine demokratische Entscheidung herbeigeführt werden, betonte der FDP-Landesvorsitzende Max Stadler. (kna)

Weitere Meldungen:

Auschwitz: Der Plan, einen Supermarkt gegenüber dem ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz zu bauen, wird aufgegeben. Statt dessen soll dort ein Besucherzentrum entstehen.

Radio: Urlauber in Norditalien und Istrien können über den Sender "Radio Lignano International" Sendungen der Wiener christlichen Radioredaktion "Radio Omega" hören. Täglich läuft die Sendung "Grüß Gott" und Sonntags die "Gospeltime". Noch bis zum 7. September.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser Woche (24. bis 30. Juni):

Montag: Weltkirchen-Magazin GEPLANTE BEITRÄGE: Nachlesen zum Papstbesuch in Deutschland.

Dienstag: Radioakademie: Corinna Mühlstedt befragt den Medienbischof Peter Henrici zu Kirche und Kommunikation im Wandel der Jahrhunderte (Teil III).

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien. (Immer mit den Worten des Papstes an die deutschen Pilger bei der Mittwochsaudienz.) GEPLANTE BEITRÄGE: Evolutionstagung in der Päpstlichen Sternwarte Castelgandolfo. Ein Bericht. - Der Vertreter des Vatikans bei der UNO über die beiden großen Konferenzen von Kairo und Istanbul. Ein Interview. - Kalender: Die Heiligen Johannes und Paulus von Rom.

Donnerstag: Kreuz des Südens

Freitag: Prisma - Facetten aus Politik, Gesellschaft und Religion. GEPLANTE BEITRÄGE: Ankunft von Papst Johannes Paul II. in Paderborn. - Euthanasiekonferenz in Hilversum. - Ende der Tagung der Nicht-Regierungs-Organisationen, ein Bericht.

Samstag: Sonntagsbetrachtung von Jürgen Benisch

Sonntag: Aktenzeichen: Aldo Parmeggiani zu Maria Cleste Crostarosa - Heilige und Adelige.

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