(vom 17. bis 20. Juni):

Vatikan:

Abschlußbilanz: Die Abschlußbilanz der obersten Kirchenverwaltung für das Jahr 1995 ist wiederum positiv. Nach Angaben der Wirtschaftsverwaltung des Vatikans, konnten etwa 1.6 Millionen Dollar Überschuß erwirtschaftet werden. Die Ausgaben lagen mit 192 Millionen Dollar etwas unter den Einnahmen. Die Diözesen leisteten Zahlungen in Höhe von 18 Millionen Dollar.

Verzeihung: Die Verzeihung hat Papst Johannes Paul II als Thema für den kommenden Weltfriedenstag am 1.1.1997 gewählt. Damit sollen diejenigen ermutigt werden, die unter Kriegen und Waffenkonflikten aller Art gelitten haben oder noch leiden. Ihr Friedensweg führe unausweichlich über die Verzeihung.

Marienverehrung: Der Apostolische Stuhl fordert eine angemessene Seelsorge durch den Ortsbischof für die Pilger im bosnischen Wallfahrtsort Medjugorje. Es müsse eine gesunde Marienverehrung nach dem Lehramt der katholischen Kirche gefördert werden. Bisher könne nicht bestätigt werden, daß es sich in Medjugorje wirklich um Marienerscheinungen handele, erklärte am Mittwoch Vatikansprecher Joaquin Navarro Valls.

Besuch: Der Primas der Anglikanischen Kirche, Erzbischof George Carey, wird vom 3. bis zum 5. Dezember in den Vatikan reisen. In englischen Kirchenkreisen wird auch von einer Begegnung mit dem Papst gesprochen.

Habitat II: Die Vatikandelegation der Weltbevölkerungskonferenz Habitat II hat einige Anmerkungen zum Schlußdokument des Treffens gemacht. Die Beratungen hätten zwar in einem friedlichen Klima stattgefunden und es seien wichtige Erkenntnisse über die Notwendigkeit gesicherter Wohnraumverhältnisse gewonnen worden. Man melde aber Bedenken gegenüber den Formulierungen "Fortpflanzungsrecht", "sexuelle Gesundheit" und "Fortpflanzungsgesundheit" an. Zugleich wird nach wie vor jede Form der Abtreibung abgelehnt. Der Vatikan möchte mit diesen Erklärungen nicht fehlinterpretiert werden, hieß es.

Papstreise:

Fernsehansprache: Papst Johannes Paul II. hat sich einen Tag vor seiner Deutschlandreise in einer Fernseh- und Rundfunkansprache an die deutsche Bevölkerung gewandt. Darin grüßt er neben den Katholiken besonders die Angehörigen anderer Konfessionen und Religionen sowie speziell die Konfessionslosen. Zum ersten Mal komme er nach Deutschland, das nach Jahren schmerzlicher Trennung geeint sei. Wie kein anderer Punkt in der Bundeshauptstadt Berlin sei das Brandenburger Tor über Jahrzehnte hin Symbol der Teilung der Stadt und des gesamten europäischen Kontinentes gewesen. Nach dem Niedergang der totalitären Regime sei das Tor jetzt zum Zeichen der Öffnung aller Völker in Ost und West geworden.

Polemik: Kurz vor dem Papstbesuch hat der Theologe Hans Küng eine Polemik gegen Johannes Paul II. entfacht. Der Papst sei eine Last geworden, die Kirche stecke in einer Strukturkrise, Frauen würden aus der Kirche gedrängt, erklärte er im Deutschen Fernsehen. Bischof Joachim Wanke betonte, er sei froh, daß Küng nicht am Steuer des Kirchenschiffes stehe, dann käme einiges ins Schleudern.

Warnung: Die Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Berlin, Hanna-Renate Laurien, hat davor gewarnt, die Krise in der Kirche allein dem Papst anzulasten. Auch die Behauptung, die Kirche sei vom Kurs des Evangeliums abgekommen, könnte so nicht stehen bleiben, erklärte sie.

Kritiker: Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, hat innerkirchliche Kritiker des Papstes scharf angegriffen. In einem Zeitungsinterview sprach er von "Christen, die ihr Gehalt von der Kirche beziehen, und ihre schmutzigen Schuhe an der Papst-Soutane abwischen".

Wegweisend: Der Berliner Erzbischof, Kardinal Georg Sterzinsky, erwartet von der Papstrede vor dem Brandenburger Tor ein wegweisendes Wort. Der Papst kenne die Lage in Deutschland sehr genau und sei auch über Protestaktionen informiert, erklärte er. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Karl Lehmann, hat am Donnerstag seine Überzeugung ausgedrückt, der Papst werde mit seinem Gang durch das Brandenburger Tor ein Zeichen für die neugewonnene Freiheit Europas setzen. Zugleich hoffe er, daß die Gestalt Martin Luthers bei dem Besuch nicht ausgeklammert werde. Mit seinem Charisma könne der Papst vielleicht auch manche negative Stimmung "umkrempeln", so Lehmann wörtlich im Südwestfunk am Donnerstag.

Exkommunikation: Der EKD-Vorsitzende, Klaus Engelhart, hält eine Aufhebung der Exkommunikation gegen Martin Luther nicht für sinnvoll, denn diese sei ohnehin mit seinem Tode erloschen. Er erhofft sich aber ein klares Wort des Papstes zur Schrift über gegenseitige Lehrverurteilungen. Den Zeitraum, den der Papst während seiner Reise der Ökumene widme, sei angemessen, so Engelhart. Es sei unrealistisch, jetzt zu große ökumenische Hoffnungen zu haben.

Religionsdialog: Der Zentralratsvorsitzende der Juden, Ignatz Bubis hat gegenüber der Berliner Tageszeitung taz vom Donnerstag erklärt, das Verhältnis zwischen Juden und katholischer Kirche sei gut. Er sei erfreut über die enge Kooperation beider Glaubensgemeinschaften.

Blitzbesuch: Bundespräsident Roman Herzog wird genau zehn Minuten vor dem Papst am Freitag in Lippstadt landen. Sein Aufenthalt bei Paderborn wird nicht länger als 60 Minuten sein, erklärte am Donnerstag das Bundespräsidialamt.

Italienische Schlagzeilen: Nach dem verlorenen EM-Fußballspiel gegen Deutschland, widmen sich auch die italienischen Medien verstärkt dem Papstbesuch. Die Turiner Tageszeitung "La Stampa" warnte am Donnerstag vor "den neuen Luthers des Jahres 2000". Gemeint sind kritische Theologen nördlich der Alpen.

Deutschland:

Religionsunterricht: Der Religionsunterricht muß so beibehalten werden, wie er in der Verfassung verankert ist. Das hat der Rottenburger Bischof, Walter Kasper, erklärt. Die jetzige Form gewährleiste religiöse Beheimatung und zugleich Offenheit für andere Religionen.

Friedenspreis: Der salvadorianische Weihbischof Rosa Chavez hat am Donnerstag im Wiesbadener Landtag den Hessischen Friedenspreis überreicht bekommen.

Kirche:

Brandanschläge: In der Nacht zum Dienstag sind erneut die Kirchen von zwei afro-amerikanischen Gemeinden das Ziel von Brandanschlägen geworden. Auch im Bundesstaat Maryland ging in der Nacht zum Mittwoch eine methodistische Kirche in Flammen auf. Vizepräsident Al Gore erklärte am Mittwoch, es werde jetzt eine "massive Kampagne" zur Aufklärung der Anschläge eingesetzt. Präsident Bill Clinton hat derweil vom Kongress zusätzliche 18 Millionen Mark für mehr Personal bei der Aufdeckung der Anschläge gefordert. In einer Erklärung vom Mittwoch haben die katholischen Bischöfe des Landes erneut ihre Solidarität mit den Betroffenen der Anschläge bekundet.

Bombenanschlag: Der Bombenanschlag von Manchester ist von führenden Kirchenvertretern scharf verurteilt worden. Der Friedensprozeß in Irland darf in keinem Fall davon beeinträchtigt werden.

Scheidungsgesetz: Der Londoner Kardinal Basile Hume hat das neue britische Scheidungsgesetz begrüßt. Die Katholiken hatten die Scheidungsreform zunächst kritisiert.

Protest: Gegen die Wiedereinführung eines vollwertigen Religionsunterrichts in den spanischen Schulen formiert sich Widerstand. Die oppositionellen Sozialdemokraten sprechen von einem Schritt 30 Jahre zurück, die Elternvereinigung will klagen.

Priestertreffen: Das erste internationale Priestertreffen zur Vorbereitung auf das Jahr 2000 ist am Donnerstag im portugiesischen Wallfahrtsort Fatima beendet worden.

Subventionsverbot: Die französische Stadt Reims darf nach einer Gerichtsentscheidung den Papstbesuch im September nicht mit umgerechnet 450.000 Mark subventionieren. Das Verbot hängt mit der engen Trennung von Kirche und Staat zusammen, heißt es in der Urteilsbegründung.

Gesprächsgipfel: Der christlich-islamische Gesprächsgipfel im libanesischen Beirut ist zuende gegangen. Hochrangige Vertreter beider Religionen aus dem Libanon, Jerusalem und Ägypten hatten besonders über den Friedensprozeß in Nahost gesprochen.

Taufgeld: Die Kirchen in Kolumbien, die Geld für das Sakrament der Taufe genommen haben, müssen es an die Allgemeinheit zurückzahlen. Aus Angst vor der Ankunft des Antichristen hatten hunderte besorgter Eltern ihre Kinder schnell taufen lassen. Einige Priester hatten dafür Geld verlangt.

Landlose: Die Kirche Brasiliens hat das Vorgehen der Regierung im Landlosenkonflikt verurteilt. In einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung warnt die Pastoralkommission davor, daß die Regierungstaktiken nur noch mehr Gewalt provozierten.

Vermittlung: Der Erzbischof der Hauptstadt Nicaraguas, Kardinal Miguel Obando y Bravo, soll sich für die Freilassung von 51 entführten Wahlhelfern einsetzen. Darum hat ihn am Mittwoch der Wahlausschuß des Landes gebeten.

Jubiläumsvorbereitung: Die katholischen Bischöfe von Malaysia, Singapur und Brunei haben die gemeinsame Vorbereitung auf das Jahr 2000 beschlossen. Auftakt wird der 1. Advent 1996 sein.

Kirchenpolitischer Besuch: Ein chinesischer Top-Mann für religiöse Angelegenheiten ist am Donnerstag in die britische Kronkolonie Hong Kong gereist. Unter Ausschluß der Medien wird er dort voraussichtlich Vertreter aller Religionsgemeinschaften treffen. Kirchenvertreter betrachten die Übergabe Hong Kongs an China (1997) mit Sorge, da unsicher ist, ob die freie Religionsausübung wirklich garantiert wird. Die Reise des chinesischen Regierungsvertreters dauert zehn Tage.

Vorsitzender: Kardinal Franjo Kuharic ist erneut zum Vorsitzenden der kroatischen Bischofskonferenz gewählt worden.

Internet: Das Rote-Kreuz hat die Namen aller 11.000 verschwundener Bosnier im Internet veröffentlicht. Gleichzeitig wird eine Kampagne zur Wiederauffindung der Vermißten aufgenommen.

Steuern: Die katholische Kirche informiert alle italienischen Steuerzahler über Internet, wie sie den Freibetrag von 8 Promille ihrer Steuererklärung kirchlichen Zwecken zuführen können.

Schuldenerlaß: Die "Initiative 96 Schuldenerlaß" hat in einer am Dienstag zuende gegangen Tagung die Streichung der Schulden für Schwerpunktländer der österreichischen Entwicklungshilfe gefordert.

Bischöflicher Fußballtip: Österreichs Sportbischof, Kurt Krenn, hat am Mittwoch auf Deutschland als Europameister getippt. Kroatien sei für ihn nur ein Außenseitertip, so Krenn.

Menschenrechte:

Jahresbericht: Viele westliche Regierungen unternehmen nichts, um schwere Menschenrechtsverletzungen zu verhindern. Diesen Vorwurf erhebt Amnesty International in seinem jetzt veröffentlichten Jahresbericht. Die Organisation fordert eine Menschenrechtsklausel im Außenwirtschafts- und Kriegswaffenkontrollgesetz. Auch gegen das österreichische Asylrecht erhebt die Amnesty schwere Vorwürfe.

Rückzug: Nach wiederholten Überfällen bewaffneter Rebellengruppen auf ein Flüchtlingslager in Uganda haben zwei private Hilfsorganisationen das Lager verlassen.

In eigener Sache:

Empfang: Radio Vatikan in deutscher Sprache können Sie auf Mittelwelle 1530 (kHz) und auf Kurzwelle 4005, 5880, 7250 und 9645 (kHz) empfangen. Im Sendegebiet Rom außerdem über UKW 93,3 MHz.

Programm: Täglich um 16 Uhr senden wir live die aktuellen Nachrichten aus der Weltkirche. Um 20.20 Uhr können Sie unsere Magazine hören, die um 6.20 Uhr am nächsten Morgen wiederholt werden.

Magazine in dieser und der kommenden Woche (20. bis 27. Juni):

Donnerstag: Kreuzfeuer EXTRA - Kirche wo es kritisch wird. GEPLANTE BEITRÄGE: Deutschland vor dem Papstbesuch. Studiogast: Kurienerzbischof Paul Josef Cordes.

Freitag: Prisma - Facetten aus Politik, Gesellschaft und Religion. GEPLANTE BEITRÄGE: Ankunft von Papst Johannes Paul II. in Paderborn. - Euthanasiekonferenz in Hilversum. - Ende der Tagung der Nicht-Regierungs-Organisationen, ein Bericht.

Samstag: Mit dem Papst in Deutschland, 2. Tag: Paderborn.

Sonntag: Mit dem Papst in Deutschland, 3. Tag Berlin. Seligsprechung von Bernhard Lichtenberg und Karl Leisner.

Montag: Weltkirche - Informationen und Hintergründe von allen Kontinenten. GEPLANTE BEITRÄGE: Nachlesen zum Papstbesuch in Deutschland.

Dienstag: Radioakademie: Corinna Mühlstedt befragt den Medienbischof Peter Henrici zu Kirche und Kommunikation im Wandel der Jahrhunderte (Teil III).

Mittwoch: Römische Woche - Aktuelles aus dem Vatikan, Rom und Italien. (Immer mit den Worten des Papstes an die deutschen Pilger bei der Mittwochsaudienz.) GEPLANTE BEITRÄGE : Evolutionstagung in der Päpstlichen Sternwarte Castelgandolfo. Ein Bericht. - Der Vertreter des Vatikans bei der UNO über die beiden großen Konferenzen von Kairo und Istanbul. Ein Interview. - Kalender: Die Heiligen Johannes und Paulus von Rom.

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